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Selbst-Emancipation · 1891-05-18 · Heft 10 (18.5.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 10 (18.5.1891)
Date
1891-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Chefredakteur: Dr. Siegmund Elkan. Dr. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Nr. 10. __ Wien, 18. Mai 1881. IV. Jahrgang. I,»hall: Aufruf. — „Das Brod des Elends." — Eine der wichtigsten Fragen der Colonisation Palästinas. — Original-Correspondenzen: Wien. Rzeszow. Berlin. Berlin. Magdeburg. Warschau. Odessa. Jerusalem. Jaffa. New-Aork. — Chronik. — Eingesendet. — Belletristisches: David Alroy. — Corr. der _Redaction. — Corresp. der Administration._'_'_;_ . Gesinnungsgenossen! Verbreitet die S>elbstEmancipation! Stammes- und Glaubensgenoffen.1 Jeder Tag bringt uns neue Schreckenskunden aus dem Osten Europas. Unsägliches Leid ist über unsere Brüder in Rußland hereingebrochen. von der Heimatsscholle vertrieben, von Stadt zu Stadt gejagt, sind hunderttausende )uden in der bittersten Verzweiflung. Des Elends und des Hungers ist kein Ende. Darum helfet, helfet ra.sch! Durch Auswanderung und Ansiedlung auf geeignetem Boden soll, so gut und schnell es geht,' für unsere unglücklichen Brüder gesorgt werden. Sie sollen nach überseeischen Ländern oder nach dem heiligen Lande emigriren. Gerade das heilige Land aber bietet die besten Aussichten. Die dort vor einem Jahrzehnt anläßlich der damaligen Iudenhetzen gegründeten jüdischen Bäuerncolonien b lühen iw nie geahnter weise und zeigen, daß Palästina heute noch das Land ist, „wo Milch und Honig fließt". Palästina ist auch das Land, wo die russischen Juden am liebsten angesiedelt sein wollen, wohin sie eine unüberwindliche Sehnsucht zieht, und das sie daher mit desto größerer Lust bearbeiten werden. Bis jetzt bestehen in Oesterreich folgende Vereine zur Unterstützung der Lolonisationpalästinas: „Admath )eschurun", Wien, 9. Bez., Ulüllnergaffe \3, „Admath )srael", Stryj, Galizien. Brüder, tretet diesen Vereinen bei oder gründet Zweigvereine in den verschiedenen Städten! Durch eine allgemeine Betheiligung können große Summen zusammengebracht werden. Darum betheiligt Euch an dem großen Rettungswerke, helfet, helfet rasch! Redactton n. Administration: [ Wien, 2/3 Schreigaffe Nr. 6. Sprechstunde: Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen) jür DeKerreich-Ungarn ganzjährig ff. * „ Deutschland ,, Mk. 8 „ Rußland „ »bl. 4 „ die übrigen Länder „ ffrcs 10 Kalb- und vierteljälsriges Abonnement zu den entsprechenden Thellbeträgen. Vas Abonnement kann mit jeder Nun beginnen. Einzelne Eremplare (8 kr. Die nächste Nummer erscheint am 1. Juni 1881. *11 „Das Brod des Elends." „Das ist das Brod des Elends, das unsere Väter aßen im Lande Egypten." Diese Worte, mit welchen die Sederabende unseres großen Freiheitsfestes eingeleitet »verden, pflegen in ihrer schönen Einfachheit den Zauber rührender historischer Erinnerungen über den jüdischen Familientisch zu breiten. Aber, »vie so oft in der langen, langen Zeit des Exils, so sind sie auch in diesem Jahre zu mehr als einem geschichtlichen Gedenken, sind sie zur aufdringlichen, schrecklichen Wirklichkeit geworden. Es ist ein trauriges Peßachfeft gewesen. Der Freiheitsjubel der „Hagadah" wollte zu den Verfolgungsnachrichten in den Zeitungen nicht stiimnen. Es lag eine bitterböse Ironie in dem Gegensätze zwischen der gefeierten Freiheit und der tatsächlichen Knechtschaft. Die Leiden des jüdischen Volkes im neunzehnten Jahrhundert haben in den letzten Wochen einen so hohen Grad erreicht, daß säst die dunkelsten Zeiten des Mittelalters überboten werden. Die Hunderttausende von jüdischen Kaufleuten und Handwerkern, welche aus Jnnerrußland Verbrechern gleich vertrieben werden, um sammt ihren Familien in übervölkerten Städten der bittersten Nahrungsnoth preisgegeben zu sein, und die tausende von Stammesgenossen, die, eingesperrt in der Judenstadt von Corfu, umzingelt von blutgierigem Pöbel, durch Hungertyphus decimirt werden, — sie alle essen das „Brot des Elends". Drei Viertel des jüdischen Volkes seufzen unter den größten, den haarsträubendsten Schicksalsschlägen. Kann es da noch ein jüdisches Herz gebe»», das sich bei allen den Trauerbotschaften nicht in heißem Schinerze krampfhaft zusammenzieht? Es kann nicht sein, und chatsächlich hat das Leid der letzten Wochen den jüdischen Jndifserentismus wenn auch noch nicht behoben, so doch erschüttert. Die Gemüther sind in wachsender Aufregung, die widersprechendsten Projekte werden laut und hiedurch Gegenstand der Diskussion. Über Eines nur ist die öffentliche Meinung einig: Die russischen Juden müssen auswändern. Aber die Frage des Wohin? macht bedeutende Schwierig- Es scheint jedoch, als ob ein Mann vermöge seiner ganz abnormenGeldmacht den Willen hätte, diese Frage allgemein bindend zu beantworten. Wir sprechen von Baron Hirsch. Über siebzig Millionen Francs will er einem großartigen Colonisationswerke widmen. In Argentinien — andere sprechen von Australien, wieder andere von beiden Ländern — will der wohlthätige Baron hunderttausende russische Juden ansiedeln. Was Wunder, wenn die Riesensumme von siebzig Millionen Francs dem Volke imponirt und es von jeder Kritik fernhält? Vermessenheit hieße es auch, die hochherzigen Intentionen des Barons zu bekritteln, aber nie und nimmerdürfen Dankbarkeit und die Höhe des Betra-

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