Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 18 (15.12.1890)
- Date
- 1890-12-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Selbst-Emancipation. Nr. 18. Nachbarvolkes. Er klagt über das Schicksal Moab's; sein Herz stöhnt wie eine Flöte, den zertretenen Neben Siwma's gelten seine Thränen und sein Trauerlicd klingt in solch mächtigen Accorden und greift so tief ins Gcmüth, daß man noch jetzt mitweinen könnte. °) Die schöne Lehre: „Ein Liebling Gottes ist der Mensch, denn er ist im Ebenbilde Gottes erschaffen" 3) rührt auch von keinem Kosmopoliten her, sondern von dem eifrigsten Berather und Mitstreiter Bar Kochbas im Vcrzweiflungskampfe gegen die Römer Rabbi Akiba. Es waren ebenNationalliberale 4) in der edelsten Bedeutung, die einst unsere Sache geführt haben. Ein Aufblick zum Sternenhimmel, jedoch nicht hier, sondern im sonncndurchglüht en Orient zeigt uns unsere Nationalsarbe. Jenes üppige majestätische Blau, welches man nur am klaren morgenländischen Firmamente wahrnimmt, die dem Auge und dem Herzen gleich wohlthuende Farbe, das Sinnbild der allumfaffenden Güte und Herrlichkeit des Schöpfers, war das national-religiöse Symbol Derer, die am Sinai gestanden und die Majestät des Höchsten im Saphir- Glanze strahlend .sahen. 5) Die Hülle der Bundeslade, der Oberrock des hohen Priesters und die Schnüre, die sein Diadem und seinen Brustschild sesthielten, waren himmelblau, und die Mannspersonen hatten an den Zipfeln ihrer Gewänder Schausäden von himmelblauer Wolle, damit Jeder der allumfassenden Güte und Herrlichkeit eingedenk, alle seine Gebote, - die er am Sinai geoffenbart, in diesem Geiste übe. — Soll nun unser Volk nicht allezeit ein Hetzobject der brutalen Gewalten bleiben, so müffen wir uns offen und rückhaltslos zu dieser Farbe bekennen und auf unsere Fahne schreiben: Für Gott, für Israel und für die Menschheit! Ohne ethische Grundlage wäre unsere nationale Bewegung gewiß nichts mehr, als ein Excursus ins Himmelblaue. Lehret Eure Kinder hebräisch sprechen, aber auch israelitisch denken! Dann leuchtet uns die Morgenröthe einer besseren Zukunft. _ Leopold Mandl. ' *) ZesaiaS Cap. 16. a) Abot, 3, 18. *) Mr würden „Nationale Demokraten" sagen. Die Red. °) 2. B. M. 24, 10. Die Beduinen und die Kolonisation in Transjordanien. In dir. 45 des „Woschod" finden wir einen Brief des Herrn Chiffin aus Jaffa, der, seines wichtigen Inhalts wegen, wenigstens theilweise ins Deutsche übersetzt zu werden verdient. Namentlich in dem Theile, wo er auf das Verhältniß der zukünftigen jüdischen Colonisten im transjordanischen Lande zu den arabischen Beduinen zu sprechen kommt. „Die Beduinen", sagt Schreiber wörtlich, „sind ein freies Volk, welches stolz und nicht leicht zu unterwerfen ist, keine Macht der Welt anerkennt, keine Pflichten hat und nur seinen Scheichen gehorcht. Viele glauben daher, man müsse die neue Eolonie der benachbarten Beduinen wegen groß anlegcn, die Anzahl der Colonisten dürfe wenigstens nicht unter Tausend betragen und diese nur kräftige, junge Leute sein. Daß diese Colonisation*) überhaupt mit einer größeren Colonistenzahl zu rechnen hat, als man bisher rechnete, kann und darf selbstredend nicht bestritten werden, dies gilt aber