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Selbst-Emancipation · 1890-09-01 · Heft 11 (1.9.1890) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 11 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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| Dr. Philipp Mansch. | 2[nt 8. l. M. wurde einer der Edlen Juda's Dr. Philipp Mansch zu Grabe getragen. Die jüdische Gemeinde Lembergs erlitt durch seinen Tod einen herben, nicht so leicht zu ersetzenden Verlust, — denn sie verlor jenen, der ihre Seele war, der von einem edlen Schaffensdrangc geleitet, liebevoll für sein Volk im Stillen wirkte und auf keinen anderen Lohn als das Bewußtsein, Gutes für seine Gemeinde zu schaffen, Ansprnch erhob. In gleichem Maße ist sein Tod ein unersetzlicher Verlust für den Verein „Schomer Israel“, dessen geistiger Vater er war, dem er in seinem stillen Wirken immer frisches Leben einzufiößen wußte. Einfach und liebenswürdig im privaten Verkehr, offen und rechtschaffen in der Ausübung seines Berufes als Rechtsanwalt, ein geistreicher Mann von idealem Sinn war Dr. Mansch einer von jenen sympatischen Erscheinungen, — denen man nur selten begegnet. 9indj Auszeichnungen, Ehrcnstcllcn und irdischen Gütern trachtete er nie, obwohl er sie leicht erlangen konnte — nur eilte Idee beseelte ihn durch sein ganzes Leben, für sein Volk zu arbeiten. Er bezeigte dies nicht nur durch Wort und Schrift — sondern auch durch That. Er war ein ansgezcichncter Kenner der jüdischen Wissenschaften, des jüdischen Lebens und befaßte sich speciell mit dem jüdischen Jargon. Voriges Jahr gab er eine Sammlung von Essay's unter dem Titel: „Das Judcnthuni und die cxacte Wissenschaft" heraus.' Eine Reihe der gediegensten Artikel über den jüdischen Jargon, welche er wissenschaftlich behandelte, erscheinen im „Israelit". Er allein war der Schöpfer des Lemberger GemeindcstatutS, er schuf die autonome Grundlage der Gemeinde, er wirkte am meisten, überall selbst Hand anlegend, an der Reorganisation der Gemeindeverwaltung — kurz gesagt — an allem, was in der Gemeinde Gutes geschaffen wurde, hat Dr. Mansch den größten Antheil. Er arbeitete unermüdlich, an sich selbst nicht denkend. Seine Ideen in schöner, jedermann zugänglicher, gefühlvoller Weise vortragend — entzückte er uns theils durch seine Artikel im „Israel", theilS durch seine Vorträge im Vereine „Schomer Israel". Während die Leiter der Lemberger Gemeinde von der faulen assimilatorische» Strömung fortgcrissen, jüdisches Denken und Wissen abzustreifcn bemüht sind, — blieb Dr. Philipp M a n s ch treu der Fahne des I u d e n t h u m s, an seinem Volke mit wahrer Liebe hängend, jüdisches Wiffcn und Denken nicht nur pflegend, sondern auch immer verbreitend. Wer wird uns ihn ersetzen, jetzt zur Zeit, wo die neueste Gcmcindeorganisation in's Leben treten soll — jetzt, wo Hader die Gemeinde-Verwaltung zerklüftet? Er starb leider im Augenblicke, wo wir seiner am wenigsten entbehren können, wo seine energische, thatkräftige Leitung so nothwcndig ist, im Augenblicke, wo er einzig und allein den ungestörten Frieden in die Gemeinde bringen könnte. Bei dem Leichenbegängnisse dieses seltenen Mannes, an welchem sich zahlreiche Stammcsgenossen betheiligten, sprach mit thränenerstickter Stimme Rabb. Dr. Kodak; der Präsident des jüdischen Cnltusrathes, Herr Sam. Horowitz, sprach im Namen der jü ijchen Gemeinde, die Verdienste des so schnell Verblichenen preisend; znm Schluffe sprach Herr Dr. Rechen im Namen der Familie. Sch merz erfüllt unsere Brust ob des Verlustes dieses edlen Juden undStolz andererseits, daß wir ihn u n s e r n e n n e n d u r f t c n. Lemberg, am 18. August 1890. —Mäkkabi.