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Selbst-Emancipation · 1891-03-16 · Heft 6 (16.3.1891) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 6 (16.3.1891)
Date
1891-03-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Selbst-Emancipation. Nr. 6. fürchtet, sein Volk und seine nationale Abstainmung vor Angen hat, soll mit warmen Herzen auftrcten und alle Hebel in Bewegung setzen, daß einer ans unserer Mitte mit diesem Mandat betraut werde, denn die Wahl eines unserer Brüder ist nicht bloß vom religiösen Standpunkte sondern auch als Existenzfrage Gesammtisracls zu behandeln. Der Antisemitismus dringt in alle Schichten und immermehr wächst die Zahl der Antisemiten, die sich alltäglich erheben, um unseren Namen zu beschimpfen. Und wer soll in öffentlicher Versammlung unser Vertheidigcr sein, wenn nicht einer unserer Brüder?" u. s. w. In den zahlreich abgchaltenen jüdischen Versammlungen wurde der jüdische Kandidat seitens der Anhänger der jüdisch-nationalen Partei in warmen Worten unterstützt. Die Begeisterung unter den hiesigen Juden war eine so große, daß sic wie ein Mann entschloffen waren, an der Wahlurne zu erscheinen und für ihren Candidaten die Stimmen abzugebcn und gewiß hätte die jüdische Sache einen glänzenden Sieg davongetragen, wenn nicht unsere Feinde an ihre durch zweiZahrtausendcn erprobte Waffe, an die physische Rohheit appellirt hätten. Ungeachtet dessen, daß in der hiesigen antisemitischen Zeitung eine förmliche Judcnhetze inscenirt, in der heil. Kirche eine solenne Votive abgehalten wurde, um den heiligen Geist zu bitten. daß° ein christlicher Abgeordneter gewählt werde, und am Tage der Wahl die jüdischen Wähler von dem Wahllocale verdrängt wurden — fielen doch aus den jüdischen Candidaten 829 Stimmen. Da weder er noch die anderen zwei Candidaten eine absolute Stimmenmehrheit erzielten, so ivurde aus den nächsten Tag (5. März) eine Stichwahl zwischen Dr. Goldhammer und Dr. Rütowski anberaumt. Als dies in der Stadt bekannt wurde, zogen antisemitische Banden durch die Stadt, schlugen den Juden die Scheiben ein und mißhandelten einige Juden. Ani Tage der Stichwahl, als von der Bezirkshauptmannschaft neue Stimmzettel ausgetheilt werden sollten, versammelte sich der Pöbel und begann die daselbst erschienenen Juden zu mißhandeln, um auf diese Weise dieselben vom Platze zu verdrängen. Als nun die Juden sahen, daß seitens der Behörden nicht eingeschritten werde, um ihnen die Ausübung der ihnen verfassungsmäßig garantirten Rechte zu wahren, räumten sie den Platz und hielten eine Versammlung ab, um über ihr weiteres Verhalten zu berathschlagen. Sie entsendeten eine aus den Herren Joel Margulics, Juda Schiss und Dr. Abraham Salz bestehende Deputation an den Bezirkshauptmann, um behördlichen Schutz anzusuchen. Als aber diese Deputation keinen Erfolg erzielte, faßten die Juden den Beschluß, sich an der Stichwahl nicht zu betheiligen. Dies thaten sie auch. Kein Jude — mit Ausnahme einiger von der öffentlichen Meinung bereits gestempelter Abtrünniger — gab seine Stimme ab. Die Antisemiten in Tarnow haben daher mit Hilfe der rohen Leidenschaften des Pöbels einen Sieg davongetragen, die hiesigen Juden hingegen diejenigen in ihrer Farbe einmal gesehen, denen sie sich anpasscn zu können wähnen. Mclachi. Budapest, den 10. März 1891. Ich fürchte, daß Ihre Leser nicht gerne etivas aus Ungarn hören, in welchem sich kein Fünkchen von jüdischem Nationalgefühl regt. Hier geht der religiöse Zwist über