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Selbst-Emancipation · 1891-04-01 · Heft 7 (1.4.1891) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 7 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7. Selbst-Emancipation. retten war. Die im Dampfer Zurückgebliebenen zogen es nun vor, eher zu sterben, als einen Kahn zu besteigen. .Inzwischen arbeiteten die Hilfcleistenden eifrig am Ufer; bis über die Knie im Wasser stand der Vorsteher des Executiv-ComitLs der Odessaer „Chowawe Zion", Herr Temkin sammt allen unseren Brüdern; sie zogen mit Seilen die Schiffbrüchigen herüber. 'Nun kam auch der aus Rischon le Zion berufene Dr. M a s i e an. - Die geretteten Paffagiere wurden, nachdem man ihnen die erste ärztliche Hilfe geleistet hatte, vertheilt: Die Juden in die Comitä-Localitäten, die übrigen in das griechische und russische Consulat. In den Localitäten des Comitäs speciell begannen die Geretteten nach einer sorgfältigen Pflege sich zu erholen. Gleich hernach begaben sich die Comitemitglieder ins .russische Consulat, wo sie jedem Verunglückten Wein, Brod und Eier verabreichten. Der russische Consul und der Kajmakain dankten dem Herrn Temkin für seinen Eifer und die energische Hilfe, welche er allen Passagieren ohne Unterschied geleistet hatte, auf das herzlichste. Die nahezu zwanzig jüdischen Passagiere sind gerettet; verunglückt sind zwei Lootscn und vier christliche Passagiere. Der Grund der Katastrophe soll darin' liegen, daß der Dampfer bei Sturm und dichter Finsterniß die Richtung verloren hatte und vom Winde auf eine Klippe geworfen worden war; das Wasser habe den Maschinenraum überflutet, das Feuer verlöscht, worauf die Wogen das Schiff auf die Felsen warfen. Die ganze Ladung ist verloren gegangen, der Schaden wird auf zwei Millionen Francs geschäht Die Schiffsmannschaft ist gerettet worden, nur ein Matrose erlitt einen Beinbruch. — Ueber Vorschlag der Juden wurde eine Collecte veranstaltet, ' die sofort am ersten Tage 500 Francs Man spricht hier von einem Kaufe von 60.000 Dunam Erde in einer Entfernung von zwei' Stunden von Chaifa. — Herr Epstein, der in Jaffa eine Apotheke, ein chemisches Laboratorium und eine Oehlmichle errichtet hat, hat 1500 Dunam zu Rischon le Zion gehöriger Erde, zur Besetzung mit Reben gekauft. Dienstag, den 17. Februar um 2 Uhr Nachmittags fand die feierliche Eröffnung der Centralbibliothek für die Colonien und Jaffa statt. Sie trägt den 'Namen des verstorbenen Leon Lewanda, die hebräische Abtheilung den des unvergeßlichen Peter S m o l e n s k y. Mit jedem Schiffe kommen Vorsteher der Zionsvereine russischer Städte an. So aus Minsk die Vorsteher der „Chawere Elef", aus Moskau Herr Ginsburg, viele aus Libau, Riga und Kowno, Die Nachfrage nach Erde nimmt mit jedem Tage zu. Binnen Kurzem sollen hier die Vorsteher des Odessaer Comite's, die Herren A. Ginsberg, A. Nabinowitsch und Fischerowitsch ankommen. Ix. Jaffa, 1. März 1891.*) Sobald wir Ihr Blatt, welches sich sosehr mit Palästina beschäftigt, zu Gesichte bekommen, sobald wir zu¬ *) Aus dem Französischen übersetzt. weilen in den Spalten der „Selbst-Emancipation" die bei uns so gut gekannten Namen lesen, welchen Sie ebenfalls einen Platz in Ihrem werthen Blatte einräumen, bemächtigt sich unser eine gewisse Rührung. Man vergißt uns also doch nicht, dort in Europa! Wir, so weit von der civilisirten Welt entfernt, leben also doch im Geiste unserer Glaubensgenoffen. Die kleinste Bemerkung über Palästina im Blatte und man kann sicher sein, daß sie von Jedermann gelesen und wieder gelesen sein wird. Wenn sie nicht unterfertigt ist, verliert man sich in Vermuthungen, wer sie wohl geschrieben haben mag u. s. iv. Die Dinge bei uns, im kleinen Palästina, erfordern aber thatsächlich große Aufmerksamkeit. Ich will mit derjenigen Angelegenheit beginnen, welche uns am meisten Interesse einflößt, — der Kolonisation. In Folge der schlechten Witterung ist in derselben ein jäher Stillstand eingetreten, aber selbst jetzt, da jedes Schiff nur fünf bis sieben jüdische Familien bringt, kann man eine ganz neue Nüance der Colonisation beobachten. Die Sache ist die, daß man unter den Auswanderern bereits nicht mehr nur von Allem entblößte, arme und elende Menschen sieht, sondern auch zieinlich vermögende und sogar sehr reiche Leute. Wenn das so fortgeht, wird die Colonisation eine den Wünschen unserer Palästinafreunde ganz entsprechende Entwicklung nehmen. Die Auswanderer befanden sich vergangene Woche in einer ziemlich großen Gefahr. Das russische Schiff „Schihatschew" konnte nämlich wegen starker Bewegung der See durch zwei Tage in Jaffa nicht landen. Dann brach eine Wasserfluth