Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 16 (16.11.1890)
- Date
- 1890-11-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 S e l b st - E m a n cip ati o n. Nr. 16. redner, hat aber noch mehr durch seine wissenschaftlichen Arbeiten über die jüdische Philosophie des Mittelalters und über die Philosophie Spinozas geleistet. — In religiöser Beziehung gehörte der Dahingeschiedenc zur gemäßigtesten Richtung der Reformpartci. — Ehre seinem Angedenken! (Die „Alliance Israelite universelle") zählt gegegcnwärtig 31.378Mitglicdcr und unterhält im Orient 58 Schulen in welcher 294 Lehrer unterrichten. 7106 Schüler und Schülerinnen besuchen diese Schulen. Diese Schulen kosteten im Zähre 1889 376.779 Francs. — Wenn die „A. I. U." nur zur Uebcrzeugung gelänge, daß mit Schulen zwar viel, aber nicht Alles zum Heile Israels gethan sei. (Aus Rußland.) Die „Pol. Corr." meldet: Die russischen Polizeibehörden erhielten kürzlich die Weisung, die Beobachtung der Vorschriften bezüglich der Ansiedlung und des zeitweiligen Aufenthaltes ausländischer Juden in Rußland mit besonderer, Strenge zu überwachen. Diese Verfügung wird ausländischen Juden die Erwirkung einer Bewilligung zu zeitweiligem Aufenthalte in Rußland noch mehr als bisher erschweren. — Ein im Zahre 1888 veröffentlichter Bericht über die Zahl der Juden, welche sich in den 15 ihnen offenen Gouvernements, besonders in den 10 Weichsel- Provinzen, der Industrie gewidmet haben, sagt Folgendes: Die Gesammtbevölkerung dieser 15 Gouvernements beläuft sich auf 23,716.128, wovon 2,404.256, also ungefähr 10 Procent, Juden sind. Von diesen widmen sich 293.507, also 12'2 Procent, der Industrie. In Frankreich bilden' die industriellen Claffen 10'6 Procent, in Preußen 91 Procent der Gesammtbevölkerung, in Rußland dürfte der Procentsatz noch geringer sein. (Graf Leo Tolstoi), der berühmte ruffische Dichter, hat in letzter Zeit auch Hebräisch gelernt, und zwar war darin wie R. Löwenfeld im „Zeitgeist" erzählt, der Moskauer Rabbiner Minor sein Lehrer. (Aus Rumänien.) Wie seinerzeit berichtet wurde, waren während des letzten in Botoschani abgehaltenen Congreffes der rumänischen Univcrsttätsstudenten bedauerliche antisemitische Cxceffc vorgefallen. Bei der Abfahrt von Botoschani nach Jaffy sind nun die Studenten mit Gebetriemen und Mützen, welche wohl von dem Einbrüche in der Botoschanier Synagoge herrührten, auf dem Bahnhofe erschienen, um mit diesen zu israelitischen Cultuszwccken dienenden Gegenständen während der ganzen Fahrt bis Jaffy allerlei Unfug zu treiben. In Jaffy angekommen, haben sic sodann ohne alle Veranlaffung die Juden geprügelt und sind in Pascal« die von einzelnen Theilnchmern des Congreffes an der Synagoge in Batoschani verübten Hcldenthatcn Gegenstand einer besonderen Lobrede gewesen. (Palästina-Vereine in Rumänien.) Die Palästina-Bewegung, welche am Anfang des jetzigen Jahrzehnts in Rumänien sosehr vorgeherrscht hatte und zur Gründung der schönsten Colonien geführt hatte, sonach aber in Stillstand geräthen ist, beginnt wieder lebhaft zu werden. In Braila und in Galatz wird von den Zionsvereinen mit viel Erfolg und großem Eifer gearbeitet. Zu diesem Wiedererwachen hat unser Blatt, welches speciell auch Organ des Vereines in Braila ist, nicht wenig beigetragen. (Verschiedenes aus Palästina.) Die „Hazefirah" bringt den Originalbericht eines nach Palästina Emigrirtcn. Derselbe constatirt das im heiligen Lande sich entfaltende Leben, mit Genugthuung; wiederholt aber die so oft gehörte und so berechtigte Warnung, daß Arme das Land nicht auftuchen sollen. Er selbst ist einer der Bedauernswerthen, die eben