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Selbst-Emancipation · 1890-07-16 · Heft 8 (16.7.1890) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 8 (16.7.1890)
Date
1890-07-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8. S e l b st - E m a n c i p a t i o n. Seite 5. gängniß des Herrn Deiches in großartiger Rede die jüdisch-nationale Kolonisation in Palästina gefeiert; diese Rede wird voraussichtlich für die „Selbst-Emaucipation" in'ö Deutsche übertragen werden. Um jedoch ans Herrn Dr. Rothschilds Artikel in der „Isr. SB." zurückzukommen, so > müssen wir gestehen, das; selbst eine schlechte Sache nie so schlecht vcrtheidigt wurde, als hier die Assimilation von dem Alzcycr üiabbiner. Einige Glanzstellcn aus seinem Artikel mögen unsere Behauptung rechtfertigen: „Volt" und „Nation", beide also bezeichnen politische Vereinigungen, staatliche Verbände mit gesondertem Eigcnthumc und Lande, besonderer Sprache, eigener Verfassung und Regierung. „Volk" ist eine solche Bcrciiiigiing ohne Rücksicht ans Abstammung und Sprache; ein „Volk" kann eine Mischung, eine Vcreniigung verschiedener Volks- und Sprnchstäminc enthalten, die unter einer gleichen Regierung, Versagung nnd sonstigen Vcrbandsbcdingungen sich aneinander geschlossen haben, oder an einander angcschlosscn worden sind. „'Ration" isr ein solcher politischer Verband Glcichgeartctcr in Bezug aut Abstammung und Sprache, mit 'Ab- und Ausschließung stam'.ncsvcrschicdencr nnd fremdsprachlicher Elemente. „'Ration" drückt demnach eine Rasscnglcichheit mir Ilcbcrcinstimmiiiig der Sprache und Blntsvcrwandtschast aus." Wir wolleic uns nicht näher mit den scharfsinnigen Unterschcidungeit von „Volk" tind „'Ration" beschäftigen, sondern bloS tonsiatircn, daß Herr Dr. Rothschild die Begriffe Staat und Volk (ev. Nation) noch nicht recht auseinandcrhaltcn kann. Herr Dr. Rothschild sah nun ivohl . selbst ein, daß auch nach seiner Definition die ' Juden eine Nation sein müßten; was ihat er nun? Jetzt galt es das Unmögliche zu beweisen — nämlich, daß wir nicht von gleicher Abstammung siird. Seine Ehrwürdcn haben auch das bewiesen. Als ich den Aufsatz las, mußte ich unwillkürlich an einen mir bekannten polnischen Juden*) denken, der so aussah, als iväre sein Kopf und Gesicht frisch im alten Jerusalem geprägt, und der das Vorhandensein des jüdischen , Typus beharrlich leugnete. Herr Dr. Rothschild versteht sich eben auf das ad oculos domonstriven. Ich freue mich jedesmal, wenn er im „Jüdischen Literaturblatt", der Beilage der „Isr. SB." Dinge beweist, j. B. daß das französische roi vom ägyptischen Pharao herstamme, oder daß ■ Germane, Arminius, Arammi, Armenien und Achnlichcs dasselbe bedeuten. Run, ich will den Herrn Rabbiner keineswegs in seinen; Vergnügen stören, und schließlich nur den Wunsch ausdrücken: „Oh, glichen doch alle Gegner der Nationalidec und Verfechter der Assimilation Herrn Dr. Rothschild!" London, den 1. Juli 1890. Am 29. v. M. fand die 19. Jahresversammlung der Anglo- Jcwish-Association statt. Nachdem mair über die traurige Lage der Juden in Rußland discutirt hatte, kan; man ans die Colonisationsprojecte zu sprechen und bei dieser Gelegenheit erklärte der Abgeordnete Sir Julian Goldschmidt, Baron Hirsch sei entschieden gegen eine Auswanderung der russischen und *) Zur großen Betrübnis des Herrn Dr. Rothschild wollen wir bemerken, daß sich der jüdische Typus im deutschen Juden reiner erhalten hat, als sogar im polnisch-russischen, wo er eine leichte katarisch-slavische Beimischung verräth. Die Red. anderer Inden nach P a l ä st i n a, w o die A u s s i ch r e n auf Erfolg h ö ch st fragliche seien, dagegen wolle er gerne eilten „ver n ü n ft ig en" Plan; u r B c f ö r d e r n n g der A u s w a n d crnng der Inden nach Amerika;;;;- t c r st ü tz e;;.