— Correspondenz der Redaction. Herrn Tina Pelz. Artikel folgt in nächster Nummer. Herr Jacob Konstantinowsky in Odessa. Die von uns so sehnlich herbeigewünschte Fortsetzung Ihres Artikels „Fortschritte des Comites in Odessa" kam an, als wir das Blatt schon hatten schließen müssen; es war so lange als möglich gewartet worden. Die Fortsetzung erscheint also in nächster Nummer. — In dieser Nummer finden Sie eine freilich etwas derbe Berichtigung mancher Angaben im ersten Theile Ihres Artikels durch Herrn M. Uffischkin in Moskau. Wir konnten dieser Berichtigung schon aus dem Grunde publicistischer Pflicht und speciell nicht gegenüber Herrn llgifchkin, einem hervorragenden Gesinnungsgenossen, die Aufnahme verweigern. Es steht Ihnen natürlich frei, wieder Ihrerseits zu antworten. — Für den unS eingcscndcten Brief an Dr. Sch. danken wir Ihnen und Ihrem Herrn Vater auf's Herzlichste. Ri. in N.-Z). hat abgelchnt. Herrn W. Bchrmann in St.-Petersburg. Herzlichsten Dank. Herrn Israel Tauber in Czcruowitz. Der „Esra" in Berlin soll noch bestehen, wir hören aber nichts über denselben; „A. Z." in Hamburg besteht nicht mehr; „Z." und „Ri." in Wien schlafen seit Jahren; an Ersatz wird bei der jetzt hier sehr planvoll betriebenen Agitation zur geeigneten Zeit schon gedacht werden. M. S. in Wilna. Die Besprechung dieser Frage im Blatte ist aus leicht begreiflichen Gründen nicht möglich. Wir werden Ihnen brieflich antworten, und zwar sobald als möglich. Herrn H. E. Kaufmann in Wien. Der Schluß Ihres Feuilletons erscheint in nächster Nummer, wo auch die Druckfehler im ersten Theile desselben berichtigt werden sollen. Herrn S. Jacobsohn in Odessa. Erhalten Brief. Herrn Ben-Jchuda in Jerusalem. Den Bericht der „Safah Berurah“ haben wir erhalten und, wie Sie ersehen, veröffentlicht. Den versprochenen Artikel des Herrn Dr. A. sehen wir mit großer Spannung entgegen. — Wir bitten mit regelmäßiger Zusendung aller Berichte und Ennnciationen der „Lakai, Berurah“, womöglich auch um jeweilige Bekanntgabe der sprachlichen Resultate des „waad safruthi“. * *** # Wir wünschen allen unseren Lesern und unserem Volke eine 11212 na’flm H3W3 iiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiitiiBiiixiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiaiiiiiiiaiaiiiiiaiiisistiiiiiiitiii Correspondenz der Administration. Herrn M. Nssischkin in Moskau. Die verlangten Nummern »verden Ihnen zugchen. Herrn T. I. Vierer in Sofia. Die Nummern nach Bulgarien werden ebenso regelmäßig versandt, als die anderen, und muß daher die verspätete Einlaugung an der bulgarischen Post liegen. Herrn L. Zinnemann in Riga. Bestätige den Empfang von 2 Rbl. als halbjähriger Abonnementsgebühr ab 15. August 1890. iataia!aiaiaiaialatAlaiaiaiaiatKia,aiaiRialaiaiaialaia:aiaiaiaiaiaiaiaiataia>aia»aiaiaraiAlaiaiA Belletristisches. David Alrou. Von Benjamin d'Jsraeli. (1. Fortsetzung.) Erster Abschnitt. „Ihr habt nach nnr begehrt, Oheim." „Ja, doch