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Selbst-Emancipation · 1891-05-18 · Heft 10 (18.5.1891) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 10 (18.5.1891)
Date
1891-05-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Selbst-Emancipation. Seite 5. Nr. 10. lungsrayon" wenden, wo sie sich aber auch nur in den Städten niederlasscn dürfen. Die' ohnehin entsetzliche Uebervölkerüng derselben wird hiedurch noch größer, d. h. noch verhängnißooller, Es ist daher nicht zu verwundern, wenn die Auswanderung ungeheure Dimensionen annimmt, und es ist noch ein Glück im Unglück zu' nennen, daß hierin die Regierung den Juden nicht hinderlich in den Weg tritt. Sie begünstigt vielmehr die Auswanderung, wie ein letzthin dein hiesigen Generalgouverneur zugegangener A l l e r h ö ch st. Befehl beweist. Derselbe hebt' für die aus den Weichsel - Gouver.nements Ausw a n d e r n d en die bisherige Emigrat i o n s st e u e r von 100 R u b e l per P e rs o n aus tind ermächtigt den Gouverneur nach Belieben Einigratio n s p ä s s e a u sz u st e l l e n. Bulgarien. Sofia, den 7. Mai 1891. Am 11. d. M. wird die Demolirung des vorletzten jüdischen Tempels, des sogenannten Kahal Gregos und den letzten alten Midrasch der Chewra Kadischah in Angriff genommen, nachdem viele Midraschim und zwei sehr alte Synagogen, wie die Kahal Romania, Kahal Schalom re. ein Jahr zuvor dem gleichen Schicksale verfielen. Diesem Vorgang liegt — Dank der Regierung Stambulow's und seinem energischen und patriotischen Alterego, dem Bürgermeister von Sofia, Herrn Pettow, erfreuen sich unsere Brüder einer unparteiischen Behandlung — kein judenseindlicher Gedanke zu Grunde; auch christliche und mohammedanische Bethäuser wurden von demselben Schicksale betroffen. Sofia glich, als es Hauptstadt des selbstständigen Bulggrien ivurde, einem weithin sich dehnenden Dorfe mit unzähligen Lehmhütten und labyrinthartigen Gäßchen, welches obendrein Sammelpunkt und Fundgrube uralten Schmutzes war. Aus diesem Schaluppengewirre ragten die schlanken Minareths sehr alter im römischen Style erbauter Moscheen und die Thürme einiger griechischer Kirchen hervor. Hie und da befänden sich auch noch Reste von Festungen, welche, wie es hieß, noch aus der griechischen und römischen Zeit stammten. So war Sofia natürlich nicht geeignet, eine europäische Residenz abzugeben. Um einen würdigen Fürstensitz zu begründen, mußte die ganze türkische Stadt wcggeräumt und moderne Baulichkeiten an deren Stelle aufgeführt werden. Rasch wurde alles exproprirt und man zahlte baares Geld für alten, längst morschen Bretterbuden. Auch die Synagogen waren das Opfer dieser Culturarbeit. (Nur eine Synagoge bleibt bestehen, die der Aschkenasiin, welche wahrscheinlich etwas modernisirt werden dürfte.) Der Gemeinderath, resp. der Bürgern,elfter Petkow, verfuhr dabei in höchst zuvorkommender Weise, indem er das gesammte Material der demnächst zu demolirenden Synagoge zum Aufbau einer neuen Synagoge in Utschbrunar offeriere, und im neuen Stadtheile eine große Parcelle zum Aufbaue einer- Synagoge und einer Volksschule schenkte. Leider vermissen wir hier einen tüchtige, jüdischen Architekten, der bei der großen Bauthätigkeit sehr viel zu thun hätte. Vielleicht werden diese Zeilen einen tüchtigen jüdischen Fachmann, mit Documenten und Praxis versehen, bewegen, hier sein Glück zu versuchen. Ungünstiger