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Selbst-Emancipation · 1890-09-19 · Heft 12 (19.9.1890) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 12 (19.9.1890)
Date
1890-09-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. S e l b st - E m a n c i p a t i o n., -*4- Nr.> 12.- n-' 4 Wa viduelles- WHlcrge^en mstn-Sinn/habcn^dMi wohl Lsir^eiidsIiitnigcrKals/ beifüiiMfuben^ist das L^rsMinzelnüi mit dem -Wohlc |er GcsaniDheÄ verknüpft.Mll' "iräs huninelschreichide - mÄericlle Elend' unseres Völksstai'iiiiies ist' Auf ' seine beispiellose, unwürdige Lage zurückzusühdsi, und was sind die paar Neichen anderes, als aus arischem 'Egoismus" nachsichtiger Behandelte, chic „ das bischen Verhätschelung mit der bitteren Galle des sich dennoch Zuruckgcsctzt-Fühlens bezahlen müssen, und was sind sie anders als — t>ie — Armen von Morgen? Und alles dies kann nur durch nationale Erlösung geändert werden, und um diese zu erreichen, dazu gehört nichts Anderes, als ein bischen Muth, mit dem. überlieferten und. abge- - tragcncn: Plunder:i der Assimilation zu brechen und die Bahn positiver'Unternehmungen für die Wiedergeburt unseres Volkes; zu betreten/ Dann . wird cs Sinn und Kraft bekommen, wenn wir rufen Dip W V3N. dann werden jbic Klänge der Posaune für uns zum Weckruf aus jahrhundertlangem nationalem Schlummer werden. : ■ .-V ■■ ‘ 8 Die Zelte Sems. ./ . (Schluß.) Wir wollen nun in diesen Zeilen uns mit der Nützlichkeit und Nothwcndigkcit der Errichtung national-jüdischer Schulen befassen. Es versteht sich wohl von selbst, daß wir im. Vorhinein darauf verzichten, dieses so wichtige Thema eingehend zu behandeln und' wollen wir uns damit begnügen, einige der wesentlichen Momente hervorzuh eben. ' > Nach dem davidisch-ethischen Fundamental- Gesctze-gründet-sich Israel seine Veste aus dem Munde seiner Dglinge und Sprößlinge; demgemäß müssen die - .jüdischen Eltern ihren Kindern besondere^ Sorgfalt zuwenden,. und wie cs durch fast 1800 Jahre geschah, arische Hände, die leider so schwer und verhängnisvoll ihres Amtes gewaltet, von ihnen abhaltcn. Der Zauber, welcher . in einer jüdischen Schule auf die jüdischen Kiiider ausgeübt wird, liegt eben darin, daß der Lehrer wie dach Kind gleichsaiii/'aus. einem Gusse sind; beide ^verstehen-einander. Der ' jüdischeLehrer keiinl' nicht blos "die Eigcnthümlichkeitcii seiner Schüler und Schülerinnen, sondern auch die meisten ,, Familien und , weiß auch die verschiedensten! Einflüsseszu '-würdigen, 'welche'auf..-/ das Kind wirken, um dieselben im Interesse der Erziehung zu vcr- oder entwerthen. Der jüdische Lehrer hat auch ein warmfühlcndes Herz und gewinnt seine kleinen Schützlinge mit guten Worten oder mit liebevoller 'Zurechtweisung für den , Gegenstand seines Unterrichtes, was das gegenseitige Verhältnis vertruuensvollcr und freundlicher gestaltet. -Kein Wunder, weiin eine derartige Schule auch gedeihlichere Erziehungsi csultatc hcranreift, als jene Schule, wo der antisemitische Lehrer wie ein anfallender Wolf auf die zarten jüdischen Kinder lösstürzt, dieselben mit allerlei Schimpfwortcn behandelt,. das Zart- und Schamgefühl verletzt, was hinwiederum zur Selbstmißachtung und zur Mißachtung alles Jüdischen führt. ' Aus diesen wenigen Worten ersehen wir' den großen moralischen Erfolg, den wir durch eigene nationale Schulen'gewinnen. In didaktischer Beziehung bedeutet die jüdische Schule für unsere Kinder ein wahrer Segen. Zuvörderst zeichnet sich das Durchschnittsmaß der jüdischen'Kinder durch ein besseres Begriffsvermögen aus, was wiederum zur Folge hat, daß die jüdischen Kinder nicht so leicht ermüden oder über Uebermüdung klagen, daher ein größeres Lernpcnsum in einer gegebenen Zeit bewältigen können als arische Kinder. Letzteres ist aber ungemein wichtig und ausschlaggebend für den so ganz eigcnthüinlichen und mehrseitigen Lehrstoff' der jüdischen Kinder. — Das jüdische Volk darf nicht länger zuschen, wie seine Kinder wohl in alle Wiffcnschaftcn eingeführt aber seine ureigenen geistigen Güter, seine nationale Lehre, seine'nationale Sprache und Geschichte in Vergessenheit gebracht-werden; ebensowenig hat der christliche Schüler irgend welches Interesse an alldem, was dem -Juden zu wiffen eine heilige Pflicht ist. Der Arier mit dem Wissenspeiisum s e i n c r S ch n l e ausgerüstet, repräsentirt ein ganzes na t io na l es I ndiv id uum, der Jude mit gleicher Schulung aber steht keinem