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Selbst-Emancipation · 1891-04-15 · Heft 8 (15.4.1891) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 8 (15.4.1891)
Date
1891-04-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 8. Seite 6. Selbst-Emancipation. Leiden, die .ewige Unsicherheit und die öfteren Polizei-Ueberfälle dämpften unsere Begeisterung nicht. Die früher so „ruffischen" Fräulein waren die enragirtesten.Agitatoren für unsere Sache. Wo wir nur konnten, sammelten wir Nkubel und Kopeken zur Unterstützung unserer ersten Pionniere aus dem Boden Palästinas. Wir waren allgegenwärtig. Zn den Coupe's der Eisenbahnen, aus Bällen und Gastmälern, in den Synagogen und auf der Straße agitirten wir; allen voran plauderten recht allerliebst zu Gunsten unserer Sache unsere schönen Gesinnungsschwestern. Wir scheuten uns nicht, in defecter Kleidung unter die niedrigsten Schichten unseres Volkes zu gehen, und hatten ebenso den Muth, unsere affimilirten Neichen aufzusuchcn, wo wir manchmal auf den unartigsten Empfang gefaßt sein mußten; freilich hatten wir in solchen Fällen ein halbes Dutzend handfester von der Wahrheit unserer Intentionen durchdrungene Arbeiter in der Nähe. Unser Eifer war manchmal recht unpraktisch. Wir verloren in unseren Geschäften durch Vernachläßigung Hunderte Rubel, um einige Rubel für die Sache zu erhajchen. Aber das waren kleine Zrrthümer, welche nicht im Stande waren, den großen endlichen Erfolg aufzuhalten. Unsere Unermüdlichkeit trug den Sieg über unsere anfangs so schwierige Stellung im russischen Judenthum davon. Wir, die man als eine neue Seele betrachtete, die wir den Reformern als zu fromm (wegen unserer Zionsfreundlichkeit), den Chassidim als Londoner Miffionäre, den Massen des Volkes als unbegreiflich galten, machten stete Fortschritte. Wir gewannen im Laufe der Zeit immer mehr und mehr an Mitarbeitern. Nach achtjährigen Kämpfen erlangten wir auch die Be-, willigung der Regierung für unsere Organisatton, an deren Spitze ein aus den angesehensten Persönlichkeiten bestehendes Comitä gesetzt wurde. Seit Beginn dieser neuen Aera — dreiviertel Jahren — sind bereits 51000 Rubel eingefloßen. Der Verein zählt jetzt 6000 ordentliche Mitglieder in allen Gegenden des weiten Rußland. Jede Post bringt neue Gelder und neue Anmeldungen. Wir können nach alledem nun wohl mit Stolz sagen, daß wir unsere Pflicht erfüllt haben; aber es ist doch erst ein Schritt geschehen. Wohl die Hälfte derjenigen, welche uns mit Mitgliederbeittägen unterstützen, sind sich noch lange nicht so klar über unsere Sache und deren nächsten Ziele, als sie es im Interesse derselben sein sollten. Mangel an socialpolittscher Bildung und nattonalem Bewußtsein, sowie Gedrücktheit des Gemüthes in Folge mißlicher Lage sind die Gründe davon. Es ist dringend nötig, daß diese instinktiven Anhänger der Colonisattonssache zu bewußten Zionsfteuden werden. Hiezu aber benöthigen wir unbedingt die Propaganda durch eine Zeitung und davon zu sprechen, ist der Zweck meines offenen Briefes an Euch, liebe Gesinnungsgenossen. In Wien erscheint das einzige Blatt, welches mit Anstand und Würde unsere Sache vertritt und unerschrocken Anhänger für dieselbe wirbt, die „Selbst-Emancipation". Diese Zeitschrift wird vollkommen im Sinne unseres Parteiprogrammes geleitet, und ist für die Berichter st attung unentbehrlich für die Propaganda unschätzbar. Ein jeder von uns hat daher die heilige Pflicht, dieses Blatt unter seinen Freunden und