Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 6 (16.3.1891)
- Date
- 1891-03-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6. S e l b st - E m a n c i p a t i o n. Zeit hat er der Jungfrau von Orleans (!) in ihrer Gcburtsstadt eine Statue errichten lassen; nunmehr hat er dem Stadtrath von Lausanne in der Schweiz 100.000 Francs (!) zur Errichtung einer Wilhelm Tell- Statuc angeboten. — Wann kommt Maria Stuart daran« Oh, über diese Juden! Findet der Mann für sein Geld keine angemessenere Verwendung« Man könnte darüber lachen, wen» einem nicht eher das Weinen ankäme. (Theologische Nutzlosigkeiten.) Herr Prof. Berner in Berlin hat einen schönen Bortrag über „Judenthum, Christenthnm und ihre Zukunft" gehalten, worin er vom Indenthum viel GntcS erzählt, ihm aber als Religion keine Zukunft znerkcnnt. Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m in Berlin sieht darin einen gntcn Predigtstoff, dankt von' der Kanzel herab Herrn Prof. Berner für seine Worte, spricht sich aber gegen dessen Ansicht aus, als hätte der MosaiSmus keine Zukunft. Sotveit wäre Alles ganz schön. 'Run erlaubt sich der Herr Rabbiner einige recht — aufrichtige Aeiißeriingen über die Dogmen des ChriftenthumS. Darüber fällt nun die antisemitische „StantSbürgerzeitnng" her und die orthodoxe „Jüdische Presse" in Berlin 'erklärt die Aeußcrnngcn Dr. Mahbnnms mit Rechr als eine „Tactlofigkeit, welche innerhalb der Berliner jüdischen Gemeinde tiefgehende Entrüstung wachgcrufen hat und nngcthciltc Berurtheilung findet", lieber dieses Urtheil ärgert sich wieder die reformerische „Israelitische Wochenschrift" in Magdeburg. Stakt den russischen Juden zu helfen, beschäftigen sich unsere Stammesgenosscn in Deutschland damit, den Ehristcn „Vielgötterei" und „Bcrnunftwidrigkcil" ihrer Lehre vorznwcrfen. Wozu die Leute Zeit und Lust haben! („Jewish Alliance of Amerika".) Die „Indische Allianz von 'Amerika" hatte nach „Hapissgah" am 15. v. M. in Philadelphia ihre erste Vollvcrsaimnlung, welche von 93 Abgeordneten. aus verschiedenen Städten Amerikas beschickt war. (Aus Rußland.) In Petersburg und Moskau hat sich ein Verein „Gegner der Juden" gebildet. Die Mitglieder geben das Wort, nie mit einem Juden in geschäftlichen oder anderen Verkehr zu treten. Ausnahmen, wenn ein Mitglied unter lauter Juden wohnt, gestattet die Vereinslcitung. Der Verein theilte seine Mitglieder in eine wissenschaftliche und praktische Commission. — Eine jüdische Frau in Odessa, namens Rachel Kolbcrg, erwirkte dieErlaubniß, ihren Sohn, welcher sich wegen bevorstehenden Uebertritts zrnn Christenthnm in einem Kloster befand, sehen zu dürfen, und brachte ihm bei dieser Gelegenheit von seinem Entschlüsse, sich taufen zu lassen, ab. Dafür wurde die Fan mit 2 Wochen Arrests bestraft; sie appellirte an die höhere Instanz. — Den jüdischen Handiverkern ist der Aufenthalt in Sibirien verboten morden, und demgemäß ivurden Handwerker aus Sibirien ausgewiescn, welche schon seit Jahrzehnten dort leben und dort assentirt worden sind. (Für die Colonisation Palästinas.) Aus Anregung des Herrn David Blaustein in B o st o n hielt der dortige Universitätsprofessor Herr Dr. S. M e r r i l l, ehemaliger Consul der Vereinigten Staaten in Jerusalem, in einem großen Saale unterhalb der Synagoge „Bcth Israel" vor einer großen Menschenmenge einen Vortrag über Palästina, dessen