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Selbst-Emancipation · 1890-11-16 · Heft 16 (16.11.1890) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 16 (16.11.1890)
Date
1890-11-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ober ist vielleicht Autor der Ansicht, baß bas Fortschreiten bicser Jbcale bie Banbe aller Nationen lockert, um sie ganz unentbehrlich zu machen? Ist er cs nicht, so ist er im höchsten Sinne bes Wortes ungerecht, ba er alle anberen Volksgemeinschaften fortbestchen läßt unb nur bie silbische aus bcr Weltgeschichte streichen nröchte, pflichtet er aber biescr Ansicht bei, so verfällt er in Mpsticismus unb h u l b i g t einer Utopie. Denn eine große, bie ganze Menschheit ober sogar bie eines einzigen Welt- ' theils z. B. Europas umfassenbe Weltstatton, beren einzelne Mitgliebcr gleiche Sitten, Gebräuche, Muubart, Lebensweise unb alles' anbcrc, was Volksgemeinschaft in engeren Sinne bcs Wortes ausmacht, besitzen würben — ist wegen bcr klimatischen unb topographischen Verschicbcnheiten bcr Erdkugel ein Hirngespinst. Wie Matow in seinen „historischen Briefen" (Abbruck aus ber Nat.-Zcit.) mit Recht hervorhebt, läßt sich bcr Gang bcr Civilisationsentwicklung gerade nach der entgegengesetzten Richtung wahrnehmen,^ b. i. nach ber Richtung ber Zerstückelung bcr Zerstückelung ber ganzen Menschheit in einzelne Volksgemeinschaften, beren Aufgabe es ist, jenen erhabenen Jbealen ber Gleichheit, Gerechtigkeit unb Wahrheit in ihrer Mtte zum Siege zu verhelfen. Von biesem Stanbpunkte ausgehend spielt doch die vom Autor so sehr geringgeschätzte. Idee ber Neubelebung bes jübischen Volkes auf gemeinschaftlichem Bobcn unter den Fortschrittsibeen eine hervorragenbe Rolle, ba sic bezweckt, Millionen unserer Stammesgenossen dem härtesten nnb schmählichsten Drucke ber Ungleichheit, Ungerechügkeit unb Unwahrheit,' unter dem sie jetzt hilflos schmachten, zu vereinen und sie auf freiheitlichem Boben zu fteien unb ebenbürtigen Bürgern zu vereinigen. Diese erhabene Jbee bedeutet für das Jubenthum — Fortschritt, jene bes Herrn Felbmann utopischen Nihilismus, ober nationalen Selbstmord' ' A. Sal. - (Schluß folgt). <An Lichtstrahl in dunkler Zeit. 0 Berlin,den 9. November 1890 (26.Marschewan 5651). Der. Aussatz des gesch. Herrn Ncbactcurs. der „S.-E." über das Hebräische in den Wiener Schulen hat uns belehrt, daß eine der wichtigsten Forderungen, welche die Liebe zu unserer Nation an uns.stellt, die Pflege der hebräischen Sprache ist. Es ist bekannt, daß Berlin bie Metropole der systematischen Assimilation ist; hier hat ein Holdheim gewirkt, hier ein Geiger seine Predigten gehalten. Es ist daher um so erfreulicher, . daß gerade hier an der Geiger'schen Lehranstalt sich Jünglinge zu einem in eminentem Sinne nationalen Werke, zusammengethan haben, um so mehr, da der Anstoß nicht'von Juden aus Rußland, sondern von „e ch t d e u t sch e n" Juden ' ausgegangen ist. Ist schon die Beschäftigung mit unserer Nattonalsprache ein nationales Werk, um wieviel mehr das Studium des N e u hebräischen. -"Demgemäß las man jüngst folgenden Auftus am schwarzen Brett der „Hochschule für die Wissenschaft des Jubcnthums": C o m ui i l i t o n e n! Zerstreut über das ganze Erdenrund ist der israelittsche Stamm; unter den verschiedensten Zonen lebend, den verschiedensten Staaten angehörend, einigt ihn außer der gemeiusamen Abstammung nur die von den Ahnen ererbte Religion und die gemeinsame jüdische Wistenschaft, — und das.Gewand beider, die hebräische Sprache. Uralt und ganz' modern zugleich ist diese Sprache; uralt, wie