Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 16 (16.11.1890)
- Date
- 1890-11-16
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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S e l b st - E m a n c i p a t i o n. Nr. 16. „Wir werden weich!" rief der Cabalist aus. „O vergebens drängen wir die Gefühle, unseres menschlichen Herzen zurück! — Gott segne Dich und. sei mit Dir.' Du hast doch alles? Den Dolch und Deine Reisetasche. Dieser Stab hat schon viele Dienste geleistet. Ich schnitt ihn am Jordan ab. Ach! daß ich - Dich begleiten könnte!' Dann hätte cs nichts auf sich. Das schlimmste wäre, zusammen zu sterben. Solch ein Schicksal wäre minder schmerzlich als scheiden. Ich will wachen über Deinen Stern, mein Sohn. Du weinest! Und auch ich? Wie? Was ist. das? bin ich denn noch Jabastor? Noch eine Umarmung, und dann.... sage, mir kein Lebewohl mehr, denke es nur." Vierter Abschnitt. Der Sage nach konnte Salomo's Sccpter nur. in den unbekannten Gräbern der alten hebräischen Fürsten gefunden werden, und Niemand es zu berühren wagen als einer ihrer Abkömmlinge. Versehen mit dem cabalistischen Talisman, der ihn in seinen schweren und wichtigen Nachforschungen leiten . sollte, begann Alrop seine Pilgerfahrt nach der heiligen Stadt. Zu dieser Zeit war die Neigung zu solchen Wallfahrten eine herrschende Leidenschaft, sowohl bei den Juden als den Christen. Der „Fürst der Gefangenschaft" richtete seinen Weg in das Innere jener großen Wüste, die er bei seiner Flucht von Hamadan berührt hatte. Dem Caravanenzug folgend, wollte er nach Bagdad wandern. Von der Hauptstadt des Kalifen aus war seine Reise bis Jerusalem verhältnismäßig leicht; um aber Bagdad zu erreichen, mußte er Beschwerden und Gefahren erdulden, deren Aussicht -jeden Anderen hoffnungslos gelaffen haben würde, der nicht das Gefühl in tiefster Brust getragen, er sei der Gegenstand einer allmöchttgen und besonderen Vorsehung Blos in ein grobes, schwarzes Gewand gekleidet, wie es unter den Kurden gewöhnlich, mit einem Stricke gegürtet, in welchem sein Dolch befestigt war, und das geschorene Haupt mit einem großen, weißen Turban bedeckt/der ihn vor Hitze schirmte, schützte nur die Sandale seinen Fuß; auf dem Rücken trug er einen Sack mit getrocknetem Mais und gedörrtem Korn, nebst einem ledernen Schlauche voll Wasser. So wanderte ein Jüngling über den glühenden Sand Persiens, dessen Leben bis dahin ein ununterbrochener Traum häuslicher Ueppigkcit und unschuldiger Verwöhnung war. Während der warmen Rächte oder des -frühesten bleichen Morgens reiste er. Des Tages über ruhte er, glücklich schon, wenn er cs an einem wohlthuenden Brunnen, von einem Palmbaume beschattet, konnte, oder, eine Gazelle. von ihrem Lager aufschreckcnd, unter den wilden Gebüschen rauher. Felsen. Fehlten diese Hilfsmittel, so streckte er sich hin auf den Sand und bildete sich ein Zelt aus Stab und Turban.' 1 Drei Wochen waren vergangen, seit er die Höhle des Cabalisten verlassen hatte. Bis dahin war ihm kein menschliches Wesen begegnet. Die Wüste ivar nun minder dürr. Karger Pflanzcnwuchs keimte aus ergiebigerem Boden auf, die Ebene formte sich in sanftere Wellenlinien, der : Geruch wilder Kräuter kräftigte seine Sinne,. und seine Augen ergötzten sich an der schimmernden Gestalt des vorübcrfliegenden Vogels, Pilgrim wie er selbst, nur leichter. Nicht , lange, so zeigte sich ein . Hain von anmuthigen Palmen mit ihren hohen, dünnen Stämmen und hcrabhängendcn Fcdcrkronen, sauft und schön. Rings umher glänzte der grünende Rasen wie Smaragd. Silberströme stoffen aus aus einem hervorricscludcu Quell und schlängelten ihre weißen Fäden durch den reizenden grünen Teppich. Vom Haine her erscholl das beruhigende Gcgirr der Tauben, und Schivärme lustiger, bunter Schmetterlinge, von ihren farbigen Flügeln schimmernden. Lichtes getragen, spielten gefahrlose in der reinen Luft. Eine schöne, kühle Oase! Alrop ruhte' in dieser reizenden Einsamkeit zwei Tage lang aus, von frischen Datteln sich nährend und kühles Wasser trinkend. Gern .würde er noch.verweilt, haben, wäre er sich seiner ftüheren Anstrengung hinreichend bervußt - gewesen, aber die Erinnerung an seine hohe Sendung machte ihn ruhelos und stählte ihn zu den Leiden, die seiner noch warteten. . Mit dem Anbruche des zweiten Tages nach seiner Abreise