Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 8 (16.7.1890)
- Date
- 1890-07-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. S c l b st - E m a n c i p a t i o n. Nr. 8. von setzt ab sich und ihre Familien ohne irgend welche Unterstützung ernähren zu können. Herr Rabb. S. Mohiliwer übergab diese Schrift dem Herrn Scheid. Welchen Eindruck diese Erklärung in Paris machen wird, kann jetzt noch nicht vorausgesagt werden. — Montag, den 29. Sivan fuhren sämmtliche Delegaten des russischen Palaestina-Vereincs mit Ausnahme der Herrn Temkin und Ben-Towim nach Nußland zurück. — Herr Scheid besuchte nach seiner Rückkehr aus Galiläa die Colonien Rischon Lezion und Ekron, worauf er Montag den 5. Tamus nach Bayrut zurückkehrte. — Diese Woche wird schon an die Eintheilung Durans in Parcellen geschritten. — Die Weizcnernte ist beinahe auch zu Ende. Die Weintrauben fangen an, reif zu werden. Ix. *) Rosch-Pinah, den 7. Tamus 5650. Vorigen Montag beehrte Se. Excellcnz der Paschah von Mo in Begleitung des Kaimakams (Bürgermeisters) von Saffed unsere Colonie mit seinem Besuche. Alle Colonisten erwarteten mit ihrem Leiter den hohen Gast an der für denselben errichteten Ehrenpforte, die Schulkinder sangen ein arabisches Lied. An der Ehrenpforte stieg der Pascha vom Kameele und ging mit dem Leiter, Herrn Ossowetzky, die Straße der Colonie bis zum Administrationsgebäude herab, woselbst er auch übernachtete. Tags darauf, am Dienstag, fuhren die Gäste auf den Wägen der Ansiedler in die Colonie Jefsud Hamaaleh, von wo sie' Abends nach Saffed zurückkehrten.— Zehn junge Burschen aus der Schule des Barons in Saffed wurden in unsere Colonie als Gärtnerlehrlinge ausgenommen; sie erhalten einen Lohn von 30 Francs per Monat.— Der Garten des Barons in Jessud Hamaaleh wird im kommenden Zahre bedeutend vergrößert werden; neulich hat man in demselben einen neuen Brunnen gegraben und Wasser gefunden. EI-Atik. «Lhronik. (Moutefiores Meinung über die Colonisatiou Palästinas). In dem jetzt veröffentlichten Tagebuche des unvergesslichen Moses Montefiore findet sich folgende Stelle, welche vor der zweiten Reise des Baronets nach Palästina niedergcschrieben wurde: „Man sieht ganze Haine von Olivenbäumcn, mehr als 500 Jahre alte Weinberge, viel Weideland und Quellen mit ausgezeichnetem Wasser. Außerdem finden wir in reicher Menge Feigen-, Nuß-, Mandcl- und Maulbeerbäume und üppige Felder, bepflanzt mit Weizen, Reis und Linsen. Es ist in der That ein gesegnetes Land, das mit einem Aufgebot von verhältmßmäßig wenig Mühe und Arbeit jegliches Produkt in Hülle und Fülle hervorbringen wird. Ich bin überzeugt daß, wenn der Plan, der mir vorschwebt, gelingt, dies die richtigen Mittel sind, dem Lande Glück und Wohlstand zuzuführcn. In erster Linie beabsichtige ich, bei Mehemmrd Ali wegen Ueberlassung eines Stückes Land für 50 Jahre gegen eine entsprechende und jährlich steigende Pachtsumme vorstellig zu werden, ebenso wegen *) Aus dem Hebräischen übersetzt. Ankaufs von einigen hundert kleinen Dörfern, nachzusuchcn, wobei, ich die Bedingung stellen werde, daß während genannter Zeit keinerlei Steuer:c. für den Grund und Boden erhoben wird und daß die dort gewonnenen Produkte überallhin taxfrei ausgcführt werden können. Wenn mir dies bewilligt werden wird, gedenke ich bei meiner Rückkehr nach England s. G. w. eine Gesellschaft zur Bearbeitung des Landes zu gründen, welche zugleich für die Ermunterung und Anspornung unserer Brüder zur Auswanderung nach Palästina thätig sein soll. Unzählige Juden wandern jährlich nach Ncu- Süd-Wales und Kanada aus, warum nicht auch nach dem heiligen Lande, wo die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs noch eine vielmehr versprechende und sichtlichere ist? Hier finden sich schon die gegrabenen Quellen vor, Oliven und Wein sind gepflanzt, und der Boden ist so üppig, daß er nur wenig Dünger benöthigt. So hoffe ich denn, a l l m ä l i g z u d c r Rückkehr von Tausend e n u nsererBrüder nach dem heiligen Lande Veranlassung geben zu können. Ich bin der festen Uebcrzcngnng, daß sic sich glücklich schätzen werden, den Vorschriften unserer Religion dort derartig nachzukonnnen, wir cs für sie unter den gegebenen Verhältnissen in Europa unmöglich ist". (Antisemitismus in Amerika.) ES scheint daß unsere Profczeiungcn über die Consequenzen einer jüdischen Maffencinwandcrung in Amerika schon jetzt sich bewahrheiten sollen. Die „New-s)orker Staatszeitung" schreibt, daß eine Maffeneinwandcrung russischer Israeliten „als eine Quelle sozialer, materieller, hygienischer und politischer Gefahren betrachtet werden muß". Die „Illinois Staatszeitung" ertheilt den Rath, alle Juden, die das Bürgerrecht noch nicht erlangt haben, äuszuweisen. — Das wird in