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Selbst-Emancipation · 1891-04-15 · Heft 8 (15.4.1891) · p. Seite 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 8 (15.4.1891)
Date
1891-04-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Selbst - (Sfm ancipation. Nr. 8. Verstorbene huldigte der jüdischen Einheitsidee, -sein Sohn Herr Drd. Sigmund Brombcrg mar seinerzeit Mitglied und Functionär des Vereines „Kadnnah" in Wien. Belletristisches. David Alrop. Von Benjamin d'Jsraeli, Lord of Be aconsfi eld. (13. Fortsetzung.) Es war ein steinernes Thor, dreißig Fuß in der Höhe, ans einem einzigen Blocke von grün und rothem Jaspis gearbeitet, und in einen phantastischen, wellenförmigen Bogen ausgchaucn, wie ihn die Sarazenen lieben. Es führte die Wandernden in ein hohes, geräumiges und gewölbtes Gemach» durch hohe Fenster von mattem Glase beleuchtet, mit Tapeten von Silber und Seide behängen, von den köstlichsten Teppichen bedeckt und von gewaltigen Lagerstätten umgeben. Kaum konnte sich Alroy eines Ausrufs der Bewunderung enthatten, aber Honain wendete sich schnell mit dem Finger auf dem Munde, zu ihm, verließ den Saal und so traten sie in die Gärten. Hohe Tcrrasien, dunkle Masten von Cypreffcii, gewundene Gänge von Akazien, in der Entfernung ein endloses Paradies, und hie und da ein dunkelnder Pavillon, ein köstlicher Kiosk. Nach einiger Zeit kamen die Beiden zu einem kleinen und sanft sich herabsenkendcn freien Platze, der mit Zedern von bettächtlichcr Größe umgeben war. Auf diesem Platze stand ein KioSk, ein langes Gebäude mit vielen Fenstern, die mit Blenden geschützt und noch überdies durch ein vorspringendcs Dach beschirmt waren. Der Kiosk war aus weißem und grünem Marmor gebaut, und es führten längs deS Gebäudes.Stufen hinauf, abwechselnd aus gleichem Marmor und fast ganz mit Rosenbäumen bedeckt, Honain bestieg die Stufen allein und trat in den Kiosk. Nach einigen Mnuten sah er aus einem der Fenster und wintte Alroy. David schritt vor, Honain aber, der sich vor einer Ucbercilung desselben fürchtete, ging ihm entgegen und flüsterte mit einem leisen Tone, zwischen kaum geöffneten Lippen, zu ihm: „Dentt daran, daß Ihr taub, stumm und ein Eunuch seid". Alroy' konnte sich kaum des Lechens erwehren, und der „Fürst der Gefangenschaft" und der Arzt des Kalifen traten nun zusammen in den Kiosk.. Zwei verschleierte Frauen und zwei Eunuchen von der Wache empfangen sie im Vorzimmer. Darauf traten sie in ein Gemach, das fast die ganze Länge des Kiosk einnahm, auf der einen Seite nach dem Garten zu ging und auf der andern eine mit Elfenbeinvcrzierungen ausgelegte Wand mit Mschen in grünem Fresco gematt zeigte, in deren jeder ein Roscnbaum stand. Auch war jede Nische mit einem fast unsichtbaren goldenen Gitterwerk bedeckt, unter welchem eine Nachttgall weilte, die daher stets der geliebten Rose treu zu bleiben schien. Am Fuße jeder Msche befand sich ein Springbrunnen, statt des Masters aber glänzte jedes Becken von dem reinsten Quecksilber. Die Decke des Kiosk bestand aus Perlmutter mit Schildkrot ausgelegt. Der Fußboden zeigte eine Mosaik von den scüensten Marmorarten und köstlichsten Steinen, die ttefflichsten Früchte und schönsten Blumen darstellend. Ueber diesen Fußboden goß ein Knabe aus Georgien dann und wann kühlende, wohlriechende Wässer. Am Ende dieses geschmackvollen Gemachs stand ein Divan von lichtgrüner Seide mit' Perlen gestickt, nebst Kisten von weißem Sammt und Gold. Auf einem dieser Kisten, in Mitten des Divan, saß eine Dame. Sie sah aufmerksam auf ein Buch, welches auf ihren Knieen lag und persische