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Selbst-Emancipation · 1890-08-15 · Heft 10 (15.8.1890) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 10 (15.8.1890)
Date
1890-08-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. S e lbst-Emancipation. Seite 7. erleidet, einen, großen Verlust und der Schmerz darob ist umso empfindlicher für diejenigen, die dem Verewigten geistig nalsestchend Gelegenheit hatten, Zeugen seines Denkens und Schaffens zu sein. Denn ob auf dem Gebiete der Wiffenschaft, ob auf der Kanzel oder im schlichten Privatleben, überall leuchtete ihm ein einziges Ziel vor— — die Größe seines Volkes. Alles für das Judcnthum, Alles mit dem Judenthum, — das war seine Devise und er blieb auch derselben bis zum letzte» Athemzuge treu. Aber nicht auf dem offenen Forum der Aolksberedsamkcit, nicht im heißen Kampfe mit den Widersachern Israels, sondern durch Worte der Belehrung, des Trostes und wenn es dessen bedurfte, auch des Tadels von der Kanzel, durch Hinweisung auf die Vergangenheit, auf die Cultur und Civilisationsmission Israels wirkte der Verewigte für das Wol seines Volkes. Groß an Geist, tief an Gemüth, war er unerreichbar als Kauzelredner, als Gelehrter und als Jude. . , Den Verblichenen in allen diesen Eigenschaften genau und .erschöpfend zu schildern, fühlt sich diese Feder, die nur die Pietät und die dankbarste Hingebung für den unvergeßlichen Meister leitet, zu schwach; ich will cs nur versuchen,, alle seine.Werke und, Ideen, alle seine Ansichten und Gefühle wenigstens annähernd wicderzugeben. Als Redner hinreißend, aber auch voll überzeugender Kraft, wirkte er zugleich' auf das Herz lind auf den Verstand. Seine Predigten strotzten voll Geist. Ans einem biblischen Sähe basirend,-entwickeln sie mit, bewunderungswürdiger Dialectik nicht nur die religiösen, sondern auch die moralischen und sozialen Pflichten. Und so gehörte der Verstorbene nicht zn jenen falschen Propheten, die stets das Wort Gottes in ihrem Munde führen, jedoch durch ihre Handlungsweise den Fundamcntalgesctzcn der Religion widerstreiten. Selbst rein und streng religiös, war er Andern zum wahren Muster und, Vorbild. . Als Gelehrter hat sich der Verewigte einen Namen weit hinaus über das Judenthum selbst erworben. Sein Werk „Josephus Flavins und die Tradition" war bahnbrechend für das Studium des Talmud. Die Werke „Zur Botanik des Talmud" und „Die Moral der Evangelien und des Talmud" sind währe Producte eines besonderen Talmndverständniffes und GclehrtensinncS. Ein Werk, das viel dazu beitrug, seinem Namen auch außerhalb des Judcnthuins Ruhm zu verschaffen, war „Das mosaisch-talmudische Eherccht mit Berücksichtigung des allgcm. bürgerl. Gesetzbuches." Obwohl verfaßt von cineni Nichtjnristen, fand eS doch in der Jurisprudenz allgemeine Geltung und haben sich die größten Autoritäten des österreichischen CivilrechteS, wie Herr Dr. Pfaff, Professor der Liechte an der Universität Wien und der verstorbene Dr. Zatorski, Professor der Rechte an der Universität zu Krakau mit größtem Lobe darüber ausgesprochen. Unter vielen anderen Werken »vollen wir hier, namhaft machen: „Mittel gegen die falschen Blutbeschnldigungen nebst einem Anhänge zur Sage und Geschichte Polens", worin die nicht geringfügige historische Thatsache erwiesen wird, daß schon im 12. Jahrhunderte der polnische König Miecislaus HI. die Tödtung eines Juden als Majestäts- Verbrechen mit dem Tode bestrafte; die im Jahre 1888 aus.Anlaß des. 40jährigcn Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. erschienene „Geschichte der Verfassung mit besonderer Beziehung auf die österreichisch-ungarischen Israeliten'/ und zahlreiche