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Selbst-Emancipation · 1891-04-01 · Heft 7 (1.4.1891) · p. Seite 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 7 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Selbst-Einancipation. Nr. 7. pflichtet halten solle.*) — Der in Paris vor kaum 4 Monaten gegründete Colonisationsverein (nicht identisch mit der dortigen Colonisationsgenossenschast „Dorsches Zion") zählt bereits 130 Mtgliedcr. *) Wir müssen hier bemerken, daß uns ein Freund unseres Blattes, Herr S. W. in Dorpat, bereits im Jänner d. I. ein ähnliches Project vortrug, nach welchem jeder Jude 1 kleine Scheidemünze für den Colonisattonszweck per Monat geben solle. Der Projectant rechnete eine Jahrescinnahme von fast einer halben Million Gulden aus. Wir standen vor der Veröffentlichung dieses Projcctcs vorläufig ab, weil wir uns derzeit in Oesterreich-Ungarn nichts davon versprachen. Die Redaction. („Safah berurah".) Es ist erfreulich, daß diese Vereine zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache immer mehr Fortschritt machen und sich auch stets an Anzahl vermehren. So wurde jüngst auch in Darbend (Kaukasus) ein solcher Verein gegründet. (Kindcrtheater in Rischon lc'Zion). In dieser schönsten Colonie dcS heiligen Landes fand nach „Haor" am 27. Schewat d. I. eine Kindervorstellung statt, welche Herr David Judilewitz, der unermüdliche Lehrer des Hebräischen, in Scene setzte und leitete. Es wurde natürlich in hebräischer Sprache gespielt und hatte man wieder einmal Gelegenheit die Unterrichtsresultate des Herrn Judilewitz zu bewundern, der für die Einführung des Hebräischen als Umgangssprache in der Colonie so viel leistet. Die Personen des Stückes, respecttve die Rollcndarsteller find: Micha Josef (Titelrolle) — Rüben SmolizanSky; — die hebräische Sprache — Hawa Schallt; der Erzengel Michael — Dina Lubmann; Der Todcscngel — Hawa Schalit. Moses — Moses Judilewitz: Salomo — Benjamin Giffin; Simson — MoseS Jalowsky; Jehudah Halevy — Wolf Frimann. (Wie nahe) die Juden oft der Erkenntniß unseres eigenarttgen Elends, für das es nur eine Rettung geben kann, kommen, ohne diese Nähe zu ahnen, zeigt folgende Stelle m der „Wiener Sonn- und Montagszeitung": «Nun, die Geschichte von den großen Reichthümern aller Juden ist schon cntwas abgebraucht. Und dann, gibt es denn außer dein materiellen Reichthum nichts mehr, was dem Leben Werth verleiht? Ist mit dem Besitze von Gut und Geld schon alles erschöpft, was man sich wünschen kann? Oder ist ein Mensch wahrhaft glücklich zu schätzen, wenn er bei allem Besitze irdischer Güter doch auf Schritt und Tritt angefeindet, beleidigt und verleumdet wird, und das aus keinem anderen Grunde als dem, weil er unvorsichtig genug war, sich von einer jüdischen Mutter gebären zu lassen? Und nun gar die armen Juden. Denn es gibt auch arme Juden,trotz der gcgenthciligen Versicherungen des „Deutschen Volksblattes". Sollen sie wirklich bei all' ihren materiellen Sorgen auch noch unter den rohen, nichtswürdigen Verleumdungen der Anllsemiten zu leiden haben?." — Goldene Worte, die wir rückhaltslos unterschreiben möchten. Schade nur, daß diesem Gold das Blech eines billigen Anti-Anlisemillsmus folgt. (Esther Solymoffy), der Anlaß zum Blutmärchcnproceffc von Tißa-Eßlar, soll angeblich in Ncw- Uott unter dem Namen Rosa Kohlmann aufgefunden worden sein. So schreiben alle Tageszeitungen. Ob diese Nachricht wahr ist, ist recht zweifelhaft; sie dürfte sich auch nicht bcstättgcn. Die Vertheidiger im Tißa-Eßlarer Proceß Hallen cs nämlich für ausgemacht, daß Esther Solymoffy in den Fluthcn der Theiß ihren Tod gefunden