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Selbst-Emancipation · 1891-02-16 · Heft 4 (16.2.1891) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 4 (16.2.1891)
Date
1891-02-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4. Seite 7. ich. Auch ich bin bereit für mein Volk und seine heilige Gottheit zu sterben!" gerieth dir Versammlung in das höchste Entzücken. Die „Hedad"-Nufe wollten kein Ende nehmen, so daß der Kleine die Schlußstrophe wiederholen mußte. Hierauf wurde er von den Anwesenden geherzt und geküßt und auch vielfach beschenkt. Es trat eine halbstündige Pause ein, während welcher die Kinder in einem anderen Gemache mit Wein, Bier. Obst und Kuchen tractirt wurden. — Nach der Pause bettat ein hübsches, fünfzehnjähriges Mädchen, namens Feinstem die Bühne, ttug in russischer Sprache ein von Herrn Lipsky verfaßtes Gedicht nattonalen Inhaltes vor, um nach demselben, als sie mit reichem Beifall ausgezeichnet wurde, das Zionslied „Unser Vaterland" in rusiischer Sprache zu singen. Gleichen Beifall als Fräulein Feinstein fand ein anderes Mädchen, die Schwester des oben erwähnten kleinen TarnopolSki, welche zwei Lieder „Das verlorene Kind" (worunter das israelitische Volk gemeint ist), und „DaS ewige Volk" mit vielem Verständniß und Gefühl zum Vortrage brachte. — Diesen Einzelproductionen folgten vom Lehrer NachumanSky musterhaft geleitete Chörgesänge in hebräischer, rusiischer und deutscher Sprache. — Der zur Feier des nationalen Früchtefestes veranstaltete „literarische Abend" hatte von 7 Uhr Abends bis 1 Uhr Nachts gedauert und die Erschienenen mit Befriedigung erfüllt. Möchten doch alle jüdischen Schulleiter Herrn Simon Lipsky nacheifern, der keine sich darbietcnde Gelegenheit vorübergehen läßt, ohne seinen Schülern die innigste Liebe zu unserem Volke, dessen Heimat und dessen Glauben einzuflößen. Ben ^akob. Odessa, 2. Februar 1891. Hier weilt seit vier Tagen Anwalt Blase, der mit einer sehr ernsten Msiion der Moskauer „Zionsfreunde" nach Palästtna reist. Ich habe Ihnen schon seinerzeit mitgetheilt, daß Herr Mase durch seine beiden im Vorjahre hier gehaltenen Reden für die Colonisation Palästinas Candidat für den erledigten Nabbinerposten in unserer Stadt geworden ist. Seine Chancen, gewählt zu werden, sind jetzt die günstigsten. Die Wahlen sind jedoch noch immer nicht angeordnet. Dringt Herr Mase durch, so wäre dies für unsere jüdische Gemeinde, besonders aber auch für die Zionssache ein großer Gewinn. — Den Bericht über die Thätigkeit des hiesigen Palästina-Comites war ich bisher aus manchen Ursachen abzusendcn nicht in der Lage, werde ihn aber hoffentlich bald erstatten. Jacob Konstantinowsky. (Lhronik. (Aus Rußland.) Der „Times" zu Folge ist in Folge größerer Einwanderung von Juden in Samarkand die weitere Immigration verboten worden. — Während man von der einen Seite eine mehrjährige Aufschiebung der Judengesetze meldete, wird diese Nachricht von anderer Seite denientirt. Wieder andere Mittheilungen sprechen von lauer Durchführung der betreffenden Bestimmungen. Bisher hieß es, der Zar habe den Bericht über die Guildhall- Bersammlung ungnädig ausgenommen; jetzt wollen wieder aitdere wissen, er sei von dem ihm persönlich in derselben dargebrachten Tribut hocherfreut. — General - Gouverneur Gurko in Warschau hat scharfe Edicte über die Behandlung jüdischer Recruten erlaffen. — Vor einigen Wochen ist mit Genehmigung der obersten Censur- Behörde in Petersburg, als Manuscript gedruckt, eine Brochüre erschienen, welche in authentischster Form alle bis zum l. Dezember 1890 codisicirsten gesetzlichen /Ausnahmsbestimmungen bezüglich der Juden zusammenstellt. Selbst-Emancipation. — Die Kiew er Polizeibehörde hat