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Selbst-Emancipation · 1891-01-02 · Heft 1 (2.1.1891) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 1 (2.1.1891)
Date
1891-01-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Selbst-Emancipation. Makkabäerfeier in Rariß. Wie der hebräischen Wochenschrift „Hamagid" gemeldet wird, veranstalteten am 8. Tage des Chanukafestes die „Bne Zion" in Paris eine Makkabäerfeier, der hervorragende französische Juden, darunter Herr Scheid, der Chef- Aufseher der palästinensischen Colonieen des Baron Edmund von Rothschild, anwohnten. Dr. Dobrusky eröffnete den Abend mit einer inhaltreichen Rede. Das Ereigniß des Abends aber bildete die Ansprache des Herrn Scheid, weilcher mit den Worten schloß: „Das „Höre Israel" ist stets auf die Fahne Judas geschrieben, es war sein Schutz und Schirm in Roth und Drangsal. Diese heiligen Worte, welche alle Heiligthümer Israels umschließen, haben die Kraft, unser Volk aus Druck und Drang zu retten. Diese heilige Fahne wird uns auch herausführen, zum Licht des Glückes, in das Land unseres Heiles und unserer Hoffnung, wenn wir nur verstehen werden, einig untereinander zu sein; nur vollständige Einigkeit, Muth und Vertrauen sind uns derzeit nothwendig. Was Einigkeit Großes leisten kann, davon habe ich mich in den Colonien überzeugt. Als ich mich im Auftrag des Barons nach Samarin, jetzt Sichron Jakob begab,war dieseseine Wüstenei, nichts mehr als ein Steinhaufen. Die deutschen Templer warnten mich sehr, indem sie sagten, es sei keine Hoffnung, aus dem Boden des heiligen Landes im Allgemeinen und Sichron Jacobs speciell, Früchte zu ziehen. Doch der Glaube an die Ausdauer und Tüchtigkeit unserer Brüder ermuthigten mich zu erwarten, daß sie, die schon so viele Schwierigkeiten überwunden hätten, auch diese würden zu überwinden wissen. Meine Hoffnung täuschte mich nicht und ich freue mich innig, Ihnen heute berichten zu können, daßdieColonisten, welche erst seit einigen Jahren mit Rebmessern und Pflügen umzugehen wissen,die deutfchenAnsiedler von jeher, überflügelt haben, und diese jetz t von jenen deren Methode des Getreidebaus und der Weinpflanzung lernen. Es ist nicht zu verwundern, wenn diese so schönen und erfteulichen Worte — doppelt erfreulich im Munde dieses, man könnte sagen, officiellen Redners — begeisterten Beifall hervorriefen. Rach Herrn Scheid sprachen noch Herr Schmerkin, gewesener Lehrer des Hebräischen in Sichron Jacob, welcher sich gegen Diejenigen wendete, die als Nationale ganz von der Mischen Religion abstrahiren wollen und Herr Nechad, der seine Genugthuung darüber aussprach, daß das jHebräische in den Colonien wieder auflebe und keine todte Sprache mehr genannt werden könne. Rach einigen weiteren Reden schloß das schöne Fest. Me Makkabäerfeier deß akademischen Vereineß „Radtmah" in Wien. Montag den 15. Dezember 1890 fand im großen Saale der „Wiener Ressource" die 8. Makkabäerfeier des akademischen Vereines „Kadimah" statt. Dieses Fest hatte einen in jeder Beziehung über die Resultate seiner Vorgänger hinausragenden Erfolg. Der Verein kann in moralischer und pekuniärer Beziehung mit seiner diesjährigen Makkabäerfeier zuftieden sein. Ein aus mehreren hundert Personen bestehendes Publicum, das den distinguirtesten Kreisen angehörte, lauschte mit Spannung den Ausfuhrungen der Redner und den AuMhrungen der Musik- Virtuosen. Das Fest selbst nahm folgenden Verlauf: Der Vereinspräses Herr Drd. med. Max Rosenthal eröffnete den Abend und begrüßte speciell den bekannten Talmudübersetzer Herrn Dr. M. 1 Rabbinöwicz aus Paris, die Witwe unseres