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Selbst-Emancipation · 1890-08-15 · Heft 10 (15.8.1890) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 10 (15.8.1890)
Date
1890-08-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. fischen Landtage. Es sängt an, gemüthlich zu werden. * » Zn Berlin werden^zuiir. Beginne des Sommersemesters die jüdischen Theologen einen Verein zur Pflege der neuhebräischen, Sprache begründen. Hoffentlich werden sie denselben nicht blos auf.Fachkollegen beschränken, sondern dafür sorgen, daß es ein allgemein-wissenschaftlicher akademischer Verein werde. Lhronik. (Aus Paris). Wir lesen im „Israelit und Jcschurun": Paris, im Juli. Herr Zedcrbaum, Herausgeber des „Hamelitz" in Petersburg, weilt seit einiger Zeit in hiesiger Stadt, um für die Colonisation in Palästina zu wirken. Derselbe hatte schon mehrmals in diesem Betreffe Conferenzcn mit dem Oberrabbiner Z. Kahn, sowie auch mit Herrn Baron Edmund v. Rothschild. Ueber das Resultat seiner Bemühungen werde ich Gelegenheit haben Ihnen zu berichten. Sonntag den 15. v. M., Abends 7 Uhr veranstaltete der Verein B'ne-Zion dahier zu Ehren des Herrn Zederbaum ein Bankett im Hotel-Restaurant International, woran auch der rühmlichst bekannte Rabbi Schneier Sachs Theil nahm. Den Reigen der Reden eröffnete der Secretär des Vereins Herr Dulwasdi, indem derselbe eine hebräische, wohldurchdachte Begrüßungsrede an Herrn Zederbaum hielt, die von demselben ebenfalls in hebräischer Sprache beantwortet wurde. Sodann sprachen die Herren Präg, Spanier und noch viele Herren, in warmer Begeisterung für die Colonisation Palästinas. (Spende.) Baron Goldschmidt in Paris hat dem Comitä des russischen „Vereines zur Unterstützung Mischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palaestina" 5000 Francs zugewendet. (Jerusalem), den 27. Juli 1890. Die englische Missionsgesellschast unternahm unlängst die Erbauung eines sehr großen Krankenhauses, wo vornehmlich jüdische Kranke ausgenommen werden sollen. Erbaut wird es neben dem Asyl derselben Gesellschaft, wo ungefähr 100 . jüdische Knaben und Mädchen exogen werden. Diese Kinder stammen meistencheils aus Egypten und ' Konstantinopel, von wo sie in diese „Wohlthätigkeitsanstalt" von den Eltern selbst abgegeben werden, welche froh sind, die Kosten auf die Erziehung chrer Kinder zu ersparen, ohne sich um das spätere Schicksal ihrer „Lieben" zu kümmern. Und diese Zukunft der schuldlosen Opfer ist furchtbar: im besten Falle werden die Jünglinge, welche ihre Bildung und Erziehung beendet haben, d. h. welche schlechte Protestanten geworden sind, zü Kutschern, Taglöhnern u. s. w. gemacht; die Mädchen werden später zu Dienstmädchen verwendet, in den meisten Fällen aber ..... Von noch zwei hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten will ich sprechen, vom deutschjüdischen Waisenhaus unter der Leitung des Herrn Dr. Phil. Herzberg und dem Beth- - Jethomim des Briskischen.Rabbiners, Herrn Diskin. . S e l b st - E m a n c i p a t i o n. Das erstere dieser Asyle existirt schon seit ungefähr 15 Jahren und ungeachtet dessen, daß dasselbe sehr viel Einkünfte hat, (die Zinsen des sehr großen Lemel'schen Fonds, Mitglicdsbeiträge und Gelcgenheitsgaben) so ist doch dessen Existenz sehr kläglich. Die Schuld daran trägt ausschließlich die Administration dieses Asyls. Die Kinder dieses Asyls müssen hungrig und nackt den ganzen Tag in den Straßen umherirren, ohne welche Aufsicht; vom Besuche der in Verbindung mit dem Asyl gegründeten Schule kann überhaupt gar nicht die Rede sein. Was Wunder, daß das Asyl der Missionäre, wo eine musterhafte Verwaltung und Disciplin herrscht, in den Augen derjenigen sehr viel gewinnt, welche ihre Kinder irgendwie versorgen wollen. Die Lage der zweiten Anstalt, des „Beth- Jethomim" ist noch schrecklicher. Dreißig Knaben leben in einer eckelerregenden Wohnung und werden förmlich von Insekten aufgeftesscn. Sic ernähren sich von den Speiseresten ihrer Mentoren, der Melamdim; im Sommer schlafen sie auf dem Dache der Anstalt und im Winter aus dem nackten, kalten Fußboden. Man sollte meinen, daß solche klägliche Umstände gegenüber der unermüdlichen Thätigkeit der Missionäre unseren Rabbinen Sorge cinflößen und sie zu Gegenarbeit an'eifcrn müßten; aber es zeigt sich keine Spur davon. Die Bedürfnisse der Zeit existiren für unsere Rabbinen nicht, sie beschäftigen sich wie früher mit allen Kleinigkeiten und mit ihrem alten Steckenpferd — der bigotten Heuchelei. So sah man unlängst