Verhältnisse und Eigenschaften er genau und anschaulich schilderte. Er forderte hierauf die Anwesenden in flainmenden Worten auf, für die Sache der Colonisation Palästinas einzutreteu und sagte unter Anderem: „Theure Brüder! Wisset, daß viel Gutes für Euch im Schoße dieses Landes verborgen ist. Nach diesem. Lande sollet. Ihr Auge und Herz richten! Es ist. das.Land, welches am geeignetsten ist, in Zeiten der Noth Eure Zuflucht zu sein. Dort werdet Ihr Ruhe finden". Der Vortrag des Herrn Dr. Merrill rief tiefe Bewegring hervor und rvird hoffentlich von den besten Folgen für den Bostoner Verein der „Chovevcj Zion" begleitet sein. - - JnLondon verairstaltete die „ChovevejZion Society" im Eastend im Saate des „Jewish Working-Men Club" eine Versammlung. Den Vorsitz führte diesmal Herr Osivald John S i m o n. Unter Anderem erklärte er den an sich unsinnigen Vorwurf des Unpatriotismus, der so oft gegen die Zionsfreunde erhoben werde, schon deshalb für absurd, weil es gerade wahrer Patriotismus der englischen Juden sei, wenn sie die Masseneinivanderung eines kapitalunfähigen Volkes vom eigenen Gebiete abzuleiten bestrebt sind. Der. Redner betonte auch den raschen Aufschwung der Bewegung in London und den guten Stand der Zionssachc im Allgemeinen. (Amerika) rüstet sich zu Prohibitivmaßregcln gegen die Einivandernng russischer Juden. Demnächst ivird nämlich in den Vereinigten Staaten die Einivanderungsbill zur Annahme gelangen, welche die E i n iv a n d e r u n g v o n P e r s o n e n, die z u r R c i s e U n t e r st ü tzu n g erhielten, und von denen anzunehmeii ist, daß sie die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch nehmen werden, verbietet. Dieses Gesetz ist offenbar vornehmlich auf die russischen Juden gemünzt. So muß ein Culturvolk mit sich umspringen lassen, das kein eigenes Heim besitzt. - Aus Hamburg wird berichtet: Es kamen 23 jüdische Auswanderer, die vollkommen verarmt aus Amerika zurückgckehrt sind, hier an. Das israelitische HilfscomitL übernahin die Leute und beförderte sie in ihre Heimat, theils ikach Böhmen, thcils nach Galizien. Commentar überflüssig. (Wir siegen doch!) Selbst die in Wien erscheinende „Neuzeit", doch gewiß kein zionsfreundlichcs Organ, muß bereits Nachrichten über die Palästina-Colonisation bringen. So enthielt die vorletzte Nummer dieses Blattes folgende 'Notiz aus Odessa: „Mehrere reiche Juden haben in den letzten Tagen unsere Stadt verlassen, um sich nach Palästina zu begeben, wo sie mit Genehmigung der türkischen Negierung weite Landstrccken für die Colonisation einer großen Anzahl russisch-jüdischer Auswanderer zu eriverben gedenken". — Daß die Palästinaidee in Rußland in alle Schichten des jüdischen Volkes gedrungen ist, namentlich aber die jüdische Intelligenz gewonnen hat; daß sie eine mächtige Beivcgung geschaffen hat, die ihren Ausdruck in den großen, aus tausenden und aber tausenden Mitgliedern bestehenden „Verein zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Ackerbauer in Syrien und Palästina" findet, iveiß freilich die „Neuzeit" nicht zu berichten. (Todesfälle.) Herr Isidor Niemcowitz ist vor einigen Tagen in Meran einem langjährigen Lungenübel erlegen. Der Verstorbene war ein hochherziger Mensch und ein warmer, hingebungsvoller Zionsfreund. Er war von Beruf Chemiker und, da er auch vermögend ivar, gründete er in der Nähe