Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 18 (15.12.1890)
- Date
- 1890-12-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst-Emancipation. gefährlich sein würde, ruffische Juden zur Auswanderung nach Amerika zu ermuthigen. Gegenwärtig ist die Zahl der russischen Juden, die aus eigener Initiative nach den Vereinigten Staaten gehen, schon recht beträchtlich, 25.000 jährlich, und unsere amerikanischen Glaubensgenoffen befinden sich infolge dieser Einwanderung in einer sehr schmierigen Lage, die ihnen zu lebhaften Klagen Anlaß gibt. Anderseits kann die Veröffentlichung einer Subskription bei den russischen Juden Hoffnungen erregen, die nicht verwirklicht werden können und dadurch, wie es im Jahre 1881182 geschehen ist, eine Anhäufung von Flüchtlingen zu Folge haben, die besonders den deutschen Israeliten die größten Schwierigkeiten bereiten würde. Personen oder Comitä's, die nicht mit den schwierigen Verhältniffen vertraut sind, können, trotz ihres gewiß guten Willens und ungeachtet ihrer ausgezeichneten Absichten, viel inehr Unheil als Gutes stiften, indem sie einer uuüberlcgten Regung von Mitleid folgen. Ich ersuche Sie also, Herr Redqcteur, Ihre Leser von den großen Schwierigkeiten, die das Project des Memeler Comite's bietet, ernstlich zu warnen." Wir geben diesen Zeiten um so eher Raum, als ivir unseren Lesern die beruhigende Mittheilung machen können, daß die Sorge sür eine Unterbringung der unglücklichen Glaubensbrüder unausgesetzt Gegenstand der Fürsorge maßgebender Kreise ist, und daß Maßnahinen in Vorbereitung sind, welche geeignet erscheinen, die überaus schwierige Frage in befriedigender Weise zu lösen. (Neugierig sind wir nur, welche Maßnahmen von den maßgebenden Kreisen vorbereitet werden. Vorläufig freut es uns, daß das Amerika*)-Project verivorfen wurde. Die Redaction der „S.-E.") *) Womit übrigens der Warner leider bloß die Vereinigten Staaten zu meinen scheint. (Argentinien.) Der „Hajoetz" bringt eine Original-Correspondenz aus Santa-Fä in Argentinien, in welcher die fürchterlich zerrütteten, finanziellen Verhältnisse des Landes, der Judenhaß seiner spanischen Bewohner, die ungeinein traurige Lage der vor zwei Jahren eingewanderten russisch-jüdischen Familien, mit Bezug auf das Project des Baron Hirsch, in diesem nach jeder Richtung hin unterwühlten Staate 500.000 ruffische Juden anzusiedeln, besprochen werden. Der Correspondent ver ügt über eine beißende Ironie; leider sind seine Bemerkungen nur allzu oft vollständig gerechtfertigt. (Jüdische Urbevölkerung in Palästina.) Der bekannte Arabieiircisende Dr. Eduard Glaser veröffentlicht in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" seine Ansicht, daß die von der „Hazefirah" in die anderen jüdischen Blätter (auch in die „Selbst- Emancipation") -übergangene Mittheilung von dem jüdischen Araberstamme „wiad el sechur" in Transjordanicn, völlig unbegründet und als Märchen zu betrachten sei. Das Seollur sei auch nicht Issachar (mit & geschrieben) sondern ini: und die Benu Sachr seien einfach ein arabischer Stamm; aus ihrer Gewohnheit, Mekkakaraw nen zu plündern, könne nichts gefolgert werden, weil dies alle Beduinenstämme, die unweit der Pilgerstraßen Hausen, zu thun pflegen. — Es bleibt nun abzuwarten, was der Correspondent des „Hazefirah" auf diese Aeußerung erwidern wird (Eine nette Colonie.) Wie wir bereits in Nr. 16 mitzutheilen in der Lage waren, ist durch junge Leute aus Saffed eine neue Colonie gegründet worden, wozu sie den Boden von Herrn Mardochai Lubarsky (nicht Libawsky) unter den dort angegebenen Bedingungen angekauft haben. Diese Colonie, in welcher bereits ein Theil der Häuser erbaut ist, hat den Namen „Mischmar hajarden" („Jordanswacht") erhalten. Wir sind mit dem Namen, seiner fremden Herkunft wegen (trotz des Hebräisch) nicht zufrieden, wünschen aber nun, wo er gewählt ist, daß die Colonisten wirklich Jordanswächter werden sollen. (Unsere Colonisten) in Palästina erweisen sich als tüchtige, ganze Männer. Wie wir in der „Jüdischen Volkszeitung" lesen, brach am 4. v. M. in einem arabischen Dorfe unweit der Colonie „Jessud hamaaleh" ein großes Feuer aus. Die Araber wußten sich keinen Rath zu schaffen, und das Dorf wäre jämmerlich zu Grunde gegangen, wenn nicht die Colonisten von „Jessud