alle Grenzen. Ein letzthin gemachter Ausgleichsversuch ist gescheitert; die widerlichen Kämpfe zwischen Orthodoxen und Neologen werden noch an Schroffheit zunehmen. Rabbiner Schreiber, ein Führer der Orthodoxen, hat vielleicht aus berechtigtem Mißtrauen gegen das Judenthum der Reformer ein gemeinsames Vorgehen mit den Neologen abgelehnt, da beide Parteien nichts (!) mit einander gemein haben. Nichts, Herr Rabbiner? Sehr viel, glauben wir: Vergangenheit, Gegenwart und —. Zukunft. Freilich für eine solche gemeinsame Zu- , kunft haben unsere ungarischen Juden mit ihrer j blasirtcn Rcformerci einerseits und ihrer schaalcn! Orthodoxie andererseits keinen Sinn. Die Magyaj romanic steckt den Herren schon zu sehr in den l Gliedern, soivohl den „jüdischen Ungarn" mit aufgczwirbcltcn Schnurrbärten als denen mit Pcjcs. Rußland. 0) ' Odessa, 10. März 1891. Die letzte Nummer (Nr. 5) der „Selbst-Emancipation" wurde hier von allen Chowawe-Zion und auch vielen Nicht-Chowawe-Zion mit großein Interesse gelesen. Schon der vom Herrn Nedactcur in Wien vor einem intelligenten Publicum, das augenscheinlich von unserer heiligen Sache noch gar keine Ahnung batte, gehaltene Vortrag „lieber die Bedeutung der Colonisation Palästinas für das Jüdenthum" gefiel allgemein und bedauerte man nur, daß der Herr Vortragende nicht daran gedacht hatte, Scparatabdrückc dieser instructivcn Vorlesung zu Tausenden unter der Wiener Judcnschaft zu verbreiten, was sicherlich unserer Sache wesentlich genützt hätte. Ganz besonders aber wurden die hiesigen Leser der „Sclbst-Emancipation" von der „Freudenbotschaft" cnthnsiasmirt, daß sich endlich wahre Christen, ch r i st l i ch e Christen gefunden haben, welche bereit sind, uns in der großen Angelegenheit unserer nationalen Auferstehung mit Rath und That beizustehcn. Gebe Gott, daß sich diese freudige Nachricht vollinhaltlich bestätige; wir werden unsere Dankbarkeit auf eine würdige Weise zum Ausdrucke bringen. Ihr Londoner Berichterstatter aber hat angesichts des sensationellen Interesses, welches die Versammlung des „Vereines zur Unterstützung verfolgter Juden" in London hervorgerusen hat, die Pflicht, die genauesten und detaillirtesten Berichte einzusenden.— Unlängst haben wir hier den Herrn Rcchtsanivalt M a s e und Herrn Ingenieur U s s i s chki n, beide hervorragende Gesinnungsgenossen aus Moskau zum Schiffe begleitet. Dieselben sind wahrscheinlich schon in Jaffa angckommcn. In der nächsten Zeit werden auch einige angesehene Männer unserer Stadt, darunter Mitglieder des Comitäs des „Vereines zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" nach dem heiligen Lande abreiscn. Aus anderen Städten Rußlands kominen Nachrichten, daß nach dem Pcßachseste in Odessa eine Menge von Personen mit größeren und kleineren Capitalien zu erwarten sind, welche sich hier nach Palästina einschiffcn wollen. Es ist zu besorgen, daß cs dadurch zu denselben Unzukömmlichkeiten kommen wird, wie im vorigen Jahre. Hoffentlich werden T e m k i n, der Obmann des Executiv-Comit^'s in Jaffa, sowie Masc und Ussischkin den Bodcnankauf rationell organisiren. Ich selbst habe es ja mitangesehen, wie da rath- und planlos vorgegangen wird. Die einzelnen Kauflustigen rennen erst umher, sich die Sehenswürdigkeiten zu beschauen, büßen hiebei 20°/,, ihres Capitales ein, und kommen dann Einer nach dem Andern zu den aufmerksam geniachten und so in ihrer Geldgier gereizten Arabern, wodurch sie den Preis der Erde vcrtheuern. Das Alles hoffe