von Jaffa eine Oelfabrik. Niemcowitz hat ein Alter von höchstens 45 Jahren erreicht. Er ruhe sanft! — Unser Gesinnungsgenosse und Freund unseres Blattes, Herr Dr. Leo S i l b e r m a n n, erlitt durch ' den Tod seines Vaters, Herrn Chaim Silbermann, einen schweren Verlust. Herr Chaim Silbermann war Gemeinderath utld Cultusvorsteher Seite 7. in Neusandec. Mit 45 Jahren beschloß er sein Dasein, das er dem Wahle seiner Familie und Mitbürger gewidmet hatte. Ehre seinem Anden- (Personalnachricht.) Am 10. d. M. vermählte sich unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Salomo Bohin in Lemberg mit Fräulein Julie G o l d b e r g. Lingesendec. Seit einiger Zeit treibt sich in Wien eine Person herum, ivelche angeblich zum Zwecke der Colonisation Palästinas von Haus zu Haus Spenden absammeln geht. Dem gegenüber erklären wir, daß eine solche Spendenabsammlung behördlich nicht gestattet ist und nicht von unserem Vereine a us g eht. Wir richten daher an alle unsere Mitglieder und Zionsfreunde die höfliche Bitte, 'Niemandem auch nur die geringste Summe zu obgeiianntciil Zivecke auszufolgen, wenn nicht eine behördlich lcgalisirte Vollmacht des Vereines „Admath Jeschurun" vorliegt. Für den Ausschuß des Vereines „Admath Jeschurun": Tr. M. Schnirer, Tr. O. Kokesch, dz. Präsident. dz. Schriftführer. Belletristisches Vavid Mron. Von Benjamin d'JSraeli, Lord of Beaconsfield. (>2. Fortsetzung.) „Hört mir zn, Alroy," sagte Honain leiser und schlang seinen 'Arm um ihn. „Ich bin Euer Freund. Unsere Bekanntschaft ist zwar noch sehr jung, doch waS schadet das« Jcü liebe'Euch. Ich rettete Euch vor Unbill. Ich pflegte Ench in Krankheit, »och jetzt ist Euer Leben in meiner Gewalt, aber ich ivürde es niit meinein eigenen beschützen. Zweifelt daher nicht an mir. Unsere Zuneigungen stehen nicht in unserer Macht, und Ihr habt die meiuige gewonnen. Die Sympathie zwischen uns ist vollkommen. Ihr seht mich, seht, wer ich bin; ein Hebräer, ohne datz eS Jemand weiß; einer von jenem verachteten, verworfenen, verfolgten Volke, dessen Oberhaupt Ihr seid. Auch ich wollte gern frei sein und geehrt. Freiheit und Ehre habe ich erlangt, aber ich war mein eigener Messias. Ich verließ in früher Zeit unsere unselige Sache, doch nicht ohne Prüfung. Frage Jabastor, wie ich kämpfte. Jugend konnte meine einzige Entschuldigung bei diesem Schritte sein. Ich verließ dieses Land, ich ergab mich den Wissenschaften und lebte unter den Griechen. Von Constantinopel kehrte ich mit allen ihren Kennlniffen und einigen ihrer Fertigkeiten zurück. 'Rieniand kannte mich. Ich nahm den Turban, und bin jetzt ... der gefeierte Honain. Benutzt meine Erfahrung, Alroy, und erspart Euch großes Elend. Laßt dieses letzte Abenteuer zu Euerm Vortheile sich wenden, Niemand kann Ench hier erkennen. Ich will Euch als meinen Sohn, den mir irgend eine schöne Griechin geboren, hier unter den Vornehmsten einführen. Die ganze Welt liegt vor Euch. Ihr könnt kämpfen, Ihr könnt lieben, Ihr könnt genießen. Krieg und Frauen, und Ueppigkeit, alle» steht Euch zu Gebote. Mit Euerm Acußern und Euern Talenten könnt Ihr Großvessir werden. Werft den Unsinn aus Euerm Kopfe. In dem jetzigen zerrütteten Zustande des Reichs könnt Ihr Euch sogar ein Königreich herausbilden, das unendlich reizender sein wird, als das dürre Land, wo Milch und Honig fließt. Ich habe dieses Land gesehen»