Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 15 (2.11.1890)
- Date
- 1890-11-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15. Selbst-Emancipation. Seite 7. Literatur. Dr. M. Grüuwald, Bezirksrabbiner und Redakteur des jüdischen Centralblattes in Jungbunzlau, ist einer der fruchtbarsten tmd eifrigsten jüdischen Literaten. Vor uns liegen der 2. Theil seines Werkes „Ueber den Einfluß der Psalmen auf die Entstehung der katholischen Liturgie", ein Schristchen „Die Kirchenväter in ihrem Verhältnis zur talmndisch-midraschischem Literatur, insbesondere zur Hagada" und das zweite Heft der von weiland Taborer Kreisrabbincr Gntmann Klemperer besorgten und von Dr. Griinwald herausgcgcbcnen und erläuterten llcbcrsetzung von „David Gans' chronikartige Weltgeschichte unter dem Titel: Zemach David". In allen diesen Schriften dcclarirt sich die erstaunlich große Belesenheit und Gelehrsamkeit des verdienstvollen Schriftstellers. Für die Colonisatio»r Palästinas. Eine Erzählung von S ch a l o m A l e ch e m (S.R a b i n o w i t s ch). Kiew, 1890. Der bekannte Verfasser, der mit seinen neulich in diesem Blatte besprochenen „Bilder und Schatten" sein Gebiet, die Jargonlitcratur, verlassen hat, um in hebräischer Sprache als trefflicher Literat sich zu bewähren, ist mit seinem Schristchen „Für die Colonisation Palästinas", das im Jargon geschrieben ist, wieder rückfällig geworden. Daraus kann ihm aber, kein Vorwurf gemacht werden, weil besagtes Merkchen ci»e Agitationsschrift in hohem Matze sein soll. Es ist dazu bestimmt, in der russisch-jüdischen Bevölkerung der Kleinstädte — es ist auch in der russischen Abart des Jargons geschrieben — die Ansichten über die Nächstliegenden Zwecke der Colonisationsvcreine zu klären. Mit vielem Talente ist die Hauptfigur der Erzählung, ein Schnciderlein und glühender „Zionsfrcund", charactcrisirt. Mit solchen Schriften kann viel gewirkt werden. (Nngesendet. Der akad. Verein „Kadi m a h" ließ an den Wiener Hochschulen folgenden Aufruf affigiereir: Der akad. Verein „Kadimah" tritt in das XVI. Semester seines Bestandes. Laut § 2 seiner Statuten bezweckt er die Hebung des jüdischen Beivußtseins, der nationalen Zusammengehörigkeit der jüdischen Studenten und die Pflege der nationalen Geschichte und Literatur. Jüdische Studenten! Heute mehr denn je ist es nöthig, für Ehre und Wohlfahrt unseres Volkes einzutreten; daß Ihr dies voll und ganz könnt, dazu soll Euch unser Verein die - Hand bieten. Eine stattliche Bibliothek, sowie zahlreiche Zeitschriften stehen Euch zu Eurer 'Ausbildung und Unterhaltung zu Gebote. Commilitonen! Tretet unserem Vereine bei, ivo Ihr freundliche Aufnahme und brüderliches Entgegenkommen finden werdet. I. A. d. A. Drd. med. O. Hönich, Stud. phil. Jul. Werner, d. Z. Präses. d. Z. I. Schriftführer. Das Vcreinslocale befindet sich vom 12. November an: IX., Müllnergasse 13, Parterre. Anmeldungen werden entgegengenommen und Auskünfte ertheilt in der Redaction der Zeitschrift „Selbst-Emancipation", II., Schreigasse 6. Samstag von 1—2 Uhr Nachm, und bei Herrn Drd. med. O. Hönich, IV., Leibenfrostgasse 1, Donnerstag von 5—6 Uhr Nachmittag. tlllt«JI)lilJlfliail!BJIII)ailJIJIII!l!IJaJ|!lilia)l!llSilJIJBJffl>aj|JIIf)B}IJM)l)IIBIIl>ilJI Correspondenz der Redaction. Herrn N. in München. Besten Dank für Ihre Anerkennung. Gerade diese Nummer bringt wieder sehr viel von den Sie interessircnden Berichten. Löblicher Verein „Zion" in Lemberq und „Schachre Tofchia" in Stryj. Viel Dank! Näheres werden Sic bald erfahren. HerrnHeinrich Loewcin Berlin. Ihre „Zionslieder", die uns auch deshalb erfreuen, weil durch sie eine Stelle in Ihrem in dieser Nummer veröffentlichten Artikel wcttgemacht wird, erscheinen in nächster Nummer. Herrn G. H. in-Wien. Sie haben Recht. In einer Hinsicht haben wir dem „gelehrten" Versager doch ogenbar zu viel Unwissenheit zugemuthet. Er wird wohl nicht al (t>j?)-mason, sondern el ('p^)-mason gemeint haben. Dabei bleibt aber der Unsinn seiner Wörtererklärung noch immer monströs. iiiiiaiBiiiaiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitaiaiiiiiiiiiiiBiBiitiiaiBiiiiiiiiiBiiiiJiiiiBiiiniiMiiii Belletristisches Vavid Alrrm. Von Benjamin d'Jsraeli. (5. Fortsetzung.) Dritter 'Abschnitt. Es war Mitternacht, Alroy schlief auf der Lagerstätte, aber sein Schlaf ivar unruhig. Jabastor stand regungslos an seiner Seite und betrachtete aufmerksam den schlummernden Gast. „Die einzige Hoffnung Israels," murmelte der Cabalist, „mein Pflegling und inein Fürst! Lange habe ich schon in seiner jugendlichen Seele den Saincn mächtiger Thaten bemerkt, und über