Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 16 (16.11.1890)
- Date
- 1890-11-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3092672-3092764-3092780--0558-3093524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 16. Correspondenz der Rediiction. Herrn S. P. in Krakau .und Herrn S. in. Lemberg. Leider für. uns nicht geeignet. Löbl. Jsr. L. n. N.-U.-Vcrcin in Dorna- Kaudrcui. Der „Hajoetz" ist das empfehlenswerthcste Zargonblätt. Adresse: An die Redaction des „Hajoetz", Bucarest. Herrn A. K. in Lembergs Es dürfte, wie stets bei Zeitschriften, die Angabe der Stadt genügen. Die' nähere Adresse wissen wir leider nicht. '. j Herrn L M. in Röhrcnbach. Bitten um Weiteres. Das Eingesendetc-ist auch für eine einmalige Publication als Artikel zu wenig umfangreich. Herrn A. L. in Lemberg. 1. Bcz., Schotten-' ring 23' . — in Lemberg. DaS Comitö des Blattes erklärte sich gegen die Äufnahme Ihres Berichtes, wegen der zu großen Schärfe seiner Sprache. Wir haben die Kritik der „Ojczyzna" über „Kanczug" gelesen; sie ist wahrhaft vernichtend — für ’ beit Kritiker. — In Ihrer Privatangelegenheit ist absolut nichts zu erfahren, W. und „I." sind nicht zu erfragen. Herrn N. G. in Kifchincff. Der Inhalt Ihrer Correspondenz war schon iii der Aedaction aus der „Hazefirah" anszugStveisc übersetzt worden.- Belletristisches. Iionslieder. I. Mein Gruß an. Lion. iliein Lied ist an Zion gerichtet, . Ein Gruß an das heilige Land, Und was ich als Jude gedichtet, Sei Zioti zürn Gruße gesandt, Die Tröpflein im Bache, sie lauschen, Und horchen diesem Lied, : Und munteres, rieselndes Rauschen, Das tönt in die Worte mir mit. . Das Bächlein, das trägt dann zum Flusse, Der Fluß zu denr Strome die Utär', Darauf mit des Stromes Ergüsse Fließsss Liedchen hinaus in das Aleer. Und alle die Wellen, sie tragen Zu anderen weiter das Wort Bis dorthin, wo donnernd sie schlagen A>i Aarmels heiligen Ort. Die brandende Woge am Strande Aüßt's Ufer mit glühendem Ruß Und bestellet dem heiligen Lande ' Des Juden herzlichen Gruß. II. Mage Lions um M'huda. "'.rm »Karats nibax p*s ’jn. Warm» Tochter Juda, kehrst nimmer zurück?. Mein Stolz, meine Hoffnung, meine Liebe, mein Glück! Ls kehren die Monde, es kehrt die Sonne, Doch wo bleibt Jetzuda, wo bleibt meine Wonne? . Linst spielte Jehuda, die Jungfrau, die traute, Zu meinen Füßen, sang Lieder zur Laute. Sang jubelnd dem Schöpfer voll Dank ihre Lieder,— Wann kehrt die Jungfrau, wann, kehrt sie-wieder? Sie pflegte das Gärtchen, des Ewigen Garten, Des Lwigen Weinberg wußt' wohl sie zu'warten, Sie selbst war das Blümchen, das drinnen gedieh. Wann kehrt-meine Jungfrau; oder kehret sie nie? S e l b st - E m a n c i p a t io n. Seite 7. sie war ja so einsam, so lieb, so bescheiden,' Wußt' Lärm und Getöse, Gebrause zu meiden. Wer nannte die Jungfrau, wer kannte die Blume Mein eigen allein nur, mir einzig zum. Ruhme. Die Mutter Jerusalem jammert und weinet, ' Bb nimmer die Tochter Jehuda erscheinet; So komm' doch Jehuda zur Mutter, ach komm' Ach. komm' zur heiligen Heimat, du Tochter, so fromm I Rehr' heimwärts zur Heimat, von Westen, vo,r Gsten, Daß wiederum liebende Nähe wir kosten. Mein Stolz, meine Hoffnung, meine Liebe, inein Glück! Warum n.ochter Juda, kehrst nimmer zurück? Heinrich Loewe. (Weitere Lieder folgen.) David Alrori. Von Benjamin d'Jsraeli. (6. Fortsetzung.) _ Der Tag dämmerte schon, als Jabastor noch einsam nachdenkend unter den Felsen weilte. Alroy war im Gebete verblieben in der Höhle. Ost und sorglich schaute der Cabalist nach seinem Gefährten und verfiel dann wieder in Nachsinncn.. „Die Zeit ist gekommen, wo ich diesem Jünglinge die Geheimnisse meines frühern Lebens enthüllen 'muß. Vieles wird er hören, das rühmlich; vieles, das schmachvoll. Nichts darf ich ihm verhehlen, nichts übergehen." - „Sagen muß ich ihm, wie ich in die Ebenen des Tigris das heilige Baimer unseres auserwählten Volkes erhob, und es aus seiner Sklaverei emporrief; wie verzweifelt an seinen abtrünnigen Vätern utib allein durch menschliche Macht begeistert, ich vergebens nach dem hohen Amte strebte, das feinem heiligen