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Selbst-Emancipation · 1891-06-01 · Heft 11 (1.6.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 11 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen) Für Desterreich,Ungarn ganzjährig fl. 4 „ Deutschland „ Ulk. 8 „ Rußland „ Rbl. 4 „ die übrigen Länder „ jrcs (0 „ Amerika „ voll. . 2 halb- und vierteljährig« Abonnem-nt zu den Einzelne Eremxlare (I Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Dr. Siegmnnd Elka«. Chefredacteur: Dr. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Redaktion u. Administration: Wien. 2/3 Schrrigaffe Nr. 6. Sprechstunde: Täglich von (—2 Uhr Nachmittag». Wien, 1. Juni 1881. IV. Jahrgang. Inhalt: Aufruf.—„Zurücktransportirt."—Unser Polarstern.—Zur Aufklärung.—Erklärung.—Erklärung.—ZurDiscnssion.—ZurColomsationPalästinaS.—DieAnsiedlungSpläne des Baron Hirsch. — Die Judcnhetzcn in Griechenland und die Ethrogim. — Original-Correspondenzen: Wien. Tarnow. Lemberg. Berlin. New-Iork.— Chronik. — Eingcsendet. — Corr. der Redaction. — Corresp. der Administration. — Sprechsaal. Gesinnungsgenossen! Verbreitet die Selbst-Emancipation! Gedenket Eurer verfolgten Brüder, die gezwungen sind, neue Wohnstätten aufzusuchen! Das geeignetste Ansiedlungsgebiet für dieselben ist Palästina, wo die vor einem Jahrzehnt gegründeten jüdischen Lolonien in ungeahnter weise blühen und gedeihen. Es gilt daher, den Auswanderern die Niederlassung im heiligen Lande zu ermöglichen. Diesen Zweck verfolgen in Oesterreich die vereine: „Admath Jeschurun", Wien, 9. Bezirk, Alüllnergasse j.3 „Admath Israel", Htrfj, Galizien. . Stainmes- und Glaubensgenossen! Tretet diesen vereinen unverweilt bei oder gründet vereine mit derselben Tendenz in den verschiedenen (Ortschaften! Helfet, helfet rasch! MT Die nächste Nummer erscheint am IS. Juni 1881. H „Zurücktransportirt." Die „russischen Flüchtlinge" werden auf dem Wege nach den Nordseehäfen von deutscher Polizei und deutschem Militär zurückgehalten und gewaltsam nach der russischen Grenze zurücktransportirt. Diese Flüchtlinge sind zumeist Juden, unsere Zeitungen aber heben mit einer gewissen Absichtlichkeit hervor, daß auch russische Katholiken sich darunter befinden. Wir wollen nun letzteren Umstand gar nicht bestreiten, halten aber dessen journalistische Ausnützung, wie sie sich in den erwähnten, von Juden geleiteten Blättern, findet, für durchaus ungerechtfertigt und geradezu schädlich. Das Manöver, durch solche publicistische Verallgemeinerungen die europäischen Völker in der Judenfrage zur Milde zu stimmen, ist schon oft genug versucht worden, und niemals mit Erfolg. Es hat bisher nichts genützt, daß die Zeitungen den Antisenlitismus mit dem Anarchismus in einen Topf werfen, oder daß sie von der „Entrüstung der ganzen civilisirten Welt" über die Judenhetze sprechen, während doch in Wirklichkeit nur wir Juden selbst und höchstens eine ganz kleine Schaar toleranter Nichtjuden mit uns darüber entrüstet sind. Jetzt werden nun ebensowenig die schönen Worte von den „verfolgten Katholiken" Rußlands nützen, und gewiß noch weniger die dumpfen Klagen über den „religiösen Fanatismus und die nationale Barbarei", welche die Russen und — Chinesen (wegen der dortigen Europäermassacres) ergriffen hätten. Alle diese übrigens gutgemeinten Diplomatenstücke sind vielmehr geradezu schädlich, und zwar deshalb, weil sie sowohl uns Juden als die Nichtjuden über die wahre Lage des jüdischen Volkes irreführen. Was machen die paar Katholiken aus, die ebenfalls Rußland zu verlassen gezwungen find? Um wievielmal mehr katholische Christen als Juden gibt es doch in Rußland, um wie vielmal mehr Juden aber als katholische Christen sind zum Auswandern gezwungen! Sind gegen die katholischen Christen so unerbittliche Ausnahmsgesetze in Geltung, als gegen die Juden? Haben sie etwa auch einen „Ansiedlungsrapon"? Soviel wir wissen, nicht. Nie wird der Christ und Arier den Christen und Arier, und sei die gegenseitige Feindschaft noch so groß, die Staatsraison noch so streng, in dem Maße mitleidslos behandeln, als er den Juden behandeln kann und behandelt, wenn ihm hiezu die Laune — bei europäischen Völkern heißt sie „Zeitgeist" — ankommt. Darauf sollten die Juden und die Nichtjuden aufmerksam gemacht werden, die ersteren, um sie zu gründlichem Rettungswerke zu ermahnen, die letzteren, um ihnen vorzuführen, daß sie, was sie auf der einen Seite sündigen, auf der anderen gutzumachen verpflichtet sind. Die erwähnten Journalberichte sind lakonisch' Sie sprechen von einer Anzahl „russischer Flüchtlinge", welche an die russische Grenze „zurücktransportirt" werden. Das klingt zwar schon an sich nicht erbaulich, aber wird, erst durch seinen düstern völkergeschichtlichen'Hintergrund in noch dunklere Schatten getaucht. Man denke: Es gibt ein Volk, dessen Söhne durch eine geschichtliche Katastrophe in alle Länder zerstreut wurden. Aber weil eine gewisse innere Naturkrast — manche nennen so etwas Nationalgesühl — sie gegenseitig anzieht und dem zerstreuenden Principe, so gut es geht, entgegenwirkt, bilden sich in den verschiedenen Gegenden der Erde größere Gruppen des unglücklichen Stammes. Sobald dies jedoch geschieht — und es geschieht, wie gesagt, in Folge eines Naturgesetzes immer — werden die Volksleidenschaften den fremdartigen Volkssplitter gewahr, zugleich aber auch sich ihrer zehn- und hundertfach überwiegenden Mehrheit bewußt, und die — Judenverfolgung beginnt. Hat diese aber einmal begonnen, so geht sie unaufhaltsam fort und wird so intensiv, daß sie zur directen oder indirrcten Judenaustreibung sich gestaltet. Nun aber zeigt sich erst das ganze Elend des gehetzten Volkes. In den anderen Staaten steht man den ungerufenen Gästen gar nicht sehnsüchtig entgegen — man hat schon an den „einheimischen" Juden genug — und trachtet den Einwandererstrom zu hemmen. Nach Naturell und Gemüthsart der Völker sind die

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