das israelitische Volk und ebenso jugendfrisch und lebenskräfttg wie dieses. Herausgerissen ans dem heimatlichen Boden hat die hebräische Sprache ebenso wie die jüdische Station auf fremdem Grunde Wurzel geschlagen. Der alte Stamm setzt immer neue Zweige . an und an den neuen Zweigen knospen frische Blüten. Wie das orientalische Wandervolk sich allen Stationen, unter denen es lebte und wirkte, angepaßt hat und dabei doch seinem innersten Wesen treu geblieben ist, so hat auch seine Sprache sich allem Neuen anbequemt, doch der alte Duft ist geblieben. Eine ganze Bolkspoesie hat ihre Seufzer in neuhebräischen Lauten ausgehaucht, chre Freude in die Lüfte hinausgejubelt; eine ganze Wi»cnschaft, ja eine ganze Litteratnr spricht mit der Welt in den Tönen hebräischer Worte. Ist es da nicht die Pflicht eines jeden Inden, der sich mit seinem Volke noch eins fühlt, jede Gelegenheit wahrzunehmen, die ihm zur Erlernung der neuhebräischen Sprache geboten wird und selbst solche Gelegenheiten zu suchen? Aber nicht jedem ist es möglich, solchem Studium obzuliegen. Aber sollten nicht wenigstens wir, die wir uns der jüdischen Wissenschaft widmen, sollten wir nicht den Drang in uns fühlen, die Hand zu ergreifen, die uns geboten tuirty um uns in das Gebiet des Neuhebräischen zu führen? Doch wozu bedarf es vieler Worte, uns erst zu einer Sache hinüberzuziehen, die doch unsere eigene ist. Wir haben zu' diesem Zwecke in einer Privatbesprechung uns entschlossen, einen Verein zur Pflege der neuhebräischen Sprache und Litteratur iu's Leben zu rufen. Es i st Ehrenpflicht e in e s j e d e n H ö r e r s d e r Lehranstalt sich a n u n s e r c ni n a t tonalen Unternehmen zu beteiligen! Es ist der dritte Verein mit nationalen Zielen in Berlin. Obwohl man nun von gewisser asiimilatorischer Seite aus bie constituircnbe Sitzung zu sprengen versucht hat,* **)) so. gelang es boch einen Verein zustande zu bringe». Es bcthciligten sich sofort 12 Hörer der jüdischen Lehranstalt als Mitglieder, lind schon in der ersten Sitzung haben sich neue Mitglieder angemclbct. Die Vereinigung führt den Namen „Verein zur Pstege ber n c u hebräischen Sprache “12J? riBty '22N" und ist derselbe unter dem Protectoratc des greisen Gelehrten Herrn Dr. Cassel begründet. Derselbe hatte für die Eröffnungssitzung einen Vortrag zugesagt. Da er jedoch durch einen plötzliche Ursache daran leider verhindert war, so hat Herr Dr. Joel Müller, der berühmte Talmudist bekannt ist, als Vorsitzender des Lehrerkollegiums besagter Lehranstalt die Eröffnungsrede gehalten. Jeden Samstag Abend findet eine Sitzung statt.'"") (Lorrespondsnzen. (Berichtigung) Wir erhalten von Herrn Dr. Herzberg, Director des isracl. Waisenhauses in Jerusalem ein Schreiben, mit welchem derselbe den Inhalt einer in Nr. 10 unseres Blattes veröffentlichten Correspondenz als „schändliche Verlcumbung" bezeichnet. Diese Berichtigung aufzunchmen sind wir gesetzlich verpflichtet, nicht aber den ganzen übrigen Text des Briefes, der mehrfache Beleidigungen unseres Correspondentcn cnt- *) Sogar ein ehemaliges Mitglied der Wiener „Kadimah" hat sich an solchem rühmlichen Werke beteiligt! (Der akademische Verein „Kadimah" in Wien weist jede Gemeinschaft mit diesem Jndividium, das er zu erreichen glaubt und das nie ein guter Kadnnahner war, zurück. ' Die Red.) **) Ev. Zuschriften sind zu richten an den Schriftführer Sind. hist. Heinrich Loewe, Berlin, Weinmeisterstr. 