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Selbst-Emancipation · 1890-12-01 · Heft 17 (1.12.1890) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 17 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17. Selbst-Emancipation. lion russischer, durch die neuesten Verfolgungs- Maßregeln betroffene Juden als 'Ackerbauern in Argentinien anzusiedeln. Er hat zunächst eine Commission von drei au die Firma Mallmann und Comp, empfohlenen Herren nach dem Rio de La Plata entsandt, welche bezüglich der Verwirklichung des Projcctes in näheren Unterhandlungen treten sollen. Der Chef der ersterwähnten Firma, Herr R. de Muralt, hat bereits mit dem Präsidenten der Republik in der Angelegenheit Rücksprache genommen und ■ bei Herrn Dr. Pcllcgrini natürlich volles Entgegenkommen gefunden. Baron Hirsch soll bereit sein, dem Colonisationsproject nöthigenfalls bis zu achtzig Millionen Francs zu widmen. Eine halbe Million russischer Juden, achtzig Millionen Francs! Und alles das, um ein Psc udo-Palästina zu schaffen,*) während das fruchtbare und historisch mit uns verknüpfte wirkliche Palästina, das mit solchen Mitteln in ein Paradies verwandelt werden könnte, verödet bleiben soll. Aber Gott sei Dank, Kanaanwird nicht vergessen werden; und wenn auch die Großen, Reichen sein vergessen, aus dem Gedächtniß des Volkes wird cs nicht schwinden. Und das Volk ist ewig, die Großen, Reichen aber — — sieh e B ar i n g Brothers! (AuS Rußland.) Wie da-; „Nowojc Wrenija" meldet, dat die orthodoxe Geistlichkeit Weftrußlands um den Erlaß von Vorschriften ersucht, durch welche der jüdische» Bevölkerung verboten wird, an Loiin- und christlichen Feiertagen Handel zu treiben. (Ans Rumänien.) Die „Philosophen" an der Bukarester Universität strikcn. Dieselben haben erklärt, den Vorlesungen eines ihres Docentcn fern bleiben zu wollen, weil derselbe Jude ist. Dieses Betragen soll voll den competenten Behörden gutgeheißen werden und dürfte der betreffende Professor — er docirt rumänische Geschichte und heißt Scheinen»!! — dcmissioniren müssen. *) Argentinien ist übrigens, wie ein Mann, der daselbst Jahre lang lebte, und den wir hierüber interpcllirtcn, sich ansdrückte, „das Eldorado der Speknlaiiten". Diese Colonisation könne aus d e m Grunde allein nicht rcussircn, sagte nufer Gewährsmann. Dort würden die Juden nicht lange Bauern bleiben, sondern bald wieder Spekulanten werden. Die Red. Correspondenz der Redaktion. Da unser Blatt nur zweimal im Monate erscheint, die Zahl der entlausenden Artikel und Correspondenzen aber eine sehr große ist, so müssen immer welche Arbeite» für spätere Nummern zuriirkbleibe». Wir bitten unsere Herren Mitarbeiter dies zur Kenntniß z>k nehmen. Herrn Bz. in S. Da das ZeitungscomilL cs sich zürn Grundsatz gemacht hat, iiu Blatte möglichst wenig persönlich zu werden, die Veröffentlichung Ihrer geschätzten Einsendungen von letzthin aber gegen dieses Princip verstoßen würde, konnten dieselben nicht acceptirt werden. Herrn H. I. in Moskau. Eine kurze Besprechung in nächster Nummer. Correspondenz der Administration Wir machen darauf anfmerksau», daß Nr^ kt dieses Jahrganges röllig vergriffen ist. Belletristisches. David Alron. Von Benjamin d'Jsraeli, Lord o f B c a c o u s f i e t d. (7. Fortsetzung.) Die Räuber schleppten ihre» Gefangcueu durch eine Straße, welche die größte der Stadt gewesen zu sein schien. Ohnwcit ihres Eudes wandten sie sich bei einem kleinen ionischen Tempel, kletterten über einige umgcstürztc Säulen und betraten einen Theil der Stadt, von verfallencrein Ansehen, als der, den Alroy bis jetzt gesehen hatte. Die glänzende, aber kurze Dämmerung des Orients war im Verlöschen; eine dunkle Purpurröthe folgte dem rosigen Anhauche, die entfernten Thürine hoben sich schwarz, objchou deutlich aus der reinen Luft, und der Mond, der, als er zuerst in die Stadt getreten, am Himmel wie ein kleines weißes Wölkchen sich gezeigt hatte, glänzte nun mit trügerischem Lichte. Plötzlich erhob sich vor ihnen eine gewaltige Steiumaffe. Eirund von Gestalt und von Arkadenreihcu gebildet, war sie sichtlich sehr zertrümmert, und ein ungeheurer, unregelmäßiger und wellenförmiger Spalt, der fast von ücm Gipfel bis auf den Boden herabging, trennte die Seite, welcher jetzt Alroy und seine Gefährten sich nahten, gänzlich von der anderen. Nachdem sic die Uebcrreste dieser starken Mauern hinaufgcklcttert waren, stiegen die Räuber und ihr Gefangener wieder in ein unermeßliches Amphitheater herab, das in dem schwankenden und bleichen Mondlichte noch größer zu sein schien. Darin befanden sich Gruppen von Menschen, Pferden