von der Oase, sah er zu seinem großen Staunen am fernen Horizonte schwach,- aber ganz', deutlich, die Mauern und Thürmc einer weit ausgedehnten Stadt vor sich. Von dieser unerwarteten Aussicht belebt, setzte er seinen Weg mehrere Stunden nach Sonnenaufgänge noch fort; endlich aber suchte er, gänzlich erschöpft, gegen die übermanncnde' Hitze Zuflucht unter der Kuppel des zerstörten Grabdenkmals eines vormaligen mohamedanischen- Heiligen. Nach Sonnenuntergang begann er dann die Reise wieder, und am Morgen befand er sich nur noch einige Stunden von der Stadt. Hier hielt er an und forschte sorgfältig nach einer Spur von ihren Bewohnern. Aber keiner ivar sichtbar. Niemand zu Fuß noch zu Roß kam aus ihren Thoren. Nicht ein einziges menschliches Wesen, nicht einmal ein einsames Kamccl regte sich in der Nähe. Der Tag war für den Pilger schon zu' weit vorgeschritten, um weiter zu wandern, aber seine Sehnsucht, diese unbekannte Niederlassung zu erreichen und in das Gehcimniß ihres Schweigens einzudringen, war so groß, - daß Alroy noch vor Sonnciuintergang durch ihre Thore schritt. Eine herrliche . Stadt, auf eine Art gebaut, die ihm' bis jetzt nicht vorgckommcn war, bot seinem erregten Blicke ihre prachtvollen Trüm- . mer, ihre einsame Größe. Lange Straßen von ' Palästen, mit ihren schönen Reihen sich nach und nach verkleinernder Säulen, hier und da durch - einen umgefallcttcn Schaft uiitcrbrochen;. weite Höfe, von noch geschmückten, feierlichen Tempeln und schwelgerischen. Bädern umgebe», mit seltenen Mosaikfußböden, geschmückt, -und.- noch von ehemaliger - .Vergoldung schimmernd; dort und da ein. noch hochanstrcbendcr Triumphbogen mit seinen zerstückelten Friesen; hier ein Obelisk von Granit mit ' sonderbaren Charakteren bedeckt, über seinen uiiigestürzten Gefährten cmporragcnd; dann und wann ein leeres, verfallenes Theater, eine lange,, geschmackvolle Wasserleitung, eine Porphirsäule, einst mit dem Heldenbildnisse prunkend, das jetzt zerschmettert zu ihren Füßen liegt; und alles übcrgosscn mit dem warmen Zwielicht eines morgcnländischen Abends. -7 Mit Staunen und Bewunderung blickte' er auf diese seltsame, hinreißende Scene. Je längerer sie betrachtete, desto mehr reizte sie seine Neugier. Kaum traute er sich Athem zu holen. Mit gemischtem Gefühle der Eile und des Zögerns schritt er vor. Nach und nach entfalteten sich neue Wunder vor ihm. Jede Wendung gewährte einen neuen Anblick noch größeren. Glanzes. Der Wicderhall seines Schrittes ängstigte ihn. Er schaute mit starrem Auge, bebendem Herzen, wechselnder Farbe um sich. Alles war todtenstill. Nur der hebräische Fürst stand allein in . Mitten der königlichen Schöpfung der mazedonischen Heerführer. Reiche und Hcrrschcrstämme blühen und vergehen, die stolze Hauptstadt wird zur einsamen Trümmerstätte, das erobernde Königreich selbst zur Wüste; aber Israel bleibt noch, noch athmct ein Abkömmling . der ältesten Könige unter diesen königlichen Trümmern 'und noch kann nie die civige Sonne aufgehcn, ohne die Thürmc des lebenden Jerusalems zu vergolden. Ein Wort, eine That, ein einziger Tag, ein einziger Mann, und wir können wieder eine Nation sein. >" Ein Geschrei! Er wendet sich um; man ergreift ihn; vier wilde kurdische Räuber fesseln und binden ihn. (Fortsetzung folgt.) ' Avis! - Folgende Herren hatten die Güte, die Vertretung der „Sclbst-Emancipation" unentgeltlich zu übernehmen: Für B e s s a r a b i e n: Herr Dr. Leo Kohan in Kischinew. ~ Für Serbien: Dr. David Alcalay in Belgrad. Somit können Stammesgcnosscn in den genannten Ländern oder Gegenden sowohl -bei den betreffenden Herren als bei uns direct ihr Abonnement aumclden, rcspcctivc Zahlung leisten. Die'Administration. Wir geben bekannt, daß die Nedaction Korrespondenzen nicht blos in deutscher, sondern selbstverständlich auch iii hebräischer, ferner aber auch in arabischer, böhmischer, englischer, französischer, italienischer, polnischer, russischer und spanischer Sprache aimiimnt und bei Verwendbarkeit in deutscher Ncbcrsetznng veröffentlicht - Wir machen die geehrte» auswärtige» Mit-, -' arbeitcr darauf anfmcrksan» daß der Schluß der . Redaktion zwei Tage vor dem Datum des Er- ’ scheinen«» des Blattes erfolgt. . Fur'die'ltedact'on verantw!r Dr^'sVaVhan^'irnbaum^ ~ - Buchdruckerei Schloßberg, Wien, II., Stephanicstr.. 2. . h