14|H.. hält und durch besten Veröffentlichung wir uns der Ucbcrtretung der Ehrenbelcidigung mitschuldig machen würden. Wir wollen nur das Eine noch ‘ erwähnen, daß uns Herr Dr. Herzberg in seinem Briefe mit Unrecht vorwirft, daß wir „nicht auf der Hut waren und aufs gcrathewohl von obscuren Namen Unterzeichnete Anklagen, ausnahmcn". Soweit uns bekannt ist, ist Herr Solomjack,' den wir -persönlich kennen, Dolmetsch im kais. russ. Consulatc in Jerusalem, daselbst angesehen und keineswegs obscur. Wir hatten also gar keinen Grund ihm zu mißtrauen. Nun-ist es wohl möglich, daß unser Vertrauen arg getäuscht wurde, und wir haben dähcr nichts dagegen, wenn Herr Dr.' Hcrzberg, wie er schreibt, „die Bestrafung des Verleumders, der aus persönlicher Rancünc gehandelt hat, veranlasst. Die Red. Wien, den 14. November 1890. Sonntag den 23. b. M. von 9 bis 2 Uhr sindcn die hiesigen Cultusvorstandsivahlen statt. Es sind sieben Stellen zu besetzen, darunter auch die des wegen hohen Alters zurücktretcndcn Präses der Gemeinde, Herrn Arminio Cohn. Die Wahlbcsprcchung findet Samstag den 13. b. M. statt. Weiteres Interesse haben diese Wahlen für uns nicht, nachdem ja. auch von den neu zu wählenden Vorstandsmitgliedern vorläufig keiner für unsere Sache, eintretcn wird. — .Bei der nachträglichen Landtagswahl in Baden bei Wien, hat der antisemitische Candidat gesiegt. (A. L.) Lcinücrg, Ende Märcheschwa» 5651. Der Verein „Z i o »" wird binnen Kurzem seine zweite Slgitationsbrochüre in jüdisch-deutschem Jargon heraus-' geben, welche auch ein Gedicht aus der Feder des Herrn A. Goldfaden enthalten wird. — Bei dieser Gelegenheit wolle» wir auch, beiiierke», daß d>e erste von demselben Vereine herausgegebene, in unserem Blatte giinftig besprochene Brochnre — trotz des Zetergeschreies, das die polnische» Zeitschriften: „Knrjer LwowSki", „Ojezpzna", „Gazeta Starodowa". ,<Przegtad«, „Dzieu-. nik Polski", n. A. bei Besprechung dieser, für unsere Idee Propaganda machende» Schrift erhoben — in Galizien große Verbreitung fand, so daß die ganze Slnflage fast v e r g r i f f e n ist. — . Die „Ojczyzna" berichtet, daß Baron Hirsch die Absicht habe, das für seine galizische Stistnng bestimmte Geld anderen wohlthätiqen Zwecke» zuzilführen. Die>e Meldung dementirt die von. „entscheidenden höchsten- Kreisen" informirte „Stenzeit" und erklärt, daß die Zinsen der 12 Millionen Francs zu Schnlzwecke» für die Inden in Galizien und Bukowina verwendet werden, und daß die Stiftung ins Leben trete» werde. Es steht hier die Gründling eines jüdischen Lehrervereines unter dem Name» „Augudas morim" bevor. Lemberg, den 10. Stovember 1890. Seit zwei Wochen weilt in Lemberg ein Mann, der fick um das Judenthuni große Verdienste erworben hat, Abraham .Goldfaden. Derselbe las bald nach seiner Ankunft im hiesigen National-Vereine „Zion" aus dessen Einladung seine neuesten Jargongedichte vor, welche von der zahlreichen Zuhörerschaft mit dem größten EnthnsinSmns aufgeiiommen wurden. — Eine Woche hierauf wurde zum Benefice des Dichters seine neueste Operette „Jehuda llamaehby" int jüdische» Theater aufgeführt. Ans diesem Anlasse hat der Verein „Zion", um dem Volke die Verdienste deS Dichters zu zeigen, beschlossen, dem Dichter eine öffentliche Ovation zu bereiten, welche überaus gelang. Am Schlüsse des zweiten Actes und als der Slutor, durch fortivährenden Applaus veranlaßt, auf die Bühne kam, überreichte ihm eine ans drei Herren bestehende Deputation des Vereines „Zion" eine goldene Fe b c r u n b eine h ü bsche h e b r ä i sch e A d resse, bei welcher Gelegenheit . ein Mitglied dieser Deputation, Herr Carl Stau d, folgende Ansprache hielt:

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