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Selbst-Emancipation · 1891-05-18 · Heft 10 (18.5.1891) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 10 (18.5.1891)
Date
1891-05-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Selbst-Emancipati om. . Nr. 10. ges selbstständig tzdcnkende Menschen, von unabhängiger 'LZeürthellung des Unternchmens sselbst abhallen und? daher erlaube MamZuns einige- Wor^. 4- ' £ : - Gleichzeitig mit dem Baron Hirsch-Pvöjccte tauchte Ine Meldung auf. daß der Präsident der Vereinigieü Staaten. * ff rt ison die ewro-' päischen Mächte zur Einberufung eines internationalen Congresses zur Besprechung der Judeufrage und zur Erörterung der Ansprüche der Juden, auf >P ,a l L st i n a"zu'be-' wegen beabsichtige. Wir haben schon einmal gesagt, daß wir vorderhand von dieser Congreßidee nicht viel erwarten^ 'aber daß wir in ihr-ein Erfreuliches Symptom erblicken. Ist ja.die-Petition. von «Ehicacjü ämd'^ der signalisirte, diplomatische Schritt des -Präsidenten Harrisvnnichts anderes als ein Zeichen der Ausbreitung des Zionsge- ^müens, -uls-ein ^TriumphZeiner^ Ueberzeugungskrast.^Wenn wjr^nun die.besprochenen amerika-i mischen^^^'chöhniffe: imk Zusammenhalt nnt denr: Anwachsen der Palästina-Colonisaüonsbewegung in England und im Osten Europas dein. Hirsöh-, Projttte gegenüberstellen, so srappirt yns geradezu, der gewaltige'' Unterschied, ° welcher zwischen dm beiden Hilfsplänen besteht. H i e r m a n g e l t die Idee, dort waltet sie/ Oder richtiger, würde ein Anhänger der Hirsch'schen Rettungsactionen sagen, hier wird Realpolitik getriebenstiort werden ideale Theoreme äusgiheckt. .. - R« a l p,d lststskl ,Du-;viel,gebrauchtes und. noch jMehrr msßhM'chtes Wort Wenn jemand seine Wohnung' recht schön aüsstafsirt, um es sich,für. dep-Ätoipentib/guem ,zu--usachen,: aber die Riste in den Grundmauern nicht beachtet,- weil, sie «sst später. einiyal —, und was geht dps ihn heütx un^, —^t>edenllich werden, hönnen,; ist . . dgs wqhl. - hauswirthschastliche . .„Realpolitik"? Fällt Km hald Darauf.das^Haus- .über zden Kopf zusammen, — so kann , das wohl einen echten „Realpolittker" nicht geniren. Das ist dann halt ein „realpolitischer Krach". Ebenso ist es mit der Judenfrage: So und so viele hunderttausende russische Auhen.. müssez, .irgendwo , untergebracht ,u>erden. Das kann nun,wpnn es.nur für den Moment bMemer'ist, die Bequemlichkeit liegt aber bloß in.der lieben. Voreingenommenheit — ganz gut in einem Lande geschehen, welches, den jüdischen. Bauer wieder so rasch von sich geben würde, als es ihn ausgenommen hat. Ob.dann die Wanderung vom Frischen beginnt, was geht, das einen „praktischen Realpöliüker" an? Freilich will es ’ uns bÄünken, daß solche sogenannte „Reaftiölitik" nichts" anderes ist, als eine ganzunreelle Politik, öder ein ganz unpolitischer Realismus, denn die wahre Realpolitik sorgt nicht Vlv8" str die Gegenwart, sondern sie nützt diö ' jeweilige Gegenwart in' - realer 'Weise für ' die Zukunft aus; das macht einen gewaltigen Unterschied. 'Die größten Ideale könneu real politisch verfolgt werden. B ewegungen aber ohne " zu Gr unde, liege nie ""I d e en si n d n l'ch t leben 's-: fähig ge b orene Kind er, welchen selbst mit Realpolitik 'die rasch sterbende Dämmerseele sticht zürü'ckgehälten 'werden 7änn. / " ‘ 5 . Wo' liegt aber die I d e e in dem Argentinienu. dgl. Projecten? Sind sic nicht bloß ein täppisches zielunbewüßtes Ümherstolpern? Die ^russischen Juden müssen auswandern! .Da steht ein Land leer oder halblecr, darum hereinspaziert! Gibt es keine andere Momente zu be- . rücksichtigen als die sedem. Taglöhner, einleuchtenden wvn^ Klima, Fruchtbarkeit u. st w.? 'Oh, , gewiß, und der Zionismus berücksichtigt sie auch! .Hört, ihr das Aechzen der unter militärischer .Escorteabgeschobeuen Juden von.Moskau, Petersburg, Kiew? Hört Ihr das Wehklagen der hungernden Frauen und Kinder von Corfu? Glaubt Ihr, das sei nur so eine vereinzelte Erscheinung in der Geschichte, so eine Art Laune derselben? Ihr irrt, wenn Ihr es glaubt! Es ist nichts anderes als' das Wehgeschrei eines Schmerzes, der Jahrtausende lange schon in unserem Fleische wühlt und heute da, morgen dort mit erneuerter Heftigkeit' aufrritt. Die jüdischen Thränen von Bkoskau und Corfu sind nur Nachfolger-der jüdischen Thränen von Nom und Sevilla, von Worms und Damaskus, von Tisza-Eszlar und. Marokko, i D ie »Er k enntni st u b e r, da st d i c,s es Ia hrtaufen d e alte Wehe nur mit dem Golus selbst fallen . kam n, ist jd.ie.Jee d e s Z i on i s m u s. Das .Golus selbst jedochkann nur dann sein Ende finden, wenn die jüdische Bevölkerung der .arischen. Länder um ein - Bedeutendes