sowohl für Galiläa als auch für Judäa; auch hier wird in so mancher Eolonie der Mangel an Einwohnern verspürt, ich will nur Gderah zum Beispiel nehmen. Ich kann aber keinesweges zugeben, daß dies nur im hinterjordanischen Gebiet geschehen muß. Diese Gegend ist nicht im entferntesten so schrecklich, daß man sich hier sozusagen besonders gut zu bewaffnen hat. Wenn die neuen Colonisten sich den Nachbarn gegenüber so unhöflich benehmen iverden, wie es in Judäa der Fall ist**), dann wird ihnen auch eine größere Anzahl wenig Helsen, denn jene Zeir liegt noch weit vor uns, wo sich die Juden in Stärke mit den Beduinen werden messen können. Dian muß überall mit der benachbarten nichlzüdischen Bevölkerung aus gutem Fuße leben, besonders aber gilt dies vom hintcrjordanischen Gebiete, dem Wohnorte der Beduinen, welche so empfindlich sind, was Ehre und sogenannte Etiquette betrifft; kein einziges beleidigendes Wörtchen ivird von denselben ungerächt bleiben. Man muß sich genau die Sitten und Eigenheiten der Beduinen aneignen, sie fortan nicht ignoriren, ihnen vielmehr einige Aufmerksamkeit schenken, Gastfreundschaft entgegenbringen, überhaupt aber auf sie nicht von oben herab aber gar mit Mißtrauen schauen. Es gilt dies übrigens nicht nur für die Beduinen, welche doch den kleineren Thcil der Einwohnerschaft Hinterjordaniens ausmachen, sondern auch für die Fellachen u. s. w. Mögen sich die neuen Colonisten in Hintcrjordanicn einrichten, wie sie wollen, dasjenige aber, was unbedingt nothwendig ist, um Einvernehmen und Frieden mit den Nachbarn zu erreichen, soll und muß auf's strengste beobachtet werden. Darin, nur darin liegt die völlige Sicherstellung der neuen Colonisten vor jeglichem Angriffe von Seiten der Beduinen u. s. w. Und diese Gefahr besteht nicht etwa darin, daß die Beduinen eine jüdische Eolonie überfallen — solche Fälle kommen höchst selten vor. Der Beduine ist eher geneigt, Jemanden auf dem Wege aufzulauern und zu berauben; ivas kann aber schrecklicher für den Ackerbauer sein, als wcnnihm ein Schaf oder ein anderes Stück Vieh gestohlen wird, worin die Beduinen unübertroffene Meister sind. Streiten Sie nur mit irgend einem Scheich, so werden Sie bald den Abgang eines Stück Viehes merken, es wird Ihnen das reife Korn vom Felde gestohlen werden. Um aber dcni zu entgehen, bedarf man durchaus keiner besonderen Maßnahmen; man gewöhnt sich leicht mit den Arabern in Frieden zu leben, und dann ist man vor Allem gesichert. Man findet sogar bei näherer Bekanntschaft sehr sympathische Leute unter ihnen. In der stolzen Liebe der Beduinen zur Freiheit, in seinem Streben, Achtung zu bezeugen und einzuflößen, in seinem äußeren soliden Wesen, in den liebenswürdigen Ausdrücken seiner Sprache und in seinem besonders freundschaftlichen Empfange eines Gastes, finde ich sogar etwas Ritterliches. Wenn also die neuen Colonisten sich nur tactvoll zu betragen wissen werden, ist ihnen die Freundschaft der Beduinen gesichert, und die Beduinen verstehen, Freunde zu sein. Der Beduine ist im Stande, seinein Freunde sogar ein Stück Vieh zu schenken und ihm auf dem Felde unentgeltlich behilflich zu sein — *) Zu welcher Dr. d'Arbela in Jerusalem. die Initiative gab Die Red. **) Das