Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 10 (15.8.1890)
- Date
- 1890-08-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bostenai fort, „war' es unter allen Fürsten nur mir beschicken gewesen, den verfluchten Tribut zu Fuß, ohne Trompeten und Wache bringen zu müssen, bei meinem Scepter, mein guter Caleb, bin ich fest überzeugt, daß, so langsam dies alte Blut auch jetzt in meinen Adern rinnt, ich doch . „ . . doch es ist unnütz, darüber zu sprechen — der Gott unserer Väter ist unsere Zuflucht gewesen.". „Wahrhaftig, Herr, wir waren wie David in der Wüste Siph, jetzt aber sind wir die Gesalbten des Herrn in dem festen Hause Engadi. „Der Ruhm ist 'noch' in der That nicht ganz geschwunden," begann der Fürst von Neuem in milderem Tone,: „aber wenn — ich will Dir etwas sagen, Caleb — preise den Herrn, daß Du noch jung bist." ....... „Mein Fürst kann auch lange leben, um noch frohe Tage zu sehen. „Nein, mein Kind, Du verstehst mich falsch. Euer Fürst hat gelebt, um den Tag der Trauer zu sehen. Nicht an das Kommende dachte ich, als ich Dich den Herrn preisen hieß, daß Du noch jung seist. Ich bedachte vielmehr, Caleb, daß wenn Deine Haare so weiß wären wie die meinen, wenn Du zurückblicken könntest, wie ich, in die Tage, die verflossen sind, die Tage, wo es keines Geschenks bedurfte, um zu beweisen, daß wir Fürsten seien, die glorreichen Tage, wo wir selbst die Gefangenschaft gefangen nahmen, ja, mein Sohn, da bedachte ich, was für ein reiches Erbtheil es doch sei, geboren zu sein, nach den Freuden die vorübergegangen sind. „Mein Vater lebte in Babylon," sagte Caleb. „O, nenne es nicht!" rief der alte Heerführer aus. „Schwarz war der Tag, an dem wir dieses zweite Zion verloren! Wir waren zwar auch damals Sclaven der Egypter, aber dennoch herrschten wir wahrhaft über das Reich des Pharao. O Caleb, Du, der Du alles weißt: die Tage der Mühe . . . die Nächte, ruhelos wie von einem liebestrunkenen Knaben durchwacht, die es Deinem Fürsten gekostet hat, um die Erlaubnis zu erhalten, den Tag unseres Tributes mit der armseligen Begleitung einer Wache von sechs Mann zu erfteuen, Du, der Dü alle die Schwierigkeiten kennst, die ich überwand, Zeuge warst aller meiner Demüthigungen, was würdest Du zu dem Beutel mit Dirhems sagen, von siebentausend Schwertern umgeben?" „Siebentausend Schwerter?" „Nicht eins weniger; mein Vater schwang eins derselben." „Es war dies wlchrlich ein großer Tag für Israel!" „O, das ist noch nichts! Als der alte Alroy Fürst war — der alte David Alroy — dreißig Jahre lang, guter Caleb, dreißig ganze Jahre lang bezahlten wir dem Califen gar keinen Tribut! —" „Keinen Tribut? Keinen Tribut dreißig Jahre lang!? Kein Wunder, mein Fürst, daß die Philister endlich die Zinsen nachgefordert haben." . ' O, das ist noch nichts!" fuhr der alte Bosteuai fort, ohne auf feines'Dieners Äußerungen zu achten. „Als Moctador Calif war, sandte er zu demselben Fürsten David, um zu erfahren, weshalb die Dirhems nicht gezahlt ivürden, da bestieg David gleich sein Roß, und begleitet von all' den Ersten im Volke ritt er zu dem Palaste und sagte dem Califen, daß der Tribut ein Anerkenntnis sei, welches der Schwache denr Stärkeren gewährt, um . sich desien Schutz und Schirm zu versichern, und da nun er und sein Volk die Stadt zehn Jahre lang gegen die Seltschucken besetzt und vertheidigt, sei vielmehr der Calif im Rückstand gegen ihn." „Wir werden noch einen Esel eine Leiter besteigen sehen!" rief Caleb mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen. „Es ist vollkommen wahr," fuhr der Fürst fort, „denn oft habe ich meinen Vater dieses erzählen hören. Er war damals noch ein Kind, und seine Mutter hob ihn auf dem Arme empor, um den Zug zurückkommen zu sehen, und alles Volk jubelte: „„das Scepter ist nicht entfallen von Jacob!"" „Es war wahrhaftig ein großer Tag für Israel!" „O, das ist noch nichts! Ich könnte Dir noch ganz andere Dinge erzählen. Aber mir schwätzen Hier und unser Geschäft ist noch nicht zu Ende. Geh zu dem Volke; die Witwen und Waisen warten. Gib 'ihnen reichlich, guter Caleb; die Beute der Cananiter ist nicht mehr unser Theil, aber der Herr ist doch noch immer unser Gott, und bei all' dem ist dies