Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Selbst-Emancipation. Nr. 1. da der Araber kein luxuriöses Leben führt, hier müsse der Jude beim Pfluge bleiben, sich durch Arbeit sein Brod verdiene» und brauche die Gefahr der Ausweisung nicht zu fürchten brauche. Die Rede des Herrn Dr. Feld wurde vom Publikum mit dem größten Beifall ausgenommen. A- ZoUiew, den 26. Dezember 1890. Um den seit einem Jahre in ZoUiew bestehenden Wohlthätigkeits- und Leseverein „Poel Zedek" zu jüdisch-nationaler Actton anzuregen, begab sich gestern Herr Dr. I. Feld, Präses des „Zion" in Lemberg nach ZoUiew und veranlaßte den Ausschuß zu einer diesbezüglichen Statutenänderung" und demgemäß zur Anberaumung einer Generalversammlung im Monate Jänner 1891. Auch erklärte sich der Ausschuß des „Poel Zedek" bereit, den in Stryj zur Förderung der Colonisatton Palästinas neugegründeten Verein „Admath Israel" nach Kräften zu unterstützen. — Es ist daher gegründete Aussicht vorhanden, daß wir bald die Entstehung des sechsten jüdisch-nattonalen Vereines in Galizien zu registriren haben werden. L. Agid. Czernowitz, den 26. December 1890. Man liest mit freudiger Gcnugthuung, daß allenthalben in noch jüdisch fühlenden Kreisen würdige Chanukafciern begangen wurden. Auch hier in unserer Stadt fanden am 13. December 1890 sogar zwei Makkabäerfeiern statt; jedoch beide verschieden im Motto, verschieden im Charakter. Die eine von jüdischen Studenten veranstaltet, entsprang den edlen Gefühlen der Begeisterung und Liebe zu ihrem Bolle und ihren Helden, und fanden diese Gefühle sowohl in der? „Festrede", als auch in dem „Jüdische Weckrufe" betitelten Vorttage, wie auch in den anderen Reden und Ansprachen lebhaften Ausdruck. Auch die anderen Programmnummern, wie das zu Beginn des Festes angcsttmmte Bundcslied des akademischen Vereines „Kadimah", und die zum Vorttage gelangten Gedichte „Makkabi's Traum" und „Die Erscheinung", wurden von den Anwesenden mit Prositrufen auf die Verfasser Dr. Birnbaum und Dr. Feld ausgenommen. Ueberaus herzliche Begrüßungsschreiben und Telegramme waren eingelangt vom wohlhonorigen akademischen Verein „Kadimah" in Wien, vom löblichen Verein „Zion" in Lemberg, den Herren Dr Rüben Vierer, Dr. Nathan Birnbaum k. Der officielle Theil des Festes schloß um halb 12 Uhr, worauf der gemüthliche Theil die Versammellen noch lange über Mitternacht zusammenhielt, wobei noch manches ttäfttge Wort gesprochen, noch mancher Toast ausgebracht wurde. Die zweite Makkabüerfeier wurde von dem hier bestehenden Vereine „Jüdische Lesehalle", der sich mitunter auch „Zukunft" nennt, als eine „sogenannte Makkabüerfeier" (als solche wurde sic nämlich in hiesigen Lokalblättern angekündigt), veranstaltet. Nachdem der Obercantor die Chanukalichter angezündet hatte, sprach der „orthodoxe" Rabbiner Herr Weiß. Is. in letzter Zeit folgende Stattstik der im Königreiche Preußen zur evangelischen Landeskirche übergetretenen Juden: 1876 1881 > 1876 Landestheil bis bis 1886 1887 1888 bis -IOOA DOS 1CQÖ Ostpreußen Westprcußen Brandenburg Pommern Schlesien Sachsen Wcstphalen Rheinlandc 65 113 20 16. 