Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 11 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. W f.. Methodenhiefür-verschichen. Die.MethodeLAder , Deutschen ist Ler ^„Zurücktransport". - - ’^urüc&anpjjortd" Zurück, in'Z.tElend,'zurück zur Knechtschaft, izstrück-zuHS^math! hÄnd--! wennschon solche;,Zurücktranspör'tirte" Äach^ einiger Zeit doch wieder Gelegenheit finden Mlltcn, auszuwandcrn und nicht wieder zurücktransportirt- -werden,- sind sie 'dann- -schon erlöst? Erwartet sie nicht im neuen Lande wieder die Volkslcidenschaft, der die "zunehmende jüdische Bevölkerung nicht mehr behagt?. So sehen wir denn für die Mehrheit unseres Volkes eine sstrch-' terliche Perspective von Verfolgung, Flucht, Zurücktreibung, wieder. , Verfolgung, abermals Flucht und'schließlich wiederum Verfolgung und so fort in's Unendliche _ vor, une.; Das. ist.die wahro-Lage d.es jüdischen Volkes und es ist unrichtig,- mitihr die Lage eines - andern-Volks-- stammes oder einer anderen Menschenclasse an Lejaiilmernswürdigkeit zu vergleichen. ,, . Aus. -diesem.. Zustande^ aber . ergeben-. stchj wie uvir-l bereits t heroorhebertft ftr>Juden mnd< Mchtjuden Pflichten! Uns I u d e n obliegt es, nicht länger müßig von den Geschicken uns treiben zu lassen. Die Judeiwerfolgungen in Ruß-' land und Griechenland mit den hiedurch chervorgerusenen.Auswcurderungen, sowie die. Weigerung verschiedener StäateiH die Flüchtfinge aufzunehmen, erinnern uns wieder einmal mit.Macht, an die Nochwendigkeit, für unser Volk ein Ccntrum zu gewinnen, in dem es keine Verfolgung, kein Rückt r ans p ö-r t - gibt, eben weil es die wahre, die mütterlich liebende, Heimat-ist,,.An,chsesemj WeM haben sich, alle Juden zu betheiligen und als die Thätigsten gerade jene, die nnoinentan-in »günstigeren Verhält-- nisten leben, Das Schicksal der Judeu der einzelnen Länder-ist weit'davon entfernt; ein sta- Die heilige Sprache. Vortrag, gehalten am'jüd. - cheol. Seminar zu Breslau bei der Eröffnungsfeier.des hebräischen Vereines i. I, 1875 von Dr. Adolf Fränkl-Grün, derzeit Rabbiner - iniKremsier.*)- - ' -- Mit nichts Besserem,- meine-geehrten College», könnte ich. den hebräischenVerein eröffnen, als mit einem kurzen, geschichtlichen Ueberblick über die Sprache unserer Ahnen, die Sprache des Buches der Bücher, desten weltbedeutender Inhalt auch ihr, der äußersten Hüllch einen erhöhten Wert, die.-Unsterblichkeit erworben hat. Unvergänglich. unvenvüstbar wiedieses lallver-. ehrte, unübertroffene Buch der heiligen. Schrift, hat auch die Spräche, in welcher diese abgefaßt ist/ allen Zeitstürmen getrotzt, ja sogar das Aufhören der politischen Selbstständigkeit des Volkes, das sie geredet, überdauert und mit. stets erneuter, verjüngter Lebenskraft bis auf den heutigen Tag sich erhalten. .An der Hand. ..dieses unvergleichlichen Buches, des einzigen^ erhaltenen schriftlichcn/Denkniales der hebräischen Sprache, läßt sich derew Ursprung auf Eber, den Abkömmling *)Die Anregung zur Gründung deL Vereines gab Dr Frankl-Grun. Zu den Gründern'zählten auch Dr." Gordon, Prof. Bacher und Prof. Kauftnann. Letzterer las über P. Smolensky. Dr. Frankl» Grün übersetzte Herzberg'8 Familienpapiere. " ' "" Die Redact. Selbst - Emancipa 1 ion/ > v biles zu sein, -undm o r g e n t a nn hft l ifjs-^- b^dü rst ti g w e'r d e n' d e r ' h e u t e n o ch-' hi l f s k'r äst i g ' i st. Und. selbst/ wenn - dem: nicht Uso/ -wäredürfen die zwe--i Milliöiren 'deütschsändischer"und österreich-ungarischer Juden mit verschränkten Armen zusehen wie das Elend von fünf Million Stammes- ^enosten \ jj oder! wchhlen \ wir das sbeliebtete.; Äort „Glaubensgenossen" —immer mehr anwächst? Wenn aber unsere westeuropäischen Juden weder von'Stammesnoch von Glaubenssolidä- Ätät'-'mehr^hörem wollen, ist"es' Nicht''ihr e i g e n st e s Iu t e re s s e, den verfolgten Juden eine Zufluchtstätte zu verschaffen, um sie so von sich ferne zu halten und hiedurch Unbequemlichkeiten zu ersparen? ..Ja,. es wäre. Pflicht und Interesse.-zugleich,.'/aber..-leiderwerden die Stimmen - beider bisher - nicht sonderlich -gehört, wiewohl sonst die Juden gegen den Lockruf-des Vortheils wenigstens nicht taub sein - sollen- , .Nicht,weniger als., der. Juden. ist-esiPfiicht. 'uiid/V.ortheil' .der.? N- Üch t. j d e nfür diedurch' den Judenhaß heimatlos gewordenen und immer wieder heimatlos werdenden Juden eine defi- , n,,i k.i p-e... H e i m a/t;,. ein-. d,a u e r n d-e:-8« Ä s y/lzu gründen.- Mit den Ausweisungen und Zurücktransporten hat. man. seine., liebe Viühe '.und. am Ende, kann man . doch nicht. Millionen.- . Menschen als vaterlandslos erklären. Gegen diese Weltmis et e könnten ja.schließlich alle Ausweisungsinaßregeln und dgl. nicht mehr ankämpfen. rJi'm l 'e i tz'e.ni n''Zin t'e r e s-s-e w e r den d'i e V ö l k e r^d ä f u r st-o r g e n m ü s s e n; ,-J.sir. ae,l e ftwe-H.e j.m a t zu g e b e n.- Die edlee gearteten fühlen schon jetzt dieses Interesse - als Pflicht und, ■ - wenn sieauch im Selbsterhaltungstrieb ..die fremden Einwanderer von ihren Grenzen. fernehalten, so empstnden sie hiebei zu- Sem's, oder Abraham, den Jbri, zurückführen, welcher, mit der hebräischen Sprache auch diesen Namen aus seine Nachkommen vererbt hat. Ihre Kindheit, den Anfang'ihrer Entwicklung zeigt die Genealogie der ersten Menschendie Darstellung des- Lebens der Patriarchen in kurzen, einfachen Sätzen, die Erzäh.lungsweise der Genesis, welche sich selten zur schwungvollen Rede erhebt und häufig ‘ beim Suchen des richtigen, passenden Ausdruckes' nach Kindesart in Wiederholungen des einen und desselben Gedanken sich ergeht. . Die-überströmende Kraftfülle der Jugen ,, einen Fortschritt in ihrem Ausbaue, kennzeichnet die Herrliche, Schilderung der Ereignisse in Aegypten, des Lebens Mosks und desten Ansprache an Pharao (Exod: 5/16st Mt der von den Stammvätern ererbten Zuversicht auf die Erlösung aus der Knechtschaft --undauf. den dereinstigen Besitz des Landes Kanaan wurde auch die, dort heimische hebräische Sprache bewahrt und , ihre. Kenntnis auf die Kinder fortgepflanzt. Bereichert an Wortbildungen und erweitert durch neue Begriffe für sinnliche und übersinnliche Gegenstände, erscheint sie uns - in der Geschichtedes Auszuges, im Siegesliede, in der Offenbarung und-den Verordnungen über die Verfertigung des Heiligthums. Moses kleidet die Gesetze und Rechte in eine diesen angemessene, präcise, deutliche Fassung; der SM seiner belehrenden Rede und die logisch syntaktische Aufeinanderfolge der zusammengehörenden Satzglieder. bekunden einen .hohen Grgd der Äusbildung der. hebräischen Sprache, welcher es an keinem Worte fehlt,' um auch seelische