unsterblichen junghebräischen Dichters Perez Smolcnsly, denHerrnReichsrathsabgeordneteiyDr. I. S. Bloch, den Chef-Redacteur und den Herausgeber der „Selbst-Emancipation", Herren Dr. Nathan Birnbaum und Dr. Siegmund Elkan, den Herrn Lector M. Friedmann, den Vorstand des Bethausvereines im 10. Bezirke, Herrn Emanuel Friedmann, und den Präses des Vereines „Admath Jeschurun", Herrn Dr. Moritz Schnirer. Hieraus hielt Herr Rosenthal eine Ansprache, welche nachstehenden Wortlaut hatte: Die VIII. Makkabäerfeier! Wahrlich ein freudiges Gefühl muß all' Diejenigen erfüllen, denen das treue Festhalten zu ihrem Stamme in Leid und Freud, denen die altehrwürdige Geschichte ihres Volkes heilige Güter geworden! Und in der That: die Makkabäcrfeicr ist nun das treue Sinnbild, ein Beweis der Consolidirung unserer Partei, ein Beweis des Fortschreitens unserer Idee, sie ist aber auch das erhabenste Merkzeichen all dessen, was wir anstrebcn, was das Ziel unserer Ideale umfaffen soll. Ein wie unerhörtes Ereigniß geschah nicht vor acht Jahren! Der Wiener jüdischen Studentenschaft, die doch gewiß einen großen und gebildeten Thcil des Judcnthums ausmacht, die in demselben Maße, als sie sich für gebildet hielt, ihrer Abstammung schämte und in der Ableugnung und Verhöhnung alles Jüdischen das treue Abbild der jüdisch-gesellschaftlichen Zustände war, dieser Studentenschaft wagte ein Verein in Erkcnntniß der kommenden, das Judenthum bedrohenden Ercignisie das Verlangen entgegen zu halten, Pflege der jüdischen Geschichte, Sprache und Literatur, Hebung des jüdischen Selbstbewußtscins, Erweckung des Gefühls den nationalen Zusammengehörigkeit sollen das Banner sein, welchem die jüdische Studentenschaft zu folgen hätte, Natürlich mußte - Anfeindung und Verfolgung der Ausdruck des tiefen Verständnisses unserer Bestrebungen sein. Und wie recht hat uns die Geschichte der letzten Jahre gegeben! Heute sicht sich die jüdische Studentenschaft in Folge der antisemitischen Strömung von den Bestrebungen ihrer nichtjüdischen College» größtenthcils ausgeschlossen, zersplittert und uneinig ist sic auch nicht mehr im Stande, den nächsten Weg,, der doch so klar vorgczeichnet ist, den Weg, den unser Verein verkündet, den Weg der Einigung, den Weg der jüdisch-nationalen Zusammengehörigkeit zu betreten. Anfeindung und Verfolgung waren es wieder, die dem ersten öffentlichen Schritte unseres Vereines folgten, der in conscqucntcr Durchführung seines Programmes die erste Makkabäerfeier veranstaltete. Aus der Mitte der religiösen Heiligung, aus der Stille des jüdischen Familienhauses haben wir die Erinnerung an diese Großthaten unserer Ahnen modernem Geiste gemäß auch zu einer großen, öffentlichen Feier gestaltet. Wie erhebend muß es für ein Volk sein, mit welchem Stolze muß cs uns erfüllen, in unserer Geschichte einen Helden zu besitzen, wie es Juda Makkabi ist, diese hehre Lichtgestalt eines wahren nationale» Helden. Wenn Muth, nattonale Begeisterung, wenn ein selbstloser Kanipf für sein Land, Volk und Glauben Dinge sind, aus denen ein Volk ■ seine moralische' Grundlage gewinnen soll, so gibt uns die Geschichte des Hauses Mathaüas, der heldcnmüthige, begeisterte Kampf Juda Makkabis, der gegen die Uebermacht der Judenhaffer, der gegen den Verrath im eigenen Volke siegreich zu Felde zog, eines der bewunderungswürdigsten Beispiele. Wie sieht cs nun im heutigen Judcnthum mit oben an gebeuteter moralischer Grundlage aus? Man erlasse mir die Beantwortung dieser Frage. Heute, wo der Abfall vom Judenthum die nothwendige Consequenz eines falschen Erziehungssystemes sein mußte, das im Ayfgeheir und