14 228 65 113 — 10 79 267 156 291 89 111 156 803 11 28 4 86 142 ^9 Preußen 452 780 160 231 411 2304 Bei dieser Statistik ist zu beachten, daß von den preußischen Provinzen Hessen-Nassau (sehr stark von Juden bevölkert), Schleswig- Holstein und Hannover (auch mit ziemlich starker jüdischer Bevölkerung), ferner Lauenburg und Hohenzollern überhaupt fehlen. Ferner fehlen die Kindertaufen, die bei weitem zahlreicher sind als die von Erwachsenen; sodann aber sind nur diejenigen aufgezählt worden, welche zur evangelisch-preußischen Landeskirche übergetreten sind, also fehlen alle katholisch, reformirt, englisch oder irgendwie anders Getauften, so daß die Zahl 2304 sich wohl auf das Fünffache steigern muß, um das Richtige einigermaßen zu treffen. Wenn man nun den Proccntsatz der Getauften zu der Zahl der preußischen Juden berechnen wollte, so würde sich ein Verhältnis; ergeben, das gar Manchem die Augen darüber öffnen könnte, wohin die sogenannte entschiedene reformatorische Bewegung führt und nothwendig führen muß. Es ergibt sich folgender Jahresdurschnitt: 1876 1881 1886 1887 1888 Preußen 90 156 160 231 411 Davon Brandenb. 3l 58 89 111 156 „ Schlesien 17 28 19 39 57 „ Wcstphalen 2 2 2 7 61 Es zeigt sich ein stetiges Anwachsen, das bei den Führern des Volkes Besorgniß erregen müßte. In Berlin haben sich indem einen Jahre 1888 allein, ebenso viele taufen lassen wie in den 5 Jahren 1876—81. Jüdische Zeitungen haben daher gegen die Taufe und die Täuflinge gewettert. Wir wollen sie nicht in Schutz nehmen. Aber die Taufen werden dadurch nicht abnehmen oder geringer werden. Durch die Hervorkehrung und gewissenhafte Pflege des nationalen Gedankens wird viel erreicht werden, aber nicht Alles. Denn gerade die Taufen zeigen uns, daß die jüdische Religion eiu Hauptband unserer Natton ist und schon als solches in jeder Weise gepflegt werden muß. . Vor Allem aber muß die radikale Reform, die Nation und die Religion zugleich untergräbt, in Wort und Schrift bekämpft werden.*) Deutsches Teich. Q Berlin, den 21. December 1890 Gestern Abends hielt Herr Dr. med. Chazanowitsch aus Bialystock, welcher soeben aus Palästtna zurückkehrte, im russisch-jüdisch-wissenschastlichen Vereine einen ebenso gediegenen wie interessanten Vorttag üder unsere Colonien. Er führte in dem Vorttage aus, daß Palästina sehr bald durch Europäer in ein Culturland umgewandelt werden wird, wenn nicht die Juden früher zugreifen. 0 Magdeburg, den 26. Deeemb. 1890. Es müßte gewiß, sowohl für die Praxis, als auch für die Wissenschaft interessant sein, wenn wir eine allgemeine Stattstik von Judentaufen für eine längere Reihe von Jahren aus amtlichen Quellen besäßen. Da wir aber nun einmal eine solche entbehren, so müssen wir uns .mit dem Begnügen, was uns als amtlich berichtet wird. Durch verschiedene Blätter ging nun Rußland. Dünaburg, den 11. December 1890. In meiner letzten Correspondenz erzählte ich Ihnen von dem Kaufmanne Zadok Garber, der unlängst aus Dünaburg nach Palästina reiste, um dortselbst Erde zu kaufen; ich versprach Ihnen auch Näheres über das Resultat dieser Reise, resp. dieses Kaufes zu berichten, sobald ich nur selbst Mittheilungen erhalten würde. Nun bin ich in der angenehmen Lage, heute mein Wort einzulösen, und zwar, wie ich hoffe, zur vollsten Genugthuung und Beftiedigung aller Zionsfteunde. Dieser Tage liefen nämlich zwei Briefe des Herrn Garber an seinen Sohn mit den genauesten Nachrichten ein. Der erste Brief enthält Folgendes: Das von Herrn Garber ge- *) Aber nur die ausgiebigste Pflege des national-jüdischen Gedankens kann diesen Kampf gegen die radikale Reform gegenüber dem gebildeten Theile der Entjudeten zu einem erfolgreichen machen. - kaufte Land umfaßt eine Fläche von mehr als 2000 Dunam (ungefähr 170 Deßjattn, da ein Deßjatin gleich 17'75 Dunam ist); er zahlte 