Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1. Selbst-Emancipation. selbe die Makkabäer) in kleinem, ganz bescheidenem Maßstabe. Kaum beginnen seine Ideen in etwas weitere Kreise zu dringen, tritt er ohne Furcht und Zagen vor ein größeres nnd intelligenteres Publikum, nm auch dieses, sein, des Vereines, Streben einsehen nnd schätzen zu lehren. Bor einem überaus zahlreichen, sehr distinguirten Auditorium begann der Vereinspräses Herr Dr. I. Feld, seine mit großem Enthusias mus aufgenommene Begrüßungsrede. Er stellte in beredten Worten unser Verhältniß zu uns selbst und unseren Nachbarvölkern dar; und bewies, daß wir echte Nationaljudeu sein und dabei dem Volke, mit dem wir zusammenleben, den größten Nutzen bringen können. Dieser von stürmischem Beifall begleiteten Rede folgte ein Chorgesang, von dem begabten Oberkantor Herrn Schlamm und dem von ihm sehr gut eingeschulten Chore, ausgeführt, dann eine meisterhaft gespielte Violinpisce des Frl. R. Weithorn, wolche mit ihrem Spiele an ihren berühmten Lehrer, Herrn Wolfsthal, erinnerte. Es folgte eine Declamation, vnrgetragen von Herrn stud. inr. Heinrich Gabel, hierauf der ausgezeichnete Sologesang des vielversprechenden jungen Tenors Herrn Reich. Nach diesen Nummern las unser Volksdichter Goldfaden das von ihm verfaßte Gedicht: „Gibore Jehuda" aus seiner Oper: „Jehuda Hamachby" oder „Ncth Chanuka" vor. Welchen Eindruck dieses Gedicht machte, ist daraus zu ersehen, daß Herr- Goldfaden, bestürmt durch fortwährendes Bravoklatscheu noch zwei andere seiner Gedichte vorlesen mußte. ■ Nach einer Panse von 5 Minuten las ein Mitglied des Festeomitäs die eingelaufenen Telegramme nnd Briefe vor, von denen ich einige erwähne: Die Telegramme der Redaction der „Selbst-Emancipation" (hebräisch), des Vereines „Admath Jcschurun" aus Wien, des Vereines „Haibri" aus Drohobycz, des „Buchhalter- und Commisvereines" aus Stanislau, des Vereines „Schochre Toschiah" (hebräisch) aus Stryj, die Briefe des Vereines „Kadimah" aus Wien (hebräisch), des Herrn Dr. K. Lippe aus Jassy. — Den zweiten Theil des Festes leitete Fräulein Weber, eine sehr begabte Schülerin des Lemberger Conservatoriums, durch ein gelungenes Pianosolo ein, worauf der Vereins- Vicepräses, Herr Carl Stand, in sehr feuerigen Worten die Festrede sprach. Dieselbe, welche mit einem Vergleiche Makkabis mit Moses, resp. der ägyptischen Sclaverei mit der syrischen Fremdherrschaft begann, entfesselte wiederholt Beifallsstürme, die nicht enden wollten, als Redner mit den Worten schloß: „Drum nicht in kriechenden Bücklingen, sondern auf gegenseitiger Achtung gegründet wollen wir mit unseren Mitbürgern leben, und für die Erhaltung unseres Volkes, für die Existenz unserer Nation wollen wir mit allen Fasern unseres Herzens kämpfen und siegen. Nach dieser Rede trug das Frl. Rapaport mit jugendlicher Frische das hübsche hebräische Gedicht der Fr. Schapira: „Zion!" „Zion!" ’ vor und erntete vielen Beifall. Nicht rninder wurden die Frl. Resek und Letza wegen ihres zarten und milden Citherspieles applaudirt. Mit einem Chorgesang schloß das Fest. Demselben folgte aber auf allgemeines Verlangen ein von Festcomitee veranstaltetes Banquet, an welchem gegen 80 Personen theilnahmen, darunter Herr Goldfaden sammt Frau, Herr Obercantor Glomm sammt Frau, Herr Friedmann als Repräsentant des Vereines „Haibri" aus Drohobycz,. Herr Weidenfeld als Repräsentant des „Buchhalter- und Commisvereines" aus Stanislau. Bei diesem Banquete,, welches bis weit nach Mitternacht dauerte, wurden zahlreiche Toaste ausgebracht, und sehr ernste Reden über die Judenfrage gehalten. An der . Discussion nahm auch Herr Goldfaden, der in klaren Worten sein Programm darlegte, Theil. Das