Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 8 (15.4.1891)
- Date
- 1891-04-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Selbst-Emancipation. Seite 7. gung Ausdruck, daß im Laufe des Jahres 1891 eine Conferenz von Delegirten der galizischen jüdisch-nationalen Vereine und der vielen leider noch isolirten Gesinnungsgenossen einzuberrifen sei, welche zur Aufgabe hätte, die nächsten Ziele der jüdisch-nationalen Propaganda und die hiezu erforderlichen Mittel festzustellen, auf Grund dieses Programines die Bildung eines Verbandes der galizischen Vereine zu veranlassen und ein den Wirkungskreis dieses Verbandes, wie auch den damit zusammenhängenden Wirkungskreis der Verbandsglieder bestimmendes Statut zu beschließen. Es wurde eine Conunission eingesetzt, bestehend aus folgenden Herren: C. Stand, - Präses des Vereines „Zion", L. Mansch, A. i Korkis, Dr. A. Salz (Tarnow), M. Pacht- \ mann, Präses des „Haibri" (Drohobycz) und j G. Zipper (Stryj). Diese Commission hat die uöthigen Vorbereitungen für die Conferenz zu treffen, insbesonders Zeit und Ort, wie auch eine genaue, entsprechende Tagesordnung der Conferenz zu bestimmen und die zu bestellenden Referenten und einzuladenden Theilnehmer dem illusschuß des Vereines „Zion" vorzuschlagen. Die Commission, deren drei in Lemberg wohnende Mitglieder zugleich das engere Comitä bilden, wird sich stets auf brieflichem Wege verständigen und die Resultate der Berathung werden gelegentlich in der „Selbst-Emancipation" veröffentlicht werden. Es wird nun wohl an die Vereine „SchochreToschiah" und „AdmathJsrael" in Stryj, „Haibri" inDrohobycz, „Buchhalter- und Commis- Verein" inStanislau, „DorschcThoraWadaath" in Przemysl :c., ferner an die verschiedenen Correspoudenten der „Selbst-Emancipation" in Galizien das dringende Ansuchen gestellt werden, die hier vorgetragcne Sache reiflich zu überlegen, sich ihrer eifrig anzunehmen und etwaige Wünsche und Ansichten der oben genannten Commiffion mitzutheilen. Im hohen Grade aber wäre cs erwünscht, die Nathschläge der Herren Dr. Rüben B i c r e r ' und Dr. Nathan Birnbaum zu hören. Wollen wir hoffen, daß die Conferenz zustande kommen und daß sie der jüdisch-nationalen Bewegung in Galizien einen starken Nuck nach vorwärts geben werde. A. Korkis. Nußland. Kischineff, den 5. April 1891. Eine für die Colonisationsbewegung in Rußland sehr wichtige Frage beschäftigte kürzlich das Gericht in Bender, nämlich die: „Hat der Odeffaer „Verein zur Unterstützung^ jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" das Recht, Repräsentanten in anderen Städten Rußlands zu haben und sind diese Vertreter berechtigt, ohne Erlaubniß der Ortspolizei, nur auf die Vollmacht des Vereines hin, Gelder zu sammeln. Deshalb war nämlich der Benderer Insasse Leib Filler vor Gericht citirt worden. Sein Rechtsfreund machte geltend, daß der Verein vom Ministerium des Innern genehmigt sei und daher in allen Städten Rußlands Vertreter halten dürfe, welche nur auf Grund der Vollmacht, ohne spezielle Erlaubniß der Ortsbehörde Geld zu sammeln berechtigt seien. Eine solche specielle Erlaubniß sei nur für zu Gunsten des Vereinest veranstaltete Festlichkeiten und Versammlungen' zu erwirken." Der Richter schloß sich dieser Anschauung an und Herr Leib Filler