Bekannten zu verbreiten, was bei dem geringen Preise desselben nicht schwer fallen kann. Ich fordere Euch Brüder und Gesinnungsgenossen i m N a in e n u n s e r e r heiligen Zionsidee aus, der „Selbst- Emancipation" neue Abonnenten zuzuführen, damit ein öfteres Er scheinen derselben ermöglicht werde, hoffe, daß mein Ruf nicht ungehört verhallen wird; das wäre ein trauriges Zcugniß unserer Verstocktheit. Es ist ein wichtiger Dien st, den JhrunsererVolkssachc erweiset, wenn Ihr meine dringende Bitte befolget. Mit Zionsgruß Jacob Konstantinowsky. Odessa, den 7. April 1891. Original- <Lorrespondenzen. Oesterreich-Ungarn. 58crItttfc«J>en 10. April 1891. Der „Russischjüdischk"l0siscnschaftliche Verein" veranstaltete nachträglich zur Purimfeier in einem höchst eleganten Saale ein prächtiges Fest, um möglichst viele mit den Tendenzen und Bestrebungen des Vereines und zugleich mit den nationalen Ideen verttaut zu machen. Trotzdem der Verein von verschiedenen Seiten angefeindet wird, und wegen der Ferien sehr viele verreist waren, fand sich doch eine große Gesellschaft, meist aus Studenten bestehend, zusammen; da Juden aller Lä der vertreten waren, so frappirtc jeden die Mannigfaltigkeit der Sprachen, man vernahm hebräisch, russisch, polnisch, deutsch, französisch und englisch nebeneinander. Eingeleitet wurde das Fest durch ein herrliches Concert. In vorttefflicher Weise wurde das Quartett von Fräulein K l e Y f f und Herrn W. S a ch s ausgeführt; graziös handhabte Frl. B a ch r a ch das Clavicr und Sensation erregte das Spiel der berühmten „Geigenfec", Frl. A. R o m b r o, welche bereits bei ihrem ersten Auftteten im vorigen Jahre in Berlin und Petersburg Furore gemacht hat und die aus jüdischem Patriotismus bei dem Feste mitwirkte, um demselben dadurch einen besonderen Glanz zu verleihen. Zwischen den einzelnen Conccrtstücken wurden mehrere Gedichte nationalen Inhaltes in meisterhafter Weise von den Herren N a b in o w i t s ch und R o s e n b l u m declamirt. Den wesentlichsten Theil der Feier aber bildeten die Toaste, bei welchen man die Gelegenheit benutzte, um die Zionsidee auseinanderzusetzen. Der Vorsitzende, Herr L. Mozkin, cand. math., begann mit einer längeren Ansprache, in welcher er die Entstchungsursache des Vereines und die Beziehung des Festes zur nationalen Idee klarlegte. Darauf folgte eine Rede in reinem Hebräisch, eine kleinere Rede von Herrn Schmariah L e w i n, welche er mit einem schönen Gedichte beschloß. Ueber die Zionsidec sprach noch in ausführlicher Weise Herr Dr. A. K a m i n k a, welcher auf die Roth Wendigkeit derselben auch in den Ländern der Freiheit hinwies. Nach diesen Reden begann zwar der Tanz, aber die Stimmung des Publikums war keine tanzlustige sondern eher eine kampfesmuthige. In einem Nebenzimmer versammclle sich anfangs eine kleine Schaar von begeisterten Nattonaljudcn, allmählich jedoch wandte sich fast das ganze Publikum diesem Zimmer zu, und von neuem wurden enthusiastische Reden gehalten. Es war Gelegenheit geboten, einzuschcn, mit welcher Macht unsere Ideale sich der Gcmüthcr vieler Jünglinge bemächtigt haben. Das Gespräch gewann eine eigenthümliche Färbung, als mehrere Studenten sich veranlaßt fühlten, in innigen, herzlichen Worten kundzuthun, daß der Verein in ihnen eine große Umwandlung hervorgcbracht habe; mit Jubel wurden die Beichten mehrerer Lieblinge der russisch-jüdischen Studentenschaft aufgcnommen und zum erstcnmale herrschte eine vollkommrii einmürhige Stimmung