eine Ver- > ordnung erlassen, wonach jüdische Principale nur einen jüdischen Commis halten dürfen. — In Moskau werden die jüdischen Handwerker ausgcwiesen; ebenso finden in Jaroslaw Ausweisungen statt, woselbst auch die Synagoge versiegelt (Baron Hirsch) thcilte der Administtation der Hirsch'schen Stiftting zur Unterstützung der jüdischen Einwanderung in Anierika telegrafisch mit, daß er derselben 12 Millionen Francs zur Verfügung stelle und sie ermächtige, falls die Zinsen dieser Summa nicht ausreichen sollten, um alle Zwecke der Stiftung zu erfüllen, einen Theil des Kapitals mitzuverwendeu; er werde in diesem Falle das Letztere wieder ergänzen. — Baron Hirsch, der so viel für die Einwanderung der Juden in 'Amerika thut und — dank den Einflüsterungen seiner Rathgeber — nichts für die Colonisation Palästinas, läuft Gefahr, von gewisser jüdischer Seile bald den philisterhaften, albernen Vorwurf hören zu müssen, den schon so oft die zionistische Partei zu hören bekommen hat, nämlich, daß er den Antisemitismus unterstütze. Vor uns liegt ein Flugblatt des Deutschen Reiches, daß sich betitelt: „Erklärung der deutschen Antiiemitcu und Deutsch-Socialen." In demselben finden wir folgende Stelle: „Am allerwenigsten wollen wir die Juden ausrotten. Wir wünschen vielmehr, daß sie sich dazu ermannen werden, mit ihren großen Reichthüincrn ein Colonial-Land zu erwerben, wo sie eine eigene Cultnr entwickeln und in ehrlichen, friedlichen Wettbewerb mit anderen Culturnationen treten können. (Dahin zielende Pläne bestehen auch bei einsichtsvollen Juden. Baron Hirsch und andere jüdische gcnanzmanner beabsichtigen, in Canada größere Ländcr-Gebietc zu er" werben und dort die Juden anznsiedeln)." Dem Verfasser des Flugblattes war offenbar unsere zionistische Bewegung nicht bekannt, und so haben nur Baron Hirsch und „andere jüdische Finanzmänncr" das Vergnügen, ein Lob von antisemitischer Seite zu erhalten. Dieses Vergnügen könnte ihnen bei der Assimilationspartei im Judcnthum recht theucr zu stehen kommen, wenn sic nicht Financiers wären, denen man auch „Unterstützung des Antisemitismus" nicht verübeln darf. (Adolf Cremieux.) Am 29. Schcwat d. I. jährtc sich der Todestag dieses berühmten französischen Juden zum zwölften Male. Er war ein begeisterter Sohn Frankreichs, dabei aber der Gründer der „Alliance Jsraelitc Universelle", die er in rein nationaler Weise auffaßtc, wie er ja auch der erste zur That schreitende Zionsfreund unserer Zeit war. Die Ackerbauschule „Mikwch Israel" (Hoffnung Israels) der Alliance in Jaffa verdankt ihm seine Entstehung. — Er war Nationaljude, ohne durch den Antisemitismus, den man damals noch nicht ahnte, dahin gebracht zu sein; er war es aus innerem Drange. Ehre seinem Angedenken! (Colonisation in Kleinasien.) Die „Alliance Jsraelitc Universelle" hat ein Bauerngut in Bournabat bei Smyrna angckauft, das sie zwei Zöglingen ihrer Ackerbauschule in Jaffa, den Herren Mizri und Mizrachi in Pacht übergab. Nach einer gewissen Zeit werden die beiden Pächter zu Eigenthümern. Auf das Gut kommen fünf Knaben aus der Allianceschule in Smyrna, um den Ackerbau zu erlernen. (Für die Colonisation Palästinas.) Die „Chowawe-Zion-Socicty" in London zählt bereits über 2000 Mitglieder. Zweigvcreine bestehen in Manchester, Ediuburg, Leeds. — Hunderte Bürger Chicagos beschlossen eine Resolution an den nordamerikanischen Präsidenten Harrison, er möge dahin wirken, daß auf einem internationalen Kongress e die Frage der Rückerstattung Palästinas an die Juden nach denc in den Donaufürstenthümern prakticirten Principe erörtert werden solle. — Literarisches. □ Was soll aus den russischen Juden werden? Das ist der Titel einer soeben im Verlage von „Caffirer