sein späteres Leben oft mit prophetischer Hoffnung nachgedacht. Das Blut Davids, der geweihte Abkömmling eines auserkorenen Stainines! In seinen Adern strömt etivas Geheimnisvolles, das meine Wissenschaft nicht ergründen kann. Als ich in meiner Jugend unser Baitner erhob am Tigris, dem (Strome meines Geburtslandes und unsere Nation hcrbeirief, das Land unserer Väter wieder zu erobern, ivie ivaren ivir zahlreich, mächtig und stark! Da waren wir noch ein Volk, und sic versammelten sich muthig um dieses Banner. Mangelte uns Rathes? bedurften wir eines Führers? Wer mag behaupten, daß Jabastor's Kopf oder Arm irgendwo fehlte? Und doch zerrann der Traum, das glorreiche Gesicht zerrann. O! als ich Marvau niederschlug, und das Lager des Kalifen seinen flammenden Abglanz über den blutigen Stroin warf — ha, damals in der That lebte ich! Zwanzig Jahre des Strebcns mögen mir Verzeihung erwerben, daß ich damals des Hauptmittels bei dem Zauber vergaß — des Bluts, das neben mir schlummert. Zurück rufe ich mir das rühnUiche Entzücken jenes heiligen Kampfes mitten unter den Felsen des Kaukasus. Ein Flüchtling, ein Verbannter, ein ausgestoßener Elender, dessen Leben zur Jagd für alle dient, und den der niedrigste Knecht erschlagen kann, ohne Geheiß. Mich, der ich ein Meffias sein wollte. Verbrenne deine Bücher, Jabastor! zerbrich deine ehernen Tafeln; vergiß dein hohes Wissen, Cabalist! und lies nicht länger in den Sternen! In vergangener Nacht aber stand ich an dem Abgrunde, der meine Wohnung umgürtet; in der einen Hand hielt ich meinen geweihten Talisman, der den unaussprechlichen Namen Gottes trägt, und in der anderen das geheimnißvolle Zeichen unseres Stammes. Ich bedachte, daß ich Geister herbeigerufen,, daß ich mit dem großen Geschiedenen Gemeinschaft gepflogen hatte, daß der sternenhelle Himmel für mich eine bekannte Sprache rede. Ich rief als Trost in meine düstre Seele zurück, daß ich mein Wissen stets nur zu einem heiligen und edlen Zwecke angewendet. Als ich Israels dachte, meines auserwählten, meines alten Volkes — als Sklaven, elender Sklaven! mächtig ivar ich versucht, mich herab zu stürzen in den bodenlosen Abgrund, und Kenntniß und Leben zugleich zu enden. Aber als ich auf den Stern Davids blickte, erhob sich um seine Strahlen her plötzlich ein Gewirr, und immer und immer wieder schoß ein Meteor aus dem silbernen Schleier. Ich las, daß Unruhe walte in dem heiligen Samcn, und nun kommt dieser Jüngling, der eine That vollbrachte, die..." „Die Buudeslade, die Bundeslade! ich schaue sie!" „Der Schlafende spricht; die Worte des Schlaf's sind heilig." „'Nur aus dem Hause Davids kommt die Rettung." „Eine hohe Wahrheit: mein Leben hat sie nur zu sehr bewiesen. — Er ist ruhiger geworden. Es ist um die heilige Stunde. Ich will mich in den Hof begeben und nach dem Sterne blicken, der das Schicksal seines königlichen Hauses beherrscht." Der Strahl des Mondes siel auf den Brunnen. Das Getäfel des Hofes war ein Lichtstrom. Finster erhoben sich die Felsen umher in die Höh'. Jabastor setzte sich am Quelle nieder und seinen Talisman in der linken Hand haltend, überschattete er seine Augen mit der andern, als er aufblickte zum leuchtenden Himmel. Ein Schrei! Sein Name ward gerufen. Alroy stürzte wild und athemlos mit ausgestreckten Armen in den Vorhof. Der Cabalist sprang auf, ergriff ihn, und faßte den Schäumenden, krampfhaft Zuckenden sorglich in seine Arme. „Jabastor, Jabastor!" „Ich bin hier, mein Sohn." „Der Herr hat gesprochen." „Der Herr ist uns're Zuflucht. Beruhige Dich Sohn Davids, und sage mir alles." »Ich schlief, Meister; ist dem nicht so?" Ja, Du schlief'st, mein Sohn. Erschöpft durch seine Flucht und die aufregende Erzählung seiner That, lag mein Fürst auf der Lagerstätte und schlummerte. Aber ich fürchte, dieser Schlummer war nicht Ruhe." „Ruhe und ich haben jetzt nichts mit einander gemein. Lebewohl sage ich für immer diesem unseligen Worte. Ich bin der Gesalbte des Herrn." „Trink aus dem Brunnen, David; es wird Dich wieder Herstellen." „Stelle den alten Bund wieder her, stelle die Bundeslade wieder her, die heilige Stadt!" „Der Geist des Herrn ist über Dich gekommen. Sohn Davids, ich beschwöre Dich, sage mir alles, was vorgegangen. Ich bin ein Levit; in meiner Hand halte ich den unaussprechlichen Namen." „So nimm denn Deine Trompete, und rufe das Volk auf, und befiehl ihm schnell unfern Tempel wieder herzustellen. Die Steine sind zerfallen, . aber wir werden ihn mit Marmor wieder ausbauen. Hörtest Du diesen Chor?" Er erklang allein an DeinausenvähltesOhr." „Nein, nein, es war nicht hier! lind doch,