in Bezug auf die Zukunft Israels. Auch eine Dame erhob sich und sprach von der Pflicht der Frau, im nattonalcn Sinne die Kinder zu erziehen. Da gab cs echte Gcmüthlichkeit, welche nicht durch künstliche Mittel verursacht wurde, sondern durch die Freude, daß man endlich zum Selbstbewußtfein gelangt war. Man erinnerte sich derer, welche mit größter Mühe und Noth, mit Aufopferung aller persönlichen Interessen als die ersten den palästinensischeu Boden urbar gemacht, man gedachte aller, deren Herzen warm für jüdisches Leben schlagen. Erst der Tagesanbruch machte den zahllosen Reden ein Ende, und am hellen Morgen verabschiedete sich die Gesellschaft unter dem Rufe: .oHVN'I nsun nwb L. m. - Wien, den 12. April 1891. Der Palästina- Colonisationsvercin „Admath-Jeschurnn" in Wien veranstaltete gestern Abends in Khuners Restauration seinen dicsmonatlichen Gcsclligkeitsabend, der zugleich der letzte in dieser Saison ist. Der Besuch war ein ungemein starker. Viccpräsidcnt Herr Saloinon Bauer hielt eine Diebe, und Herr Dr. Nathan Birnbaum eine Vorlesung: „Die drei Fragen der jüdischen Cölonialpolitik". Beide Redner erhielten reichlichen Beifall. Aach einer mit Applaus aufgenoinnicnen Gesangsleistung des Herrn Friedrich F u ch s g e l b schloß der Präsident Herr Dr. Moritz S ch n i r c r den Abend mit einer kurzen kernigen Ansprache. Hierauf tanzte das junge Volk. — Sonntag den 19. d. M. N a ch m i t t a g s 8 II h r findet im Vereinslocale 9. Bcz., M ü l l n e r g a s s c 13, eine außerordentliche Generalversammlung mit der Tagesordnung: Statutenänderung, Eventualia statt, zu der alle Mitglieder dringend eingeladen werden. Wien, den 14. April 1891. Einem glänzenden Siege der Antisemiten bei den Gemeinderathswahlen des dritten Wahlkörpcrs (33 Antisemiten gegen 13 Liberale) ist eine furchtbare Niederlage derselben bei den Gemcinderathswahlen des zweiten Wahlkürpezs (7 Antisemiten gegen 39 Liberale) gefolgt. Da nun der erste Wahlkörpcr, wie vorauSzusehcn war, fast durchwegs liberal gewählt hat, so werden dse Liberalen über eine Zwcidrittel-Majorität verfügen. Auch die Wahlen der Bezirksausschüsse fielen demgemäß günstig aus; nur i» wenigen Bezirken wird cs antisemitische Bezirksausschüsse geben. Unseren Brüdern rathcn wir über diesen Ausfall der Wahlen nicht allzu siegessreudig zu sein; cs ist. dies leider nur ein Heller Augenblick in dunkler Nacht. Lemberg, den 8. April 1891. Am 26. v. M. fand hier auf Anregung des rühmlich bekannten ehemaligen Präses der „Zukunft" und Secretärs der „Kadimah", Herrn Dr. A. Salz, ivährend er in Lemberg weilte, eine Versammlung der thätigsten Mitglieder des Vereines „Zion" statt, deren Beschlüsse, wofern sie von den nationalgesinntcn Vereinen in Galizien in That umgesetzt werden sollten, von großer Tragweite für unsere Sache hierzulande sein können. Dr. Salz wies nämlich auf die durch die eigenthümlichen Verhältnisse der galizischen Judenschaft begründete Nothwendigkeit einer einheitlichen, planmäßigen Propaganda in Galizien hin, und sah das wirksamste Mittel hiezu in der Bildung eines die bereits bestehenden/ wie auch die künftig zu gründenden jüdisch-nationalen Vereine in dem - genannten Lände/ umfassenden Verbands, der, unbeschadet der Autonomie der einzelnen Vereine, in die ivichtigsten, im Voraus festzustellenden Angelegenheiten wirksam einzugreifen hätte, Die Versammlung stimmte der Ansicht des Dr. Salz bei, und gab der Ueberau-

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