hamaaleh" den weithin leuchtenden Feuerschein bemerkt hätten. Dieselben füllten schnell ihre Fässer mit Wasser, luden diese und beträchtliche Quantitäten Lehm auf ihre Wägen und fuhren in größter Eile nach dein brennenden Dorfe. Zwei Stunden dauerte es, bis sie unter großen Anstrengungen des Feuers Herr wurden. Die Araber ergingen sich in Dankesausdrücken. (Wasserleitung in Jerusalem.) Das Project der Errichtung einer Wasserleitung in Jerusalem liegt nunmehr der h. Pforte zur Genehmigung vor. Man hofft, da der Sultan sür das Project sehr eingenommen ist, daß dieselbe bald eintreffen werde. („Ner mizwah“.) Unter diesem Titel hat [am Chanukah des vorigen Jahres Elieser ©auf. Joffe in Warschau, ein dreizehnjähriger Knabe, bei Gelegenheit seiner Bar-mizvvah-Uciei einen hebräischen Vortrag gehalten, der sich ebenso sehr durch Schönheit der Sprache als Begeisterung für das jüdische Volk auszeichnete. Der Vortrag wurde von dem Vater des vielbesprochenen Knaben in Druck gelegt. — In diesem Alter sind freilich auch unsere jüdischen Kinder hierzulande bereits recht gewandt — in der Verhöhnung des Judenthums Correspondenz der Redaction. Herrn L. Blumenthal in Borszczow. Antwort brieflich. M. S. in Wilna. Herzlichsten Dank für ihre eifrige Agitation. — Die von Ihnen seinerzeit gestellten Fragen haben wir schon vor etwa zwei Monaten cheantwortet. Da der Brief auf dem Wege verloren gegangen zu sein scheint, so werden wir sobald als möglich Ihnen nochmals schreiben. „Magdeburg X." Antwort folgt brieflich. Herrn Dr. Leo Kohan iu Kifchinew. Besten Dank. Antwort folgt brieflich. Correspondenz der Administration. Herren Dr. Blumenfeld, Dr. Kohan, Bernstein, Frerhtmann, Kaufmann in Kifchinew. Bestätigen auf Verlangen dankend den Empfang von je 2 Rubel als halbjähriger Abonnemcntsgebühr. Herrn Leo Igel in Czeruowitz. Bestätige dankend den Empfang von 1 fl. als Duartalabonnements. Seite 7. Belletristisches- LionMeder. m. Die Rückkehr in die Heimat.*) Als zurückgeführet in's heimische Reich Der Allmächtige uns hat, waren Träumenden gleich Wir, die wir in's Vaterland kehrten. Ja! da füllte mit Lachen sich unser Mund, Und in Jubel thaten die Zungen es kund, Was der Gott gethan, den wir verehrten! Da sprachen die Völker, die ringsum gewohnt: „Gar herrlich sind sie vom Herren belohnt. Gar Großes that er an diesen." Za Großes an uns hat der Herr gethan, Als uns, den Beglückten auf sicherer Bahn Zn die Heimat den Weg er gewiesen. O! Ewiger, führ' die Verbannten zurück, Gewähre das große, das herrliche Glück, Zur heiligen Heimat zu kehren, Auf daß, was mit Thränen im Aug' er gesä't, Der Sämann mit freudigem Zubel einst mäht, Und im Auge den Thränen wir wehren. Wir zogen mit Thränen zur Aussaat hinaus, Doch zur Erntezeit zogen wir freudig nach Haus Mit den goldenen Garben beschwerst; 'So zog Zsrael weinend aus Aanaan fort, Doch jubelnd kehrt es zurück; ja fein Hort, Zft der Ewige, den es verehret. _ Heinrich Loewe. *) Freie Uebcrtragung des Psalm 126. David Aliroy. Von Benjamin d'Jsraeli, Lord os Beaconss ield. (8. Fortsetzung.) Abdallah war der Lieblingssklave des wohlthätigen Kaufherrn Ali. Dem Befehle seines Gebieters gehorchend, stieg er verdrießlich von seinem Kameele, und untersuchte den anscheinend leblosen Alroy. „Ein Kurde der Kleidung nach," rief Abdallah spöttisch aus; „was will der hier ’i" „Das ist nicht das Gesicht eines Kurden," entgegnete Ali, „vielleicht ein Pilger aus den Gebirgen." „Was er auch sein mag, er ist tobt," antwortete der Sklave: „Am Ende ein verfluchter Giaur." „Gott ist groß," rief Ali aus; „er athmet noch! Sein Kaftan hebt sich ja über der Brust." „Das war der Wind," sagte Abdallah. „Das war der Seufzer eines Menschenherzens," entgegnete Ali. Jetzt hatten sich mehrere Pilger zu Fuß um die Gruppe gesammelt. „Ich bin ein Hakim" (Arzt), sagte ein würdevoller Armenier. „Ich will ihin an den Puls fühlen. Er ist schwach, aber er schlägt „Es ist nur Ein Gott!" rief Ali aus. „Und Mahomed ist sein Prophet!" schloß Abdallah; „Ihr glaubt nicht an ihn, Ihr ungläubigen Armenier." „Ich bin ein Hakim," entgegnete der ehrwürdige Armenier. „Obgleich nur ein Ungläubiger, hat mir doch Gott Geschicklichkeit verliehen, Rechtgläubige zu heilen. Würdiger Ali, glaube mir, in diesem jungen Manne ist noch Leben."