an den Straßen des jüdischen Quartiers „Anzeigen"/ mit der Unterschrift des Bet-Din-Zedek, wonach der alte vor 40 Jahren gegebene Cherem gegen Schulen und Haskalah (Aufklärung) seine Kraft noch heute besitze, und demzufolge alle diejenigen ,,Apikorsim" verflucht und von der jüdischen Geineinde ausgeschlossen seien, welche ihre Kinder in die Schulen schicken. Endlich wurde der erste Schritt im Ankäufen von Erde im transjordanischcn Lande gemacht; ein hiesiger Einwohner, Herr A—n kaufte 1000 Deßjatin prachtvollen Landes in der Gegend von Tiberias. Dieses Land ist von 3 Seiten von Wasser umgeben: nördlich und. westlich vom Genezareth-See und dem Jordan, und östlich von einem Nebenflüsse des letzteren. Wenn sich in dieser Gegend gesunde und arbeitssame Colonisten ansiedeln, so können wir mit Bestimmtheit Voraussagen, daß die eigentliche. Colonisation in ganz naher Zeit nach Galiläa, besonders aber in die hinterjordanische Gegend versetzt werden wird, wo die Arbeit des Ackerbauers sich verlohnt. WaS die Gefahr vor den Tscherkessen (?) und Beduinen anbetrifft, so ist dies eine unbegründete Furcht. Ich habe selber diese Gegend nach allen Richtungen durchwandert und bin nirgends auf das geringste Hinderniß von Seiten der obgenannten Einwohner dieser Gegend gestoßen, — von Plündcreien und dgl. - schon gar nicht zu reden. Eine Ansiedlung von 15—20 Familien ist vor solcher Gefahr völlig gesichert; inan muß nur auf freundschaftlichem Fuße milden Meichamen (den Vorgesetzten dieser Völkerschaften) stehen. Außerdem ist von der türkischen Negierung projectirt, binnen Kurzem eine Eisenbahn von Chaifa Nr. 10. nach Damascus zu erbauen, so daß den hinterjordanischen Produkten der nächste Hafen erschlossen wird, und diese Gegend in unmittelbare Verbindung mit der Syrischen Hauptstadt treten wird. A. Solomjack. („luramonium mor« judaico“.) Zufolge einer Weisung des rumänischen Justizministcrs Rosetti haben die rumänischen Gerichte wieder den berüchtigten, entwürdigenden Judeneid eingeführt. In dem speciellcn Falle, in welchem diese Einrichtung des Mittelalters ihre Auferstehung feierte, erließ der Präsident des Gerichtshofes an den Jassyer Rabbiner F. Taubes den Auftrag, die Cercmonie zu vollziehen. Der Rabbiner der seinen Beistand unter Hinweis darauf, daß das mosaische Gesetz diese Form der Eidesleistung nicht verlange, verweigerte, wurde zu einer - Geldstrafe von 300 Francs verurtheilt, und nunmehr ein Hilssrichter abgeordnet, der mit Gewalt aus der Bundeslade einer Synagoge eine Thorarolle entnahm, worauf er selbst den Eid nach der alten schmählichen Formel abnahm. Der Recurs des Rabbiners gegen die Strafverfügung und das richterliche Vorgehen wurde abgewiesen. — Und unter solchen Umständen tritt die entnervte studirende jüdische Jugend Bukarests für die Assimilation ein; was scheert cs fieauch, daß der größere Theil der Rumänen sie selbst mit Hohngelächter, oder wenigstens mit Mißbilligung aufnimmt. (Personalnachricht.) Am 3. d. M. fand im sephardisch - isracl. Tempel zu Wien die Trauung des Chef - Redactenrs der „Selbst - Emancipation", Herrn Dr. Nathan Birnbaum, mit Fräulein Rosa Korngut statt. Das prachtvolle Gebäude, unstreitig die schönste Synagoge Wicn's, war bis auf den letzten Platz von Freunden und Bekannten des Brautpaares gefüllt. Der Trauungsact vollzog sich in großartigster Weihe; Herr Rabbiner P apo hielt eine gelungene hebräische Predigt und Herr Obercantor Bauer, einer der stimmbcgabtesteu Chasanim Österreich's, hatte für den gesanglichen Theil der Ceremonien in anerkennendster Weise gesorgt. — Herr Dr. Birnbaum erhielt an seinem Trauungstage eine sehr große Anzahl von Glückwunschtelegrammen, -Briefen und -Adressen aus nah und ferne, von Privatpersonen und Corporationen. Verem^nachrlchten. „Admath Jcschurun." Die Herren Vereins - Mitglieder werden freundlichst ersucht, ihre Mitgliedsbücher in der Vereinscanzlei: II., Blumauergassc 18, zu beheben und ihre geäitder-. ten Adressen dortselbst bekannt zu geben. Wien, 13. August 1890. D e r A u s s ch u ß. Dr. AI. Duschak^^ — Eine Lebensskizze.— Die Zahl der jüdischen Geisteshcroen hat sich wiederum um einen verringert. Sanft und ruhig, lvcit vom leidenschaftlichen Getriebe des Alltagslebens, hat ein Mann seinen Geist ausgehaucht, durch besten Werke die jüdische Literatur und Geschichte bereichert wurden, den seine Rednergabe und Gelehrsamkeit zur wahren Zierde des Judcnthums gemacht haben. Das Judenthum

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