Gedichte enthiell, während eine ihrer Hände mit einem Rosenkränze von Perlen und Smaragden spielte und die andere eine lange goldene Kette hielt, welche eine weiße Gazelle fesselte Als Honain und sein Gefährte eintraten, blickte die Dame auf. Sie war sehr jung; nicht älter als Alroy. Ihr langes, lichtbraunes Haar, eine hohe und weiße Sttrn, mit blauen Adern durchwebt, umgebend, fiel mit Perlen durchflochten auf ihre Schultern wieder herab. Ihre Augen waren sehr groß und dunkelblau, ihre Nase zart, aber hoch und gebogen. Die Schönheit ihres Gesichts war hinreistcnd, und als sic aufschaute, und Honain grüßte, bildeten sich auf ihren reizenden Wangen zwei Grübchen, die auf die bezauberndste Art gegen den allgemeinen Ausdruck ihrer Züge, der stolz und verachtend war, abstachen. Sie war in ein Gewand von carmoisinrothcr Seide gekleidet, ein grüner Shawl schlang sich um ihre Gestalt, und aus ihm blickte der diamantnc Griff eines kleinen Dolches. Ihre vollen Weißen Arme zeigten sich in unendlicher Zartheit, wenn sie gelegentlich aus den großen, weiten Hängcärmcln hervorjchauten. Der linke Arm war mit Juwelen bedeckt, der rechte Arm aber ganz nackt.. Honain näherte sich und küßte verneigt der Dame vorgestreckte Hand. Alroy zog sich in den Hintergrund. „Man sagte mir", begann der Arzt, sich lächelnd wieder verbeugend, „daß die Rose der Welt welke an diesem Morgen, und ihr Sklave eilte auf ihren Befehl herbei, uni ihrer zu pflegen". — Es war Südwind, aber der Wind hat sich geändert und die Rose der Welt ist wieder besser; — cntgegncte lachend die Dame. Honain fühlte ihr den Puls. „Ungleich", sagte der Arzt. — Wie ich selbst, — cntgegncte jene. — Ist das ein neuer Sklave? — „Neu angekauft und von großem Werthc; er sieht gut aus, hat den Vortheil taub und stumm zu sein, und ist unschädlich in jeder Hinsicht". — Das ist Schade! — erwiederte die Dame. — Es ist, als ob alle gut aussehenden Personen dazu geboren wären, keinen Nutzen zu schaffen. Ich zum Beispiele. — „Das Gerücht flüstert aber das Gcgentheil", bemerkte der Arzt. — Wie so? — fragte jene. „Der junge König von Chovaresm". — Bah! Ich habe mir vorgenommen, ihn zu verabscheuen. Ein Barbar! — „Ein Held!" — Saht Ihr ihn je? — „Allerdings." — Ist er schön? — „Ein Erzengel." — Und prachtliebend? — „Ist er nicht ein Eroberer? Die ganze Beute einer Welt wird die Eure werden." — Ich bin der Pracht müde. Ich erbaute mir diesen Kiosk, um ihrer zu vergessen. —. „Er ist nicht im mindesten glänzend", sagte Honain und sah sich lächelnd um. — Nein — antwortete die Dame mit selbstzufriedener Miene, — hier wenigstens kann man vergessen, daß man das Unglück hat, eine Fürstin zu sein. — „Es ist allerdings ein großes Unglück." — Und doch soll's noch das einzige erträgliche Los sein. — „Versteht sich." — Wenigstens für unser unglückliches Geschlecht. „Sehr unglücklich." — Wenn ich nur wenigstens ein Mann wäre. — „Was für ein Held würdet Ihr sein!" — Ich würde mir ein Vergnügen daraus machen, in steter Unruhe zu leben — „Daran zweifle ich nicht im geringsten." — Habt Ihr mir die Bücher verschafft? — fragte verdrießlich die Prinzessin. „Mein Sklave ttägt sie", entgegnete Honain. — So laßt sie mich gleich sehen.