über das Schiff herein und nach vielen Schwankungen von einer auf die andere Seite, scheiterte das Schiff au einer Untiefe. Man kann sich vorstellen, welcher Schrecken alle Passagiere erfaßt hatte, unter welchen es eine ziemlich große Zahl von nach Palästina. emigrirenden. Israeliten gab. Am Morgen war Hilfe herbeigeeilt und mit Gottes Hilfe wurden alle Passagiere gerettet, — mit Ausnahme eines „armen Teufels" (eines Ruffen), der trotz der größten Anstrengungen, die man machte, um ihn zu retten, ertrank. Das Schiff war nach zwei bis drei Tagen vollständig untergesunken. Die Auswanderer befinden sich jetzt bereits Alle wohl. Ich wage noch zu beinerken, daß die Israeliten bei der Rettung der Paffagiere des „Schihatschew", wenn nicht die erste, so doch jedenfalls eine sehr wichtige Rolle gespielt haben. Ich möchte wohl wiffen, was so ein Antisemit gesagt haben würde, wenn er die Israeliten zusammen mit den Arabern das Schiff heranziehen, oder sie im Waffer gesehen hätte, wie sie in Gefahr liefen, im stürmischen Meere zu ertrinken. Würden sie es noch wagen, uns Feiglinge zu nennen. Ich schließe meinen Brief, indem ich Ihnen eine Neuigkeit mittheile, welche für uns sehr tröstlich, für unsere Feinde sehr lehrreich ist. In Jaffa, wo die Zahl der Israeliten bedeutend kleiner ist als die der Muselmänner und Christen, gab es bis jetzt keine Bibliothek. Jetzt sind, Dank den Bemühungen des Herrn Ingenieurs T emkin, eine Bibliothek und ein Lesesaal für die ganze Bevölkerung von Jaffa eröffnet worden. Die Bibliothek ist bloß v o n I s r a e l i t e n gegründet und ihr Interesse daran offenbarte sich überdies gelegentlich der Eröffnung der Bibliothek, wobei die Versammlung so groß war, daß der Bibliothekssaal nicht alle Erschienenen fassen konnte. Dank den Bemühungen des Herrn Temkin und dank den Spendern, besitzt die Bibliothek schon jetzt eine beträchtliche Anzahl hebräischer, französischer, deutscher und russischer Bücher. Man erhält daselbst auch noch fast alle israelitischen Zeitschriften — zweifelsohne unentgeltlich — und einige fremde Journale. — Ich habe schon oben erwähnt, daß Jaffa unter seinen Einwohnen zunieist Muselmänner, dann Christen und zuletzt erst Israeliten zählt. Und dennoch haben diese letzteren allein die Idee einer Bibliothek der Jaffaer Bevölkerung gegeben. Man spreche nach alledem noch davon, daß die Israeliten nur für Handel Eignung haben. Grcgoire Aptecman. iLhronik. (Die Judenhetzen in der Umgebung Kolo, mens) erweise» sich als recht ausgiebig. Wir sind wegen Raummangels nicht imstande. Genaues hierüber zu bringen und wollen nur auf Grund der ausführlichen Berichte der „Oestcrreichischen Wochenschrift» unseren Lesern mittheilen, daß autzer den bereits gemeldeten jüdischen Tobten auch viele Berwundete und Kranke zu verzeichnen sind und daß „unzählige Familien auf den Bettelstab gebracht sind». (Aus Ungarn.) Graf GLza Z i ch y, der neue Intendant der Budapester Oper hat sowohl den Heldentenor David Ney, als den Director Gustav Mahler plötzlich entlasse». Beide Entlassene sind Jyden. Das ist mehr als auffällig. (Für die Colonisation Palästinas.) Wie bekannt, gelang es bereits der „Choveoey Zion Society" in London, Filialen in anderen Städten Englands zu errichten, beziehungsweise die Gründung ähnlicher Vereine in denselben zu veranlassen. Ganz besonders gedeiht die Zionssache in Manchester. Dort beschloß nach der „Jüdischen Presse" eine zur Entwerfung eines Actionsplanes geivählte Commission der „Manchester Chovevej-Zion-Society" einstiminig die Gründung einer Actiengesellschaft unter den Namen »Manchester Chovevej Zion Society for the Colonisation of the HolyLand«. Das in Aussicht genommene Capital beträgt 10000 Pfund Sterling (120000 fl.), der Nominalwerth der Actien 1 Pf. St. Das Capital der Aetiengesellschaft soll gegen genügende Sicherheit oder gegen Garantie der Rückzahlung ohne jede Zinsenberechnuug zilr momentanen Unterstützung solcher Personen verivendet werden, welche zur Niederlassung im heiligen Lande und zur Bebauung des Bodens geeignet erscheinen. Selten ist wohl eine in ivirthschaftlicher Beziehung wohlthätigere „nd so ganz und gar jeglicher Corruption fernestehende Actiengesellschaft gegründet worden. — In einer Londoner Synagoge predigte Dr. S a l o m o n, Rabbiner in Manchester, über die Palästina- Colonisation und entwickelte den Gedanken, daß eine Organisation geschaffen werde, die es aller Welt kundmachen solle, daß jeder Jude, ob reich oder arm, im Adar eines jeden Jahres eine bestimmte kleine Stimme, etwa einen Schilling zur Colonisation Palästinas beizusteuern sich ver-

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