Abhandlungen-in der Zeitschrift „Len cbänLnjä".von Herrn Leopold Löw, weil. Oberrabbiner von Szegedin. Das letzte und größte Werk, welches die Philosophie des Talmud behandeln sollte, war hem Verewigten zu vollenden nicht vergönnt. Unermüdlich im Schaffen und Denken wollte er in dieser monumentalen Arbeit das Product aller seiner philosophischen Betrachtungen auf Grund des Talmuds niederlegen und so a»S biefcrunversiegbaren Quelle der Gelehrsamkeit wiederum einen krystallisirten Tropfen den Denkern seines'Volkes vermachen.'" i : , - > Und, er versprach , sich viel von diesem. Werke. Ich denke noch, wie wir im vorigen Jahre an den Ufern der bläuen' Donau säßen pnd Herbart's Aesthetik einer nähern Betrachtung unterzogen. Da war es der Verklärte, der mich darauf hinwies, daß auch der Talmud nicht zwischen der Ethik und Aesthetik, zwischen der Idee des Guten und des Schönen unterscheidet und beide einem Begriffe, dem der höhern Aesthetik subsumirt. So sollten auch die Gedanken vieler anderer Weltweiscn ihren eigentlichen Ursprung schon im Talmud finden. Aber das Werk blieb unvollendet. Wenn auch der Geist fortwährend neue Gedanken erfaßte, sich in denselben und durch dieselben verjüngte, so konnte doch der greise Körper dem nicht Folge leisten- Das Gefäß zerbrach und. der verklärt: Geist kehrte heim in die Gefilde der Wahrheit. Es erübrigt uns noch den Verstorbenen als Juden zu schildern. Wir meinen hier nicht so weit den religiösen, rituellen, als den nationalen Standpunkt. Die Frage, ob Nationalisirung, ob Assimilation der Jude», bleibt noch lange nicht gelöst. Die größten jüdischen Geister des vorigen Jahrhunderts wollten die letztere, doch sind ihre Bestrebungen, nur insoferne sie die Cultur und Civilisation ihres Volkes bezweckten; von einem gute» Erfolge gekrönt worden. Der Verblichene war ein nationaler Jude. Vom Standpunkte ausgehend, daß schon das Kind mit sich die Nationalität in die Wiege bringe, daß die Nationalität nicht ein Product der fpeculativen Vernünftelei, sondern ein durch die Tradition begründetes gemeinsames Streben sei, blieb er seiner ererbten 'Nationalität, unbekümmect unl alle opportunistischen Strömungen der Neuzeit, treu. „Die Nationalität, ist kein Kleid, das man nach Beliebe» wechseln darf", das >var sein Spruch. 'Nichtsdestoweniger war der Verstorbene ein warmer österreichischer Patriot. Selbst ein großer Historiker, wußte er streng das 'Nationalitätsgefühl von der Vaterlandsliebe zu trennen und so eine jener falsche» Fährten der Assimilation zu vermeiden. Und so stand er nun da, der unermüdliche Forscher im Labyrinthe des Talmud, der rastlose Kämpfer für alles Wahre, Gute 'und Schöne. Wohl ertrug er dafür so manche Unbill, manch' trüben Augenblick, aber die Fackel der Wahrheit ist doch nicht von seiner Seite gewichen. So war er denn von Allen, die ihn kannten, geehrt und bewundert, von seinen Schülern geschätzt und verherrlicht. Der Tod war ihm nur ein ruhiges Heimgchen zu seinen Ahnen. Er entschlummerte sanft mit dem Bewußtsein, alle seine Pflichten erfüllt zu haben. — Denn er that Alles, was er als Mensch und als Jude, sich und seinen Rebenmenschen schuldig tvar. Seine unschätzbaren Werke bleiben der Nachwelt für innner und die wenn auch geringe Zahl der wohlgerathenen Schüler wird den Intentionen und Idee»' ihres Meisters treu bleiben und im Sinne derselben weiter wirken. Der Name Dr. Duschak wird stets unvergeßlich bleiben im Herzen und Sinn derjenigen, die ihm geistig nahcstanden, das gesammtc Judenthum ehrt in ihni einen seiner Großen. Und wenn einst der große Tag anbricht, wo alle Männer des Märtyrcrvolkes ein gemeinsames höheres Band umschlingt und .di: Nation, befreit von der Engherzigkeit opportunistischer Vorurtheile, ihre erleuchteten Geister feiern wird, so wird auch dem verewigten Dr. Duschak im Pantheon des Judenthnms eine gebührende Stelle zukommen. Ehre seinem Andenken, seinem 'Namen sei 'Ruhm. Krakau, am 27. Juli 1890. S. R. Landau. hmiiii im iiiiiiiiiiiiiiiititiiaisiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKiiiimiiiiiiiiiititi Eingesendet. Die Leitung des akadeinischen Vereines „K ad i in ah" in Wien beehrt sich hicmit, allen jenen „alten Herren" und Mitgliedern, welche durch ihre Beiträge die Übergabe eines würdigen Geschenkes an den Gründer und das gewesene Mitglied der „Kadimah", Herrn Dr. Nathlrn B i r n b a u nt, an seinem Hochzeitstage ermöglichten, den herzlichsten Dank auszusprechen. Wien, 12. August 1890. '! Für die Ferialleitung: Michael Ellmann, Techniker. Correspondenz der Redaetion. Herrn S. P., Krakau, S. A., Boryslav, Nächstens. Herrn S. R. Landau, Krakau. Sie irren; die vorige 'Nummer wurde Ihnen zugesandt. — Viel Dank für die Arbeit. Herrn I. I., Czernowitz. Briefliche Antlvort folgt. Im Ganzen läßt sich wenig thu». Der Chef - Nedacteur des Blattes beehrt sich, allen Corporatione» und Privatpersonen, welche ihm zu seiner BermählungSseier Glück, wnnschtelcgrannnc, »Briefe und »Ädressen, sowie Geschenke übersandte», auf diesem Wege seinen herzlichsten Dank auszusprechen. illMIIIIIMIIIIIMIIIMNIIIIIMlIIMIIIIIMIIIIlMIMtMMIMtllllllMIMIIIMI« David Mray. Bon Benjamin d'Jsraeli. Erster Abschnitt. I. Troinpetcn schmetterten ihre Schlußfanfaren, als der Resch Glutha, d. i. „der Fürst der Gefangenschaft", von seinem weißen Maulthiere stieg; sein Gefolge jubelte, als ob es noch ein freies, selbständiges Volk sei, und wäre das verächtliche Lächeln iticht gewesen, das sich in den Mienen der umstehenden Muselmänner zeigte, so hätte man es eher für einen Tag des Triumphes als einer Steuerzahlung halten sollen. „Noch ist der Ruhm nicht verschwunden!" rief der ehrwürdige Bostenai aus, als er in die Halle seiner Wohnung trat. „Es ist freilich nicht wie bei'm Besuche der Königin von Saba unter Salomon, aber bei all' dem ist der Ruhm doch noch nicht verschwunden. Du hast Dich wohl benomnieil, treuer Caleb." — Des alten Mannes Muth ward init jedem Schritte in seinem eigellen Hause kräftiger, und sicherte ihn immer mehr gegen die letzten Gegenstände seiner Furcht, die lauten Verwünschungen und die drohenden Wurfgeräthe der ungläubigen Meilge. „Es >vird sein ein Tag der Freude und des Dankes!" fuhr der Fürst fort; „und sieh nach, inein ehrlicher Caleb, daß die Trompeter auch gut bedient werden. Dieser letzte Tllsch ivar brav ausgeführt. Freilich klang er nicht ivie das Schmettern der Trompeten vor Jericho; dessen ungeachtet aber zeigte er an, daß der Herr der Heerschaaren mit uns sei. Wie die verfluchten Jsmaeliten stutzten! Sahst Du, Caleb, den gewaltigen Türken im grünen Gewände mir zur Linken? Beim Scepter Jacobs, er ivard bleich! O, es soll dies uns sein ein Tag der Freude uild des Dankes! Und schone nicht den Wein, noch die Fleischtöpfe für das Volk. Sieh selbst darnach, mein Kind, denn das Volk schrie tapfer und mit lauter Stimme. Es war freilich nicht gleich dem großen Geschrei im Felde, als die Bundeslade zurückkehrte, aber dessen ungeachtet war es gut geschrieen und zeigte, daß der Ruhm ilvch nicht verschwunden ist. So schone also den Wein nicht, mein Sohn, und trinke auf den Untergang Jsmaels in dem Safte, von dem es nicht kosten darf." — „Es war allerdings ein großer Tag für Israel!" rief Caleb, als Echo zu seines Herrn Entzücken. „Wäre der Zug verboten worden," fuhr

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