— Honain nahm Alroy das Paket ab und legte dessen Inhalt vor, der aus dcnsclben.Bänden griechischer Gedichte bestand, die der Handelsmann für ihn erkauft hatte. „Ich - bin der Poesie überdrüssig", sagte die Prinzeffin, indem sie die thcuren Bände durchblätterte und dann weglegte. „Ich sehne mich darnach, die Welt zu sehen." — Auch dieser würdet Ihr bald müde werden; entgegnete der Arzt. „Ich glaube, daß gemeine Leute nie müde werden;" sagte die Prinzessin. — Ausgenommen bei der Arbeit. Sorge begleitet sie durch's Leben. — „Was ist Sorge?" fragte die Prinzessin lächelnd« — Sie ist eine unsichtbare, aber allmächttge Gottheit. Sie sttehlt die Röthe von den Wangen und die Leichtigkeit aus den Pulsen, sie raubt den Appetit und macht das Haar grau. — „Sie ist also keine wahre Gottheit, sondern ein Götzenbild, das wir uns selbst machen. Ich bin eine echte Mohamedanerin und werde sie also nicht anbeten Erzählt mir etwas Neues, Honain." — Der junge König von Chovaresm. — „Wieder von dem Barbaren! Ihr seid von ihm bestochen! Ich will nichts von ihm wissen. Ein Gefängniß zu verlassen, um mich tvieder in ein anderes cinzuschließen . . . Denkt mir nicht daran. Nein, mein lieber Hakim, wenn ich ja heirate, heirateich, um frei zu sein." — Das ist unmöglich. — „Meine Mutter war frei, bis sie eine Königin und Sklavin ward. Ich denke so zu enden, wie sie begann. Ihr wißt, wer sie war?" Honain wußte es recht gut, aber er war zu politisch, um sich nicht zu stellen, als wisse er es nicht. „Die Tochter eines Stäubers", fuhr die Prinzessin fort, „die an der Seite' ihres Vaters focht. Das ist doch noch eine Existenz! Ich möchte ein Stäuber sein! Das liegt so im Blute. Ich möchte gern mein künftiges Schicksal wissen, Honain. Ihr seid ein Astrolog, wahrsagt mir." — Ich habe schon Eure Nattvität gestellt. Euer Stern ist ein Comet. — „Das ist eine gute Vorbedeutung: glänzende Unordnung und irrender Glanz. Ich wünschte, ich wäre ein Stern!" setzte die Prinzeffin mit tiefer,' voller Stimme und nachdenkender Miene hinzu; „ein Stern am klaren, blauen Himmel, schön und frei. Honain, die Gazelle hat ihre Kette zerrissen und frißt mir meine Rosen ab!" (Fortsetzung folgt.) lllllllllMlIIlllllllJIIIIMtlilllllJBtlllllllllllllllJIJIlBKIIMlIlllllllltliliiJiiliiiiitti Correspondenz der Redaktion. Allen Gesinnungsgenossen-,spccicll, und ganz Israel überhaupt wünschen wir fröhliche Feiertage. Herrn L. B. in Borszczow. Briefliche Antwort folgt. Herrn I. E. in Bor. Briefliche Antwort folgt. BlfllBIBlBIBIBIBlBlBIfllBlBIIIIIBJBIBISiaiBIBlBISIBJIlllBIBIBIBIBlllBIBlBlBIBIKBlBIIIIIBillBlSJBI Correspondenz der Administration. Mehreren Zionsfreunden in Tulcea. Der Empfang von 25 Francs als Spende für unser Blatt wird dankend bcstättgt. Aus Versehen unterblieb bisher die Bcstättgung. Herren Fischcrowitsch, Grubcr, A. Grünbcra, Dr. L. Pinskcr, I. Lubarsky, der löblichen Leihbibliothek des jüdischen' Cammisvereines und dem löbl. Comite des Palästina-Vereines, sämmtlich in Odessa bestätigen wir dankend den Empfang von je 4 Rubel, den Herren N. Kojcin und Barabasch in Odessa den Empfang von je 2 Rubel als Abonnementsgebühren ab 1. April 1891. Herrn Colonel Albert Goldsmid in London. Der Empfang von 8 Shilling als Jahresabonnement ab 15. Februar 1891 wird dankend bestätigt. BIB!>IBIB!BlBII>«!BIBlSllia>aiB!IIBiStllllllBIBiail<BIB<a!aillllBillBIBIB!B,»4BIBiBlfllBISitlBiai Verschleißstellen in Wien: (außer dem Administrationslocale) Schrcigaffe 6. II., Praterstraße 13, Buchhandlung Ch. D Lippe II., Stefanicstraße 2, Buchdruckerei Schloßberg. VIII., Wickenbnrggaffe 18, Parterre, Th 3. . X., Kepplcrplatz 1, 2. Stock, Thür 19. IIIBIIIIlllBIIIBlliaiBltlBIBiBIIIBillllllBIBiaiBllIBIBllIIIIIBiaillBtllllfliaiBIBiBIBIIIIIBiBiata i&~ Aus Versehen wurde die Corresp. Berlin in die Rubrik Oesterreich-Ungar« eingeschaltet. Für die Redactton vcrantw.: Dr. Nathan Birnbanm. Buchdruckerei Schloßberg, Wien, n., Stephaniestr. 2

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