diesjährige Makkabäerfeste des „Zion" > hat außer dem materiellen Nutzen auch den moralischen gehabt, daß es für einige Zeit das Stadtgespräch Lembergs bildete und selbst den Tendenzen des Vereines nicht geneigte Blätter nicht umhin konnten, demselben einige Worte des Lobes zu spenden. So der „Israelit", das Organ des Vereines „Schomer Israel". Jakob ben Jsak. Original- Korrespondenzen. Gcsterreich-Mngarn. Wien, den 30. December 1890. Samstag, den 27. d. M. Abend, machte der Verein „Admath Jeschurnn" mit den geplanten monatlichen Geselligkeitsabenden einen probeweisen Anfang. Der Versuch geang über alle Erwartung. Bei zweihundert Personen versammelten sich in Robitschek's Restauration, 1. Bez., Wipplingcrstraße 47, um an der geselligen Unterhaltung des Vereines theilzunchmen. Der Obmann desselben, Herr Dr. Al. Schnirer, begrüßte die Versammelten und fügte einige erläuternde Worte über den Zweck der Geselligkcitsabende bei, welche den Palästinagedanken in weitere Kreise zu verpflanzen berufen seien. Die Ausführungen des Präsidenten wurden mit Beifall ausgenommen. Dds Wort erhielt nun der Bicepräses Herr Samuel Bauer, welcher in längerer humorvoller und tiefdurchdachter Rede das äffende Assimilations-Judenthum mit seinen Christbäunlen, deren Gebrauch er eine „Gedanken-, wenn schon nicht eine Charakter-, und Gesiiinungslougkeit" nannte, geißelte, die Leiden der russischen Jndenheit schilderte, als bestes Mittel gegen dieses Unglück die Colonisation des heiligen Landes empfahl, und den ungerechten Borwurf zurückwies, als seien zionsfreundliche Bestrebungen hochverrätherische oder auch nur unpatriotisch. Die Rede des Herrn Bauer, welche derselbe nach seiner Manier mit trefflichen Anekdoten zu würzen wußte, machte großen Eindruck und wurde mit enthusiastischem Beifall belohnt. Nach derselben las Herr Dr. Schnirer eine Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der Kolonien vor, welche das Interesse der Zuhörer erweckte. — Im darauffolgenden gesanglichen Theile verdient besonders Herr Obercantor Bauer von der hiesigen sephardischen Synagoge herorgehoben zu werden, welcher das Publikum in wahres Entzücken versetzte. Lobend wären hier anch die Gesangsleistungen des Herrn Ingenieur Liebmann und die Deklamation des Herrn Beck hervorzuhcben. — Den Abend beschloß ein kurzes Tanzkränzchen, von welchem Herr Bauer in seiner Rede gesagt hatte, daß man es mit in den Kauf nehmen müffe, nachdem wir leider in Wien dieses Lockmittels nicht entbehren können, um Leute hcranzuziehen. Mögen die künftigen Geselligkeitsabende deS Vereines so gut ausfallen als der erste voin 27. December d. I. l da. Krakau, den 24 December 1890 „Seht da den Büffel, den Abkömmling eines Büffels, den Stier der Stiere, alle Andere sind Ochsen und nur dieser ist der echte Büffel." Diese Worte Heines fielen mir ein, als Sonntag, den 14. December 1890, am letzten Tage des Ehanukafestes, ein Comitö der hiesigen Tempelmitglieder im Tempelsaale eine — nicht etwa Makkabäer-, sondern — Miezkiewiez-Feieren miniature veranstaltete. — Den Polen können wir es nicht verdenken, wenn sie ihren größten Dichter überschwänglich bei jeder sich darbietcnden Gelegenheit feiern. Aber wir Juden, haben wir keine anderen Schmerzen und Sorgen? Sind die Verhältnisse der hiesigen jüdischen Gemeinde so glänzend gestaltet S Ist das Armenwesen hier so brillant organisirt, daß diese Herren aus purem Uebermuth mit einem fremden Messias in unserem Gotteshause Cultus treiben dürfen? Was aber dieser traurigen Verirrung die Krone aufsetzte, war die Rede, 'mit welcher Herr Dr. Kahn die obgenannte Feier eröffnete. Herr Dr. Kohn sagte unter Anderem, daß wir Juden uns bestreben müssen, uns