würde nicht mit dem auch in dieser Nummer enthaltenen Berichte „Unsere Colonisten" stimmen. Die Red. Seid nur Freunde der Scheiche, und Ihr seid vor jeglichem Angriffe gesichert!" „Das neu angetanste Gebiet des Herrn Dr. d'Arbclla*), ivicwohl cs unweit von Tiberias, hart am Jordan liegt, ist doch inmitten des Terrains der Beduinen gelegen, und werden auch hier von den jüdischen Colonisten die von mir oben auseinandergcsetzten Vorsichtsmaßregeln befolgt werden müssen. Es gebührt dem Herrn Dr. d'Arbclla die vollste Anerkennung in dieser Beziehung, denn er hat es verstanden, sich von vorneherein einen guten Namen rmtcr den Beduinen zu verschaffen. Das neu gekaufte Gebiet gehörte früher dem Scheich aus dem Geschlcchte der Anaden, Gntin-Aga. Dieser verkaufte nur die Hälfte seines Landes, die zweite Hälfte aber behielt er für sich, so daß die jüdischen Colonisten in enger Nachbarschaft mit den Anaden wohnen werden. Deswegen war Herr Dr. d'Arbclla von vorneherein bemüht, die künftigen jüdischen Colonisten soviel als möglich vor jeglichen späteren unangenehmen Angriffen zu sichern; er schloß nämlich mit Gntin in der Serai (Polizei) folgenden recht curiosen Vertrag: Gntin bürgt für jegliche zukünftige Gefährdung der jüdischen Colonisten von Seiten der Beduinen, ferner dafür, daß den neue,: Colonisten nichts verloren gehen wird, wobei er sich verpflichtet, für ein gestohlenes Huhn ein Schaf und für ein Schaf -- eine Kuh zu ersetzen. Wie weit dieser Vertrag auch cingehalten wird, wollen wir dahingestellt sein lassen, genug Gntin ist für den Diebstahl vcrantivortlich. Der Schutz des Gntin-Aga hat noch eine andere Wichtigkeit für die zukünftigen jüdischen Colonisten. .Gntin- Aga ist der Sohn jenes Agil-Aga, der überall gefürchtet und von den entferntest wohnenden Beduinen verchrr wurde. Der Einfluß des Vaters ist aber auch auf den Sohn übergegangcn, so daß er/ wenn er gegen Jemanden auftrctcn wollte, sehr viele Scheiche hinter sich hätte. — Wenn also, wie gesagt, die jüdischen Colonisten, welche auf dem Gebiete Dr. d'Arbella's wohnen werden, mit _ ihren Nachbarn Freundschaft pflegen werden, so sind sie vor jedem Angriffe seitens der Beduinen geschützt." Schoham. *) Dr. d'Arbclla hat nämlich, wie von uns bereits gemeldet, durch einen Bodcnankanf iu Transjordaiiicn, die Coloiiisation daselbst inaiignrirt. Die Sieb. Griginal- (Lorrespondenzen. Ocjtcrreich-NnMrn. Wie», den 13. Dcecmücr 1890. Im Gemeinderathc und Landtage ließen die Antiseiniten gelegentlich der Debatte über die Vereinigung Wiens mit den Vororten ihre üblichen Hetzreden gegen die Inden los. Allen voran Dr. Lueger, der soeben aus seinem Ehrcnbeleidigungs-Processe gegen den Herausgeber der „Sonn- und Montags-Zeitung", Alexander Scharf, als Sieger hcrvorgegangcn ist. Kamen auch im Laufe des Proceffes für Lueger recht unangenehme Geschick)-, tcn ans Tageslicht, so sprachen dennoch die Geschworenen mit acht gegen vier Stiiitnicn den Angeklagten Scharf schuldig, ivorauf der Gerichtshof denselben zu 1000 fl. Geldstrafe, eventuell sechs Monaten Arrest, und zur Veröffentlichung des Urtheils in der „Sonn- und Montags-Zeitung", im „Wiener Tagblatt" und im „Deutschen Volksblatt", verurtheilte. Der Proceß,