doch ein großer Tag für Israel. Und, Caleb, sage meinem Neffen David Alroy, daß ich.begehre mit ihm zu sprechen." „Schnell will - ich alles verrichten, guter Herr! Wir wunderten uns selbst, daß unser geehrter Herr, Euer Neffe, nicht mit dem Gefchenke hent einherzog." „Wer heißt Euch, sich zu wundern? Wie lange willst Du noch hier müßig stehen? Geh und beeile Dich! — Sie wundern sich, daß er heute nicht mit dem Tribut gezogen ist. Seht doch, des Volkes Stimme! Dieser Knabe wird noch unser Untergang sein: eine kluge Hand, um unser zersplittertes Scepter zu führen! Ich habe ihn beobachtet von seiner Kindheit an; er sollte in Babylon gelebt haben. Das Blut der Alroy fließt noch in seinen Adern. Ein hoch sich wagender Stamm. Als ich jung, war sein Großvater mein Freund. Ich hatte da selbst noch solche Einbildungen. Träume, Träume! Wir sind in böse Zeiten gerathen und dennoch gedeihen wir. Ich habe lange genug gelebt, um zu begreifen, daß eine reiche Caravane, beladen mit den Shawls von Indien und den Stoffen von Samarkand, wenn auch nicht wie ein Tanz, vor der Bundeslade, doch auch einen .guten Anblick gewährt. Und unsere hartherzigen Gebieter mit all' ihrem Stolze, können sie denn bestehen ohne uns? Darum sprießen wir noch immer frisch auf. Ich. habe gelebt, um zu sehen, wie der hochmüthige Calif herabgesunken zu einem Sclaven, niedriger als Israel. Und die siegreichen wollüstigen Seltschucken, zittern sie nicht eben jetzt bei der leisen Nennung des fernen Namens von Arsland? Wer ich, Bostenai, und die schwachen Überbleibsel unserer zerstreuten Stämme, wir sind noch da/ und Dank sei es unserem Gott! wir gedeihen; die Zeik der Macht ist zwar vorüber, daher müssen wir blühen durch Klugheit. Den Spott und den Hohn, den Fluch und wohl auch den Schlag, Israel muß sie jetzt ertragen, und mit Ruhe, ja selbst mit lächelndem Antlitz. Was ist's denn auch? Für jeden Spott und.Hohn, für jeden Fluch werde ich einen Dirhem haben, und für jeden Schlag — der wird dafür dereinst büßen, der ihn - mir versetzte. Doch sieh, da kommt er, mein Neffe! Sein Großvater war mein Freund. Ist's mir doch, als sehe ich ihn jetzt vor mir! Derselbe Alroy war auch mein Spielgenosse in den Tagen der Kindheit. Und doch will nicht passen diese gebrechliche Gestalt und dieses mädchenhafte Gesicht zu den finsteren Leidenschaften und gefährlichen Einbildungen die verborgen liegen, wie ich fürchte, in dieser zarten Brust. — Nun, mein Neffe?" (Fortsetzung folgt.) Wir mache« die geehrten auswärtige« Mitarbeiter darauf aufmerksam, daß der Schluß der Redaction zwei Tage vor dem Datum des Erscheinens des Blattes erfolgt.!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiii iiiiiiiiiciiiaiäiiiiink Wir gebe« bekannt, daß die Redaction Correspondenzcn nicht blos in deutscher, sondern selbstverständlich auch in hebräischer, ferner aber auch in arabischer, böhmischer, englischer, französischer, italienischer, polnischer, russischer und spanischer Sprache annimmt und bei Verwendbarkeit in deutscher Ucbersetzung veröffentlicht. iiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiuitiiiiiiaiiiiiiiai Folgende Herren hatten die Güte, die Vertretung der „Selbst-Emancipation" unentgeltlich zu übernehmen: Für B e s s a r a b i e n: Herr Dr. Leo Kohan in Kischinew. Für Odessa: Herr Jacob Konstantinowsky in Odess a, Richelieu-Straße 14, Magazin de l'Europe. Für Serbien: Dr. David Alealay in Belgrad. Somit können Stammesgenossen in den genannten Ländern oder Gegenden sowohl bei den betreffenden Herren als bei uns direct ihr Abonnement anmelden, respective Zahlung leisten. Die Administration. Die Zeitschrift „Selbst - Emancipation" ist wegen ihrer Verbreitung in den meisten Ländern für Jnserirungen besonders geeignet. Preis der Normal-Annonce (in der Größe dieses Inserates — Spalte) bei Imaliger Insertion I st. Kleinere oder größere Annoncen zu den entsprechenden Theilbeträgen. — Bei wiederholter Einschaltung Ermäßigung des Preises. Um geneigte Aufträge bittet' die Administration. IBiiiltaiBiaillllBIBillBIBtBlllllltllllBIBIIIIIIIIiaillBIBiBillBiaiBiBIIIBIIIBiflIflIIIKIIftItli« Für die Redaction verantw.: Dr. Nathan Birnbaum. Buchdrucker« Schloßbcrg, Wien, H., Stephaniestr. 2.