Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 9 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Selbst-Emancipation. Seite 7. Gute Bauten kommen auf 1000 bis 1500 Rubel zu stehen. 5) Was kosten die Ackergeräthe und das Ackervieh? Für einen Besitz in obiger Ausdehnung sind 5 Ochsen nöthig, welche zusammen 300 Rubel kosten; ein Esel kostet 40 bis 50 Rubel. Der Bedarf an Roß und Wagen richtet sich nach localen Verhältnissen, denn nicht überall in Palästina sind dieselben zu gebrauchen; dieselben kosten gegen 200 Rubel. 6) Wieviel benöthigt man zur Erhaltung einer Person per Monats Einer Familie aus 4 bis 8 Personen genügen 60 bis 70 Francs per Monat. 7) Finden jüdische Feldarbeiter Beschäftigung in Palaestina? Die Landwirte können ihre Arbeit nicht selbst bewältigen und sind genöthigt, Arbeiter zu miethen. Dieselben erhalten in den Colonien 1 Franc per Tag, gute Arbeiter auch 1'„ Francs. 8) Können Juden nach dem türkischen Gesetze in Palaestina Grundbesitz erwerben und Häuser bauen? Ja. 9) Wie verhalten sich die Eingeborenen gegenüber den Juden? Der Haß der Araber gegen i e Juden ist bei weitem geringer, als der Haß irgend eines europäischen Volkes. 10) Welche Steuern hebt die türkische Negierung von Landleutcn ein? Ein Zehntheil alles Erträgnisses und einen kleinen Grundzins. Außerdem veranlaßt der Grundbesitz noch folgende Ausgaben: An Gebühren für Bestätigung des Kaufvertrages durch die Regierung und Uebertragungsgebühreu beiläufig 400 Rubel. Die Herrichtung von Land zum Weinbau kostet 300 Rubel und die jährliche Arbeit an einem Weinberge in den ersten 5 (ertraglosen) Jahren 400 Rubel. Nicht zu vergessen ist, daß während dieser Zeit einige Tausend Rubel für den Lebensunterhalt nothwendig sind. Abgesehen vom Gelde spielt der Umstand noch eine große Rolle, ob die Familie, die sich in Palästina ansiedeln will, an Arbeit und Entbehrungen gewohnt ist. Am besten ist, wenn sie Luxus nie gekannt hat. Aus alledem folgt, daß nach Palaestina nur arbeitsame, vermögende (5—6000 Rubel), energische und verständige Leute kommen sollen. Wollen mehrere solche einwandern, so müssen sie einige voransscndcu, um den Boden zu wählen und zu kaufen, alles zu ordnen und zu installircn. Kein Verein, auch nicht die „Alliance", vertheilt Boden, auch der Baron nimmt keinen neuen Colonisten auf. Es ist hier kein Boden auf Abzahlung zu bekommen und es gibt keine Bank inr Lande, welche auf Grund und Boden leihen würde. Es findet sich noch sehr viel Land zum Ankäufe und überall ist der Boden gut. Die Reisespesen richten sich nach Personenzahl und Entfernung. R o s ch P i n a h. Moses David S. (Lingesendet. Stammes- und Glaubensgenossen! Seitdem in Rußland und Rumänien,.die Lage der Juden eine äußerst -gedrückte.geworden ist und Tausende von Familien ' mt' größten Elende einer Erlösung entgegenharren, entstand der schöne, anssichtsreiche Gedanke in Palästina, dem Lande unserer Väter, jüdische Baüerncolonien zu begründen. Die jüdische Colonisirung Palästinas ist in mehrfacher Beziehung ein verdien stvolles, großes, erhabenes Werk: Durch sie wird den unglücklichen, jüdischen Flüchtlingen geholfen, durch sie werden Söhne unseres Stammes der das Volkswohl begründenden bäuerlichen Beschäftigung zugeführt, durch sie wird auch das jüdische Proletariat im heiligen Lande allinälig an die Arbeit gewöhnt, durch sie ivird endlich die Verödung des jedem wahren Juden noch immer theuren 2lhnenlandes in/ eine neue Blüte umgewandelt werden. Der Gedanke der Anlegung jüdischer Colonieir iin heiligen Lande führte, einmal ent-, standen, bald zu praktischen Unternehmungen: In Rußland, Deutschland und anderen Ländern entstanden Vereine, die diesen der Humanität und dem edelsten Staminesgefühle entspringenden Gedanken auf ihre Fahne schrieben. Gegenwärtig zählen diese Gesellschaften schon weit über 20.000 Mitglieder und sind bereits zehn Colonien gegründet, welche blühen und gedeihen und zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Das gleiche Ziel, wie diese Vereine, hat sich die in Wien gegründete (mit Erlaß der hohen k. k..n.