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Selbst-Emancipation · 1891-04-01 · Heft 7 (1.4.1891) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 7 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9lrl 7. Selbst - Emancipation. Seite 3. in Deutschland und zumal in Berlin mit den leitenden israelitischen Kreisen engste Fühlung hat.*) Die Delcgirtcn müssen von ihrem Vereine bevollmächtigt werden, iin Namen des Vereines einen Centralausschuß aller Verbände zu wählen, der wiederum aus seiner Mitte einen gcschäftsführenden Ausschuß und einen Centralvorsitzenden zu ernennen hat. Um zu erreichen, daß kein Verein in irgend einer Weise in feinem Stimmrecht beeinträchtigt wird, wäre es am besten, daß stets von einer bestimmten Anzahl, — sagen wir z. B. 50 Personen — ein Abgeordneter gestellt wird. So handhabt cs der Verein „Ezra", und ebenso werden die Lokalverbände der „Jewish Alliance of America" auf ihrem Vereinstage vertreten, der das letzte Mal von nicht weniger als 93 Depntirten besucht war. Das Centralcomite wird alljährlich durch Neuwahlen in den Vereinen ergänzt, und muß in jedem Jahre behufs seiner Thätigkeit cinberufen werden. Die Vortheile, die sich aus dieser Centralisirnng für unsere Sache ergeben, liegen zu klar ans der Hand, als daß es nötig wäre, dieselben hier auseinander zu setzen. Wir erinnern nur an die mächtige Stellung, welche die socialdemokratische Partei >n Deutschland nur aus dem Grunde einnimmt, weil sie einheitlich organisirt ist. Zweierlei Art aber würde die Thätigkeit sein, welche dem Centralcomite zufiele. In erster Linie müßte dasselbe die oberste Leitung in der Colonisation des heiligen Landes übernehmen; es müßte das Geld von allen Verbänden erhalten, und die Bestimmung treffen, wie es zu verwenden sei. Besteht doch einer der größten Mißstände der Palästinacolonisation, wie es erst kürzlich Herr Konstantinowsky gerügt hat, darin, daß durch planloses Ankäufen von Land und durch unüberlegte Ansiedelung ein großer Theil des Geldes verschleudert und der Erdboden im heiligen Lande vcrtheuert wird. Darum ist es besser, daß die Vereine ihr Geld an einen verantwortlichen Centralausschuß abführen, als daß sie es direkt den Colonien odergar einzelnen Colonisteu überreichen, wobei doch immer schon wegen der räumlichen Entfernung eine Controle über die Verwendung, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen, so doch wenigstens sehr erschivert ist. Wie viele aber tragen nur aus diesem Grunde nicht ihr Scherflcin zn dem gemeinsamen Werke bei? Eine zweite 'Art der Thätigkeit des Centralcomite's würde darin bestehen, die Agitation in bisher von der Bewegung unberührte Provinzen zu tragen. Da gibt es allein in Deutschland ganze Strecken Landes, die noch nie ein Wort von ackerbauenden Juden im Oriente gehört haben, und gerade die am dichtesten von Juden bewohnten Gegenden am wenigsten. Wir nennen hier nur Süddeutschland, Hessen**) und Posen. Daher hat auch der Berliner Verband des Vereines „Ezra" sich dahin ausgesprochen, besonders *) Briefe sind zu richten an Herrn A r j e h M o z k i n, Berlin, N. Auguststraße 64|IH. Wir sind überzeugt, daß Herr Mozkin sich dieser seiner Ehrenpflicht um so eher unterziehen wird, da er auch zugleich Delegirter für den Bundestag der Vereine „Ezra" ist. **) Die eine Stadt F r a n k f u r t a. M. hat mehr Juden, als manche preußische Provinz, und nur wenige sind unter ihnen, die nicht gerne dem Judenthume ihren Tribut zollen. nach Süddeutschland Emissäre zu senden, um dort sür die Zionssache Propaganda zu machen. Da jeder Groschen, jeder Kreuzer, der zur Agitation verwendet wird, sich zehnfach rentirt, so sind die Ausgaben für dieselbe kein Verlust an Geld, sondern ein zu Wucherzinsen ausgeliehenes Capital. Wie könnte aber die Propaganda mit ganz anderen Mitteln und noch dazu im Namen des Bundes aller Vereine anstatt durch einen e i tr zigen Verein betrieben werden! Daher müssen wir im Interesse der Weiterverbreitung des Zionsgedankeus, im Interesse der besseren Verwendlmg und Verwaltung der Geldmittel so bald als möglich daran gehen, uns zu centralisiren. Ueberall, ivo neue Lokalverbände entstehen, müssen sie sich anschließen und wir zweifeln gar nicht, daß sogar der große christlich-englische Verein kein Bedenken wagen wird, sich ebenfalls mit uns zu verbrüdern, sobald wir nur etwas Positives geleistet haben, denn nicht etwa ein „ausschließlich jüdisch-nationales" Band darf es sein, daß alle Vereine zu umfassen hat; denn die Verbreitung des nationalen Gedankens ersordert in verschiedenen Ländern unter anderen Verhältnissen auch ganz andere Mittel; aber in der