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Selbst-Emancipation · 1891-05-03 · Heft 9 (3.5.1891) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 9 (3.5.1891)
Date
1891-05-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. zum dauernden Aufenthalt nach Europa abgereist. Die Gesellschaft „Bnej-Brith", deren Gründer Herzberg ivar, gab ihm zu Ehren ein Diner. Weil ich gerade von dieser Gesellschaft spreche! Sie hat, obivohl sie den Namen des so berühmten Ordens in Amerika trägt, von einer Masse von Sitzungen abgesehen, nichts Wesentliches bis heute gewirkt. Bei uns in Palästina offenbart sich in der Colonie Rischon le'Zion ein Talent. Es ist dies fast noch ein B6b6, die nur 6 Jahre alte Nina Am., welche auf dem Piano Beethoven, Mozart u. s. w. spielt. GrLgoire Aptekman OordamcriKa. New-Uork, den 18. April 1891. Ich habe'Ihnen bereits von der jüngst hier erfolgten Gründung einer Gesellschaft zum Ankauf von großen Ländereien in Palästina, namens „Schewi Zion" Mittheilung gemacht. Es sind 500 Antheile in Aussicht genommen; ein Antheil wird durch fünfjährige Einzahlung von jährlich vierzig Dollar erworben. Da jede Woche neue Mitglieder von hier, Philadelphia, Baltimore, Chicago u. s. w. bringt, von welchen manche sogar mehrere Antheile nehmen, so ist zu erwarten, daß in einigen Monaten die Zahl 500 erreicht sein wird. Der Verein besitzt gegenwärtig 1300 Dollar, das sind beiläufig 3200 fl. in österreichischem Gelde. — Am 8. d. M. fand eine Versammlung der Gesellschaft statt, bei welcher die Wahl des provisorischen Vorstandes vor sich ging. Zuin Obmanne wurde einstiminig Herr Rechtsanwalt Adam R o s e n b e r g, zu seinem Stellvertreter Herr Med. Dr. Josef Jsak Blau st e i n, zum Cassierer Herr Meier L o n d o u gewählt. Ferner wurden in die Leitung des Vereines gewählt.die Herren: Gerson Bau m, Moses H o r v i tz, Heimann R o g o l s k y, L. S a l o m o n, L. E. A r a ns o n, I. H. Simpson und Philipp Kaplan. Die definitiven Wahlen werden erst nach Complettirung der Mitgliederrespective Antheileanzahl vorgenommen werden. Abraham. (Lhronik. (Der Rückgang des Antisemitismus ) Der Maschinenschlosser-Lehrling Simon Färb er kam am 1. März d. I. in die Gewerbeschule in Währing, woselbst er von dem Schusterlehrling Heinrich E d e l m ü l l c r mit den Worten: „Da kommt er, der jüdische Fallot" begrüßt wurde. Färber antwortete mit einem Kopfstücke, worauf der Beleidiger und vier andere Gewerbeschüler unter antisemitischein Geschimpfe über ihn herficlen und ihn prügelten. Plötzlich fühlte er einen furchtbaren Schmerz im linken Auge — m a n hatte ihm dasselbe in i t e i u e in Messer a u sg e st o ch e n. Edelmüller ivurde freigesprochcn, weil Zeugen aussagten, daß derselbe den verhängnisvollen Stich nicht geführt habe. Wer gibt aber dem unglücklichen Judenknaben das Auge zurück? - Der Staatseisenbahnbeamte H i tz e l, rühmte sich unlängst, im Gerichtssaale zu §)bbs geradezu, daß er eine Bank, auf w e l ch e r ein Jude gesessenhabe, abivische, bevor er sich darauf setze. — Im Hörsaale des chemischen Labo¬ S e l b st - E m a n c i p a t i o n. ratoriums in Wien ersuchte ein jüdischer junger Mann von schwächlichem Körperbau den Diener, die Ventilation zu schließen, da er sonst bei seiner Arbeit