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Selbst-Emancipation · 1890-11-02 · Heft 15 (2.11.1890) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 15 (2.11.1890)
Date
1890-11-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15. Selbst-Emancipation. Seite 5. k’sche oref" anwendell. Nur gute Früchte der palästinensischen Bestrebungen können ihnen Interesse einflößen; Worte selbst sind dazu untauglich. Diese Leute haben ja Recht. Kann man denn sagen, daß das Wuchergeschäft im heiligen Lande so florircn wird, wie hier?! Jafsy, den 15. Octobcr 1890. Ich bin in der Lage, Ihnen 3 Briefe aus Rosch-Pinah, Nischon lc Zion und Sichron Jacob, 2 im Originale und den dritten, den ich retourniren mußte (der Adressat desselben ist ein Herr Jsak Schächter in Paschkany) in wörtlicher Abschrift zu übersenden. Es würde sich empfehlen, diese Briefe vollständig oder auszugsweise in der „Selbst-Emancipation" wiederzugeben, da sie für die Oeffentlichkeit des Interessanten genug bieten. Ai. Braunstein. — (Wir kommen diesem Verlangen im Folgenden gerne nach und publiciren diese Briese im Auszuge in deutscher llebersetzung. Die Red.) Rosch-Pinah, den 8. Tischri 5651. Ich habe Ihnen eine für alle Zionsfrcunde hochcrfreuliche Mittheilung zu machen. Es ist nämlich in der letzten Zeit eine neue Colonie in der Nähe von Rosch-Pinah gegründet worden, und zwar am Jordan unweit der sogenannten Jacobsbrücke, auf welcher nach arabischer Legende Jacob mit dem Engel gerungen hat. Der Boden dieser Colonie ist schon vor längerer Zeit von einem russischen Juden, namens Libawsky. um großes Geld gekauft worden; Libawsky aber konnte als Einzelner die vielen sich ihm entgcgcnstcllenden Hindernisse nicht besiegen. Nun haben sich einige junge Leute ans Zephath und einige Familienväter, die bisher in Jeffnd Hamaaleh Gartenarbeiten für den Baron besorgten, zusammengethan, ein kleines Capital zusammcngelegt und mit Herrn Libawsky einen Kaufvertrag unter folgenden Bedingungen geschlossen: 1.) Der Grund wird in 10 Parcellen u 80 Hektar gcthcilt. 2.) Es wird gar keine Anzahlung geleistet. 3.) Jede Parcclle. kostet 40 Napoleons—200 Francs, welche nach acht Jahren zu bezahlen sind. 4.) Bis zur Bezahlung des Kaufschillings werden 57„ige (wenn wir den Briefsteller, der hier etwas unverständlich wird, recht verstehe». Die Red.) Zinsen pro Jahr an den Verkäufer gezahlt. 5) Während der acht Jahre haben die Colonisten das Recht, auf ihren Parcellen Häuser zu bauen und das Feld zu bestellen. Wir kennen alle diese Erde als besonders fruchtbar und es muß hervorgchobcn werden, daß diese Gegend außerdem für den Handel von hervorragender Eignung ist, da sich durch dieselbe über die Jordansbrücke der geschäftliche Verkehr zwischen Damaskus und Palästina bewegt. Diese commercielle Bedeutung wird noch dadurch wachsen, daß sich hier eine Eisenbahnstation befinden wird. Wie nämlich bekannt, wird Palästina bald von Eisenbahnen durchzogen sein und zwar ist die Jaffa-Jerusalemer Linie bereits sehr weit gediehen, ivährend, was die Linie Chaifa-Acco-Tibcrias- Damaskus betrifft, die Conccffion seitens der Regierung erst jüngst herabgclangt ist. Sie dürfte in 2'l. Jahren ausgebaut sein. Vorläufig fahren englische Ingenieure herum, welche mit Messungsarbeiten beschäftigt sind; neulich übernachteten sic in Jeffnd Hamaaleh und bei dieser Gelegenheit erfuhr man, daß die Errichtung einer Hauptstation in dessen Nähe in Aussicht genommen ist. Von den besprochenen 20 Parcellen sind bereits 13. verkauft, während um die anderen 7 ein großer Wettbewerb von Käufern stattfindet, bei welchem Anständigkeit, Arbeitskraft und etwas Capitalskraft entscheiden. Den Gründern der neuen Colonie ist es auch recht schnell gelungen, die Erlaubnis zum