Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 12 (19.9.1890)
- Date
- 1890-09-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. S e l b st - E m a n c i p a t i o n. Geiueinden Deutschlands. Sie verlegte den Sabbath auf Sonntag. Durch fortgesetzte Taufen ist die Gemeinde jetzt auf dem Aussterbeetat. Die weitgehendste Forderung ist schließlich die, welche er als dritte stellt, nämlich allgemeines Eingehen von Mischehen. Das mosaische Gebot beträfe die Bewohner Kanaans und hätte init den heutigen Verhältnissen nichts zu thun. „Wohl wäret Ihr in früheren Zeiten", sagt Scholl, „durch den schwer auf Erich lastenden Druck so gut rvie ausschließlich auf Euch und Eure Stammgeirossen angewiesen, — aber heute ist doch eine andere Zeit!" Eine andere Zeit? Ja freilich, nämlich die antisemitische! Die Nothwcndigkeit selbst, in die sich Herr Scholl versetzt sieht, gegen die Antisemiten, die ihn in seiner Proselytenmachern für die freireligiösen Geineinden stören, zu ziehen, ist ein klarer Beweis, in rvas für einer Zeit wir leben. Und ferner! Was bedeutet das allgemeine Eingehen von Mischehen anders, als einen Selbstmord des jüdischen Volkes? Ferner aber, wenn uns deutschen Juden vermöge unserer geringen Zahl und verhältnißmäßig guten Vermögensverhältnisse ein solches Aufgehen möglich wäre, wie wird es mit unseren Brüdern in Polen und Rußland? Die bleiben in der alten Lage und verlieren noch ihre einzige Stütze, die Juden im Ausland. Diese unsere polnisch-russischen Brüder bekommen überhaupt von Scholl so manche Schläge ab. Z. B. soll Berlin daher seinen Antisemitisinus genommen haben, daß in dieser Stadt ein massenhaftes Hereinströmen von Juden aus Polen und Rußland mit ihren Trödel-, Schacher- und Wuchergeschäften stattsindct. Wenn er besonders die Pester und Wiener Inden (auf Seite 30 Zeile 9 ffe) angeklagt, so müssen wir das cinein der österreichischen Verhältnisse Kundigen überlassen. — Scholl spricht nur die Meinung leider des größten Theiles der deutschen Juden aus. Es wurde hier jemand, der sonst der Synagoge gar nicht so fern steht, gefragt, ob er nicht geneigt sei, sein Kind in eine jüdische Elementarschule zu geben. „Rein, sagte er, dann kann der Junge nicht den Sonntag mit seinen christlichen Altersgenossen feiern." Und das führt mich auf die „konfessionelle" Schule. Es ist in der That die Sachlage eine derartige, daß die Einschließung der jüdischen Kinder in besondere Schulen nur das Signal und der Anfang zu Beschränkungen der Juden im preußischen Staate, eventuell im Deutschen Reiche wäre. Anderseits aber inüssen wir un3 den Ansichten des Herrn Dr. Vierer in den vorigen Nummern ganz und gar anschließen. freisinnig in religiöser Hinsicht ist, weit mehr jüdischer Geist ist, als in solchen „frommen" Gemeinden, wo die jüdischen Kinder in christlichkonfessionelle Schulen gehen. Dazu kommt, daß in den Städten, wo die jüdischen Kinder die christlichen Schulen besuchen, besondere Religionsschulen nötig sind, wo außerhalb der Schulzeit der Unterricht in der jüdischen Wissenschaft ertheilt wird, wobei anstatt der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte leider der Religionsunterricht die Hauptrolle spielt. Die Leser müssen um Entschuldigung wegen dieses Exkurses gebeten werden, der nicht in den Rahmen eines Literatnrberichtcs hineingehört, aber cs sollte mehr unser Standpunkt gekennzeichnet, als das Scholl'sche Buch reccnsiert werden. Magdeburg, im September 1890. Illllllllliaill IIIII1 lllllllllll 11111111111111(1111 Bl •llililllllllill II lllilll« iJlilllilili lllll Eingesendet. ■ Geehrter Herr Redacteur! Rachdem Sie, wie ich sah, de» Warte» Ihres Leinberger Correspondcnten „Makkabi" über das Drama „Herodcs der Große" vo». Landau in ihrer geschäylen Zeitschrift Aufnahnie gcwährtcn, bin ich der Erwartung, daß Sie auch mir im Nachfolgenden das Wort gestatten werden. Bor einigen Wochen habe ich ein Drama in jüdischem Jargon unter den Titel „Die Zwillinge" geschrieben. Viele Fachleute, die es lasen, auch solche, welche dein Jargon Widerwillen entgcgenbringen, haben cs günstig beurtheilt. Allein ich habe nicht die Mittel, mein Werk herauszugebcn. Jedes Buch, dessen Verfasser nicht im Schatten des Geldes ruht, wäre wohl besser nicht geschaffen als geschaffen. Darum bin ich so frei. Sie zu ersuchen, meine Nothlage in der „Selbst-Emancipation" zur Kenntniß des Publicums zu bringen, vielleicht läßt sich ein jüdischer Theaterdircctor herbei, mein Drama anzunehmen und wieder, wie Ihr Correspondent richtig hervorhöb, das mit alten Stücken ausgcfüllte Programm durch ein neues Stück zu bereichern. Im Vorhinein dankend, zeichne ich hochachtungsvoll Czernowitz, (Wasserg. 48.) 