gestört werde. Daraufhin stellte sich ohne jede Veranlassung ein kräftiger Student zu ihm hin und schrie ihn mit den Worten an: „Sei nicht frech, du S a u j u d!" Der Beleidigte rcplicirte mit „Trottel", was ihm jedoch eine Ohrfeige eintrug, welche er wieder damit beantwortete, daß er eine Flasche packte und dem brutalen Gesellen an den Kopf warf. Der herbeigerufenc Assistent trennte die Streitenden. — Lemberger Academiker haben einen S t u d e n t e n v e r e i n „Elub szermierzy" gegründet, welcher keine Juden a u fn i m m t. (Eine Deputation jüdischer Kaufleute) erschien unter Führung des Obmann-Stellvertreters des Polenclnbs Abg. Hofraths Dr. Eusebius C z e rk a w s k i und der Abgeordneten der drei galizischen Handelskammern und der Grenzstädte beim Handels- Minister Marquis v. B a c q u e h e m und beiui Minister für Galizien, Ritter v. Z a l e s k i. Die Deputation bat um Maßregeln gegen die russischen Paßvorschriften. Die Minister versprachen sich der Sache anzunehmcn. (Das „Oxenschiff.") In London starb, wie der „Jüdischen Presse" berichtet wird, ein jüdischer Graveur aus Wilna in Rußland, der nach Amerika ausgewandcrt war, um dort Beschäftigung zu finden und als seine Beinühungen sich als vergeblich erwiese», ans einem „Oxenschiff" nach Europa znrückkehrte. So heißt nämlich ein Schiff, welches Personen gegen eine Arbeitsleistung frei befördert und die armen auf solche Gratisfahrt Angewiesenen auf das Unglaublichste ausbeutet. Die Todtenbeschau ergab denn auch als Ursache des unglücklichen Graveurs Lungenentzündung hervorgernfen infolge Mangels richtiger Nahrung auf einem „Oxenschiff." (Aus Serbien.) Dem „Bidclv" zufolge war jüngst die Belgrader Garnison mehrere Nächte hindurch in Gefcchtbereitschaft, während Cavallerieabtheilungen die Straßen durchzogen. Diese Maßregeln ordnete die Regentschaft, welche antisemitische Unruhen befürchtete, an. (Aus Rußland.) In der Nacht von 9. auf den 10. April d. I. wurde in dem Moskauer Stadtviertel „Sarjadia" eine Durchsuchung der Häuser vorgenommen. Huudertfünfzig Juden, welche kein Recht haben, in Moskau zu weilen, wurden arretirt und werden per Schub in ihre Heimat befördert. — 'Aus Warschau wurden 35 lithauisch-jüdische Familien ausgewiesen. In derselben Stadt wurde ein Ehepaar, das einem ausländischen Juden ohne Anmeldung bei der Polizei Unterstand gewährte, auf drei Jahre nach seiner Geburtsstadt verbannt. Der betreffende Hausverwalter erhielt drei Jahre Gefängniß und die christliche Hausbesitzerin eine Geldstrafe von 75 Rubel. - Der Stadthauptmann von Petersburg hat die Ausweisung der jüdischen Commis und Beamten der jüdischen Kaufleute erster Gilde, soweit dieselbe das Aufenthaltsrccht in Petersburg nicht besitzen — dieses ihnen zu gewähren hängt ganz von der Behörde ab — verordnet. Dieser Erlaß ist ein Schlag für tausende Existenzen. — Der Generalgouverneur von Kiew verbot den jüdischen Fuhrleuten die Ausübung ihres Berufes. Der Senat hat eine bezügliche Beschwerde der Fuhrleute verworfen. — Ein neues Gesetz untersagt den jüdischen Handwerkern, darunter den Mechanikern, Branntweinbrennern und Bierbrauern die Uebersiedlnng nach Moskau und dem Moskauer Gouvernenient. Für Petersburg ist das gleiche Ver- Seite 7. j bot erfloffen. — Dem