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Selbst-Emancipation · 1890-12-01 · Heft 17 (1.12.1890) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 17 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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©eite.«. Selb, ft - E m, a n c ip a; i i o.n. Nr. 17. zu Gunsten der Colonisation unseres Ahnenlandes mit bestem Erfolge predigte. An dem Zustandekommen des Vereines in Griva haben sich das meiste Verdienst die jetzigen Vereinsleiter, die Herren Wols Aronowitz und Jacob Altschuler, sowie auch die Herren Stekel, Friedmann und Kort, ganz besonders aber auch Herr Rabbiner Beer Rubanensko, in dessen Wohnung am 30. August (?) eine allgemeine Versammlung der „Chowawe Zion" stattfand, erworben. Der letzigenannte speciell hat sich wegen seines Eifers für die gute Sache von den eifrigsten Chassidim seiner Gemeinde viel auszustehen. — Die erwähnte Versammlung begann um 9 Uhr Abends und endete um 2 Uhr Nachts; es wohnten derselben auch, die Letter des Dünaburgischen Vereines „Chowawe Zion", die Herren Melamed und Berman bei. Ersterer hielt eine längere Rede, in welcher er die nächsten Ziele und den jetzigen Zustand der Colonisation in Palästina auseinandersetzte. In Folge dieser Rede erklärten sich 35 Personen bereit, dem neu zu gründenden Vereine in Griva beizutreten. Tags darauf traten aus Anregung der genannten Herren Aronowitz und Wschuler noch Mitglieder dem Vereine bei, so daß die Mitgliederzahl des Vereines sich heute auf 12 0, gerade der. dritte Theil dce Gesammtzahl der Mischen Einwohner Griva's, beläuft. Viel, schr viel für die heilige Sache leisten die Rabbiner (selbstverständlich nicht die chassidischen), welche in der letzten Zeit schr warm für die Colonisation Palästina's eintreten. So ist z. B. der Rabbiner aus Novoje Strojenie .(in der Umgebung Dünaburg's) R. Kalmann Levin ein eifriger Palästtnophlle. Dieser Rabbiner veranstaltete auf eigene Jnittative eine allgemeine Versammlung der Gemeinde, in welcher er durch Citate aus der heil. Schrift und durch Beispiele aus dem Leben nachwies, wie groß der materielle und ideale Nutzen der Palästina-Colonisatton sei. — Soviel von der Lichtsette der Palästinabewegung. Es müssen aber leider auch Schattenseiten derselben bezeichnet werden, welche in persönlichen Plänkeleien und Einmischung von unberufenen oder selbstsüchttgen Rachgebern bestehen. Unlängst ist es einem hiesigen Kaufmann namens I. B. Markowitz gelungen, einen Theil des Districtes Duran in Palästina zu kauten; er kam durch einen Zufall dazu. — Die Frau eines hiesigen bekannten Kaufmannes, welche lungenleidend ist, reiste aus ärztliche Verordnung nach Palästina, um dort ihre Gesundheit wieder zu erlangen. — Herr Zadok Garber aus Dünaburg fuhr mit eik nein sehr großen Capttale nach Palästina, um dortselbst eine Colome zu, gründen. Man erwartet hier recht bald nähere Auskünfte von ihm, worauf ich es Ihnen sofort mittheile. Benjamin Raschkes. Türke,. (Palästina.) Jaffa, 13. November 1890. Vorige Woche begann Herr M. Chankin mit dem Verkaufe eines-weiteren Theiles des von ihm angekauften Bodens, und zwar desbei dem Dorfe Kakun, welches , 2 Stunden von Samarin entfernt ist, liegenden Grundes. Um jeglichen Verdacht zu entgehen, als hätte er hiemit irgend welche Speculatton machen wollen, verkaufte Herr Chankin das Land zu dem von ihm bezahlten Preise, und verläßt sich, was den