Em- 0 ■ j. ^'41,? gleich das - Bedürfnis, diese harte > Nothwendigkei durch Hilfspläne/zu sühnen. Wir spreche» , von der angelsächsischen Rasse.. Aber auch die anderen " Völker werden diesem Stufe der Pflicht nicht lauge widerstehen' können, - sie werden jedoch um so schneller diese Pflicht erfüllen, je stärker und lauter das Verlangen der Juden nach endgiltiger ütettung wird. Wir'glauben'-nicht/- daß Europas Staaten nnd Völker lange rcfusiren könnten, wenn alle Juden , ohne Unterschied des Geburtslandes ihnen zurusen würden:. „Ihr seid ohn- : mächtig, uns Allen einen sichern heitnatsgleichcii Aufenthalt bei Euch zugewähren;- cs ist daher Eure verdammte Pflicht und Schuldigkeit, uns bei der Gewinnung einer eigenen Heimat beizu- . stehen." Es..müßte, dann mit eigenen Dingen zugehcn, wenn sich nicht ein alle Th:eil-eücf r i e d i g e n d e r Modus finden - ließe, den Wunsch des jüdischen Voltes zu erfüllen und hiemit eine ebenso brennende als ividcrivärtigc Frage aus dem öffentlichen Leben zu' beseitigen. Unser..Schicksal liegt-also.in unserer Hand. U. Unser Polarstern. .Die Schiffer früherer Zeiten, die den Comi Päß noch nichtkannten, orientirten sich nach einem Gestirne .des-Firmamentes, dem -leuchtenden, unabänderlich feststehenden .Polarstern.-Moch- .ten-wildeste-Stürme auch ihr Fahrzeug umbrausen, mochten, sie ihr Schifflein in die unbekanntesten und ' gefährlichsten Gcivässer geschleudert haben, die Hoffnung auf Stettung und Heimkehr leuchiete ihnen solange, , als ihnen am Himmel des Polarsterns leuchtendes Gestirn den Weg der - Heimat bezeichnete;' ihnen 'die Skichtung wies'/^in der sie wieder in - den>'sicheren Port der Heimat--eiNlaufen konnten. Aber kein Auge wandten - sie ' links, kein pfindtlngen, nnd .abstrakte Begriffe 'zum Ausdrucke zu bringen- 'Weniger-günstig i^fürUhre' Cmtwicklung war die Periode., der Skichter,. die Zeit der herrschenden Zerrüttung und Zerfahrenheit, der fortwährenden Kämpfe. Dürftig und armselig wie die Thaten der unter sich zersplitterten'' Stämiiie sind! die sprachlichen auf einige Rätselsprüchc sich beschränkenden Fortschritte. . Nur, der Sieg, über die Kanaaniter eiferte, die außergewöhnlich begabte Dichterin Deborah zu einem herrlichen Liede an. Sonst mangelt es'dem jungen Geschlechte an Begeisterung für die Pflege seines /heiligen Nätionalgutcs. Erst unter Samuel, der einen Jüngerkreis um sich sammelte und die. Prophctenschule zur Verbreitung des selten gewordenen Gottcswortes gründete, wurde die Redekunst und die hebräische Poesie' geübt, deren Einfluß in der kernigen, gewählten Sprache, den kräftigen Ausdrücken in. den an Saul und das Volk'gerichteten Ermahnungen sich, merkbar-, erkennen läßt-, (I. Sam. 10, 18. 15, 22. 23.) .... .. /' Doch in's Mannesalter tritt die hebräische Sprache erst unter den Königen David, Salo mon und Hiskia. (1058—693.) Da war sie die Sprache des Fühlens in - Freuden; -und, des Empfindens im Leiden. Ans ihrem heimatlichen Boden bildete sie selbstständig, ihr Grundwcscn und ihren Chäräcte'r aus, entfaltete sie ihren schönstenSchmuck, ihren 'der Natur und dem' Leben'' entnoinrncneil Bilderreichthum, aus ivelchein Spruchdichter und Redner treffende, -herzgewinnmde .Gleichnisse hervorbrachten. Der . Friede und Wohlstand förderte ihre ruhige, gedeihliche Entwicklung, , die Frucht-