Verschmelzen des jüdischen Volkes das einzige Heil für das alte Judenthum erblicken wollte. Man macht aber ein Volk nicht besser und sittlicher, wenn man an Stelle der Verehrung für seinen Glauben, den zersetzenden Hohn. des Abfalles, wenn man an Stelle der Pflege der nationalen Geschichkc, Literatur und Sprache, Vernachlässigung dieser Güter, die doch jedem Volke hoch und thcuer sind, predigt oder gar dafür germanische und deutsch-nationale Bestrebungen propagirt. Man macht auch ein Volk nicht besser, wenn man cs schließlich so weit bringt, daß cs für die Leiden seiner Glaubens- und Stanimesgenossen in ferne» Ländern nichts mehr zu empfinden versteht, wo doch ein energisches Eintteten und eine begeisterte Hilfsaction schon Sache der Menschlichkeit und nicht ' erst die der uattoiialcn Pflichterfüllung wäre. Und so ist nun uiiscr Verein und unsere Idee ein lauter Protest gegen den Zersetzungsproceß im Judenthume. Unser nationales Programm hindert uns nicht unseren Mitmenschen zu lieben ohne Unterschied der Confession und Abstammung, hindert uns nicht treue Untcrthanen zu sein dem Lande, in welchem wir wohnen; aber es gebietet uns gegen jene Volksbefrcier aufzutreten, welche meinen, es verlohne sich, nm deutsche Bildung und Cultur die toten Fornien und den verknöcherten Geist des Judenthums abzuthun. Wir aber sagen, wir wollen für uns Juden Bildung nnd Cultur, Dinge, die jedoch nicht Vorrecht eines Volkes sind, sondern der ganzen Menschheit gehören; wir wollen aber für uns Juden auch die jüdisch-nattonale Erziehung, uin die Kraft zu gewinnen, uuser Volk aus ttauriger Lage zu Glück und Wohlfahrt zu führeu. Dieser mit stürmischein nnd ivohlverdientcm Beifalle aufgenommenc Rede folgte das von den Vereinsmitgliedern gesungene Chorlied „Qauckeamus", nach welchem das Vereinsmitglied, Herr sind. med. I. Sommer in seiner Festrede mit besonderer Rücksichtnahme auf die geschichtlichen Ereignisse der Mäkkabäerzeit die Bedeutung des Festes besprach. Auch diese Rede, vollendet in Forin und Inhalt, fand reichlichen und gcbührenden Applaus. — Nachdem noch die Mitglieder der „Kadimah" das Chorlied „Wißt Ihr, woher die Einheit stammt?" gesungen hatten und einer von ihnen, Herr K. Pollat, das Gedicht „Makkabi's Geist" dcclamirt hatte, sprach der Chef-Redacteur der „Selbst-Emancipation", Herr Dr. Nathan Birnbaum die Schlußworte. Wie bringen dieselben, welche sich den vollen Beifall der Festgäste erwarben, an leitender Stelle. .Der nun folgende musikalische Theil bot eine hübsche Gesangsnummer von Fräulein Singer, und meisterhafte Kunstleistungcn des Claviervirtuosen, Herrn Professor M. Breitenfeld, und des jungen Violinkünstlers Herrn L. Lewinger. — Das Fest schloß mit einem Tanzkränzchen, das recht animirt verlief. — Es waren viele Begrüßungszuschriften und Telegramme eingelangt, und zwar von den Vereinen „Zion" in Lemberg, „Schochre Toschiah" in Stryj, „Haibri" in Drohobycz, „Akad. Verein zur Pflege jüdischer Geschichte und Literatur" in Dorpat, Akad. Verein „Humanitas" in Graz, Jüdische Burschenschaft „Viadrina" in Breslau. Herrn Dr. I. Igel, Rabbiner und Prediger in Czernowitz, Dr. Rüben Bierex in Sofia, Dr, Karl Lippe in Jassy u. U, Es war ein schönes, jüdisches Fest, wie wir sie hier leider so selten sehen. Daß Makkaüäerfest deß Vereineß „Lion" in Lemberg. Lemberg, den 22. Dezember 1890. Mit jedem Jahre wächst der Glanz der Festlichkeiten dieses Vereines, sowie dieser selbst an Ansehen und Einfluß stets zunimmt. Als der Verein noch ganz jung, also. sein. Streben unbekannt war, da-feierte der-

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