Verdienst anbetrifft, vollständig auf das Gutachten des Vereines „Chowawe Zion" über den Werth seiner Mühe und seines Capitäls. Der neu verkaufte Grund trägt den Namen „Hdera" (?). Wir wünschen Herrn Chankin ihm einen ebensolchen Erfolg, wie er ihn beim Verkaufe Duran's gehabt hat. In Duran geht die Arbeit schnell von Statten. Etwa 50 Juden arbeiten auf einem Platze. Ungefähr 10 steinerne Bauten sind bereits ferttggestellt und man hofft noch ebensoviel während der Regenzeit fertigzustellen. Am 10. November verließ der Ex-Paschah Rischad die Stadt Jerusalem; man bedauert allgemein seine plötzliche Abberufung von diesem Posten. An seine Stelle kommt der jetzige Paschah von Ak k o. In Jaffa ist die Nachricht des Samarin (Sichron Jakob) cingetroffen, daß die dortige Administratton des Barons wieder 150 jüdische Arbeiter gegen einen Taglohn von anderthalb Francs aufnimmt. Außerdem erhalten die Arbeiter ein unentgeltliches Massenquartier. Bewerber um diese Stelle gibt es sehr viele. Ix (Lhronik. (Die jüdisch-nationale Idee) verfügt jetzt in Oesterreich über drei Organe. Als erstes auf den. Plane erschien unsere „Selbst-Emancipation". Ihm folgte der von Herrn R. A. Brandes in Krakau herausgcgebene „Ha'sman", dessen Erscheinen wir neulich zu melden in der Lage waren. Wenn wir uns auch, noch nicht ganz klar sind, welche Stellung dieses in prächtigem Hebräisch geschriebene Blatt gegenüber der Palästina-Bewegung einnimmt, so sind wir vorläufig von dessen die Jnittative ergreifenden Bemühungen um den vollständigen Ausbau des Hebräischen zur einheitlichen Umgangssprache des jüdischen Volkes hoch erfreut, und wollen hoffen, dass sich „Ha'sman" auch als zionsfreundlich erweisen wird. Die „Selbst-Emancipation" und „Ha'sman" haben nun einen dritten Kampfgenossen erhallen, und zwar das von Herrn E. Läufer in Kolomca herausgegebenc „Israelitische Volksb l a t t", welches im jüdischen Jargon geschrieben ist. Die uns vorliegende erste Nummer ist vor allem durchaus gesinnungstüchtig, ein nationaljüdisches Organ in vollem Sinne des Wortes. Sie ist aber auch ausgezeichneten Jnhalles, mit feiner Berechnung der Eigenart und Culturstufe feiner Leser geschrieben. Wem eS vielleicht noch einsallen sollte, den Nattonaljuden, „Rückschritt" vorzuwcrfen, dem zeige man dieses Jargonblatt, welches sich bemüht, seinen Lesern von aller Frömmelei entferntes nattonales Judenthum einzuflößen und sie zugleich mit den Fortschritten der modernen Wissenschaft bekannt zu machen. Das „Jsraelittsche Volksblatt" resp. die von derselben Redactton geleitete „Jüdische Volkszcitung" erscheint jede Woche und kostet ganzjährig 4 fl. — Unsere Publicisttk ist freilich nicht so weit als anderwätts, z. B. in Rußland mit seinen zwei hebräischen nattonal-jüdischen Tagesblättern, aber so viel ist erreicht: Es gibt jetzt kaum einen Juden in Oesterreich, dem die nationale Idee nicht auf dem Wege der Publicisttk verständlich gemacht werden könnte. Wollen wir hoffen, daß wir - 'immer rüstig vorwärts kommen werden. (Ein Protest.) Dem Lordmayor von London wurde eine schriftliche Aufforderung, unterfertigt von ,83 hervorragenden Persönlichkeiten übergeben. In derselben wird Se. Lordschaft aufgefordert, ein öffentliches Meetig nach Guidhall einzuberufen, um der Volksmeinung über die erneuerten Verfolgungen, denen Millionen Juden unter dem Joche schwerer Ausnahmsgesetze ausgesetzt werden sollen, zum Ausdrucke zu