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Selbst-Emancipation · 1890-12-15 · Heft 18 (15.12.1890) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 18 (15.12.1890)
Date
1890-12-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Serie 6. e l b st - E m a n c i p a t i o n. Nr. 18. ligenz, die sich noch großenteils von der „Asimilarea" gängeln läßt, zu wirken berufen ist. Salomo. Lhronik. (Makkabäer-Feier»».) Wie bereits gemeldet, hält der akademische Nerein „Kadimah" in Wien heute, den 15. December 1890, Abends (Beginn halb 8 Uhr) im Saale der „Wiener Ressource", 1. Bezirk, Reichsrathsstraße Nr. 3, seine diesjährige „Makkabäer-Feier" ab. Dieser Verein, der diese national-weltliche neben der national-religiösen Begehung des Chanukah-Festcs vor sieben Jcchren eingesührt hat, 'ist diesmal, wie vor zwei Jahren, wegen der Umnöglichkeit, für einen der Chanukah-Abende einen größeren Saal zu finden, gezwungen, nach Schluß des Chanukah-Festes seine „Makkabäer-Feier" abzuhalten. Bei derselben wird die Eröffnungsrede vom Vereinspräscs Herrn Max Rosenthal, die Festrede vom Vereinsmitgliede Herrn Sommer, das Schlußwort vom Chefredacteur der „Selbst - Emancipation", Herrn Dr. Nathan Birnbaum gesprochen werden. Deklamatorische und musikalische Nummern, sowie ein Tanzkränzchen vervollständigen das Programm des Abends. — In Lemberg beging der Verein „Zion" am 29. Kislev 5651 (11. Dcc. 1890) im Conservatorium-Saale des Theaters seine Makkabäerfeier. Programm: Begrüßung des Obmannes, Herrn Dr. I. Feld, Festrede des Herrn Carl Stand, Vortrag einer Dichtung des Jargondichters, Herrn A. Goldfaden durch diesen selbst, hebräische Deelamation eines Fräuleins. — Am 13. December d. I. hielten Makkabäerseiern ab: Verein „Schochre Toschiah" in Stryj (Festrede gesprochen von Dr. I. Feld in Lemberg); Verein „Haibri" in Drohobycz; die Nationaljuden in Czernowitz (letzere intern). — Wir werden in nächster Nummer genauere Berichte über den Verlauf dieser Feierlichkeiten bringen. — Ein orthodoxes Blatt in Deutschland hat sich, mit der Spitze wider die reformerischen Gegner, gegen die Bezeichuung des Chanukah-Festes als „Makkabäer-Festes" ausgesprochen. Wir sichen uicht auf dem Standpunkte, in der Freude am Schlachtensiege und Kampfesmuthe unserer Vorfahren eine Beeinträchtigung der religiösen Dankbarkeit gegen Gott zu sehen. Freilich können aber auch wir nicht begreifen, mit welchem Rechte sich jene Israeliten, die im verfehlten Aufklär-' ungsstreben ihr Volksthum abzustreisen sich bemühen, mit den „Makkabäern" brüsten, welche die Verkörperung des jüdischen Nationalbewußtseins waren. Mit den Chanukalichtern verträgt sich die „Makkabäer-Feier", nicht aber mit den Kerzen des Weihnachtsbaumes. (Gleichberechtigung.) Der Verein „Zcdomer-Israel" in Lemberg hat durch den Abgeordneten dieser Stadt, Herrn Dr. Bernhard Goldmann, an den galizischen Landtag eine Petition wegen Wahrung des § 3 des Staatsgrundgcsetzes vom 21. December 1867 (R. G. Bl. Nr. 142) überreicht. In dieser Petition erinnert der Verein an die Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes: „Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich und die öffentlichen Acmtcr sind für alle Staatsbürger gleich zugänglich" und weist im Entgegenhalte zur Theorie auf die thatsächlich geübte Praxis hin. So weit die Frage die Regierungsbehörden angeht, begnügt sich die Petiüon, wie ja begreiflich ist, mit einigen schüchternen Andeutungen von Berbcsserungsfähigkeit unserer Gleichberechtigung. Schärfer geht die Petition den autonomen Landes- und Bezirksausschüssen zn Leibe. „23 Jahre schon besteht das Staatsgrundgesetz und bis zum heutigen Tage findet man noch keinen jüdischen Beamten und nicht einmal einen Schreiber in diesen autonomen Behörden. Es ist in der That schwer, iu diesem faktischen Zustande kein System wahrzunehmen. Dieses System macht nicht nur das Staatsgrundgesetz illusorisch, sondern wirft einen Schatten auf die gepriesene Toleranz der polnischen Nation." Am bedenklichsten aber erscheint der Petition/ daß nicht einmal die formelle Gesetzmäßigkeit gewahrt wird, indem der Landesausschuß bei Concursen für von ihm zu verleihende Stcllen-Beibringung des Taufscheines, ein Bezirksausschuß aber sogar unverblümt christliches Religionsbekenntniß verlangte. (In einem Lesebuch) für israelitische Schule», das jüngst in Deutschland erschienen ist, ist folgende curiose Stelle zu lesen: „Komm her, o liebes Kind, o komm, o komme doch geschwind und sieh, was dir in dieser Nacht Chanukah Schönes hat gebracht" Solch' haarsträubend unsinnige Aeffung läßt sich nur mit den Worten aus „Wallenstcin": „Und!vie er sich räuspert und wie er spuckt" u. s. w. charaktcrisiren. (Holländischer Antisemitismus.) In Paramaribo (Holländisch-Westindien) gab cs antisemitische Unruhen und der „Volksbodc", ein antisemitisches Blatt, soll durch den Gouverneur unterstützt worden sein. Nun hat Herr A. C. Wertheini im holländischen Parlamente darüber interpellirt. Näheres zu erzählen halten wir für unnöthig; wir wollten nur erinnern, daß der Antisemitismus international ist. (Ans Brüssel.) Wir haben über die Brüsseler Studentenunruhen gegen den Rector Professor Dr. Philippson bisher kein Wort verloren, weil wir nicht die so beliebte Gepflogenheit haben, Gcschehniffe schon aus dein Grunde zu registriren, weil ein Jude dabei eine Rolle spielt. Nun kommt der so lange von der Tagesprcsse verhüllte Pferdefuß zum Vorschein. Die Studenten scandale in Brüffel haben auch einen antisemitischen Beigeschmack. Das wollen wir nur constatirt haben, sonst geht uns die Sache nicht weiter an. (Aus London.) Das am 10. Dezember stattgehabte Meeting beschloß eine von dem Lordmayor im Namen der Bürgerschaft Unterzeichnete Bittschrift um Aufhebung der Ausnahmsgesetze dem Czaren zu überreichen. (Die Zionsidee bei den spagnoiische» Juden.) Die Sefardim in den Staaten des Orients sind jedenfalls dasjenige jüdische Element, welches sich am meisten jüdisches Bewußtsein bewahrt hat. Der spagnolische Jude kann die Affimilation gar nicht begreifen. Um so seltsamer ist die geringe Theilnahme, welche die Sefardim bisherder Palästinaidee entgegengebracht haben. Der Grund davon liegt aber gewiß nicht in ihnen selbst, die - fast durchgänglich eine glühende Liebe für Zion sich erhalten haben, als vielmehr in ihrer Absondernug von den andern Juden, vermöge deren sie von den Vorkom»!- nissen innerhalb der. Majorität des jüdischen Volkes mangelhaft unterrichtet sind. Jetzt aber scheint cs bester werden zu wollen und mit Freuden constatiren wir, daß in diesem Jahre in Adrianopel unter der Redaction jsdes Herrn Baruch Mitrani ein in spagnolischer Sprache geschriebenes Blatt von entschieden natcionaljüdischer, zionsfreundlicher Tendenz zu erscheinen begann. Dasselbe führt den hebräischen Titel „K a r m i S ch e I i" (Mein Weinberg) mit dem spognolischen Beisatz „Journal nacional lunario" (plationalc Monatsschrift) und führt eine sehr beredte und eindringliche Sprache. Es macht einen erhebenden Eindruck, zu sehen, wie unter dem Einflüsse der Zionsidee eine Annäherung der Juden der verschiedenen Länder und Zungen sich zu vollziehen und mannigfaches ungerechtfertigtes Urtheil zu schivinden beginnt. — Im Nachfolgenden bringen wir Stellen aus der spagnolischen Zeitschrift auszugsweise in deutscher Uebcrsetzung: „Muth, Nationalbrüder! Mnth und Hoffnung, um des Ruhmes unserer Nation willen.' Aus den Feuersbrünsten des Alterthums: der „Akedath Jizchak", den Makkabäernkämpfen gingen wir unversehrt hervor. Ebenso zu den Zeiten der Inquisition. Und so werden wir aus den Feuersbrünften, die jetzt in vielen Ländern der Welt über uns hcreingebrochen sind, unversehrt - hervorgehen. Die Sonne ivird uns wieder auf- - gehen, die Sonne der herrlichen Idee „Jischuw Erez Israel", unter dem Schutze unseres erhabenen Kaisers Abdul Hamid. Wir dürfen nicht einen Augenblick unsere nationale Idee unserem gnädigen und liebreichen Herrscher verbergen. Die Juden der Stadl Kostan und Saloniki, welche von natürlichen Feuern heimgesucht wtlrden, werden fortwährend von ihrem liebeitden Vater, Sultan Abdul Hamid, unterstützt. Nun könnten wir doch Se. Majestät bitten, uns in seiner Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeit aus den moralischen Feuersbrünsten des Antisemitismus zu retten. Wacht auf, Brüder, traget Sorge um Eure bedrängten Brüder, wirkt mit vereinten Kräften, — unter dem Schutze unseres erhabenen Kaisers Abdul Hamid!" A. (Warnung.) Wir lesen in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums": Berlin, 9. Dezember. Von maßgebender Stelle geht uns ein Warnungsruf gegen die von dem Memcler Comite veranstaltete Sammlung zu Gunsten einer transmarinen Ansiedelung:der russischen Juden zu. Trotz unserer Sympathien für die Veranstalter dieser Sammlung und trotz aller Anerkennung der edlen Motive, von welchen sie geleitet werden, können wir nicht umhin, die wohlbegründete Warnung zur Kenntniß unserer -Leser zu bringen. Dieselbe lautet: „Ich ersehe aus verschiedenen israelitischen Zeitungen, daß ein in Memel bestehendes Comitä einen Anruf erlassen hat, um russische Juden nach den überseeischen Ländern auswandern zu lassen. Das Comitä spricht von Millionen Juden, die seine Hilfe anrufen. Ich erlaube mir, Ihnen hiemit mitzutheilen, daß die Frage der Auswanderung russischer Juden noch vor Kurzem der Gegenstand einer genauen Prüfung gewesen ist, und daß sehr triftige Gründe gezeigt haben, daß es sehr

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