solchen gleich, er bleibt ein Mensch mit halbseitiger g c i st i ger Läh mung und zählt mit Unrecht dem einen oder dem anderen Volks, stamme an. In der jüdisch-nationalen Lehranstalt kann dem Kinde alles Wissen geboten werden, das nöthig ist, um als Jude und Bürger gleich ausgebildet zu sein. Die jüdische Schule kann umso eher ihr Lehrziel erreichen, wenn man bedenkt, daß die Anzahl der Feiertage, welche die römische, griechisch-katholische und orientalische Religion aufweist und den Schulbesuch > um ganze Monate verkürzen, rüstig für den Unterricht der Hebraica überhaupt verwcrthct werden können. ' ' In wissenschaftlicher Beziehung fällt cs uns nicht schwer, auf die untrüglichste Lehrmcisterin der Wissenschaft hinzuwcisen, um darzuthuii, daß jene Männer, welche -ihr allgemeines Wiffen auf Grundlage jüdischer Bildung und Erziehung ausgebaut haben, zu , den glänzendsten Erscheinungen ihrer Zeit zählten, denn die jüdische Lehre ist und bleibt eine Erleuchterin des geistigen Auges, jeder Foliant im Talmud bildet eine gymnastische Uebungsstätte für den Geist. Wir können nicht , umhin, bei dieser Gelegenheit auf eine traurige Erscheinung in unserem Volke hinzuweiscn, auf die Verflachung des jüdischen Talentes, auf den empfindlichen Mangel'an genialen Juden, welchen die Assimilationswirthschaft verschuldet hat. Jeder Heimgangeines Gelehrten aus der alten jüdischen Schule wird in ganz Israel als unwiederbringlicher Verlust, als eine Zerstörung des geistigen Zion beklagt. Wer wird wohl das Gesagte hinwcgzuleiigncn versuchen? Die Logik der Thatsachen führt die! schärfste Sprache.' - 4 •; ,.-v Der Heiligkeitsbegriff bei den Hebräern. - (Schluß.); . . Es kann nur eine Voreingenommenheit gegen das Judenthum und seine Lehre sein, wenn Öhler in seiner „Theologie des alten Testamentes" die Behauptung aufstellt, es sei unleugbar, daß, wo Gott in seiner Heiligkeit sich offenbare/in dem Menschen zunächst das Gefühl der Scheu vor der Strenge des göttlichen Wesens geweckt werde. Daß diese- Öhlerische Behauptung von der -Auffassung des Heiligkeitsbegriffes beim israelitischen Volke eine nicht gar richtige, eine auf 'schwankendem, ja sogar morschem Boden beruhende ist, das zu beweisen, brauche ich nur auf den -Psalmensänger hinzuweisen, der, als er den Herrn, ob seiner Güte und Gerechtigkeit, ob-seiner Milde und Huld, seiner sich herablassenden Gnade-und seines Langmuthes gegen Sünder preist, ihn mit »1p HeiligerI anredet. Heilig ist dem Hebräer ferner das, was wahr ist. Heiligkeit und Wahrheit sind ihm fast identische Begriffe. Als der Prophet Jesaias Juda im Namen des Herrn Trost spendete und Jerusalem das. Ende seiner Leidenszcit verkündete, da. richtete er. an sic (Juda und Jerusalem) die Bitte, sie. möchten doch nach wahrer Erkenntnis der Dinge streben. Diese Bitte an das jüdische Volk spricht der Prophet im Namen des .tenp1) aus. Der Prophet Hosca rühmt das Verhalten Judas, gegen Gott, lobt seine Treue, preist seine Aufrichtigkeit.-Diese Lobcssprüchc drückt er durch den Satz aus: Seinen Heilige n blieb eitreu.^ : Es ist wahrlich kaum zu fassen, von welch sittlich-erhabener Tragweite der hebräische Hci- ■ ') Jesaias 40, 25, 26. Der erste Vers endet mit jtpjp, der zweite beginnt mit der Bitte, daß man die Dinge der Welt, denkend betrachte: V3ll IRttf '131 D*?8 833 »v 183V ’) JÖ83 ll'VNj? DPI (Hosea Cap. 12. 1.) »3p und scheinen hier Synonyma zu sein. ligkeitsbegriff ist und wie er nur für die Veredelung und, auch für die Glückseligkeit der Menschen geschaffen worden zu sein scheint. Die Ehe ist dem Juden heilig, und iveiiu das Brautpaar imtcr dem Baldachin sich Treue gelobt, um sich zum ewigen Bunde die Hände zu reichen, da spricht der Bräutigam in diesem weihevollen Augenblick das Wort rnr>3ij?ü aus. Wie aber diese Heiligkeit der jüd. Ehe von dem. unauflös-. baren Ehe-Sacramente der Kirche sich ^unterscheidet, werden uns nachstehende Zeilen klar darthun. Ziegler*) meint, die Sittlichkeit der Juden wäre keine sehr hohe, und diese seine Behauptung, sucht er durch die Thatsache zu beweisen, daß bei den Hebräern die Polygamie geherrscht habe. Allerdings war das ein Ucbcl, aber bei weitem kein solches, wie es deren bei den Hellenen gegeben hat, für deren Sitten der Professor .*) Siche Geschichte der Ethik von Dr. Theodor Ziegler I. B. Geschichte der Ethik des Judenthums (S. 16 f. f.)

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