als der Zustand unserer spagnolischen Brüder ist der der jetzt eingewanderten sogenannten deutschen Juden, die man nicht unter eine würdige Leitung bringen kann. Hier gibt es noch wenige Fortschrittsmänner mit Bildung, dafür Ausschrittsmänner ohne jede Bildung. Die Magenfrage steht über allen Gesetzen des Zulässigen. Das Gotteshaus ist im desolatesten Zustande. Die Heranwachsende Generation bleibt ganz ohne jüdischen Unterricht und erfährt nur hin. und wieder vom christlichen Geistlichen, daß ein jüdischer Feiertag im Anzuge ist. Man würde aber fehlgehen, wenn inan glauben wollte, daß die Noth alles das verschuldet. Hier bedarf es der Einwanderung edlerer und jüdischerer Elemente aller Branchen.— Mitten in dieser schmachvollen Situation begrüßen wir mit Freuden die „Selbst-Emancipation", welche jedesmal bei ihrem Erscheinen sowohl für sich als für ihre Ideen immer weitere Kreise gewinnt. So wollen wir denn hoffen, daß-wir noch bessere Tage sehen-werden. Der zionistische Gedanke allein wird die Fackel sein, die uns auf den rechten Pfad der nationalen Wohlfahrt leuchten wird. Das haben auch schon viele hiesige Stammesgenoffen erkanitt; als Beweis hiefür gelte die Mittheilung, daß eine von Herrn Dr. Rüben Vierer verfaßte Adresse an Lord Aberdeen nach erfolgter kalligrafischer Abschrift als vom Vereine „Tikwath Israel" ausgehend, demnächst abgesendet werden wird. Benzion. Türkei. (Palästina.) Jerusalem, 26. April 1891. In der Colonie Rosch Pinah baut man ein größeres Haus für den zweiten Verwalter des Ortes und eine Herberge. Unlängst wurde ein 80 Hektar umfassender Weingarten angelegt, welcher 20.000 Reben enthält. Ebenso wurden Oelbäume u. s. w. gepflanzt. Gegenwärtig wird hinter den Häusern der Colonie ein großer Lustgarten im europäischen Sinne angelegt. - Die Ansiedler der Colonie Jessud Hamaaleh versorgte der Baron Rothschild mit Häusern; im kommenden Sommer wird er ihnen ein Badehaus und ein großes Haus für die Arbeiter errichten lassen und wird für eine Apotheke und Apotheker, für Lehrer, Schächter u. s. w. sorgen. Abgesehen aber davon beziehen die Colonisten von Jessud Hamaaleh keine Unterstützung ,md leben von dem Ertrage ihres Bodens und dem Lohne für die in dem großen durch den Baron errichteten Garten geleisteten Arbeiten. Der Baron hat in den letzten Tagen« zwei große Strecken Landes gekauft. Die eine, bei Rosch Pinah, umfaßt 4000 Dunam,- die andere bei Jessud Hamaaleh 1000 Dunam. Herr Schub in Rosch Pinah hat eine Gesellschaft unter dem Namen „ha-G'lilim" („Die Galiläer") gegründet. Mitglieder sind Arbeiter aus den Colonien, Einwohner von Sasfed und einige 'Ausländer. Jedes Mitglied zahlt durch eine Reihe von Jahren 5 Francs monatlich und erhält dadurch die Anwartschaft auf zehn oder mehr Dunam mit Wein oder Fruchtbäumen bepflanzten Bodens. Bekanntlich nimmt die Zahl von Vereinen dieser- Art, 'namentlich auch in Hinsicht von Häuserbau in der Stadt hierzulande bedeutend zu. : Vor zwei Jahren machte schon Manafse Meirowitz in der Colonie Rischon'le'Zion die ersten Versuche mit Seidenzucht. - Dieselben glückten und der Baron ließ in allen unter seinem Protectorate stehenden Colonien die'Bäume zur Nahrung für die Seidenwürmer pflanzen. Im verflossenen Jahre wurde nun ein wenig Seide aus Nischön le'Zion nach Paris geschickt' und erwies sich dieselbe als ausgezeichnet. Demgemäß gab heuer der Baron