11 Francs per Dunam, also zusammen 22.000 Francs. Das Territorium liegt zwischen Nazareth und Liberias, an der Chausftc, die von Chaifa nach Liberias führt, 8 Stunden von . Jaffa. Unweit desselben fließt ein fischreicher Bach. Im Grundstücke selbst aber gibt es eine Quelle frischen, kalten Wassers, wodurch der Preis der Erde erhöht wird. Die Erde selbst ist sehr fett und eignet sich sowohl zum Weinbau, als zum Gettcidebau. — Herr Garber legt, mehr Gewicht auf den Getreideals auf den Weinbau, weil bei ersterem schon nach 2— 3 Monaten Früchte vorhanden sind, während bei letzterem erst nach 4—5 Jahren ein Ertrag erzielt wird. Herr Garber ist ferner entschlossen, Viehzucht zu betreiben. Lebensmittel sind, wie er schreibt, in Palästina besonders billig. Herr Garber hofft dort ein glückliches Leben zu führen. Diese Hoffnung erscheint umso gerechtfertigter, als er und sein Sohn Sainuel Garber, zusammen ungefähr 16--17.000 Rbl. dem Unternehmen gewidmet haben. Herr Garber besuchte auch viele der anderen Colonien und spricht sich über dieselben sehr schmeichelhaft aus. „Ich sah Colonistcn", schreibt er, welche im Ganzen nur 50 Dunam Landes besitzen, ein glückliches Leben führen." „Ich stelle mir mein künftiges Leben in Palästina", sagt er unter Anderem, „nicht schlechter vor, als bas eines beliebigen Grundbesitzers in Rußland, welcher 2000 Deßjattnen Landes besitzt. Eines nur geht mir ab und das ist die Kenntniß der arabischen Sprache. Man kann ohne das Arabische keinen Schritt ohne Dolmetsch machen und diese, sind sehr oft betrügerisch. Wenn ich wenigstens französisch verstünde, das hier stark im Gebrauche ist! Es wird jetzt ein arabisches Lehrbuch im jüdischen Jargon herausgegcben, das von großeiu Nutzen für * die neuen Kolonisten sein wird. Gleichzeitig mit Herrn Garber, kaufte auch ein Mann aus Wilna, Namens Schalmann, 3000 Dunam Landes. Derselbe ist jetzt nach Wilna zurückgekehrt, da er dort noch' Geschäfte abzuwickeln hat. Er schreibt, daß er mit vielen russisch-jüdischen Kausleuten aus Palästina nach Hause gefahren sei,' welche ebenfalls Boden hätten kaufen wollen, aber unverrichteter Sache zurückfahren mußten, weil sie keinen passenden fanden. Wenn diese Herren dort einige Bekanntschaft gehabt hätten, schreibt Herr Schalmann, so würde man gewiß für sie Land auffiitdcn können; er räth also Palästina-Reisenden, ■ sich vor der Abreise Recommandattonen zu verschaffen. Der Preis des Bodens steigt mit jedem Tage, weil viele Christen aus Speculatton Erde ankaufen; Herr Garber zahlte z. B. 11 Francs per Dunam; während jetzt 18 Francs per Dunam verlangt und auch gezahlt werden. — Daher müssen wir den innigsten Dank Denjenigen unserer Glaubensgenossen aussprechen, welche größere Bezirke angekauft haben und jetzt parcellenweise den Colonisten zum Ankaufspreise verkaufen; wir meinen die Herren Chankin und Dr. d'Arbella. Mögen ihre Beispiele viele Nachahmer finden! Und nun ivill ich den zweiten Brief des He-rn Garber wörtlich wiedergeben, da er zur Gepüge die Unstichhälttgkcit der bisherigen Meinung Vieler über Palästina beweist. Herr Garber schreibt: Jerusalem, den 28. Oktober 1890, Theurer Sohn! Ich theile Dir mit, daß ich soeben Deinen Brief erhalten habe, für welchen ich Dir sehr dankbar bin. Betreffs meines Kaufes will ich Dir heute nochmals und ausführlich schreiben. Ich kaufte im Ganzen 2000 Dunam Landes und bezahlte dafür 22.000 Francs. Das Grundstück ist acht Stunden von Chaifa und'vier Die Red