verringert . wird,, und der .auswandernde Theil, und mit ihm d a s ge st mm m t e I u'.d e n t h u m eine Heimat -ge w i n. n st Das zu wählende Land muß die Bürgschaft gewähren, daß die Ansiedler, daselbst; zu einem sittlich ernsten, nach den . Auswachsen -der' europäischen Civilisation -nicht Gelüste tragenden Geschlechte werden. Dieses Land kann nur .Palästina sein,— vermöge - seiner -unfehlbar versittlichend wirkenden geschichtlichen . Einnxrungen und vermöge des. vorläufigen Abganges specülativer Lockungen. . Wie jede guteJdee, kann auch der Zionis- (uzus -vom vornherein gut.verwerthet werden. Es "steht nichts, im Wege,..den .Auswandererstrom zum großen Theile nach Palästina zu lenken; geschieht dies, dann ist der momentane Hilfszweck erfüllt, und auch für. die Zukunft Israels gesorgt. (Man kann dann die andere Hälfte der Emigranten schon. ruhig, nach Argentinien schicken, wenn. anders dieses Land überhaupt zur Ansiedlung paßt) D er. B o d e n P a l ä sti.n.a s - h a t.s i ch als fruchtbar erwiesen, die angele g t e n Co l o n i e n ged e.i h e n u n d l o ck t i h r b l ü h tni er Zu st a nd tä gl ich n e u.e j üd i s ch e Au s wände rer d, a h i n. Nur. Baron Hirsch verschließt Herz und Tasche dem einzig, wirklichen Rettungswerk; er könnte, der ohnehin fortschreitenden Bewegung einen mächtigen Ruck nach vorwärts geben. Aber' er bilde sich auch nicht ein, daß er mehr thun könne, wie er auch anderseits durch seine Abstinenz den Siegeslauf der Zionsidee nur verlangsamen kann. Mit Geld allein, und seien es noch so viele Millionen, bringt man in der Bölkergeschichte keine Veränderung, hervor, am.allerwenigsten aber gilt der Wille des Einzelnen als Directive für die Ausgestaltung von Angelegenheiten des Gemeinwohles. Die Jdeen sind es, die vielverlästerten --Ideen, welche die Völker treiben, welche selbstdie Millionen regieren; und Ideen, s i n d es, V o l ks i d e c ii, nicht In dü v i d u a l w i l l kür, welche die Geschichte mach t u. Die Lolksidec des Zionismus wird im Volke die Capitalien zu finden wissen, welche Baron Hirsch der Erlösung Israels nicht widmen will. Die Volksidee des Zionismus wird nöthigenfalls auch ohne Baron Hirsch das jüdische Volk vom „Brod des Elends", d. i. vom Brode des Exils, erretten. II. Line der wichtigsten Fragen der Kolonisation Walästina'6.*) Im Begriffe, in ineincm Artikel -eine der wichtigsten Fragen der Colonisatiön, welche spcciell die -c'.inp filx d lich ste Seite derselben betrifft, zu berühren, möchte ich zuerst mit -den geehrten Lesern' mich aüsein'andersehen. Ich will nichts weniger als meine Meinung jemandem uufdrängen. Wenn ich cs aber wage, meine Überzeugung öffentlich auszusprechen, so geschieht dies, weil ich von ihrer Nichtigkeit überzeugt bin, und dann, weil sie bei uns in'Jaffa, bei vielen competenteren Leuten als ich, Zustiininung gefunden hat. Alles, was ich hier sagen will — ich wiederhole es nochmals — geht nur von mir aus, obwohl viele Leute meine Ideen theilcn. Und jetzt gehe ich daran, cs kühn -anszusprechen: Die Frage, welche mir eine der wichtigsten für Gegenwart und Zukunft unserer Colonisation in Palästina zu sein scheint, ist: Erreichen die armen Israeliten ihr Ziel, wenn sie sich.'nach Palästina wenden? Alle Palästinafreunde stimmen darin überein, daß der einzige Ausweg aus der schrecklichen Lage, in welche die Israeliten, dank den edlen Menschenfteunden, wie Stöcker, Drumont u. s, w. gerathen sind, nur in der Hingabe an den Ackerbau gelegen ist. Dieses Moment beherrscht jetzt in erster Linie die Gemüther in Palästina; und thatsächlich wird ein jeder, so unbedeutend er auch sei, in Hinsicht darauf unmittelbar Anhänger dieses Princips. ' Das geht ganz einfach zu. Was . kann ein ganz , neu angekommener Jsraelitc anderes beginnen, als die Beschäftigung mit der Landwirthschaft? Etwa- Kaufmann werden?- Das erfordert von vornherein viel Ausgaben, und dann, kann man, weder Sprache noch Sitte des Landes kennend, mit den Arabern und überhaupt mit einer anderen Bevölkerung des Landes nicht concurriren. Ohne Zweifel werden , die Besitzer großer Capitalien immer Gelegenheit finden, diese Cäpitalien zu placiren, aber ich spreche n u r von den arme n Israeliten, welche die Hälfte der israelitischen Bevölkerung in Rußland äusmächen. Und darum liegt das einzige Ziel, die einzige Hoffnung der Israeliten in Rußland in der Beschäftigung mit dem Ackerbau. Aber gerade hier treffen wir auf einen Stein des Anstoßes. In Folge der großen Anzahl israelitischer Einwanderer stieg der Bodenpreis in Palästina jäh von 9 und 10 auf 12, 15 und sogar 20 *) Aus dem Französischen übersetzt.

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