Häuserbau zu erlangen und thatsächlich sind sie schon daran, ihre Häuschen zu errichten. So entstehen und wachsen die jüdischen Ansiedlungen in Palästina. Auch von Rußland langen Nachrichten von Gesellschaften ein, die den Bodenankauf in Palästina bezwecken. Für eine derselben in Cherson ist ein Landstrich in der Nähe von Liberias, welcher äußerst fruchtbar ist, ausgesucht worden. Unsere Brüder sind noch zur rechten Zeit erwacht. Die Eisenbahnen werden die Erde um Vieles theuerer machen und viele Christen kaufen schon jetzt in Speculationsabsicht den Boden auf, um ihn dann an Juden, auf deren stets zunehmendes Zuströmen sic rechnen, recht theuer verkaufen zu können. Diese Leute haben von den Marotten unserer rumänisch-jüdische» „Amerikaner" auch keine Freude. Unsere Colonie hat durch den Tod unseres im vorigen Jahre hier iustallirten 'Rabbiners Josef Arieh ha-Cohen aus Moinesti in Rumänien, der ein großer Zionssrcund war und sich namentlich uin die Ansiedlung von Juden in Caifa verdient gemacht hat, einen großen Verlust erlitten. ,i"2"L"l"?> Josua beu Arieh. * . * * Rischon le Zion, den 26. September 1800. Herrn M. Braunstein. Sic verzeihen wohl, wenn unsere Antwort auf Ihr so liebes Schreiben sich so sehr verzögert hat. Wir Ivarteten darauf, Ihnen eine gute Nachricht zukommen zu lassen. Heute sind wir in der glücklichen Lage. Die Weingärten der Colonie haben heuer die ersten Schliffe zur selbstständigen Existenz gcthan, nachdem wir eine lauge Schule mitgemacht haben, in der sich Rath auf Rath, Versuch auf Versuch reihte, ohne daß ein iienncnswcrlhes Resultat erzielt worden wäre. Heuer ist ein schönes Ergebnis zu verzeichnen und wir haben dies nächst Gott, Herrn Ermens zu verdanken, einem Gärtner, den uns der Baron vor einigen Jahren schickte. Herr Ermens machte darauf aufmerksam, daß der Bodeu °. Palästiua's. hauptsächlich für Weinbau geeignet sei und bezog eine bessere Sorte Sieben aus Indien, welche den französischen vorziuziehen sind, sowie amerikanische gegen Rebläuse immune Reben. Die Weinernte ist eine so gute gctvcse», daß sich offenbar im nächsten Jahre der wohl für einige Jahre gebaute Keller als unzureichend Herausstellen und ein zweiter Keller »othwendig werden wird. Die Weinernte ist dreimal so ergiebig ausgefallen, als erwartet wurde. Der Wein wurde mit 70.000 Francs abgeschätzt, während die bloßen Trauben mit 14 000 fl. bewcrthct wurden. Ter Wein ist ausgezeichnet. Die erstaunlichen Erfolge Rischon le Zion's veranlassen einen gesteigerten Ankauf von Grund und Boden und die Gründung neuer, vom Baron ganz unabhängiger Colonie»; so wird jetzt von einer Warschauer Gesellschaft die Colonie Rcchowoth (Duran) — I1/, Stunden von Rischon lc Zion — gegründet. Duran faßt 10.000 Dunam Landes, welches sowohl für 'Ackerbau als auch Plantationen geeignet ist. Es werden bereits die Häuser der neuen Colonie gebaut. Seit einigen Monate» kommen überhaupt russische Juden in Massen nach Palästina. Je es Schiff aus Stußland bringt etwa ziveihundert Ansicdlmigslustige, welche zuerst behufs Rccognoscirung allein eintreffcn, um dann ihre Familien Nachkommen zu lassen. Von Siumänien kommt niemand, mit 'Ausnahme eines vorige Woche eingetroffenen Herrn Chaim Hoffman» aus Jassy, der zwar 300.000 Francs mitbrachte, aber hiehergekommen zu sein scheint, bloß um zu sterben' nicht um zu leben. — In Jaffa befinden sich jetzt 800 Personen, welche Erde kaufen tvollcn, darunter viele Abgesandte von Gesellschaften zum Ankäufe von Boden in Palästina, so z. B. auch eine Delegation einer amerikanischen Compagnie. An neu angekaufter Erde sind jetzt über 100.000 Dunam in jüdischen Händen, so daß darauf 10 neue Colonien gegründet werden könnten. Wer in Palästina einlangt, um Boden zu kaufen, besucht