ich, wenn ich nach Pcßach wieder nach Palästina komme, anders zu finden. Sache des Jaffacr-Exccutivcomitäs ist cs meiner Ansicht nach, berathend und organisirend den Kauflustigen bcizustehen und bei den Käufen gleich von vornehercin die gruppeniveise Zusammenfassung der Käufer zu Colonien im Auge zu haben. — Unser Comit6 in Odeffa schreitet gottlob rüstig vorwärts. Nach nur siebenmonatlichem Wirken — denn die ersten drei Monate verstrichen in Unthätigkeit — weist dasselbe einen Eingang von 48000 Rubel auf, von welchen 20000 Rubel nach Jaffa zur Unterstützung der Colonisten abgingcn. Demnächst iverdcn kurze Ausweise über die verivendetcn Summen im „Hamelitz" erscheinen. Die Zahl der Mitglieder betrügt 5000. Jacob Konstantiiiowsky. Oordmuerüm. New-2)ork, den 20. Februar 1891. Hier hat sich eine Gesellschaft namens „Schwi Zion" nach Muster des in der „Selbst-Emancipation" bereits erwähnten Pariser Vereines „Dorsches Zion" und des Vereines „Alphcj Jehudah" in Rußland gebildet. Während die beiden letzteren je 1000 Mitglieder von nornehcrein anstrcbteir und nun bereits auch zählen, intendirt „Schwi Zion" nur eine Mitgliederzahl von 500, welche er auch zu erreichen hofft. Die Mitglieder zahlen durch fünf Jahre jährlich je 40 Dollar. Von den so gcsaiiimcltcn und durch längere Zeit gut verzinsten größeren Kapitalien werden weite Ländcrstreckcn in Palästina gekauft, und so ivird jedes Mitglied nach einer Reihe von Jahren Eigenthümcr von Haus und Hof im heiligen Lande. Die Zionsidcc macht, wie man sicht, anch hier Fortschritte. Der Erfolg kann nicht ausbleiben. Abraham. Türket. Palästina. Jerusalem, im Abar 5651. Es war eine irrthümliche Nachricht, daß die neue Mädchenschulc in Saffed von unserem großen Wohlthäter Baron Edmund von Rothschild gegründet worden sei. Im Uebrigen steht diese Schule unter Leitung der Frau Flora B l e c d c n, Gattin des Dr. B l e e d c n und wurde am 1. Adar d. I. eröffnet. — Die Colonie Rösch Pinah schwebte vor ' einiger Zeit in großer Gefahr, nachdem in einem benachbarten Fellachendorfe die Blattepn herrschten. Dr. Bleeden impfte die Colonisten und die Ansiedlung blieb gottlob von der furchtbaren Geißel verschont. Die Eröffnung der in Jaffa vom Executiv- Comitä des Odeffaer Palästina-Vereines gegründeten Bibliothek „Schaar Zion" vollzog sich in feierlichster Weise. Es waren Einladungskarten versendet worden und die hervorragendsten jüdischen Bürger der. Stadt hatten sich sammt ihren Frauen zum Eröffnungsfeste cingefunden. Die Bibliothek, welche musterhaft verwaltet wird, ist schön und schon jetzt reichhaltig. Das ruffischc Schiff „Tsychatsem" erlitt zwei Stunden vor Jaffa Schiffbruch. Alle Passagiere, die zum großen Theile einwandernde russische Juden waren, wurden gerettet. 'An der Rcttungsaction haben sich Juden sehr stark betheiligt, namentlich das Odeffaer Exccutivcomitü, rcsp. dessen Mitglied, Herr Bentowim. Ämithi. Lhronik. (Im Wahlkreise des Dr. Bloch) haben anläßlich der Rcichsrathswahlen Unruhen stattgefundcn. Die von der 'Geistlichkeit aufgehctzteu Bauern griffen die Juden an. Ein Jude wurde erstochen. Die Unruhen dauerten anch nach der Wahl, in welcher der Kandidat des polnischen Centralwahlcomitäs unterlegen war, fort, und kam es namentlich in Sloboda zu Schlägereien, wobei drei Juden getödtet und Viele verwundet wurden. (Herr Osiris) ist ein französischer Jude, sehr - reich und hat eigenthümliche Passionen. Vor nicht langer

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