und Kameclcn. Im tiefsten Hintergründe lagerte eine große Menschenmenge, auf Teppichen und Matten liegend oder kauernd, damit beschäftigt, ein rohes aber lustiges Mahl einzunchinen. An ihrer Seite leuchtete ein Feuer. Die rothc, flackernde Flamme, mil dem weißen, ruhigen Mondscheine gemischt, warf ein schivaukendes Licht auf ihre Gesichter, ihre glänzenden Waffen, ivciten Gewänder und umwundenen Häupter. „Ein Spion!" riefen die-Räuber aus, indem sie Alroy vor den Anführer ihrer Bande brachten. — 'Nun, so hängt ihn! - sagte dieser, ohne nur aufzuschcn. . „Dieser Wein, großer Schcrirah, ist vortrefflich, oder ich will kein wahrer Muselmann sein," entgcgnetc einer der Räuber; „aber Ihr seid zu grausam. Mir ist solch eine flüchtige Bestrafung verhaßt. Laßt uns ihn erst wenig martern, um etwas, das uns nützen kann, von ihm zn erfahren." — Wie du willst, Kisloch, — sagte Scherirah; — wenn's Dir Spaß macht. Woher kommst Du, Bursche? Er kann nicht antivorteu. Ganz gewiß ein Spion. Hängt ihn! Die Räuber lösten den Strick, womit sie Alroy gefesselt hatten, um ihn zu einem anderen Zwecke zu gebrauchen, .als ein Dritter von den trefflichen Gefährten Scherirah's sich in's Mittel „Spione pflegen stets zu antworten, Hauptmann. Er ist wahrscheinlich vielinehr ein verkleideter Kaufmann." - Und hat verborgene Schätze bei sich, — setzte Kisloch hinzu; — oft stecken in solchen schlechten Kleidern die schönsten Edelsteine. Wir thäten bester, ihn auszusuchen." — „Nun, so sucht ihn aus", versetzte Scherirah mit seiner rauhen, gemeinen Stimme; „macht mit ihm, ivas ihr wollt, und gebt mir nur die Flasche her. Dieser griechische Wein ist ganz vortrefflich. Schürt das Feuer an, Ihr Leute. Schlaft Ihr denn etiva? Und dann, Kisloch, kannst Du, der Du die Grausamkeit nicht leiden kannst, ihn daran rösten, wenn Du sonst Lust hast." Die Räuber rüsteten sich, Alroy zu entkleiden. „Freunde!" rief dieser auS; „denn ich wüßte gar nicht, weshalb ihr nicht Freunde sein solltet, schont meiner. Ich bin arm, bin jung, bin unschuldig. Ich bin weder ein Spion, noch ein Kaufmann. Ich habe weder böse Absichten, noch Vermögen. Ich bin ein Pilger " — Ganz bestimmt ein Spion, — rief Scherirah aus; - sie wollen alle Pilger sein. — „Er spricht zu gut, um die Wahrheit zu sagen," setzte Kisloch hinzu. — Alle Vielredner sind Lügner! — ergänzte Schcrirah. „Darum ist Kisloch der Allerbcredteste von uns allen." — Ein Scher; beim Gclag, ist so gut ivic ein Fluch im Felde; — erwiederte Kisloch. „Aber ihr Burschen", brummte. Schcrirah; „was macht ihr nur für Umstände. So sucht doch den Gefangenen aus! Ich befehle es!" Sie traten wieder vor und ergriffen ihn. Vergebens wehrte er sich. „Hauptmann," rief einer von der Bande: „er hat auf der Brust ein Juwel!" — Ich sagt's Euch ja! — versetzte der dritte Räuber. „Gicb mir es", sagte Scherirah. Alroy aber riß sich, voll Verzweiflung bei dem Gedenken, seinen Talisman zu verlieren, eingedenk der Ermahnungen Jabastor's und vom übernatürlichem Muthe begeistert, aus ihren Händen los, ergriff einen Feuerbraud, und hielt sie damit von sich ab. „Der Bursche ha- Mnth!" sagte Scherirah ruhig. „Schade nur, daß cs ihm das Leben kosten — Hört mich nur einen Augenblick an! — rief Alroy. — Ich bin ein Pilger, ärmer als ein Bettler. Der Edelstein hier ist ein heiliges Emblem, ohne allen Werth für Euch, für mich unschätzbar, und nur mit meinem Leben laß ich es. Das kann ich Euch versichern. Hütet also das Eure, denn der erste, der mir sich naht, ist ein Kind des Todes. Ich bitte Euch demüthig, Hauptmann, laßt mich gehen. — „Schlagt ihn tobt!" sagte Scherirah. — Stoßt ihn nieder! — rief Kisloch ans. „Gieb mir den Edelstein!" brüllte der dritte Räuber. — Nun, so sei mir der Gott Davids gnädig! — rief Alroy. „Er ist ein Hebräer, ein Hebräer!" Und damit sprang Scherirah auf. „Laßt ihn los, laßt ihn los! Meine Mutter war eine Jüdin." Die Männer, die schon auf Alroy einstürmten, senkten ihre Waffen, und traten einige Schritte zurück. Dieser blieb jedoch immer noch auf seiner Hut. „Tapferer Pilgrim," sagte Scherirah vortretend mit sanfter Stimme: wollt Ihr nach der heiligen Stadt?" — Der Stadt meiner Väter. — „Ein gefährlicher Weg! Und von woher?" — Von Hamadan. — „Eine beschwerliche Reise. Ihr bedürft der Ruhe. Euer Raine?" — David. — ' „David, Ihr seid unter Freunden. Bleibt hier und richt ungestört aus. Ihr zögert. Fürchtet nichts! Das Angedenken meiner Mutter ist ein Zauber, der mich stets besänftigt." Scherirah zog seinen Dolch, stach damit in seinen Arm, warf

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