-ö. Statthalterei vom 9. September 1885, Z. 42570 genehmigte) „Admath Jeschurun", Verein zur Colonisirung Palästinas gesetzt. Stammes- und Glaubensgenossen! Wenn Ihr der großen Sache der Colonisation Palästinas Eure Unterstützung angcdeihen lasset, so werdet Ihr die ganze Seligkeit des Wohlthuns empfinden, welche darin besteht, daß man die Gabe von guten Folgen für den Unterstützten begleitet sieht. Während alle bisher üblichen Unterstützungsarten unserer unglücklichen Glaubensgenossen nur auf den Moment berechnet, und keineswegs im Stande waren, unseren armen Brüdern dauernd zu helfen, ist im Gegensätze dazu das Colonisationswerk geeignet, dieselben vollends auf'eigene Füße zu stellen, so daß sie in nicht gar zu langer Zeit ohne unsere Hilfe bei ehrlicher Arbeit ihre Tage werden verbringen können. Die echte Wohlthat ist die,, welche dem Unglücklichen die Möglichkeit schafft, wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden, — nicht die, welche ihn an das Almosennehmen gewöhnt. Stammes- und Glaubensgenossen! Leget durch zahlreichen Beitritt zu unserem Vereine Zcugniß davon ab, daß das sprichwörtlich gewordene jüdische Herz in Euch schlägt und der auf praktische Erfolge gerichtete jüdische Geist in Euch wohnt! Die Mitgliedsbeiträge können monatlich geleistet werden und betragen blos 20 kr., d. i. fl. 2.40 pro Jahr. Mehrleistungen werden besonders guittirt, und im Jahresbericht veröffentlicht. Anmeldungen sind zu richten an den Schriftführer Herrn Dr. F. Hajek, 2. Bezirk, Blumauergasse 18 (Vereinslocale). Med. Dr. M. Schnirer, Präses. S. B a u e r, Vicepräs. S. M u n k, Caffarevisor. I. 11. Dr. F. Hajek, Schriftführer. M. Alkalai), Caffier. Geehrte Redaction! Ich ersuche um Aufnahme folgender Anregungen in Sachen der Colonisation Palaestinas: 1.) Wäre es nicht rathsam in den Colonien ein Hausgewerbe oder eine Hausindustrie einzuführen, die im Stande wären, den Ackerbauern, als ihre Rebenschäftigung in der Mußezeit, sowie als Beschäftigung ihres Hausgesindes, einen Nebenverdienst zu gewähren? Das Gewerbe oder die Industrie sollte selbstverständlich den Verhältnissen des Landes, sowie denen der einzelnen Colonien entsprechen. 2). Könnte nicht die Alliance - Schule in Jerusalem eine Abtheilung für das Eisenbahnwesen errichten, um so den Zöglingen, dieser Anstalt die Möglichkeit zn verschaffen, als subalterne Beamte bei der zu errichtenden Eisenbahn Jaffa- Jerusalem angestellt zu werden. Kraft ihrer Kenntnisse der arabischen, englischen und/srauzbschen Sprache würden die Zöglinge der Allrattce- Schule bei entsprechender Ausbildung und Verwendung einflußreicher Personen so einen praktischen Nutzen aus ihren Studien ziehen.! H 3.) Könnte sich nicht der in. Jerusalem bestehende Verein „Safah berurah", ünterstützt vou anderen einflußreichen Vereinen und Personen, bei der Verwaltung der palaestinischen Eiselwähn verwenden, daß ihre Veröffentlichungen nicht blos in arabischer und französischer, sondern auch in hebräischer Sprache erscheinen, wobei sich dieser Verein verpflichten sollte, die Uebersetzungen unentgeltlich zu übernehmen? Es wäre dies nur eine billige Rücksichtnahme auf die jüdische Bevölkerung Palaestinas und namentlich der Colonien. Hochachtungsvoll Moses Rofenmänn. Zurawno, 27. Juli 1890. IIIIIllIIIIIIIIIIIIIHz|IIIIIH||II,||H||||||„lMI,|,||,I|,„,i||„|,„,I„,|„„,„„I,,,^„^ Correspondenz der Redaction, Herrn Salomon Schmucker in Czernowitz. Die angegebenen Adressen wurden dankend benützt. Herrn Samuel Citro» in Augustowo. Uns wundert das Ausbleiben der versprochenen Sendung. Herrn Benjamin Raschkes in Dünaburg und Herrn N. N. in Kiew. Herzlichen Dank für Ihre Einsendungen. Wir geben bekannt, daß die Redaction Korrespondenzen nicht blos in deutscher, sondern'selbstverständlich auch in hebräischer, ferner aber auch in arabischer, böhmischer, englischer, französischer, italienischer, polnischer, russischer und spanischer Sprache annimmt und bei Verwendbarkeit in deutscher Uebersetzung veröffentlichtiiimi,i,i,i,i,i,i,i, iiiiiuiiiiiii in 11,1111 um,um,ii i,iiiiiiiiiiiiki ii,i,i,i(ii in,ms Wir machen die geehrten auswärtigen Mitarbeiter darauf aufmerksam, daß der Schluß der Redaction zwei Tage vor dem Datum deS Erscheinens des BlatteS erfolgt. ' llllllllllllilllllll!lllllttllillllllllllllllllllllltltllll|l|||||l|l|||||||ili|||i||M|||||t||§ Die Zeitschrift * - : SelbfMSmanctpation ist wegen ihrer Verbreitung in den meisten Ländern für Jnserirungen besonders geeignet. Preis der Normal-Annonce (in der Größe dieses Inserates — ‘/. Spalte) bei 1 maliger Insertion 1 fl. Kleinere oder größere Annoncett zu den entsprechenden Theilbeträgen. — Bei wiederholter Einschaltung Erinäßigung des Preises. Um geneigte Aufträge bittet die Administration.