hat. (Herr Dr. Scloh Merrill), gewesener Consul der Vereinigten Staaten in Jerusalem, von dessen zionsfreundlichcm Wirken unter den Juden Bostons wir neulich berichteten, ist wieder zum Consul für Jerusalem ernannt worden. Dir palästtnensischen Juden werden hiemit auf die bevorstehende Ankunft dieses edlen Judcnfreundes im heiligen Lande aufmerksam gemacht. (Aus Paris.) Aus dem so viel besprochenen Artikel des Nationalökonomen, Professor am Institute von Frankreich, A n a t o l e L c r o y-Baulieu in der „Revue de deux mondes" vom 15. d. M. sei folgende Stelle mttgetheilt, welche viel, sehr viel Wahrheit enthält, und in ihrer letzten Hälfte von ergreifender Schönheit ist: „Wir sprechen von der „Vcrjudung" der christlichen Gesellschaft. Wenn die Christen christlich geblieben wären, hätte der Jude wenig Einfluß auf den Christen. Das, was man „Verjudung" unserer modernen Gesellschaft nennt, können Juden und Christen in gleicher Weise — verzeihen Sie mir den Barbarismus — die Paganisatton (Verhcidung) der Gesellschaft nennen. Arier und Semiten, entchristlichte Christen und vom Judenthum abgcfallene Juden, kommen praktisch auf dasselbe Ziel, auf ein gewiffensloses Heidcnthum, hinaus. Sem und Japhet, gellieben durch die gleiche Geistesrichtung, gleiten Arm an Arm den gleichen Abhang hinab. Unsere schwerfälligen abendländischen Raffen welche bas Evangelium mühsam deni Cultus der Materie und der rohen Gewalt entriß, sind auf dem Wege in den früheren Naturalismus zurückzufallcn, nur diesmal entkleidet von dem mythischen Schmucke, welcher einen Zauber von Poesie über die sinnliche Narurgewalt ausbreitetc. Und Israel selbst, auserwählt als das Volk Gottes, Israel, das in früheren Tagen durch die Propheten mit so vieler Mühe den Altären des Moloch und des Baal enlliffcn wurde, dieses selbe Israel, c n tnervt durch die Börse und müde, den Messias der Gerechtigkeit zu erwarten, scheint wie der alternde Salomo die Verbindung mit dem Ewigen zu vergeffen, um auf den Höhen der Gesellschaft den fremden Götzen dem Kamosch und der Astarte, Weihrauch zu slleuen." (Aus Paris.) Das russische Gencralconsulat in Paris verweigert nach dem „Woschod" denjenigen französischen Ausstellern, welche keinen Taufschein beibringen, das Visum der Pässe für die Moskauer Ausstellung. Die französischen Zeitungen protestiren gegen diese Maßregel. (Aus Rußland.) Großfürst S e r g e i ist statt des liberalen Fürsten D o l g o r u c k i zum General-Gouverneur von Moskau ernannt worden. Die antisemitischen Panslavistcn freuen sich über diesen Tausch, der auch von einem für sie erfreulichen Wechsel in der Person des Polizeimeisters begleitet sein dürfte. — Für die jüdischen Advokaten ist ein numerus clausus von 10% der Gesammtzahl der Advokaten eingeführt worden. Außerdem braucht der Conseil, wohl unserer Advokatenkammer entsprechend, nur solche Juden aufzunehmen, welche dessen für würdig erachtet werden. Das werden Viele sein! — Ein englischer Publicist hat berechnet, daß etwa 1% Millionen russischer Juden durch Wohnbeschränkungen und daraus folgende Vertreibungen dem Verderben preisgegeben wurden, wobei nicht berücksichtigt ist und sich nicht zahlenmäßig feststellen läßt, welches neues Elend in den rusiischen Städten entstanden ist, welche die Vertriebenen aufnahmen. — Die in russischer Sprache geschriebene jüdische Zeitschrist „Woschod" mit der „Wochenchronik des Woschod" erhielt eine dritte Verwarnung; zugleich wurde die weitere Herausgabe für den Zeitraum von sechs Monaten ver- Correspondenz der Redaction. Herrn S. 01—t in Lemberg. Die Adresse ist: IX., Strohcckgasse 11. - Eine Deputation an genannte