lind Danzigcr" in Berlin (Friedrichsstraße 85a) erschienenen Brochüre, von der in den ivenigen Tagen, ivo sie hem Buchhandel übergeben ist, schon mehrere Hunderte Exemplare abgesetzt sind, so daß es voraussichtlich noch in dieser Woche nöthig sein wird, eine neue Auflage erscheinen zu lassen. Der Vcrfaffer, welcher die jüdischen Verhältnisse fast gar nicht, desto besser aber die russischen Negierungskreise kennt, ist offenbar ein christlicher Russe, vielleicht auch ein Deutscher aus den Ostseeprovinzen, sicherlich aber kein Jude, am allerivenigsten aber gar ein Nationaljude. Er zeigt uns, wie in Rußland noch bis zum Ende der 70er Jahren allgemein das Streben dahin ging, die Juden den Russen zu assimiliren, die Juden zu Menschen zu machen. „Wie tief eine derartige Ansicht dem Bewußtsein der damaligen Gesellschaft sich cingcprägte, beweisen am deutlichsten und besten die im höchsten Grade bedeutungsvollen Worte, mit welchen der Vertreter der Stadt Kiew an die B e r d i t s ch c w e r Juden sich gewandt, als diese dem berühmten Piragon, welcher den Posten eines Jnspectors des Kiewer Schulbezirkes verließ, einen feierlichen Empfang , bereiteten. „Ich" — sagte der Vertreter Kiews — „bin ein echter Russe, tief im Innern Rußlands geboren und jetzt ein Einwohner Kiews; mein Herz ist das russische Herz, meine Stimme ist die Stimme des russischen Volkes. Juden! Brüder einer Mutter, Söhne desselben Landes wie wir, laßt uns einig auf dem Lande pflügen und säen, dessen Bearbeitung so energisch einer der ersten Männer des sich erneuernden Rußlands, Nicolaus Piragow, unternommen hat!" Die Juden sind diesem Zurufe gegenüber nicht taub geblieben; 'Alles, was von ihnen verlangt wurde, thaten sie. Dem gegenüber' steht eine wenige Jahre später von der Tribüne hcrabgerufene Acußerung eines Staatsanwaltes in derselben Stadt, der ungefähr folgendes in seiner Rede entwickelte: „Die Thore stehen Euch offen nach Westen, Osten und Süden; packt Euch, wir wollen keinen Juden bei uns beherbergen! Die auf so frivole Weise von der russischen Negierung heraufbeschworne Judenfrage ist nach der Brochüre nur durch vollständige Gleichstellung der Juden oder durch die Massenemigration zu lösen. Letztere müßte auf Grund eines allgemeinen europäischen Congresses in's Werk gesetzt werden. Die Brochüre schließt mit den Worten: „Der Moment ist ein entscheidender und ihn zu verschlafen, hieße für lange Zeit, wenn nicht für immer, einznschlafen. Möge vielen die Idee der Massenübersiedelung als Hirngespinnst erscheinen, mögen die Ungläubigen an der Möglichkeit zweifeln, daß die europäischen Regierungen darauf eingehen werden, das vertriebene Volk unter ihren Schntz zu nehmen; für uns aber ist die Völkergeschichte, für uns ist das humane Zeitalter, für uns ist die Lebensfähigkeit und Energie des jüdischen Volkes, für uns muß schließlich unsere (d. h. die russische) Regierung sein, mit deren Interessen offenbar die Idee der M a s s e n e m i g r a t i o n im Einklänge steht. Möge cs niemand unter den Lesern der „S.-E." verabsäumen, die 25 kr. (bez. 50 Pf.) für dieses ebenso feurig geschriebene wie s e ns a t i o n e l le Heftchen auszugeben; denn was hier aus dein Inhalte desselben mitgetheilt, genügt noch nicht zum geringsten Theile ju einer würdigen Beurtheilung desselben. Chaschawjah, von CH. Z. E d e l d i n g. Gedruckt bei Zupnik in Drohobycz, 5851. Preis 50 kr. — „Eine Heldenerzählnng ans König Davids Zeiten." — In der Vorrede zu diesem Buche meint der Verfasser, daß das jüdische Volk nur durch Bekanntwerden mit seinem Alterthume zur nationalen Gesinnung znrückge-! führt werden könne. Und er hat Recht damit. Herr

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