mit unseren Mitbürgern zu verschmelzen. Wir müßten nicht mehr Juden, son dern Polen heißen. Unsere Denk- und Redeweise, unsere Sitten, Thun und Lassen müssen sich denen unserer Mitbürger accomodiren. Solche Geschichten, wie die Juda Makkabis rc. seien Ammenmärchen, welche unsere Vorfahren vor hundert Jahren geglaubt hätten. Wir haben uns nur als Polen zu betrachten, ihre Dichter sollen unsere Ideale sein, — und so fort mit Grazie. Das Publikum, welchem durch diese kräftigen Sentenzen die Athmosphäre im Tempelsaale zu drückend ward, verließ noch vor Schluß der Rede den Saal und Herr Dr. Kohn blieb wie der Prediger in der Wüste. So machte die jüdische Miezkiewiez-Feier am Chanuka im Tempelsaale zu Krakau sammt Herrn Dr. Kohn großes Fiasko. Ueber 5 Millionen Juden in Rußland hängt das Damoklesschwert des Exils, des tiefsten Elends. Ueberall in der ganzen Welt, selbst jenseits des Oceans, unter Juden, wie unter Nichtjuden, zeigt sich das tiefste Mitgefühl. Es werden Pläne und Projekte entworfen, um für unsere armen Brüder Rettung zu finden. Die Idee der Colonisation Palästinas gewinnt an Boden, und findet Anklang selbst in solchen Kreisen, wo man ihr bisher keine Sympathien entgegenbrachte. Aber was kümmert das Alles unsere jüdischen Polen? Sina Pelz. (A. L.) Lemberg, am 18. Tebeth 5651. In Ergänzung ihres Artikels über Makkabäer- Feiern in der Chronik der vorigen Nummer theile ich Ihnen mit, daß unser Gesinnungsgenosse, Herr Jthamar Eidelberg, Samstag, den 13. Dezember im jüdischen Casino in Zloczow (Galizien) einen jüdisch-national angehauchten Vortrag in polnischer Sprache über die Geschichte der Makkabäer hielt, welcher sehr beifällig ausgenommen wurde. Bemerkt sei aber noch, daß die Bestrebungen des Herrn Eidelberg, eine Makkabäerfeier in größerer Manier zu veranstalten, fruchtlos waren, da der Obmann des jüdischen Casinos, welcher ein „Religionsjude" zu sein vorgibt, es nicht für rathsain erachtete, zur Abhaltung einer solchen Makkabäerfeier die Erlaubniß zu ertheilen. Im verflogenen Monate fanden im Vereine „Zion" folgende Vorlesungen statt: Am 6. Dezember sprach Herr Dr. Adolf Korkis: „Ueber die Aufgabe der jüdischen Intelligenz," am 20. Dezember Herr Dr. Wilhelm Holzer: „Ueber die Bedeutung der jüdisch-nationalen Idee," und am 27. Dezember Herr David S. Silberbusch (aus Kolomea): „Ueber die Stellung der Juden zu den andersgläubigen Mitbürgern." Donnerstag den 1. Januar veranstaltet der Verein aus Anlaß des 80ften Geburtstages des hebräischen Dichters, Abraham B. Gottlober, eine „Gottlober-Feier" mit einem reichhaltigen Programme. Stryj im Teweth 5651. Der berühmte Jargondichter Herr A. Goldfaden, trug vorigen Monat im Vereine „Schochre Toschiah" einige seiner neuesten Dichtungen vor, welche mit größtem Beifall ausgenommen wurden.— Gelegentlich des Makkabäerfestes hielt Herr Dr. Jsak Feld, Präsident des Vereines „Zion" in Lemberg zufolge Einladung des Vereines „Schochre Toschiah" eine Vorlesung, worin derselbe die Assimilatton einerseits und die nationale Idee andererseits in tteffendcr Weise besprach. Redner berührte auch dieColonisationSfrage, als er auf die ausgewiesenen russischen Juden zu sprechen kam. Drei Wege, bemerkte er, stünden offen. Der erste wäre, diese Brüder zu uns zu nehmen, der zweite sie nach Argenttnien, der dritte, sie nach Palästina zu schicken; der erste sei nmöglich, da eS unS'selbst hier nicht am besten gehe und, wenu wir noch diesen Zuwachs bekämen, unsere Lage sich sehr verschlimmern, ihre Lage aber gar nicht gebessert würde. In Argen-, tinien wiederum stünde dem Juden ein neues Hausirerdasein und noch viel ärgere moralische Verderbniß bevor. In Palästina gebe es für Niemanden zu hauflren,