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Selbst-Emancipation · 1890-08-15 · Heft 10 (15.8.1890) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 10 (15.8.1890)
Date
1890-08-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. S el b st - E »i a nc i p a t i o n. % v , Nr. 10. ivcrdcnden antisemitischen Strömung in stkordamcrika noch mehr als zu bezweifeln ist — nützen kann, liegt auf der Hand. : > Vernünftiger ist der von manchen Seiten ertheilte Rath, es möge eine russisch-jüdischc .Dcputation dem Czarcn selbst die stehentliche Bitte seiner jüdischen Untcrthanen um Abwendung des ihnen drohenden Unheils vortragen. Dieser Schritt; soll auf keinen Fall unterbleiben, und sei es auch bloß deshalb, um stch Selbstvorwürfe zu ersparen, aber wir versprechen uns auch von ihm sehr , wenig. Ist einmal die russische Regierung auf den Punkt angelangt, in diesen strengen Maßregeln gegen die Juden einen wichtigen Bestandtheil ihres nationalen und conservativen Programmes zu sehen, und der Czar damit einverstanden, so können die Bitten der Juden diese reifen Entschlüsse nicht ändern. Was aber thun? Wir zögern keinen Augenblick, cinzugestehen, daß auch wir keinen Rath zu geben wissen. Es gibt eben gegen dieses Unglück, welches bereits geschehen ist, kein Mittel, und wer stch da die Lorbeeren des klugen Rathgebers verdienen will, ist aus dem Wege, sich als Charlatan zu entpuppen. Es läßt stch . nur die dürre Thatsache anführen und auf weitere dürre Thatsachen schließen, welche aus ihr entspringen werden! — Wird viel emigrirt werden? Ja. — Soll viel emigrirt werden? Das . läßt sich nicht mehr so unbedingt bejahen. Russischjüdische Zustände anderswo schaffen, ist auch keine verlockende Aussicht, — und wieder dem Einzelnen die Hoffnung aus die Gründung einer besseren Existenz im fremden Lande benehmen, — geht auch nicht an. Diese Katastrophe hat nur wie jede andere das einzige Gute, daß sie Möglichkeit gibt zur Bewahrheitung des Sprichwortes: „Durch Schaden wird man klug." Oh, möchten stch doch die Söhne unseres Volkes, für die ja jetzt allenthalben eine neue Leidenszeit angebrochen ist, aus Der Heiligkeitsbegriff bei den Hebräern. Wiewohl es meine. Absicht nicht ist, den verehrten Lesern hier eine philologische Studie vorzulegcn, so fühle ich mich dennoch veranlaßt, diesem meinem Aufsätze eine kleine ethymologische Erklärung des Heiligkeitsbcgriffes vorangehen zu lasten, da es doch sonst unschicklich wäre, über die materielle Bestimmung eines Begriffes zu sprechen, ohne sich früher über besten ethymologische Bedeutung nähere Klarheit verschafft zu haben. Für das deutsche Wort Heiligkeit, heilig, hat der Hebräer das Wort enp Ohler will in seiner „Theologie des alten Testamentes" «Hp von enn. gebildet wissen. Wahrscheinlich deshalb, weil »in der erste Tag jedes Monates bedeutet, den das jüdische Volk festlich zu begehen pflegte *) und rr>in neu ist. Da nun jedes Neue seiner Neuheit halber eine gewisse Weihe an sich trägt, wie es auch bei vrm ') «Ipv Kip V.1,1 (Sef. 1, 13), beweist wie man den Neumond festlich geheiligct. den-jüngsten russischen Erlässen "endlich: die Lehre Holen," wie jämmerlich.unsicher ihre Existenz ist,- weil sie eines nationalen Mittelpunktes ermangeln, wie ihn die anderen Völker der Erde größ-. tentheils besitzen. Nicht, daß damit etwa die Idee der Colonisation Palästina's als Mittel gegen die besprochenen Erlässe angepriesen werden soll, — das ist sie nicht, 'weites gegen -dieses plötzliche Unheil an sich keine Mittel gibt; — es soll . nur auf ihre erlösende Bedeutung in Hinsicht aus das nationale Grundübel Jsrael's — die ewige Wanderunruhe und die Heiinatlosigkeit — wovon die russischen Maßregeln nur ein zeitgemäßer Ausfluß sind, hingewiescn werden. Ein Heimstätte für unser seit zwei Jahrtausenden von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Erdthcil zu Erdthcil gehetztes Volk ist das dringendste Bedürfnis für uns, an das wir auch im Wirrwarr der Noch des Augenblicks nicht vergessen dürfen, und das umso dringender erscheint, als wir die Hilflosigkeit zugestchen »rüsten, mit welchem ivir jedem neuen Schlage, der uns trifft, gegenüberstehen. In ihrer Wirkung vorübergehende Betäubungsmittel inag es für unsere Leiden manche, sogar noch unbenützte, geben, Heilung aber nur eine — das natio n a l eErwache n. B. Die Zelte Sems* In Oesterreich wie in Deutschland: wird seit kurzem ein neues Schlagwort zum Fcldgeschrci