Oheime begehren oft, aber die Neffen gewähren selten." „Ich wenigstens kann nichts verweigern; denn ich habe nichts zu geben." „Du hast ein Juwel, welches sehr begehrt wird." „Ein Juwel! Ha! diesen Kopfschmuck. Ihr gabt mir ihn, mein Oheim, er ist der Eure." „Ich danke Dir. Manch glühenden Rubin, manch sanfte und schattige Perle und manchen Smaragd, glänzend wie ein Stern in der weiten Wüste erblicke ich, mein Kind. Es sind ausgewählte Steine, und doch vermisse ich ein weit köstlicheres Juwel, von dem, als ich Dir diesen reichen Schmuck gab, David, ich glaubte, Du besäßest es noch." „Und das wäre, Herr?" „Gehorsam." „Das ist ein Wort von zweifelhaftem Werthe, Herr: denn gehorchen, wenn Unedles befohlen wird, ist keine Tugend." „Ich sehe, Du liesest meine Gedanken. Mit Einem Worte, ich sandte nach Dir, um zu wissen, weshalb Du Dich heut nicht mir anschlossest, um unfern—" „Tribut." „Ganz recht: Tribut. Warum warst Du abwesend?" „Weil cs ein Tribut war. Ich bezahle keinen." „Wenn nicht der mühsame Lauf von siebenzig Wintern das Gedächtniß meiner kindischen Tollheiten dennoch mir noch gelassen hätte, würde ich Dich für rasend halten, David! Glaubst Du denn, daß, weil ich alt bin, ich in Schande vergafft sei, und das Haus der Schmach mir gefalle? Wäre das Leben eine bloße Frage zwischen Freiheit und Sklaverei, Ehre und Schmach, so könnte jeder leicht entscheiden. Glaube mir, es gehört nur wenig Geist dazu, um ein mürrischer Patriot in einer elenden Heimath zu sein, um Deinem Heldcnverdrusse gegen Deine Leidensgcnossen Luft zu machen, deren Kümmernisse Du nicht zu lindern vermagst. Aber Euer Geschlecht war immer aus solchem Stoffe bereitet. Solche Befreier gab's immer eine Menge in dem Hanse der Alroy. Und was war der Erfolg? Ich fand Dich und Deine Schwester als verwaiste Kinder, Euer Scepter gebrochen, Eure Stämme zerstreut. Der Tribut, den wir jetzt wenigstens wie Fürsten zahlen, ward damals mit der Geißel cingetrieben und in Ketten dargebracht. Ich sammelte wieder unser zerstreutes Volk, ich stellte wieder her unfern alten Thron, und dieser Tag, ans den Du schaust als auf einen Tag der Demüthigung und der Trauer, mag wohl mit Recht angesehen werden als ein Tag des Triumphes und der Festlichkeit; denn beweist er nicht den Jsmaeliten ins Angesicht, daß das Scepter noch nicht entfallen ist von Jakob?" „Ich bitte Euch, Oheim, sprecht nicht von solchen Dingen. Ich möchte nicht gern vergessen, daß Ihr mein Verwandter seid und ein gütiger noch dazu. Laßt uns daher nicht mit einander rechten. Was mein Gefühl betrifft, so gilt das gleich. Es ist nun einmal mein und ich vermag es nicht zu ändern. Was aber meine Vorfahren angeht, so scheint doch, wenn sie auch viele Pläne entivarfen und wenige anssührtcn, unsere Abkunft eben dadurch rein geblieben zu sein, und ich bin ihr treuer Sohn. Wenigstens Einer aber war ein Held." „Ah, der große Alroy; Du kannst wohl stolz sein auf solch' einen Vorfahren." „Ich bin beschämt, Oheim — sehr beschämt." „Sein Scepter ist noch vorhanden. Mindestens habe ich es nicht verrathen. Und dies führt mich zu dem eigentlichen Zwecke dieser Unterredung. Dieses Scepter möchte ich gerne zurückgeben." „An wen?" „An seinen rechtsmäßigen Eigner: an Dich selbst."

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