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Selbst-Emancipation · 1890-08-01 · Heft 9 (1.8.1890) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 9 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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c Seite 6 S e l b st - E mancipatio n. Nr. 9.- > Aus dem Erwähnten geht alsohervor, das; es bei Ans uni die Armenpflege, ebenso schlimm, wenn nicht schlimmer steht,'als'in Lemberg/ N. N. / Czernowitz, den 30. Juli 1890. In Hiesigen Studentcnkreiscn macht sich eines lebhafte Bewegung für die durch unser Organ vertretenen Ideen bemerkbar und werden in allwöchentlichen Versammlungen Vorträge und Vorlesungen, die von jüdischem Geiste durchdrungen sind, gehalten. Zum Vortrage gelangten folgende fünf Piecen: 1.) „Was die jüdisch-nationale Idee will" von ' sind. jur. Schmierer. 2).' „Das Verhältnis Leffing's zu den Juden" von sind.. Komer.. 3.). .„Die cul- . turgcschichtlichc Misiion des - Judeuthums" von sind, jur. Menczel: 4:) „Ueber den Geist der hebräischen Poesie"-von sind. Ebner. 5.) „Die ColonisationPalacstina's"von sind. jur. Schmierer. Der' Tischo b'ow gab zu einer besonderen. Trauerfeierlichkeit, welche einen' sehr würdigen Verlauf nahm, Anlaß, Eingeleitet wurde dieselbe durch den Psalm 137, welcher von Herrn stud. jur. Menczel recht ausdrucksvoll im Urtexte und in deutscher Uebertraguitg vorgelesen würde. Hierauf schilderte . Herr stud. med. Moses Igel in . wenigen, aber ergreifenden Worten die Bedeu- .- tung dieses .Trauertages. Das .Finale bildete eine äußerst gelungene Declamation - des Julius Moser'schen Gedichtes „Die Erstürmung Jerusalems". — Der derzeit in Czernowitz weilende Präses des acad. Vereines . „Kadimah" in Wien, Herr Drd. Hönich, wohnte der Trauerfeierlichkeit. bei und drückte seine Freude über die Gesinnungstüchtigkeit der jugendlichen Schaar aus. ' - Js. ' Dünaburg, 18. (20.) Juli 1890. In letzterer Zeit hört man in unserer. Stadt überall, nur über die Palaestina-Jdee sprechen und es... zeigt sich diesbezüglich eine überraschende-Wendung zum Bessern unter unfern Brüdern.' Es gibt hier Viele, welche dieser Sache alles aufzuopfern bereit waren, nur mangelt es'cm''tüchtigen und ' energischen Agitatoren. Gestern fand eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der „Chowawe Zion", statt. Das Hauptthema bildete das söge-' nannte „Minsk'sche". Projekt,, wonach die Mit- . glicder der zu grmrdenden Gesellschaft durch 5 Jahre eine jährliche Prämie irr der Höhe . von. vierzig Gulden Rubeln zu zahlen. hätten. rnrd für los'niedergemetzelt. Die Zähl der Todten betrug . bis eine halbe Million.*) Unter ihnen befand sich auch Bar-Kochba. Man'fand ihn von Schlangen umwunden todt liegen. War es das plagende Gewissen, oder die Furcht vor dem so schrecklichen Ende; er nahm sich selbst das Leben, und starb den Tod der. Cleopatra. Ehrfurchtsvoll umstanden die Römer seinen Leichnam und voll. Bewunderung für. seine Herkuleskraft,' mit welcher er.. sogar. Bäume .... auszuwurzeln und die durch bewegliche Thürme in die Stadt geschleuderten Steine mit . den Knieen zurückzuhalten im Stande, gewesen sein soll, riefen sie aus': „Wenn ihn.Gott nicht ver-... nichtete, wir wären nicht im, Stande gewesen, chm beizukommen." , .. . . - .. , . .. . Aber auch. die Römer..haben diesen Sieg theuer genug bezahlt. Dies zeigt sich schon . - /*) ©äffiiig.: i - - dieses Geld Erde > in Palacstina zu kaufen wäre. Man war allgemeinder Ansicht, daß zur Ausführung dieses Planes 5. Jahre zu wenig wären und setzte einen Zeitraum von 10 Jahren fest. Es. fand sich auch sofort eine. ansehnliche Zahl von Mitgliedern, die sich bereit erlärten, in diese Gesellschaft cinzutreten. Beschlüsse wurden jedoch keine gesüßt. Das Beispiel eines hiesigen Reichen hat der heiligen Sache in unserem Orte sehr viel, genützt. . Ein bekannter Fabrikant, welcher - als der reichste Mann unserer Stadt gilt, begab sich vor einigen Monaten nach Palacstina, besuchte dort die- Colonicn und kaufte dann auf eigene Rechnung Erde. Was er mit dem Boden thun wird, ist -noch unbekannt; wir ivisscn-nur so viel, daß. er -denselben nicht zu seinem Nutzen gebrauchen wird. Als er vor einigen Tagen von Palaestina hierher zurückkam, wurde er festlich empfangen. Jeder wollte .selbst, etwas von ihm üler Palaestina hören. Der Hcimgekehrte konnte besonders die Colonie „Rischon Lezion" nicht genug rühmen. Gebe Gott, daß sich solche Handlungsweise; wie die des erwähnten Fabrikanten öfter wiederhole. — In einigen Wochen findet eine officielle allgemeine Versammlung der hiesigen „Chowawe'Zion" statt,'.und werde ich Sie von allem Vorgcfallencn genau benachrichtigen. Benjamin