Pariser „XIX Siöcle" j wird aus Petersburg berichtet: „Der Minister des Innern arbeitet ein Project aus, wonach zwei Millionen polnischer Juden in Sibirien angesiedelt werden sollen, wo die Regierung ihnen umfangreiche Landstrecken zur Bearbeitung überlassen will". Klingt wenig glaubwürdig. (Für die Colonisation Palästinas.) Der „Verein zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" in Rußland veröffentlichte eine Aufstellung seiner Einkünste vom 14 April 1890 bis 1. Jänner 1891. Aus 164 Städten kamen während dieser Zeit 43.055 Rubel 99 Kop. zusammen. Die Sammlungen am Erew Jom Kippur allein ergaben 5117 Rubel 30 Kop. Bemerkt muß werden, daß die erste Zeit des Bestandes des Vereines nicht ausgenützt wurde, und ferner, daß in den ersten drei Monaten dieses Jahres wieder 8000 Rubel einliefen. — Herr Dr. Josef Jsak B l a u ft e i n regte in einem Vortrage, den er im national-jüdischen Frauenvereine „B'noth Zion" in New-2)ork hielt, den Gedanken an, daß die amerikanischen Zionsfreunde dahin wirken mögen, daß Erzeugnisse der jo ausgebildeten palästinensischen Olivenholzdrechslerei zur Weltausstellung in Chicago geschickt werden. — In Rumänien erhält die zionistische Bewegung, welche vor Jahren im Lande so mächtig war und dann ins Stocken gericth, wieder eine größere Ausbreitung. Der Colonisationsverein in Galatz verfiel auf den guten Gedanken, Mazzoth für Peßach zu backen und erzielte ein schönes Resultat. In Crajova wurde über Anregung der Herren Dr. L. R o b e s c u, Aron Zwiebel und A. Kauf m a n n ein Colonisationsverein gegründet, der bereits vierzig Mitglieder zählt und den erstgenannten Herren zum Obmann wählte. Auch in Jassy entfaltet der dortige Colonisationsverein eine regere Thätigkeit. (Aus Corfu) berichteten die Tagesblätter über dort vor den Peßachfeicrtagen infolge Colportage eines Blutmärchens stattgehabte llnruhcn gegen die dortige» Juden. Der Pöbel versuchte das Jndenquarner zu stürmen, wurde aber vom Militär daran gehindert. Die Stimmung auf der Insel ist eine höchst erregte. Es scheint als ob unsere Neuzeithcllenen ihren classischc» Ahnen nachgerathen — zumindest im Judenhaß, wenn schon nicht in Kunst und Bildung. Dafür sind aber die griechischen Juden von heute eben solche närrische Assimilanten, als die Hellenisten des Alterthums. — Auch in Smyrna sind einige Griechen verhaftet worden, welche das Gerücht von einem durch die Juden gestohlenen Griechenknabcii aussprengten. Zugleich wurden zwei Kisten mit Bildern saisirt, welche den Oberrabbiner von Smyrna darstellen, wie er Christenkinder abschlachtet. Die Bilder sollen in Wien angcsertigt worden sein. („Safah berurah"). Trotz der großen Schwierigkeiten behaupten sich die hebräischen Sprechvercine in Rußland. So ist es namentlich nach dem „Hamagid" die „Safah berurah" in Minsk, welche ihre Bemühungen unermüdlich fortsetzt. Sie hat ein eigenes Lehrzimmer gemiethet und einen Lehrer angestellt, der den Knaben unentgeltlichen hebräischen Unterricht zu ertheilen hat. Am 7. Adar schein fand eine Versammlung der Vereinsmitglieder statt, bei der die Herausgabe eines zweimal im Jahre erscheinenden Heftes unter dem Titel „T'chiath Hasafah" (Belebung der Sprache) beschlossen

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