bringen. Die Aufforderung hat folgenden Wortlaut: „Wir Unterzeichneten halten dafür, daß eine öffentliche Kundgebung über die erneuerten Verfolgungen, unter welchen Millionen Angehörige der jüdischen Race in Rußland unter dem Joche schwerer Ausnahmsgesetze und Unterdrückungen leiden, statthaben solle. Wir bitten deshalb. Euer Lordschaft wollen die Güte haben, sobald als es Ihnen beliebt, zu diesem Ende eine öffentliche Versammlung nach Guidhall einzuberufen und ersuchen Sie um die Freundlichkeit, bei diesem Anlasse den Vorsitz zu führen." Die Liste der 83 Unterzeichneten umfaßt die Elite der englischen Gesellschaft geistlichen und weltlichen Standes. Der Lordmayor versprach dem Ersuchen nachzukommcn und hat die Versammlung auf den 8. Decembcr d. I. cinberufen (Ein Gebet für die rnffischen Juden.) Sabbat den >5. November wurde, wie der „Israelit und Jcschurun" meldet, in allen Synagogen Londons ei» hebräisches Gebet zu Gunsten unserer Stammesgenvssen in Rußland verrichtet, welches wir nachstehend in deutscher Uebcrsetzung wiedergcben: „Allmächttger Gott! Unsere Herzen zittern, unsere Lippen beben bei der großen Zahl von Uebcln, Welche uns befallen haben und bei den vielen Leiden, welche unsere Brüder in dem Kaiserreich Rußland bedrohen. Hüter Israel! Du hast Dein Versprechen bewährt, uns nicht zu verstoßen, unS nicht jgänzlich. zu vernichten, noch Deinen Bund mit uns zu brechen. Schone, wir flehen Dich darum au, den, Theil Deines in jenem großen Reiche lebenden Volkes. Uebe Gnade an denen, welche ob ihres Elends wehklagen. Unterdrücke die Leidenschaften des Neides und Hasses, und pflanze an ihre Stelle das Gefühl der Liebe und Brüderlichkeit. Möge cs Dir gefallen, denen den Mund zu schließen, die uns ungerechter Weise anklagcn und uns verleumden. Neige das Herz des Herrschers jenes Landes und, die Herzen seiner Fürsten, und Räthe, mit unseren Brüdern in Milde und Gerechtigkeit zu verfahren, die schweren Lasten aufzuheben und das Joch ihrer Unterdrückung zu brechen, so daß die Plagen der Verfolgung aufhören mögen und Israel in dem Lande ohne Störung und ohne Furcht leben könne. Barmherziger und gnädiger Gott! Sei Du mit der Rede unserer edlen Mitbürger, den Boten der Gnade, welche berathschlagen, uni den Betrübten beizustehcn und den Vertorenen zu helfen. Zeige ihen den Weg der Hilfe und das Werk, das sie thun solle» und gib, daß ihre Arbeiten gedeihen mögen. Sende Deinen Segen auf das Land, unter dcffen, Schutz wir-glücklich leben. Belohne die Rechtschaffenen und Guten, deren Herz von Mitgefühl und Liebe erfüllt ist. Laß die Sonne Deiner Gnade über uns alle aufgehen. Erinnere Dich unserer in Deiner Güte und bedenke uns mit Deiner Hilfe. Amen." Wir sind nun weit entfernt, die Einfügung dieses Gebetes in den jüdischen Gottesdienst zu tadeln. Im Gegcnthcile, wir sehen mit Vergnügen diesen Zug von Bruderliebe hervortteten, den kleinlichen Hader in, Vergeffenheit gerathen und hören gerne die Gebete zu dem „Schomer Jisrael", „dem Hüter des Volkes Israel" emporsenden, — aber unwillkürlich drängt sich uns die Frage auf den Lippen: Kann beten allein genügen, sollte nichtauch gehandelt werden? (Das amerikanische Colonisationsproject) des Baron Hirsch beginnt greifbare Gestalt anzunehmen. Wie hie „Buenos-Aires Handelszeitung" mittheilt, geht Baron Hirsch I mit der Absicht um, ungefähr eine halbe Mil»

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