Blute allein Vorbehalten ist. Gott meiner Väter, gewähre mir, daß mein künftiger Dienst, der demüthige Dienst einer zerknirschten Seele, in den kommenden Tagen des Ruhms die unsrer warten, abbüßen möge die vormalige Ueberhebung!" „Ihm aber stehen große Prüfungen bevor. Nicht leicht sind sie für den Erkornen, der ein Volk befreien soll aus Sclaverei. Der Herr ist getreu seinem Versprechen, aber der Herr wird erwählen seine Zeit und seinen Diener. Muth und Glaube, und tiefe Demuth, und festes Erdulden, und die wachsame und keusche Seele, die von Verführung nicht befleckt iverden kann, das sind die Opfer, die wir aus seinen Altar legen und ruhig ivarten, ob eine herab sich senkende Flamme uirs ivürdigen will, sie anzunehmen und strahlend zu segnen." „Es steht geschrieben in dem furchtbaren Buche unserer geheimnißvollen Lehre; das der Retter und Erlöser nicht allein entspringen soll aus dem Hause unserer Fürsten, sondern daß Niemand kommen soll, uns zu befreien, allein und beistandslos, er habe denn das Sceptcr Salomo's wieder erlangt, das dieser einstens getragen in seinen zedernen Palästen." „Dieses Scepter muß erworben iverden von diesem schwachen Jüngling, unversucht und zart, unbekannt mit den Pfaden dieser, fremden Welt, wo jeder Schritt Gefahr ist. Wie viele Beschwerden, wie viele Bedrohnisse, welch' tödtendcr Verdruß, welche düstre Sorge, welche lange Entsagung, welche nimmer endenden Lockungen liegen nicht im Hinterhalte für diesen zarten Knaben! O! Ihr meine Heimatsgenossen, ist dies Eure Hoffnung? Und ich, mit all' meiner Kunde,, und all' mciilem Muthe, und all' meiner tiefen Kenntniß des Menschen, unglückliches Israel, warum bin ich nicht Dein Fürst?" „Weg von mir, gottlästernder Gedanke! Warf nicht sein Ahnherr, eben so jung und nnversucht, ein bartloser Knabe, nur mit einer Schleuder und einem kleinen glatten Steine, den gepanzerten Riesen zu Boden und rettete sein Volk?" „Er ist berufen, kein Anderer. Der Herr ist mit ihm. Möge er sein mit dem Herrn, und wir werden glücklich werden." Sonnenuntergang war cs am dritten Tage nach Alroy's Ankunft in der Höhle des Cabalisten, als der „Fürst der Gefangenschaft" seine Pilgerfahrt anfiug, lim das Scepter Salomo's zu ' suchen. Schweigend nahmen der Pilger und sein Meister ihren Weg zum Rande der Bergschlucht und standen dort still um zu scheiden — vielleicht auf immer. „Es ist ein schwerer Augenblick, Alroy. Menschliche Gefühle sind nicht für Wesen gleich uns, aber dennoch fordern sie ihr Recht. Denke an alles zurück. Halte den Talisman hoch wie dein Leben, ja, heiße den Tod willkommen, indem Du ihn an's Herz drückst, als daß Du athmest ohne ihn. Sei fest, sei fromm. Denk an Deine Vorfahren, denk an Deinen Gott!" „Zweifle nicht an mir, theurer.Meister. Scheine ich nicht voll zu sein des kühnen Geistes, der sonst vielleicht nur 'zu sehr mein Antheil war, so schreibe dies nicht der Furcht zu, Jabastor, noch de». Schmerze selbst, Dich zu verlassen zu müssen, theurer Freund! Aber seit jene sanfte und feierliche Stimme mich so erschütternd anrief — ich weiß nicht wie cs geschehen — aber eine Veränderung ist vorgegangen in meinem ganzen Wesen. Doch bin ich stark, o stärker als damals, wo ich den Jsmaeliten niederschlug. Nein, nein, fürchte nicht für mich. Der Herr, der alle Dinge weiß, iveiß auch vollkommen, daß ich bereit bin zum Tode. Dein Gebet, Jabastor, und „Halt, mein Sohn. Mir fällt etivas ein. Sieh dieser Ring. Es ist ein auserlesener Smaragd. Du könntest Dich ivundern, daß ich . solch Spielwerk trage, aber, Alroy, ich hatte einst einen Bruder, und vielleicht ist er noch am Leben. Als wir schieden, gab er mir dieses Zeichen seiner Liebe, einer Liebe, mein Sohn, fest und innig, ob wir gleich sehr von einander verschieden waren. Nimmihn, die Stunde könnte kommen, wo Du seiner Hilfe bedürftest. Dieser Stein wird sie herbeiführen. Lebt er noch, so ist er im Wohlstände, ich kenne seine Art und Weise wohl. Er >var geboren, für das was die Welt Glück nennt. Gott sei mit Dir, geweihter Jüngling, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs." Sie umarmten sich.