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Selbst-Emancipation · 1890-11-02 · Heft 15 (2.11.1890) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 15 (2.11.1890)
Date
1890-11-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 15. S e l b st - E m a n e i p a t i o n. Von dem hier eingetroffenen Gesinnungsgenossen Herrn Halperin wird hier eine Oelmühlenfabrik errichtet. — Hier wird auch ein Droguerienmagazin für ganz Palästina von dein bekannten Capitalisten Herrn Epstein eröffnet, ix. «Lhromk. (Lord (8ladstone) richtete nachstehendes Schreiben an den „jsrvisli Chronicle": „Hawarden Castle, 15. Oet. 1890. Mit Schmerz und Entsetzen las ich die verschiedenen Berichte über die Leiden der Juden in Rußland. Der einzige Rath, dm ich anempfehlen möchte, ist, die Presse zur vollen Thätigkeit zu ermuntern, 'zuerst die Berichte zu prüfen und Thatbestände sestzustellen; alsdann, wenn solche als richtig festgestellt erscheinen, das Gerechtigkeitsgefühl Rußlands und Europa's für dieselben zu erwecken. Ihr gehorsamer und ergebenster W. E. Gladstone." — Vorläufig läßt sich aber selbst England zu keiner Aetion für die russischen Juden Hinreißen. (In London) hat am ersten Tage des Succotsestes ein kleines Häuflein Anarchisten eine im großen Saale der jüdischen Freischule stattfindende gottesdienstliche Versammlung, in welcher Rm. Maeoby, der sogenannte „Kamenetzer Magid", der sich durch seine begeisternden Reden für die Zionsidee rühmlichst bekannt gemacht hat, predigen sollte, und zu der sich ehren 3000 Personen eingefunden hatten, während 7000 in den benachbarten Straßen warteten, gesprengt. (In Rumänien), wo neuestens die »Asimelareac spuckt, macht sich eine von intelligenten Kreisen ausgehenden Gegenbewegung geltend. Man ist eben daran, im Lande allenthalben „Palästina - Colonisations - Vereine" zu gründen, welche die rumänische Juden, die vor acht Jahren so viel für die Zionsidee geleistet haben, Gelegenheit zu neuen Leistungen auf diesem Gebiete geben sollen. Wir werden im rechten Augenblicke mit genaueren Berichten dienen können. (20« jüdische Studenten) in Rußland sind dem Londoner „Standard" zufolge zum Christcnthum übergetreten, um ihre Studien an den Universitäten ChaHow, Kiew und Odesia fortsetzen zu können. Mögen sie abfallen, es sind ohnehin nur dürre Blätter. Genug schaffende Säfte bleiben im Stamme Israels zurück, durch die er einst wieder in vollem Laub- und Blüthenschmuck prangen wird. (Adeline Patti), die berühmte Sängerin, ist nach der „Pall Mall Gazette" eine Jüdin, was sie erst jüngst dadurch manifestirte, daß sie auf ihrer Besitzung Araig-y-nos eine Synagoge errichten ließ. * (Aus Russland). Die Hinterlassenschaft der „Judeneommission", welche unter Vorsitz des Grafen Pahlen durch Jahre Materiale sammelte und zuletzt als „zu liberal" aufgehoben wurde, wird demnächst einer neuen Commission überwiesen werden, die binnen Kurzem zusammentritt und aus hohen Vertretern aller Ministerien und Ressorts und einstweilen aus den Generalgouverneuren der Reichsgebiete (Nord- und Südwestrußland), wo die Juden Wohnsitzberechtigung besitzen, bestehen wird. Ob auch sie viele Jahre arbeiten wird? „Material" braucht sie freilich nicht zu sammeln. (Juden in Schweden). Die Zahl bea .Juden in Schweden beläuft sich auf eirka 4000 gegenüber 4 '/s Millionen Gesammtbevölkerung. Die Mehrzal derselben wohnt in Stockholm und Gothenbnrg, wohin dieselben gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aus Polen eiuwanderten. Bis 1870 waren dieselben, wie in anderen Staaten, Ausnahmsgesetzen unterivorsen, ivenngleich ihre Stellung noch immer besser war, als jene ihrer Stammesgenossen in den östlichen Staaten. . (Jüdischer Soeialismus i» Nordamerika). Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht das „Deutsche Volksblatt" folgenden Bericht aus New Jork: Mit Unterstützung des Baron Hirsch haben hier viele aus Oesterreich-Ungarn, Rußland und Rumänien eingewanderte Inden große Confeetionsgeschäfte begründet und zumeist dabei rasche und hohe Gewinne gemacht, und zwar hauptsächlich deshalb, weil sie, wie anderwärts so auch hier, die Arbeiter mit den elendsten Hungerlöhnen abfertigen. Diese Arbeiter sind indessen nicht Christen, sondern fast ausschließlich eingewanderte Inden,, welche sich auf Grund soeialdemokratischer Lehren organisirten und Ausstände veranstalteten. Es stellten nacheinander die Arbeit ein: die Knabenhosenschneider, die Hosenträgermacher, die Hemdenschneider und zuletzt die Confeetionsschneider, Letztere allein 5000 an der Zahl J Jetzt habe» sich diese jüdischen Arbeiterin einer besonderen „nationalen" Organisation zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber ihren jüdischen Arbeitgebern zu wahren und lassen als Verbandsorgan die soeialdemökratische „Jüdische Arbeiterzeitung" erscheinen, rvelche bereits 5000 Abonnenten hat. Bezeichnend ist die auch anderwärts beobachtete Thatsache, daß die reichen jüdischen Confeetiouäre, welche ihre Stammesgenossen so schändlich ausbeut.en, sich noch rühmen, Arbeitsgelegenheit geschaffen und zahlreichen Leuten Brot gegeben zu haben! In Wirklichkeit haben sie in New rsjork ivie anderwärts die bestehende Unzufriedenheit nur gesteigert und die soeialen Gegensätze verschärft". — Rechnet man die antisemitische Würze dieses Berichtes ab, so bleibt noch imer genug, was der Beherzigung und Beachtung werth ist. (Eisenbahn Jaffa-Jerusalem.) Die Vorarbeiten für die Eisenbahn Jaffa-Jerusalem gedeihen immer weiter. Schon vor drei Wochen haben die Ingenieure Artus verlaffcn und sind in dem engen Fellenthalc bis zur Philippsqucllc vorgerückt, wo die größten Schwierigkeiten zu überwinden sind und bald diesseits bald jenseits der Thalsole der günstigste Weg ermittelt werden muß. Am 4. August sind einige Ingenieure auch in Jerusalem angekommen, um die Linie der Bahn bis zum Bahnhöfe zu bestimmen. Der Bahnhof selbst liegt im oberen Theile des Hinnomthalcs in der Nähe des muhammcdanischen Begräbnißplatzcs, wo bereits einige große Häuser stehen, Abgcstcckt ist übrigens die Bahnlinie noch nicht und erleidet vielleicht noch eine Rektifikation. Bon Jaffa hört man, daß die Vorarbeiten zur Bahn namentlich anch an der Landungsbrücke energisch betrieben werden. Hunderte von Arbeitern sind thätig und es werden immer neue angestellt. Einige Tausende von Bahnschwellcn und andere Geräthschaften liegen schon bereit, man erwartet bald eine Lokomotive, sowie auch italienische im Bahnbau geübte Arbeiter. Sp.-V. (Die ältesten Schriftstücke aus Jerusalem.) Vor drei Jahren wurden in Tell-cll-Amarna in Egypten mehrere Thontafeln-mit zahlreichen Briefen in assyrischer Sprache und Schrift anfgcfunden. Neuerdings hat sich nun, wie der „Köln. Ztg." berichtet wird, herausgestellt, daß sich unter diesen vielen aus Vordcrasien au die beiden egyptischeu Könige Amenophis HI. u. Amenophis IV. (etwa 1400 v. Ehr.) gerichteten Briefen auch mehrere befinden, tvelche von Jerusalem (Arusalim) aus geschrieben sind. Das Königliche Museum in Berlin besitzt allein fünf solcher, sämtlich herrührend von dem damaligen Machthaber in Jerusalem, Abdi-tabe. Interessant ist-zunächst, was derselbe über seine persönliche Stellung sagt. Er bemerkt nämlich dem egyptischeu Könige gegenüber ausdrücklich, daß er nicht in gleicher Linie zu stellen sei mit den unter egyptischer Oberhoheit stehenden