zuerst unsere Colonie, um sich hier zu bcrathen. Die kleinsten Capitalisten unter den Ankömmlingen haben 10.000 Francs zur Verfügung; es gibt aber Orte, wo man mit geringeren Mitteln sich niedcrlaffen kann, so mit 4000 Francs und sollten Sie diesbezüglich näheres wissen wollen, so bin ich gerne bereit. Ihnen mit ausführlichen Daten und Aufstellungen zu dienen. Wir haben bis jetzt in Rischon le Zion keine Bibliothek, aber die Colonisten besitzen sehr viele hebräische, deutsche, französische und russische Bücher, Ivclche nian sich gegenseitig auSleiht. Zunleist wird bei uns hebräisch gelernt, auch von den Frauen, von denen einige schon sehr gut die heilige Sprache verstehen. Einige junge Seute crthcilen unentgeltlich hebräischen Unterricht. Die Kinder beider Geschlechter sprechen untereinander hcbräisch.Wir erwarten von der Heranwachsende» Generation, daß sie wissen wird, ivozu sie auf der Welt und im Lande Israel' ist, und daß sie anders als die rumänisch-jüdischen Studenten denken tvird- Dabei iverden auch andere Sprachen nicht vernachlässigt, sondern in der Schule neben dem Hebräischen auch das 'Arabische und Französische gelehrt. S. Seiger. * * * Sichron Jacob, 22. September 1800. Theurer Vater!-Inmitten der Colonie wird ein Springbrumieil angelegt und wird auch das Wasser in mehrere Häuser der Colonie geleitet werden. — Die Colonie Nischon le Zion besteht größtentheils aus Colonisten mit eigenem Vermögen, nur einige iverden vom Baron unterstützt. Die Weingärten dieser Colonie habeil dieses Jahr noch nicht so viel Wein hervorgebracht, daß die Colonisten der Unterstützung der Administration ganz entrathcn könnten, aber cs ist doch dreimal so viel Wein geivouuen ivorden, als der Gärtner der Colonie und der Obcrgärtner anS Paris gerechnet haben, denn es waren nur 70 Fässer vorbereitet und inan mußte nach Paris und Marseille um weitere Fässer dcpcchiren. Durch dieses Versehen sind eine Menge Trauben verdorben worden. Jaffa, 15. October 1890. (Letzte Nachrichten aus d e ui heiligen Lande). In der unlängst gegründeten Colonie Duran schritt man schon zur Erbauung von Häusern. Bon Privat-Colonistcn sind bereits zwei Häuser fertiggestellt ivorden und setzt beginnt man mit der Erbaiiiing von zwei großen Wohnhäusern für die Administration der Warschauer Gesellschaft, welche letztere als Dirigenten einen Herrn Epstein hierherschickt. In W a d a ch n i n (wohl zusammengezogen aus Waad el Chaivun1? Der Uebersetzer) wird jetzt der Bau eines sehr großen Hauses beendet, das vorläufig als gemeiitsaine Herberge für die dortselbst besindlichen Colonisten dienen soll; jede Familie derselben wird in diesem Hause zwei Zimmer zuin Bewohnen erhalten; umveil dieses Hauses ist auch ein Brunnen gegraben worden. In den Colonien, ivelche sich mit Ackerbau beschäftigen, ist erst vorige Woche das Resultat der diesjährigen Ernte bekannt ivorden. Ueberall erreicht die Ernte das Zehnfache der Aussaat und der größte Theil der Colonisten ist für das ganze Jahr mit Getreide versorgt. Bon Herrn Chankin ist ein größeres Stück Landes, ungefähr 45.000 Dunam, unter dem 'Namen „Waad el Hoivar" angekauft worden. Davon sind bereits 20.000 Dunam an 2 Dclegirte aus Rußland wieder verkauft worden. Zum tiefsten Bedauern aller Zionsfreunde sind mit diesem Kaufe viele Verleumdungen verbunden, tmd Biele befürchten, daß aus der ganzen Sache nichts wird. Es iväre ivünschensiverih, daß die wirklichen Gönner und Freunde unserer Sache nicht aus den: Auge lassen, daß der gegenwärtige Moment für unser ganzes Volk sehr wichtig ist und daß sie ihres eigenen Jchs wegen oder um anderweitiger Interessen halber die Zukunft' unserer unglücklichen Brüder nicht untergraben.

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