wurde freigesprochen. E. F. Frankreich. Paris, 4. April 1891. Der hier vor Kurzem gegründete Verein zur Colonisation Palästinas zählt bereits nahe an 200 Mitglieder. Ein Paragraph der Vereinsstatuten verlangt, daß zwei Drittel der Vorstandsmitglieder französische Staatsbürger sein müssen; es ist dies eine in Anbetracht der Agitation unter der einheimischen jüdischen Bevölkerung höchst kluge Bestimmung. Der jetzige Vorstand besteht aus den Herren: Moses W e i ß k o p f, Dolmetsch beim obersten Gerichtshof, Präsident; Rabbiner Dr. Theodor Klei n, Consistorialmitglied, und Raftali L e v y, Vicepräsidenten; Josef L e hni a n n, Cassierer; M. O p p e n h e i m e r, Vicecassierer; A. Prag, Herausgeber der Zeitschrift „Archives Jsraelites", Secretär; S. A l t m a n n; Leon M e i s e l s; Dr. Jacob Berlawsky; Josef M e i r o w i tz und N. L e b r e ch t. England. London, den 2. April 1891. Der rühmlichst bekannte Zionssreund Oberftlicutenant Lllbert G o l d s h m i d veröffentlicht in» „Jewish Chronicle" cincu Aufruf, in welchem er die Leser dieses Blattes zur lliitcrstützung des hebräischen Sprechvereines „Safah berurah" in Jerusalem auffordert. In diesem Aufrufe heißt es unter Anderen»: „Ich erhielt aus Jerusalem von Dr. Jsak D''A r b c l a als Obmann des Vereines „Safah berurah" ein Schreiben, in »vclchcin er mich uin Förderung dieses letzteren angeht, damit derselbe seinen Ztveck erreiche. Dieser Verein Ivurde vor einundeinhalb Jahren gegründet und bezweckt die reine hebräische Sprache an die Stelle der unter den Inden des heiligen Landes gebräuchlichen Jargone zu setzen. Er hat bereits bedeutende Fortschritte gemacht, aber noch immer fehlen ihm die Mittel, um Lehrer für die Mädchen anzustellen, Bücher zu kaufen und die nothwcndigen Lehrbücher in hebräischer Sprache herauszugebcn. Der letztere Mangel ist besonders fühlbar. — Im heiligen Lande gibt es derzeit keine Nationalsprache, seine Einwohner sprechen vielmehr verschiedene Sprachen, besonders türkisch, arabisch, französisch, spanisch oder in den Jargonen. Das die Juden einigendeBand ist diehebräische Sprache u n d d ar u m i st es unsere Pflicht dahin zu tvirken, daß die Sprache des Jesajah an die Stelle der Id io m e trete, »velche die Juden aus den Ghcttis des Mittelalter Herübergebrachthaben! Türket. Palästina. Jerusalem, den 26. März 1891. Die sephardischen Rabbiner haben in ihren Synagogen ein Verbot, die Miffionsärzte zu consultiren, erlassen. Hoffentlich werden auch bald die aschkenasischen Rabbiner gegen diesen Mißbrauch, welcher umso schiverer ins Ge,vicht fällt, als bereits viele tüchtige jüdische Aerzte in Jerusalem ansässig sind, Maßregeln ergreifen. Der Gemeinderath beschloß einen Stadtgarten anzulegen und sind bereits die 'Arbeiten in Angriff genoinmen »vorden Einige hiesige jüdische Bürger haben 15000 Dunam Grundes im Dorfe Arpat angekauft und beabsichtigen eine Ackerbaugesellschaft zu gründen. Nach langem, nngeivöhnlich strengem Winter ist ein herrlicher Frühling angebrochen. Die Colonien namentlich bieten einen ivunderbaren Anblick. Neues habe ich von denselben nicht zu berichten. _ Amithi. Thronik. (Antisemitische Gönnerschaft.) Unter diesem Titel spricht der alte und ncugewählte Parlamentarier, Herr Dr. Heinrich I a q u e s, im „Neuen Wiener