Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 11 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. S e 1.6 ft =;6 m a n d p a t i o n. ' 'Dir. 11. Doch Grundprincip bleibt: Sprachreinheit, Formenschönhcit und Klangfülle, Das ComitL hat auch schon über viele Wörter Beschlüsse gefaßt und bereits viele Lücken in unserer Sprache ausgcfüllt. Soeben beschäftigt es sich mit den Erstlingen seiner zweiten nni> dritten Prüfungsarbeit, den ueugcbildcten und entlehnte» Wörtern. Nach der Zustimmung der in- und ausländischen Comitömitglicder, werden die Arbeitsresultate des literarischen ComitLs der Generalversammlung vorgelegt. Den Zweigvercincn im Auslände wird dies Alles brieflich mitgetheilt werden. I». Hebräische Ucbersetzung eines Artikels des Dr. Israel Hildesheimer in Berlin in der „Jüdischen Presse" (Nr. 9, Jahrgang 1899) über den Verein. IV. Einnahmen und Ausgaben. Die im Berichte specificirtcn. Einnahmen und Ausgaben in den ersten sechs Monaten belaufen sich, die ersteren auf 3914 Piaster, die letzteren auf 3014 Piaster. 3lm; Schlüße des Berichtes fordert Dr. d'.Arbela, der Obmann des Vereines, alle Stammesgenoffen znr Unterstützung des Vereines und seiner großartigen Tendenz auf. Wir stimmen in diese Aufforderung ein und bitten alle, die noch ein Herz für unsere Nationalsprache haben, um Einsendung von Spenden und Mitgliedsbeiträgen entweder direct an die Adresse des Vereinsobmannes: Dr. Jjak d'Arbela für »Zufall Lerurall« Jerusalem, oder an die Redaction unseres Blattes. Alljährlich erneuern sich die Klagen unserer Stammesgcnoffen in Palaestina über die geringe Anzahl jüdischer Pilger nach dem heiligen Lande. Während die anderen Religionen und Völker Jahr für Jahr, und namentlich im Frühlinge, tausende von frommen oder neugierigen Pilgern nach Kanaan entsenden, um dieses Quellenland aller Religionen, diesen intereffantesten Boden der Erde und seine uralte heilige Hauptstadt betend oder doch bewundernd zu betreten, sind die Zuzüge von jüdischer Seite äußerst spärlich. Und es gibt doch in Israel genug an Frommen einerseits und Vcrgnügungsreifendcn andererseits, welche über die Mittel für eine solche Reise verfügen! Fragt man nach den Ursachen der bedauerlichen Erscheinung, so ist nichts leichter als dieselben anzngebcn. Es ist eben nichts Anderes als der vielbesprochene Jndifferentismus der Juden gegenüber ihrem eigenen Volke, der sich in diesem Falle bei den Aufgeklärten in stolzer Verachtung "des nichteuropäischen Ahnenlandes, bei Frommen in blos platonischer Verehrung desselben offenbart. Es ist nun unleugbar in letzterer Zeit ein gut Theil bester geworden. Die' nationale Bewegung und die durch dieselbe erfolgte Gründung der jüdischen Ackerbaucolonim im heiligen Lande hat nicht nur den Zuzug von Ansiedlungslustigen sondern auch von bemittelten und daher der jüdischen Einwohnerschaft Nutzen bringenden Gästen bedeutend verstärkt. Aber es darf nicht übersehen werden, daß alle diese Besuche von Rußland und von der nationalen Partei ausgehen, jedenfalls mit dem Colonisationswerk in Verbindung stehen, daher noch immer unvergleichbar spärlicher sind, als sic. bei größerer Allgemeinheit von jüdischen Pilgerfahrten nach Palaestina wären. Wie dringend aber im Interesse des Blühcns und Gedeihens unseres Ahnenlandcs eine erhebliche Ausbreitung und Verallgemeinerung des jüdischen Pilgerverkehrs nach Palaestina wäre, liegt auf der . Hand. Fällt schon der directe Vortheil, daß nämlich von den nothwendigerwcisc wohlhabenden Reisenden viel Geld unter die Leute gebracht werden würde, in die Augen, so ist auch der mittelbare Nutzen nicht zu verkennen, den ein Bekanntwerden weiterer jüdischer Kreise mit Palaestina stiften würde. Welche falschen und verzweifelten Vorstellungen hat nicht heute der größte Theil unsers Volkes von seinem Stammlande! Wenn nun einige dieser Zweifler sich durch Autopsie überzeugen würden von der Fruchtbarkeit des Landes und seiner Eignung zur Stätte entwickeltster Cultur, wenn sie die ganze Großartigkeit der Natur und der Erinnerungen Pataestinas ans ihr Gemüth wirken lassen würden, dann würden sie bei ihrer Rückkehr nach Europa ihre Erfahrungen und Eindrücke mittheilen und unter den Stammesgenossen, welche bislang die bizarrsten Begriffe vom heiligen Lande haben, klare , und gerechte Vorstellungen über dasselbe verbreiten. Palaestina würde aufhören terra incognita; für die Juden zu sein, und das Jnterresse an ihm würde stets weitere Kreise des jüdischen Volkes ergreifen. lieber die Nützlichkeit einer solchen Erweiterung des jüdischen Pilgerverkehrs nach dem heiligen