der gläubigen und ungläubigen, der adeligen Unedlen, wie der ganz unadligen Antisemiten erhoben. Es heißt: „Die Verweisung der jüdischen Kinder in eigene Lehranstalten". Semiten unter sich, Arier unter sich! Drob erbebt das Lager der Hebräer und mit Entrüstung weisen sie den Gedanken zurück, ihre Kinder von denen der mitlebcnden christlichen jungen Generation zu trennen; „wir wollen unsere Kinder der Fall ist, und tsHp in der Bedeutung „Weihe", „gcweihct" vom Hebräer vielfach gebraucht wird2), so meint Öhler nicht fehl zu gehen, wenn er snp aus rrnn sich bilden läßt. . .Daß dem aber nicht so sein kann, ergibt sich schon aus dein Umstande, daß die weichen Laute aus den harten Kehllauten sich gebildet hatten, somit »in von ttHp ab stammen müßte, nicht aber umgekehrt. Ebensowenig ist .der Beweis *i»aep Tan, den Öhler zur Bekräftigung seiner Behauptung anführt, haltbar. Denn aus dem Gesagten.. geht deutlich hervor, daß 1’Jtn von Tip gebildet worden sein müßte, nicht aber umgekehrt. Und in der That finden wir Ti'p schon in Pentateuch, während i'2.l in der Bedeutung von V3tp erst in den Propheten anzutrcffen ist. Eher ließe sich vermuthen, daß vip vorn aramäischen E2>p „wahr" herstamme und das harte v mit der Zeit in ein weiches l übergegangen ist. Was wieder die Stellung der Laute betrifft, so ist es im Hebräischen ') bot?' '12V nenpn <TK (Exodus 38, 21), „Wo ist die der Schande geweihete von den Kindern Israels?« Ferner:«pjiBnpn nmo KVO cfiBM (Sercm. 1, 7) „Und ehe du hervorgiengst aus der Mutter Schooste, weihete ich Dich". nicht wieder in "ein geistiges Ghetto bannen lasten". . . . Unsere Brüder argumentiren wohl mit Recht, daß solange: sie ihr Gut und Blut dein Staate weihen; gleich anderen Mitbürgern, sic derselbe Staat nicht aus den von ihm erhaltenen Lehranstalten drängen darf. Alle diese Motive sind aufgebaut aus Gründen der Vernunft und diesen muß ja der Staat im 19. Jahrhundert Rechnung tragen, will er nicht als barbarisch und; in die Gegenwart nicht hincinpassend, gebrandmarkt iverden. Ebenso ist auch jene Forderung unserer Brüder aus logischer Prämisse aufgcbaut, daß allen jüdischen Kindern Schulen und Lehrmaterial in ungekürzter Weise zutheil werdenmuß. Ein Staat, welcher für Juden den numerus clausus einführt gleicht, jenem Pharao, der - die jüdischen Mädchen gerne leken lassen, die jüdischen Knaben aber ertränken wollte.-Ein Staat, der sich gegen die Grundelemente der unvcrjährbaren Rcchtsbcgriffe versündigt, gleicht, einem metallenen Koloß auf thönernen Füßen, dessen Untergang nicht lange auf sich warten lässt. An dieser Rechtsbasis - muß also Freund- -und; Fcinh; der Juden ünverrückt festhalten und kostet es ihm auch die äußerste Ueberwindung — au diesem Grundsätze halte auch ich, Schreiber dieser Zeilen, fest, wenn - ich mir auch - erlaube, diese ganze ' so eminent wichtige Angelegenheit auch von einem änderen : Gesichtspunkte, dem ' n a t i o nalj üdischen, zu betrachten. - Wir wollen einmal die Frage erörtern, ob -das Judenthum gar so sehr/vor der Eventualität dex „confestionellen" Schule^zu fürchten hätte.' - - : Die Antwort auf diese Frage gibt uns .in seltener Klarheit und Unwiderlcglichkeit die Geschichte, nicht etwa, die da geschrieben wurde nur von jüdischer Hand und mit wärmen nationalem Sinne,, nein, auch jene unbestechliche Forschung, öfters der Fall, daß das .L» der -Mitte des Wortstammcs vorgerückt- "wird; < wie - iko ,L>22 klar beweist.H Daß aber der Heiligkeitsmit dem Wahrheitsbegriff dem Hebräer fast identische Begriffe sind, wird sich . aus der weiteren. Abhandlung von selbst ergeben. , Die Alexandriner übersetzten das hebräische Vlp mit dem griechischen hagios. Da aber hagios von llaxoinai abgeleitet ist, so müßten wir Vlp in das! deutsche S ch e u übertragen. Ob diese Ucbersetzung nun eine richtige ist, möchte ich aus zweifachen Gründen bezweifeln, und zwar erstens läßt sich der Begriff ttnp schon aus diesem Grunde nicht durch ein einziges Wort näher bestimmen, weil er. ein sehr complicirter Begriff, ist und sovielc Male cHp im alten Testamente vorkonnnt, so vieler verschiedener Ausdrücke bedarf es zu seiner Uebersetzung, wegen seiner jeweilig verschiedenen Bedeutung. Zweitens: Wollte man: vnp trotzalldcn durch einen Ausdruck in der Uebertragung genau desinirt wiffen, so müßte man cs, um seiner vielseitigen - Bedeutung nach gerecht zu ") Siehe Gesenius.

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