sowohl Opfer ihres eigenen leichtgläubigen Sinnes, als der empörenden Gleichgiltigkeit unserer Capitaliften gegen die Zionsidee sind. Die diesbezüglichen Worte/ des Correspondenten der „Hazefirah" sind: „Der Arme hat keine Hoffnung in Palästina. Besser wäre für ihn, wenn Reiche herkämen und Boden kaufen, würden, aber unsere Großen sind nur auf ihren Gewinn bedacht, während sie-sich um das Gemeinwohl nicht kümmern. Und die Armen bringen nur sich selbst und dem Gedanken der Colonisation Verderben." Von Jaffa erzählt der Correspondent der »Hazefirah", daß es wegen seines gesunden Klimas von Vielen auf ärztliches Geheißals 'Luftcurort benützt werde. Die Eignung dazu sollen auch viele andere Oertlichkeiten im heiligen Lande besitzen. Sollte sich da nichts thun lassen? Es könnten ganz gut comfortable Curorte in Palästina entstehen, welche namentlich ftömmeren leidenden Stammesgenosscn, die sonst Südftankreich und Aegypten aufzusuchen gezwungen sind, manche Vortheile böten. Unter Anderen hat auch der unvergeßliche SmolcnSky kurz vor seinem Tode diesen Gedanken angeregt. Ja, was könnte nicht Alles geschehen, wenn unsere Gcldfürsten nicht wären, wie sie sind! lieber Jerusalem sagt der Berichterstatter unter Anderem Folgendes: „Die heilige Stadt vergrößert und erweitert sich stetig, längst entstanden außerhalb ihrer Mauern Vorstädte wie „Sichrem Moscheh", „Ohel Jakob" u. s. w. Die Straßen der Stadt erhalten jetzt ein gutes und neues Pflaster, während unterirdische Unrathkanäle gebaut werden. Würden die Straßen Jerusalems nur ein wenig breiter sein, so gliche es bei seiner großen Bcvölkcrungsziffcr und seinem regen Leben/ einer der großen europäischen Städte". In der „Hazefirah" lesen wir auch: Nach Jaffa wurde eine neue Locomotivc gebracht, welche bereits bis zum jüdischen Häuserbauvcrein „Nweh zedek" gefahren ist; ihr Pfiff ertönt zum ersten Male in unserem Lande. Die Bahnarbciten sind jetzt bis Lud (Lydda) gediehen; an der Weiterführung der Bahn wird rüstig gearbeitet. Auch Stammesgenoffen sind unter den Arbeitern und zwar verdienen sich, die mit einem Roffc arbeiten, 5 Francs, die einen Esel zur Verfügung hahen, 3 Francs und die auf ihre eigene Kraft angewiesen sind, l'j,, Francs per Tag. Im Allgemeinen ist dadurch Arbeitsgelegenheit für die vielen Arbeitssuchenden der Stadt geschaffen. (Jüdische Anarchisten) in Amerika, die zunicist aus Rußland cingcwandert sind, lieben cs für den Versöhnungstag große Versammlungen einzubcrufcn und diesen Tag durch Effen und Trinken, durch Tanz und andere Belustigungen zu feiern. — Es gicbt von dieser Sorte auch in London; da und dort aber erweist sich die Agitation für die Palästinaidcc in den jüdischen Arbeitcrschichtcn als wirksamstes Mittel gegen die Pest eines ausgearteten Materialismus. (In England) sendet man sich jetzt zur Geburtstagsgratulätion Karten, auf welche» Blumen, Farrcn und Gräser ans dem heiligen Lande aufgcklebt sind. Die königliche botanische Gesellschaft zeichnete diese Idee mit einer Medaille aus und wird.jede solche Karte mit einem Anthcntitätszcugniffc der Palästina Floral Co. ausgestattet. (w*Y)Xr7«) »Das Licht" betitelt sich eine hebräische, als Fortsetzung des in Jerusalem erscheinende Wochenschrift. Der „Hazcwi" hat vor sechs Monaten nach sechsjährigem Bestände zu erscheinen aufgchört und feiert jetzt als „Haor"- seine Auferstehung. Redactcur ist wie früher unser rühmlichst bekannte und unermüdlich für die Zionssache thätige Gesinnungsgenosse A. Ben-Jehudah. Wir wünschen dem wiedcrerstandenen Blatte langes Leben, und möge ihm beizutragen vergönnt sein — zur Auferstehung