Persönlichkeit war für die nächste Zeit nicht in Aussicht genommen; wir glauben übrigens nicht an einen eventuellen Erfolg, da B. H. so ein Art Ministerium hat, dem er blind vertraut und das ihn übel beräth. — Unser Mitarbeiter Herr Dr. T. erwidert herzlich Ihre freundlichen Grüße. Herrn S. M. in Karlsruhe. Die gewünschte Liste erhalten Sie deninächst. Ein echt Liberaler in Czernowitz. Ja so sind sie — die „echt Liberalen". Sie, der Sie nicht den Muthchaben, Ihren Namen zu nenne», wagen cs, uns auf opener Karte in den unverschämtesten Worten und, nebenbei gesagt, im schlechtesten Deutsch zu insinuiren, daß unsere Antwort an I. E. in Czernowitz in der Redactionscorrespondenz der vorigen Numnicr einfach fingirt gewesen und uns von Niemandem eine Zusendung über Herrn Wagner zugekommcn sei. — Nun ist aber thatsächlich ein solcher Bericht an uns gelangt, den wir jedoch nicht zu veröffentlichen uns bemüßigt fanden, und auch jetzt nicht bemüßigt fühlen, wiewohl Sie uns dazu mit den elastischen Worten auffordcrn: „Haben Sic wirklich etwas, dann zeigen Sic es der Ocffentlichkeit." Wenn cs Sie übrigens intcressirt, so thcileu wir Ihnen mit, daß die Einsendung mit „Josef Ehrcnkranz" gezeichnet war. Sollten Sic den Mann nicht vielleicht näher kennen? Es will uns schier bedünken; „echt Liberale" sind manchmal schlau. X. in Magdeburg. Dr. Bl. war nie Deutschliberaler und hat sich auch nie als solcher wählen lassen. Jetzt ivurde er thatsächlich mir als Jude von Juden gewählt, wird sich aber, wie er bereits erklärte, dem Polcnclub anschließen. — Freilich ist es möglich, daß eine Wahl nicht agnoscirt wird; daß dies aber bezüglich der Wahl des Taruowcr Rcichsrathsabgeordneten nicht geschehen wird, ist sicher. — Jetzt lassen sich unsere Antisemiten nie unter dem Namen „Demokraten" wählen; dagegen sind frühere Demokraten, wie eben z. B. Dr. L u e g e r, ins antisemitische Lager übergegangen. — Dieses Verzeichnis wird bcstimukt gebracht werden. Wenn Ivir nur mehr Raum zur Verfügung Herrn Leopold Mandl in Röhrenbach. Von dem betreffenden Vortrage sind keine Scparatabdrücke gemacht worden. — Die Notiz, für deren Zusendung wir bestens danken, wird natürlich gelegentlich abgedruckt werden. — Die Petttton wird Ihnen zur Unterfertigung, respecttve Weitervcrbreitung zugeniittelt werden. Ein Gesinnungsgenosse in Czernowitz. Waad Achnin und Waad cl Chanun sind identisch. — Im bewußten Vorllage sind die Colonien Jehudiah, Mischmar ha'Jarden, B'er Tobiah oder Kastinia und Beth Jehuda vergessen. Einige Güter und noch nicht zu wirklichen Niederlassungen gestaltete Grundstücke sind nicht als Colonien gezählt worden, auch wenn sie einen eigenen Namen führen. Denket an Eure verfolgten Brüder und tretet den Palästina-Colonisationsvereincn bei! Diese sind in Oesterreich: Verein. „Admath Jeschurun" in Wien, «X., Müllncrgafsc 13, Verein „Admath Israel" in Stryj.(für Galizien). Sprechsasl. Antwort: Herrn L. M. in Berlin. Von Sir Laurence O l i p h a n t ist mir folgendes Werk über die Zionsidee bekannt: „Haifa or Life in modern Palestine“. Dr. I. S. in. Bojan. Frau R. B. in Wien. Wein ist bekannt, ob die Schriftstellerin Georges Elliot mit Benjamin Dis-- racli in Verbindung gestanden ist? Berschleißstellen in Wien: (außer dem Adminisllationslocale) Schreigaffc 0. II., Praterstraße 13, Buchhandlung CH. D Lippe II-, Stcfaniestraße 2, Buchdruckerei Schloßberg. VI»., Wickenburggaffe 18, Parterre, Th 3. X., Kepplerplatz 1, 2. Stock, Thür 19. Für die Redaktion verantw.: Dr. Nathan Birnbaum. Buchdruckerei Schloßberg, Wien, II., Stcphaniestr. 2

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