den Auftrag, die Seidengcwinnung den Colonistenkindern zu lehren, und wurde Herr"Meirowitz mit diesem Unterrichte und der Leitung der Seidenzucht betraut. Von dem genialen Gedanken des Herrn Meirowitz ist viel Segen für das heilige Land zu erwarten. ■ i i': t , ■;;■■ i; Amithi. *) Jaffa, 28. ÄpriNSSl. Peßach! Welch' große Wichtigkeitmißt man doch diesem Feste bei uns in Palästina, bei! Und-in der That,, wo kann man dasselbe besser fühlen als hier? Ich habe schon Jerusalem und Jaffa während unseres Peßachsestes gesehen, und so führte ich diesmal meinen alten Wunsch aus, dieses Fest theilweise in den jüdischen Colonien zu verbringen. Ich will mich nicht lange bei diesem Gegenstände aufhalten, umso weniger als ich eine detaillirte Beschreibung der Colonien für Ihr Blatt vorbereite, aber ich ivill Ihnen mir sagen, dass ich es nicht bedauerte, die Colonie Uti) d)nn le'Zion (dort brachte ich einige Tage des Festes zu), Jerusalem und Jaffa vorgezogen zu haben. Glauben Sie nichts daß man in den Colonien das Fest verbringt,' wie" bei Ihnen in Europa. Ganz und gar nicht! Es fehlt bei uns an Allem dem, was man bei Ihnen „le clna" nennt. Man trägt, . sich' sehr bescheiden;: ohne sich zwei oder drei Wochen früher um die Toilette zu kümmern. Aber trotz dieser erstaunlichen Einfachheit, ist Alles in eine solche Ruhe gehüllt, und man fühlt sich so glücklich, daß alle Vergnügungen Europas nicht einen einzigen ans solche Weise in einer kleinen israelitischen Colonie verlebten Abend ersetzen können.. Während, meines Aufenthaltes in Rischon le'Zion. hatte ich Gelegenheit, etwas wahrzunehmcn, wovon ich bis dahin nichts gewußt hatte.'Ich traf nämliche zu meiner lieber-. raschung auf. eine recht große Anzahl von Leuten von einer ziemlich und oft sogar sehr hohen Bildung, welche nichtsdestoiveniger in dev Ausübung ihrer Pflichten hinter keinem andern Colonisten von Rischon zurückstdhem Ich halte es für eine Pflicht und glaube, daß es mir die Bescheidenheit nicht verbietet, die hochverehrte Gemahlin des Colonisten P a p i r m e i ste r besonders hervorzuheben. Die junge Frau frappirt jedermann durch ihre hohe Bildung und gleichzeitig durch die geivissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten als Colonistenfrau. — Ich werde Ihnen' nächstens über dasrussische Schiff schreiben, welches diesen- Dienstag ankommen, und wie ich Ihnen bereits mitthciltc, so viele israelitische Einwanderer aus Rußland bringen soll, ___ Grügoire Aptecman. *) Aus dem Französischen übersetzt. -Nordamerika. New-Sjork, den 22. April 1891. Rabbiner Dr. Fe ls en ttza l in Chicago zeigt, daß man in religiöser Beziehung einer reformirenden Richtung angehören und doch Anhänger der Colonisation Palästinas sein kann. Er' hat die bekannte Petition des Herrn Blakestone an den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit unterfertigt und hat jetzt die amerikanischen Ultrareformern, die ganze antipalästinische Meute auf dem Halse. Unlängst hat der „Reform Advocat" eine reformistische, durch und durch assimilatorische Zeitung Herrn Dr. Felsenthäl heftig angegriffen, dieser aber hat sich in einer Zuschrift an das Blatt tapfer gewehrt und die Idee der Colonisation verherrlicht. In Amerika wächst der Palästina-Gedanke; daran wird der Lärm der Ultrareformer mit einem' gewissen S ch i n d l e r an

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