praktischen Seite desselben müssen wir wenigstens einig sein, d. h. in der Colonisation Palästinas. Wir wollen hier nicht im einzelnen darauf eingehen, wie wir uns die Zusammensetzung und die Vollmachten des Comitä's denken, daß ist Sache des Dclegirtentages, dessen Beschlüssen wir uns fügen werden. Stur eine Bitte möchten wir an a l l e j ü d ischen Zei tu n gen richten, besonders au diejenigen, welche in hebräischer oder deutsch-jüdischer Mundart erscheinen: diese unsere Aufforderung, soweit es in ihren Kräften fteht, zu verbreiten, damit die Sache in jedem Zionsverein zur Sprache kommt. Ferner richten wir an den „r ussisch - jüdischwissenschaftlichen Berel n" in Berlin die Bitte, so bald als möglich die Initiative zu ergreifen, Alles für die Versammlung vorzubereiten, Tag und Ort zu bestimmen und nach allen Seiten Einladungen zu versenden. Wir wiffen sehr wohl, daß wir mit diesem unserem 'Aufrufe den meisten unserer Leser nichts Neues bieten, denn es ist uns ivohl bekannt, daß wir hiemit nur einen Herzensivunsch der meisten Zionsfreunde aussprechen; jedoch hielten wir es für unsere Pflicht und Schuldigkeit, offen und ungeschminkt das zu sagen, was wir sür unser Volk und unsere heilige Sache für nötig erachten; denn-je eher die Vereinigung zustande kommt und je fester sie wird, umso besser für Zion. Mit vereinten Kräften werden wir siegen, und je enger,virverb u n d e n sind, um s o e h e r st e h e n iv i r a m Z i e l e. Darum auf! Ihr Brüder, die Ihr . Zion ins Herz geschloffen habt, die Ihr Euch eins mit Eurem Volke fühlt, die Ihr sür Eure Nation kämpft, schließt Euch fest zusammen, u n d d e r S i e g i ft E u er. Kein Verein versäume es, seine Pflicht zu thnn und den Delegiertentag zu beschicken! Magdeburg, am 25. März 1891. Die Amerikaner und die (Lolonisationpalästinas. Der angelsächsische Volksstamm erweist sich immer mehr als derjenige, welcher berufen ist, in der Geschichte der Wiederbelebung des jüdischen Volkes im Lande seiner Ahnen eine hervorragende Rolle zu spielen. Stach den äußerst erfreulichen Nachrichten über die Unterstützung der Palästinasache seitens der höchsten englischen Kreise, welche ivir unseren geehrten Lesern bereits mittheilten, sind wir heute in der Lage, eine ebenso erfreuliche Botschaft aus den Vereinigten Staaten in Ergänzung einer früheren kurzen Meldung zu bringe». Wie die streng zionistische, hebräische Wochenschrift „Hapisgah" in Baltimore berichtet, wurde Herr William B l a k e st o n e am 5. d. M. (März) in Begleitung des Ministerpräsidenten B l a i n e vom Präsidenten der Vereinigten Staaten in dessen Palais zu Washington empfangen, und überreichte eine Petition in Angelegenheit der russischen Juden. Herr Blakestone erklärte dem Präsidenten, Herrn H a r r i s o n, daß diese Petition die Ausführung einer Resolution sei, welche von christlichen und jüdischen Männern, die aus ganz Amerika in Chicago zur Berathung von Hilfsmaßregeln für die russischen Juden zusammengekommen waren, gefaßt worden sei, und daß dieselbe keine Beschwerde gegen Rußland enthalte, vielinehr sich mit der Frage beschäftige, wie auf friedlichem Wege den Juden ihr Ahnenland wiedergegrben werden könnte. Herr Blakestone brachte dem Präsidenten überzeugende Beweise, daß Palästina ein fruchtbares Land sei und für Ackerbau und Handel sich eigne, besonders, wenn es in geschickte Hände komme, umsomehr als die Eisenbahn Jerusalem-Jaffa bald fertig sein und sich später bis Damaskus und Palmyra und noch weiter bis an die Ufer des Euphrat ausdehnen werde. Zuletzt verwies Herr Blakestone darauf, daß sich mit der Türkei leicht ein Arrangement werde treffen lassen und daß es nebst den europäischen Staaten auch Amerika, welches ebenso gute Beziehungen mit der Türkei als mit Rußland unterhält, nicht schwer fallen könne, die Sache zu unterstützen. D e r P r ä s i d e n t d er V e r e i ni gt e n Staaten schenkte den A u sf ü h r u n g e n des H e r r n B l a k e st o n e freundliches Gehör und versprach daß e r d e r Petition sein Augenmerk zu wenden lind sein Möglichstes i n d i e s er A n g e l e g e n h e i t zu t h u n b e st r e b t sein werde. Die Petition selbst ist höchst interessant, sie schließt mit den Worten: „Zu diesem Zwecke wenden wir uns an Sie, Herr Präsident, mit der Bitte, Sie geruhen die kaiserlichen und königlichen Negierungen von Rußland, Oesterreich, Deutschland, Türkei, Großbritannien, Italien, Niederlande, Belgien, Schweden, Dänemark, Griechenland, Spanien, Portugal und die Regierung der französischen Republik zu veranlagen, daß dieselben einen Congreß beschicken,

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