Israels. iliti»»>ii»iiiiiiiiiRi»iiiii>iiiii»»iiiii>«,i,mi,i,„i,l,i„>i>i,„iii,t»t»i»iii>iiiiiilit (Lingesendet. Einladung zur Generalversammlung des Vereines „AdmaH Mschurun". Sonntag den 23. November 1890 um 3 Uh r Nachmittags findet in Hernseld's Restauration, 1. Bez., Franz Josefs-Quai 19 (vis-a-vis der Stephaniebrücke) eine ^ordentliche General-Versammlung des.Vereines „Admath-Jeschurun" (Vereines zur Colonisirung Palästina's) statt. Tagesordnung: I. Ansprache des Obiiianncs, H. Rechenschaftsbericht, III. Neuwahl des Ausschusses, . IV. Anträge und Interpellationen, V. Eventualia. Vor Eröffnung werden neue Mitglieder eingeschrieben. Kein Zionsfreund in Wien unterlasse es zur Versammlung zu erscheinen. Wien, 10. Noveniber 1890. Für den Ausschuß: Dr. M. Schnircr. Dr. F. Hajek. - Wir glauben den Intentionen des Vereines „Admath Jeschuren" zu entsprechen, wenn wir den geehrten Lesern unseres Blattes einen Auszug ans den mit Erlaß der h. k. k. n. ö. Statthalterei v. 31. August 1888, Z. 41278 genehmigten Statuten mitthcilen. ' §. 1. Der Verein Admath Jeschurun hat seinen Sitz in Wien. § 2. Der Verein bezweckt die Colonisirüng Palästinas durch arme und beschäftigungslose Juden. 8 3. Ordentliches Mitglied kann jede Person (auch Damen) werden, die eine» monatlichen Beitrag von mindestens 20 kr. leistet. § 4. Die ordentliche» Mitglieder haben das Recht in den Ausschuß zu wählen und gewählt zu werden und bei allen Versammlnngen Anträge zu stellen. § 5. Der Ausschuß kann corrcspondircnde, die Generalversammlung Ehrenmitglieder crncnncn. 8 15. Das -Vercinsvermögcn bilden 1. Mitgliedsbciträge, 2. Spenden, 3. Rcinerträgniffe äuS veranstalteten Festlichkeiten. 8 16. Vom Vcreinsvcrmögen werden, nach Abzug der nöthigen Administrationskostcn, mindestens 25 Pcrccnt zur Unterstützung armer Colonisten in Palästina, oder zur Gründung von Colonien, der Rest zur Propagirung der Colonisationsidee durch Aufrufe und Zeitungen verwendet. 8 23. Im Falle der Auflösung fällt das Vcreinsvcrmögcn einem Vereine gleicher Tendenz zu. Besteht kein solcher, so fällt cs der jüngsten Colonie in Palästina zu. - Weiters bringen wir jenen P. T. Lesern, welche zugleich Mitglieder des Vereines „Admath Jeschurun" sind, zur Kenntniß, daß dieser Verein in Gemeinschaft mit dem akad. Vcvcinc „Kadimah", am 6. d. M. ein gemeinsames Locale im 9. Bez., Müllnergasse 13 in Wien, bezogen hat, woselbst mehr als 30 verschiedene jüdische Journale und Zeitschriften zur Bcuützung auflicgcn. An Spenden für „Admath Jeschurun" sind seit der letzten Verlautbarung eingelaufcn: Vom Cultusvorstcher Naftali Tittinger in Czcrnowitz 5 fl., von den Herren stud. med. I. Schmierer und Igel in Czcrnoivitz 1 fl., von der Firma S. Karry in Wien 5 fl., von dem Vereine „Zion" in Lemberg 10 fl., u. zwar dieser letztere Betrag mit der Bestimmung, daß er je zur Hälfte den Colonien „Ekron" und „Gedcrah" in Palästina zugeführt werden solle, was selbstverständlich geschehen wird. Weitere'Spenden werden in der nächsten Nummcr dieses Blattes veröffentlicht. ~ Dr. F. H. Herr N. Klein in T n r n o w ermächtigt unS bekanntzugebcn, daß er auf Anregung unseres Blattes in dem Artikel „Zur Pilgerfrage" (Nr. 11 d. Jhrg.) gesonnen ist, im nächsten Frühjahre an einer Gesellschaftsreise nach dem heiligen Lande theilzunehmen. Herr Klein drückt die. Hoffnung aus, daß er nicht vereinzelt bleiben, sondern sich Viele begüterte Stammesgenossen seinem Beispiele anschlicßcn werden. Wir fordern hiemit jeden,-der die Reise in i t in a ch e n w i l l, au f, u n s N ä m e » u n d Adr esse ini t z u th e i l e n u n d u n s z u r V eröf fentlichung derselben im Blatte zu ermächtigen.