Tagblatt" über die Durchführung der Gleichberechtigung. Wir verfügen leider nicht über den Raum, um den ganzen Artikel zu bringen, der von doppeltem Werthe für uns ist, »veil er von einem Assimilanten comme il taut herrührt. Folgende markante Stellen seien aber angeführt: „Wo aber das Vice-aufhört, hört die semitische Aemterfähigkeit nahezu auch auf"; „Einen jüdischen Landesgerichts-, Oberlandesgerichtsrath, Hofrath des Obersten Gerichtshofes hat ein cisleithanischeS Auge noch nie zu sehen bekommen"; „Man ist offenbar der Ansicht, daß die Aeniterfähigkeit des Semiten erst dann zu beginnen vermag, »vcnn er durch rechtzeitigen Confessionswechsel sich den Schein des „Ariers" zu geben verstanden hat"; „Wir sehen, aller Orten findet der Antisemitrsmus betvußte und unbewußte Gönner". — Das möge genügen. (Ein neues antisemitisches Tagblatt) in Sicht! Am 10. März d. I. fand, »vie die „Unverfälschten Deutschen Worte" berichten in Wien unter dem Vorsitze S ch ö n e r e r's eine Sitzung der deutschnationalen Parteileitung statt, in welcher unter Anderem der Beschluß gefaßt »ourde, die Vorarbeiten zur Herausgabe eines deutschnational-antiscuiitischen Tagblattes cinzuleiten. Das Geld soll durch einen Aufruf, »velchen der eingesetzte Zeitnugsausschuß zu verfassen haben, wird, herbeigeschafft werden. (Ans Rußland.) Den in Petersburg erscheinenden „Nowosti" ist die zivcite Berivarnung ertheilt »vorden, »veil die Zeitung, wie der amtliche „Rcglcrnngsbote" besagt, sich stets angelegen sein lasse, die Lage der hebräischen Bevölkerung in Rußland im falschen Lichte darzustellen und dadurch iunlitten dieser Bevölkerung ohne jeden Grund Unzufriedenheit erlvecke — Der Stadthauptmmu» von Petersburg hatte an» 7. 'November v. I. angeordnct, daß auf den Firmenschildern jüdischer Geschäfte und Werkstätten die Namen „deutlich geschrieben sein sollen, damit der Vorübergehende sofort erkennt, daß das Local einem Juden gehört, und so allen Mißverständnissen vorgebcugt werde". Nachdcin aber die Juden ihre Namen, soweit sie auffällig jüdisch lauten, angeblich in recht kleiner Schrift anbrachte», ordnet nunmehr der Stadthauptmann in einem neuerlichen Erlaße „große Schrift" an und beauftragt die behördlichen Organe mit der Ueberwachung der Befolgung dieses Befehles. (Judenverfolgungen in Afghanistan.) In der Provinz Hcrat beginnen die Afghanen die Juden zu vertreiben, indem sie dieselben fälschlich hochverrätherischer Beziehungen zu Rußland beschuldigen. Es ist Gefahr vorhanden, daß diese Judenverfolgungen nach Persien hinübergreifen. Nicht verschwiegen soll aber »verdcn, daß sowohl die persisch-mohamedanischen als die indisch-heidnischen Zeitungen sich abfällig über die Judenhetzcn äußern. (Herr Elias Scheid,) der Chef-Verwalter der Baron Edmund R o t h s ch i l d'schen Colonien in Palästina, erhielt von Sr. Majestät dem Sultan für seine verdien st liche Thätigkeit zu Gunsten der jüdischen Ansiedl ungeu im heiligenLandedengroßenOsmanieh-Orden. (Personalnachricht.) Samftag ain 11. d. M. starb in Tarnorv Dr. Leo Bromberg, Priinararzt des hiesigen jüdischen Spitals, ein sehr angesehener und allgemein beliebter Bürger. Die Bestattung des Verblichenen fand am 13. d. M. um 3 Uhr Nachmittag unter reger Bei theilung der Einwohner Tarnows statt. Der