Raschkes. (Lhronik. (Die „Zionsfrennde" in London) machen erfreuliche-Fortschritte. Die Mitgliederzahl des Vereines, ist auf 700 gestiegen und finden sich bedeutende Persönlichkeiten unter den Mitgliedern, wie Haim Gedalja, Josef und Arthur Seb ag-Montesiorc. und Gardeofsicier Go.ldshmit. Zu einer der letzten Versammlungen des Vereines kam der greise Redactcur des „Hamelitz", Herr C ed e r b äu m, der nimmerrastende Zionskämpfer, dem bekanntlich 'die Genehmigung der Statuten des „Vereines zur Unterstützung jüdischer. Handwerker und Ackerbauer in Palaestina" durch die. russische Regierung zu verdanken ist, als Gast und wurde mit großen Ehren empfangen. daraus, daß Hadrian, als - er den Senat vom erfolgten Siege in Kenntnis setzte, die übliche Formel': „Ich und das Heer befinden uns wohl" unterließ. 4 Der Vorrath und die Hinterlist, durch welche zumeist die Römer im Stande waren, den Aufstand zu erdrücken, wurde noch gekrönt durch ihre barbarische Handlungsweise gegenüber den 'aus Bethär entkommenen Juden. Das Volk, welches sich durch die' Ausbildung des strengen ' Rechtsbegriffcs und die Entwickelung der Staatsidce so ein großes' Verdienst um die Wissenschaft erwarb, verschmähte es nicht, den Feind sogar durch Wortbruch und Meuchelmord ' aus dein Wtge - zu schaffen.' Die jüdischen Flüchtlinge,' ' denen es gelang,-' Bethar lebend zu' verlaßen und die sich auch in den Höhlen versteckt aufhielten,- wurden,-durch Versprechungen und wohlwollende Verheißungen herangelockt, hierauf - umringt und miedergemetzelt. So endete der letzte (Jaffa-Jcrusalem-Eiscnbcrhn.) Ein französischer Dampfer brachte .5000 Schwellen für die Eiscnbahnstrecke Jaffa-Jerusalem. (Rabbiner Dr. Moriz Duschak gestorben.) Am 21. v. Mts. starb in Wien der im 75. Lebensjahre stehende Herr Dr. Moriz Duschak, der Ansangs in Gäia (Mähren), später in Krakanals Rabbiner wirkte und zuletzt in Wien im Ruhestände lebte. Herr Dr. Duschak, in'seinem Berufe ein besonnener Fort-, schrittsfreund, hat sich namentlich auf dem Gebiete des jüdischen.Ehercchtes-durch.ein einschlägiges Werk einen guten Namen in der wissenschaftlichen Welt gemacht. Der Verstorbene galt auch als bedeutender Kanzelrcdncr. Vor Allem aber war er ein tvackcrer edler Mensch, ein Rabbi im wahrsten Sinne des Wortes, kein modern-jüdischer-„Geistlicher", und für das Jndcnthum hatte er eine wahre, tiefe, heilige Begeisterung. Ehre seinem Angedenken! Bemerkt sei noch, das; sich von den jüdische», leitenden Kreise» Wiens niemand beim Leichenbegängnisse cinfand. Antworten auf verschiedene fragen?) Ich wurde von vielen Seiten um Aufklärung über verschiedene Punkte der Colonisatlonsangclcgcnhcit befragt, und da ich nicht-jedem einzeln antworten kann, .. thue ich dies für Alle in einer Zeitung. Ich führe das Wissenswertheste an: 1) Was kostet ein Deßjatin Landes? Der Preis des Hectars (etwas weniger als ein Detzjätin) beträgt in Galiläa 40—50 Rubel, (in Judäa ist er bei weitem niedriger), und zwar für Getrcide- und Wcinboden. Jni' Ostjordanlande ist die Erde noch , ungemein billiger, aber wegen der Lage des Landes und der Art.seiner Bewohner können wir dort'keine kleinen Colonicn gründen. '' 2) Wie viel Boden ist nötig', um eine Familie zu ernähren? Versuche der Colonistcn haben gezeigt, daß,!ver seine Familie vom Landban ernähren will, sowohl mit Feldarbeit als mit Fruchtpflanzung, namentlich aber mit Weinbau sich befassen muß. Und dazu gehören bei 20 Hcctar Getreideboden und 5 Hectar Weinberge. 3) Wie lange muß man den Boden bearbeiten, bis er Ertrag liefert? Ackerboden gibt bereits im ersten Jahre seine Früchte,. Wcinland erst nach fünf, sechs Jahren. 4) Wie hoch ist der Preis von Bauten (Haus, Stall, Hof u. s. w.)? *) AuS dem hebräischen Tagblattc „I-Iazefirah" jüdische Aufstand und die Geschichte des Jüdcuthüins ivurdc wieder uin ein trauriges und martervolles doch ruhmreiches Blatt bereichert. °) Das so hell auflodcrnde Nationalgcfühl ivurdc wiederum gedämpft, die Hände, die nach Selbständigkeit haschten, wurden gefesselt und der freie Genius'Israels versank in tiefen Schlummer. Doch diese letzte That bleibt ein ewiges' unvcrtilgbares Denkmal,' daß auchdie Juden für ihre Freiheit und Selbständigkeit gekämpft und geblutet haben und auf dem Altäre ihrer Nation ihr Thcücrstcs, ihr Leben, nicdcrlegtcn. Den Ahnen zum Ruhm, den Nachkommen zur Erinnerung und zum Beispiel! °) Als Erinnerung an das traurige Ereignis... durften fortan nicht mehr die jüdischen Bräute in Prachtsänftcn ins Haus ihres Bräutigams getragen werden. So wurde..die Zahl der traditionellen Trauer- . ' zciche'n wiederum vermehrt. '

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