Lande wird nun wohl kein Streit sein, sie liegt zu offen am-Tage. Aber wie diese Erweiterung erzielen, das ist eben die Frage/ mit der man sich aber, wie uns dünkt, bisher zu wenig oder doch zu planlos beschäftigt hat. Wir sind der Meinung, daß in dieser Frage etwas geschehen muß und auch geschehen kann. Es sollte sich ein Comitä zu diese», Zwecke in Palaestina selbst bilden, das bei seiner Arbeit von zwei europäischen Neben-Comitäs — das eine in Rußland, das andere für den Westen in Wien — unterstützt werden könnte. Sache dieses Comitös wäre es: 1.) mit den verschiedenen Vcrkehrsgesellschaften und Reisebureaus in Verbindung zu treten, um nicht ' nur Fahrpreisermäßigungen zu erlangen, sondern auch über die Arrangirung von größeren gemeinsamen Fahrten gegen Einzahlung einer gewissen Summe durch jeden Theilnehmer zu verhandeln, 2.) in Verbindung mit dem ebenfalls intereffirten Reisebureau für die größtmögliche Reclame zu sorgen, und. hiebei namentlich auf jene Orte Bedacht zu nehmen, wo cs eine wohlhabende, entweder nationalgesinnte oder orthodoxe jüdische Bevölkerung gibt, was die Orthodoxen betrifft, mit besonderer Berücksichtigung Ungarns und Deutschlands, 3.) ein geeignetes Programm für den Aufenthalt der Pilger in Palaestina aufzustcllen, das sowohl die Anforderungen der Religiosität und Pietät als des Wissensdranges und der Schaulust, sowie auch der Bequemlichkeit befriedigen und möglichst viel bieten müßte. Es wäre auch ebenso dem nationalen Gefühleentsprechend. als klug, .diese Pilgerzüge regelmäßig zu den drei großen Festzeiten zu arrangircn, und könnte bei einiger Rührigkeit zun, Peßachseste 8651 (1891) der Anfang geniacht werden. Die Gesinnungsgenossen in Palaestina und Rußland werden gebe t e n, diese Anregung zu beachten und die jüdischen Zeitschriften werden er sn cht, d ie s c l b e zum Gegenstande ihrer Besprechungen zu machen. Solange die angeregten Comit^s nicht gegründet sind— hoffentlich wird dies aber bald geschehen sein — wird man gut thun, bezügliche Mittheilungen u. s. w. an die Rcdaction der „Selbst-Emancipation" gelangen zu lassen. B. . llll!lil||ilillMllllll!l)ltllllllllllli«JlllJltlj|limiilJliltlJllimi!*mimiJI)IiatailJI Eingesendet. Der gefertigte Vereinsausschuß in Wien erlaubt sich, den Gesinnungsgenossen in Jerusalen, seinen daselbst angelangten Schützling, den Schmiedemeister Israel Kossowitz, einen braven, kräftigen und tüchtigen Mann zur weiteren Fürsorge zu empfehlen und bittet um Berücksichtigung dieser Empfehlung. Der Ausschuß des Vereines »Admath Jeschurun.« iiitiiiiiiiiiiiiiiitiiimBiiiiiimitiiiiiiiiimiiijiiimiJiijJiiiifiimiiiiimimtffjim Geehrter Herr Rcdacteur! In Nr. 10 der „Selbst- Emancipation" habe ich die Charakteristik der Mitglieder des Comitö's in Odessa von I. Konstantinowsky gelesen. Mich wundert es, wie Herr Konstantinowsky sich erlauben konnte, Menschen zu charakterisircn, die p beinahe nicht kennt. Ich war bei den Wahlen in .Odessa als Deputirter der Moskauer „Chowawe-Zion“ und kann daher sagen, daß sehr vieles in dieser Charakteristik mehr als unrichtig und falsch ist. Zum Beispiel: Herr K. erlaubt sich zu sagen: „Eisenstadt, Rabinowitsch — Ben Ami — für diese zwei habe ich keine. Striche und keine Farben; es ist nur zu bemerken, daß sie im ComitL sitzen, weil man sic wählte."—Das erlaubt mau sich von so bekannten Männern zu sagen! Der erste als gewesener Colonist, der einzige im Comite, der Palästina mit seinen Augen gesehen hat; und der zweite als populärer Schriftsteller im Russischen und im Jargon! — Von Herrn Ginsberg spricht Herr K. nur zwei drei Wörter, wiewohl derselbe Herr ein sehr gebildeter Mann ist, der beispielsweise einer ganzen Reihe von Sprachen (Hebräisch, Russisch, Französisch, Englisch, Deutsch und Lateinisch) mächtig ist. — Von Herrn Epstein sagt Herr K. nur, daß er ehrlicher Fachmann ist, von einem Man», der in der jüdischen Literatur so bekannt ist, der e i n st i m m i g von allen Deputtrtcn zur Leitung aller Geschäfte des ComitL's (nicht nur zum Buchhalter) gewählt wurde. Daß Herr K. die Verhältnisse im Comite nicht genau kennt, kann man schon daraus ersehen, daß er die Revisoren Pitkus, Wainstein und Granat nicht nennt, während er den Herrn Rainer anführt, der kein Revisor und Mitglied des Comite's ist, sowie er auch Fischcrowitsch, .Ginsberg, Barbasch und Lubarsky als Revisoren bezeichnet, während sie Mitglieder. des Comitös sind. ... . Es wäre zu wünschen, daß Herr K. von jetzt an, wenn er wieder von Personen sprechen sollte, sie früher besser kennen lernen sollte. Moskau, 8/20. August 1890. . M. Ilssischkin.