großen amerikanischen Zeitungen geschrieben. Was werden die.jüdischen Amerikaschwärmer jetzt mit ihren Phrasen vom Lande echter Freiheit, .das die europäischen Vorurtheile nicht kenne, beginnen? Oh, die Arier bleiben Arier, und vermögen sic sich schon zu größerer Duldsamkeit auszuschivingen, wie in Amerika, so geschieht dies nur den Mit- Ariern gegenüber, ferner stehenden Racen gegenüber niemals. Alle Stämme und Nationalitäten scheint dieses Amerika zu verdauen, nur die Chinesen nicht, und jetzt nicht — die Juden. Die Chinesen haben aber das vor uns voraus, daß sie sich wehren können. Kam ja erst jüngst die Nachricht, daß der chinesische Gesandte in den Vereinigten Staaten der amerikanischen Negierung den Beschluß seiner Negierung mittheiltc, wonach auch China den Amerikaiicrii den Eintritt verwehren würde, falls nicht die Einwanderungsvcrbote gegen die Chinesen aufgehoben würden. Wer soll aber für uns eintreten? (Aus Rußland.) Aus Petersburg schreibt man der „Jüdischen Prcffe": „Vor einigen Wochen wurde von mehreren ausländischen Tageszeitungen übereinstimmend gemeldet, daß die dem Reichstag unterbreitete Vorlage über die Einschränkung der Rechte der Juden durch das Eingreifen des Großfürsten Michael N i k o l a j e w i t s ch auf directe Anordnung Sr. Majestät des Kaisers ad acta gelegt wurde, also keinesfall vor dem Herbst 1891 im Reichstag zur Verhandlung gelangen wird. Auf Grund von unbedingt zuverläffigen Informationen bin ich in der Lage, Ihnen zu melden, daß diese Mittheilung den That s ach en leid er niHt en tsp r'i ch t, daß die verhängnißvolle Vorlage, welche nicht, wie jene. Zeitungen melden, 42, sondern 65 Paragraphen enthält, noch immer wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der russischen Judenhcit schwebt. Sollte — was der Allmächtige verhüten möge! — die Vorlage, als deren Hüter und Hauptverfcchtcr man den Oberprokurator Pobcdonoszcw "und den Grafen Ig n aticff nennt, Gesetz werden, so würde dies mit cincm Vcrnichtungsschlag gegen die überwiegende Mehrzahl unserer hicrländischcn Glaubensgenossen gleichbedeutend sein, und kein Wunder, daß sich derselben eine Unruhe und Aufregung bemächtigt hat, welche buchstäblich jeder Beschreibung spottet, und daß lawinenartig eine Massciiausivandcrung sich in allen Theilcn des Ansicdclungsrayons zu vollziehen beginnt, welche gegen die Emigration in den Schrcckensjahren 1881 und 1882 nicht zurückstcht. Sehr bezeichnend und in höchstem Grade beunruhigend ist die Wahrnehmung, das; seit dieser Woche auch die russischen Tageszeitungen über die Vorlage zu berichten anfangen, worin jeder Kenner der Censurvcrhältnissc den vollständigsten Beweis erblicken wird, daß die Vorlage kein Phantasicgebilde, sondern' nur allzu traurige Wahrheit ist".— D i c Au sw and eru ng na ch Pa lä st i na nimmt, zumal im südlichen Rußland, immer größeren Umfang an. Wie aus A kkerma n (Bessarabicn) berichtet wird, wurden von dort drei mit dem Ackerbau wohlvertraute Männer nach Palästina entsandt, um die Bodcnbeschaffenheit und die Lage der Landbcbauer kennen zu lernen. Falls die Urthcile günstig lauten werden, haben sich einige hundert Familien bereit erklärt, je 500 Rubel zum gemeinsamen Landankauf und zur Anschaffung von Ackcrgcräthen beizustcuern, um sich^ alsdann im heiligen Lande niedcrzulasscn. (Aus Persien). Wir lesen im „Israelit und Jeschurun": Der persische General-Consul in Taganrog (Rußland), Herr Poliakoiv, ein bekannter reicher Jude, erhielt soeben vom Schah die Concession, in allen Städten Persiens Pfandleihanstalten und Vorschußkasscn errichten zu dürfen. Die Concession ist fünfundsiebzig Jahre giltig. Die Juden Persiens, die zumeist in sehr ärmlichen Verhältnissen leben, versprechen sich von diesen ncuzucrrichiendcn Anstalten viel Gutes, da sie bisher gezwungen waren, den Armeniern, die hierzulande fast alle Geldgeschäfte in Händen haben, für eine auf ein Pfand oder sonst wie vorgestreckte Summe horrende Zinsen zu zahlen. Auch dürfte Herr Poliakoiv in seinen Bureaus viele Juden anstellen, da diese mit den Verhältnissen des Landes sehr bekannt sind. — Die Anglo-Jeivish-Association in London hat sich endlich im Vereine mit der Alliance Jsraclite in Paris entschlossen, in, Teheran eine jüdische Knaben- und Mädchenschule' zu errichten, an der nebst der Landessprache auch Englisch und Französisch gelehrt werden soll, um ' so die Juden Persiens mit den zwei mcistvcrbrciteten Idiomen des Abendlandes vertraut zu machen. Wie indeß hier verlautet, soll diese Schule erst im Herbste 1891 oder gar 1892 eröffnet werden, was hier sehr unangenehm berührt hat.' Den Juden Teherans wäre es lieber, wenn diese Schule noch heuer eröffnet würde, damit sie ihre Kinder unverzüglich in dieselbe schicken könnten.