Stadtpräfcctcn der übrigen palästinensischen Städte, daß er vielmehr, wenn auch dem Pharao nnterthau und tributpflichtig, doch eine selbstständigere Stellung als die andern cinnchme, und fügt dann hiezu: „Siche, Ivas dieses Gebiet der Stadt Jerusalem betrifft, so hat nicht mein Vater und nicht meine Mutter mir es gegeben, sondern der Ruf eines mächtigen Königs hat mir cs verliehen", oder ähnlich in einem anderen Briefe: „Siche, nicht mein Vater und nicht meine Mutter haben mich in diese Stelle eingesetzt, sondern der Ruf eines mächtigen Königs hat mich cintrctcn lasse» in mein Vaterhaus." — Daß wir unter diesem mächtigen König nicht etlva den Pharao, sondern eine Gottheit zu verstehen haben, legt eine andere Stelle in einem dieser Briefe ziemlich nahe, wo anscheinend ein Orakclspruch dieses „mächtigen Königs" berichtet wird: „So lange noch ein Schiff auf dem Meere fährt — dies der Ruf des mächtigen Königs — so lange wird Eroberungen machen Mesopotamien (Nahrima-Naharajim) und Babylonien (Kaschi, eigentlich Koffäcrland)." Der Hauptzweck bei diesen Briefen des Abdi-taba aus Jcrusalcni besteht darin, daß er den König von Egypten wiederholt dringend um militärische Hilfe bittet gegen fremde Eroberer, welche Palästina und namentlich auch die Landschaft Jerusalem bedrängen. Bezeichnet werden diese fremden Eindringlinge als Chabiri-Leute, ein Wort, daß unwillkürlich an den Namen der Hebräer erinnert. — Aus diesen Briefen geht hervor, daß Jerusalem, und zwar bereits unter diesem seinem nutz bekanntesten Namen, schon im 15. Jahrhunderts v. Eh. eine hervorragende Stelle unter den Städten Palästina's cinnahm, daß daselbst unter egyptischer Oberhoheit Fürsten regierten, die, wie cs scheint, ihre Amtgewalt auf eine besonders göttliche Berufung zurückfnhrtcn, ohne daß Fainilicn- Erbfolgc hierbei zu entscheiden gehabt hätte. („Israelitische Wochenschrift:") (Indische Urbevölkerung in Palästina). Die „Hazcfirah" bringt eine interessante Correspondenz aus Jerusalem, worin von einem arabischen Stamme erzählt wird, der fünf Tagreisc» vom Jordan entfernt in Freiheit wohnt und sich selbst „Wlad-el-sechur" (Söhne Jissachars) nennt, während sie von den übrigen Arabern „ketzerische Juden" genannt werden. Dieser Stamm, beiläufig 100.000 Seelen zählend, lebt nach Beduincnart vom Raube und hat es besonders auf Mohammedaner abgesehen,-welche von ihm glühend gehaßt werden, während er jedem Juden mit Hochschätzung cntgcgcnkommt. Diese merkwürdigen Leute besitzen Sagen und Legenden, deren biblischer Ursprung trotz aller Verunstaltungen nicht übersehen werden kann. „Es ist kein Zweifel" sagt der Berichterstatter der „Hazefirah", „daß dieser Stamm israelitischen Ursprunges ist, und von der tiefen Culturstufc, auf der er sich befindet, leicht wieder unserem Volke zugeführt werden könnte, und wenn es glücken wird, die transjordanischcn Colonien zu gründen, können wir auf den Schutz dieses starken Stammes rechnen". Der Correspondcnt erzählt noch, daß die „Söhne Jissachars" vor einigen Jahren eine größere Mekka-Karawane überfielen und ausplündcrten. Bei dieser Gelegenheit frugen sie die Araber, ob sich im Zuge ein Jude befinde; es war aber keiner in demselben vorhanden. (Der „Hamagid"), welcher vor einigen Monaten in Lyk (Ostpreußen) zu erscheinen aufgehört hat, begann vom 13. Oetober d. I. ab in Berlin von Neuem zn erscheinen. Die uns vorliegende erste Nummer seit dem Wiedererscheinen (Nr. 29 des 34. Jahrganges) zeigt He geivohnten Vorzüge dieses berühmten hebräischen Wochenblattes. Im Appell an seine Leser verspricht die Redaetion unter - Anderem anch,. der Zionsidee treu zu bleiben.

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