5. Sept. 1890. Jsak Jampolsky. iiiuuii 11111111111111 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiaiiiiiiiatiiitaiBiiiiiiiiiitMiBiiiMiiiii« Correspondenz der Redactio». Herrn B. Raschkcs in Diinaburg. Ihren Bericht mußten wir aus Raummangel kürze». Unerfindlich ist uns, warum Sie nur die Anfangsbuchstaben der Redner angaben; wir haben auch dieselben ausgelassen, da dieselben die Personen der Redner doch nicht kenntlich machen. Herrn Dr. Rubert Vierer in Sofia. Herzlichsten Dank für „die Zelte Sems". Herrn F. in Lemberg. In nächster oder zweitnächster Nummer. „Ein Nationaljude" in Stanislau. „Zion" in Lemberg, „Schochre Toschiah" in Stryj, „Haibri" in Drohobycz: der zweite aiu ausgesprochensten. Nr. 12. (Statistisches.) Am 31. Dezember 1889 gab es in Böhmen unter einer Gesammtbevölkerung von 5,851812 Personen 90.000 Juden. — In Brasilien wohnen jetzt circa 300 Inden, davon 200 in Rio de Janeiro, fünfzig in Bahia und der Rest in Pernambuco. (Ans Arabien) liegen heute traurige Nachrichten vor. In Mekka, der heiligsten Stadt des Islam, ist bekanntlich die Cholera ausgebrochen und rafft dort täglich Dutzende von Menschen weg. In Folge deffc» haben auch schon viele Bcduinenstämme, die bisher in dsr Umgebung dieser Stadt nomadisirten, die Flucht ergriffen und sich nach dem Süden der arabischen Halbinsel, zumal nach dem Uemen, wo auch Hunderttauseude von Israeliten wohnen, gewendet. In den jüdischen Gemeinden dieser Provinz herrscht daher eine große Panik, da man fürchtet, daß die aus dem 'Norden kommenden Horden die Krankheit daselbst einschleppen werden. In Sana, der Hauptstadt Jemens, hat auch schon der Atari El-Azim (Großrabbiner), Chachani Suleinian, Al-Karah Gebete wider die drohende Gefahr angeordnet, die nun Früh und Abends recitirt werden müssen. In Mekka selbst, wie überhaupt in ganz 'Nordarabien, dürfen weder Juden noch Christen wohnen, nur in der Hafenstadt Dscheddah ließen sich einige europäische und auch jüd. Kauflcutc nieder. (Jsraclit-Jcschurun.) (Der „Hamagid"), das bekannte, bisher in Lyk erschienene hebräische Wochenblatt mit national-jüdischer Tendenz wird nach kurzer Unterbrechung demnächst in BerIi n ivieder erscheinen. Literatur. □ Carl Scholl: Z w e i A n t i s einiten, ein Freidenker und einHof- Prediger. Nebst einem Anhang: Die wirkliche semitische Unmoral oder Grundsätze der jüdischen Sittenlehre. Nürnberg und Leipzig 1890. gr.8". 52 Seiten. 20 kr. Nicht das, was der eigentliche Inhalt der Brochürc ist, nämlich die Zurückweisung der antisemitischen Angriffe Nadenhausens und Stöckers auf unsere Nation, soll uns hier beschäftigen, sondern nur die 2'/, Seiten des Schlußwortes. Dieses Schlußwort ist an d i e I u d e n gerichtet, und das hat uns beivogen, während wir sonst dem Antisemitismus gegenüber eine gleichgiltige Stellung einnchmen, uns ein wenig damit abzugebcn. Drei Forderungen sind es nämlich, die Scholl in diesen! Schlußwort an uns richtet. Zum ersten sollen wir die Speisegesetze aufgeben, um dadurch den Antisemiten eine gefährliche Waffe aus den Händen zu nehmen. Glaubt denn aber Herr Scholl wirklich, daß dadurch der Feindschaft der Arier gegen uns auch nur im Geringsten Abbruch gethau würde? Wir wollen durchaus nicht einwenden, daß rechtgläubige Inden hierin einen Religionsfrcvel sähen, wir wollen nur das anführen, daß die Speisegesetzc sich als eines der besten Mitteln erwiesen haben, um unsere Station auch in der Diaspora zusammenzuhalten. Wenn zum zweiten der Verfasser verlangt, den Sabbath auf Sonntag zu verlegen, so inüffen wir darauf verweisen, daß das Concil zu Nicäa als einen der Hauptgründe für die Feier des Sonntags den anführt, daß man nicht denselben Tag mit den verfluchten Juden feiern solle. In den fünfziger Jahren zählte die Berliner Reforvigemeinde die weitaus größte Zahl der Mitglieder aller Außerdem haben ivir ja in Wahrheit die „konfessionelle" Schule, d. h. nur die ch r i st l i chkonfessionelle. Die Lesebücher zu unserm deutschen Unterricht, dieser Unterricht selbst, ebenso der in Geschichte, ferner die etwaigen Schulfeste, alles trägt einen ausschließlich „konfeffionellen" Charakter. Wir haben eben keine Simnltanschule. Wenn der Religionsunterricht beginnt, so heißt es unter den Schülern: „Jetzt gehen die Juden weg!" und wenn die betreffende Stunde zu Ende ist: „Da, jetzt kommen die Juden!" ist auch darauf aufmerksam zu machen, daß in denjenigen Gegenden, ivo wir jüdische Elementarschulen haben, z. B. in Westfalen, wo man äußerst Belletristisches. David Alroy. - Aon Benjamin d'Jsraeli. (2. Fortsetzung.) Erster Abschnitt. „O, meine Heldenväter! Wenn dieser schwache Arm Euer Erbtheil nicht wieder erringen kann, wenn der schmutzige Eber noch ferner sich wälzen wird in Euren lieblichen Weingärten, jo will ich Euch nicht entehren. Laßt mich untergehen. Das Haus Davids ist nicht mehr; nicht länger soll unser geweihter Same sich verbergen wie eine — Hierbei