*) — Es ist keine überraschende Kunde, die uns Sir Goldschmid gebracht hat. Baron Hirsch, der ja unstreitig ein Her; für seine Stainmcsgenosscn hat, liebt es eben seine Millionen zu dccentralisircn und mit ihnen statt eines großen Effectes kleinliche Eintagscffecte hcrvorznrufen, — Dank seinen Berathcrn, die sämmtlich in den Reihen der Assiinilationsarmec stehen. Oh, gelänge cs doch, diese chinesische Mauer zu durchbrechen, die sich um den wohlthätigcn Baron gebildet hat und verhindert, daß die großen und von de;; Edelsten unserer 'Ration anerkannten Gedanken in sein Herz Anziehen! Gelingt dies nicht, was leider zu befürchten steht, so bangt uns doch nicht um unser Ziel! Gibt cs ja auch einen geldmächtigen Baron R. in Paris, der die große Bedeutung der Zionsbewegung besser zu würdigen versteht und sein Geld nicht zu de»; „vernünftigen" Zwecke verschleudert^ daß die Juden von einem Schachercentruu; in das andere versetzt werden und noch obendrein den Antisemitismus in die neue Welt hinübcrtragcn. Doch auch abgesehen von diesem, — das Volk ist cs, auf das wir bauen, und ' das einmal gewonnen, seiner Großen entrathen kann, sie übrigens mit sich ziehen wird. Der Stimme des Volkes kann sich auch der Millionär nicht verschließen. —m. Odessa, 2%. Juni (5. Juli) 1890. Am 18. (80.) Juni fand int Locale des „Vereines zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palaestina" eine Versammlung statt, an welcher auch die Ehrenmitglieder und die aus Palaestina zurückgekehrtcn Delegaten, die Herren: Rabbiner Samuel Mohitiwcr aus Bialystok, Med. Dr. Josef Ehasanowitsch, Salomon Meidansky, theilnahmen. Die Letztgenannten erstatteten Bericht über die auf ihrer Reise empfangenen Eindrücke und die im heiligen Lande getroffenen Maßregeln und dauerte die Verlesung dieses Berichtes über 2 Stunden. 'Mit Worten glühender Bcgeisteruilg werden die Wein- und Obstgärten der jüdischen Ansiedler in Palaestina geschildert; sodann werden die gute Behandlung der palästinensischen Inden durch die türkische Regierung nnd die thatkräftige Unterstützung, welche die Juden im heiligen Lande seitens der russischen Consuln in Jernsalem und Jaffa finden, rühmend hervorgchobcn. In das in Palaestina selbst sunctionirendc Erccutivcomite haben die Delegaten die Herren I. M. Pines, B. Belkind, Eisenberg und Ingenieur Temkin gewählt. Diese Wahl, sowie der Bericht überhaupt fand die ungetheiltcste Anerkennung der Anwesenden, welche sich am Schluffe der Versammlung durch Beifallsrufe und Händeklatschen äußerte. — t. Kischiuew, 26. Juni (8. Juli) 1890. Seit drei Wochen weile ich in Geschäftsange- *) Alan halte dieser Acußcrmig die in dieser 'Rümmer veröffentlichten Worte aus dem Tagcbuche Montefiores gegenüber. Die Red. legcnheiten hier, nnd koimnc erst in 5 bis 6 Tagen nach Odessa zurück, ivo ich dann wieder meine Zionsarbeit anfnchmen werde. — Hier in Kischiuew herrscht leider eine entgegengesetzte Strömung. Die hiesigen reichen „Ehassidim" sind wohl mit ganze»; Herzen für die Palaestina-Idee, können aber für dieselbe solange nichts thnn, als der von ihnen verehrte „Bauschcr Rebbc" in Rumänien die Zionsbciuegung nicht gutheißt. Es verlautet, daß er de»; Odcssaer Eoinitä gegenüber diese Gutheißung an drei Bediitgungen knüpft. Wenn dieses Compromis; zu Stande kommt, so sind einige hunderttausendc „Ehassidim", — so viel Anhänger zahlt der Banscher Rrbbe — als Parteigenosse» gewonnen. Diese Sache wäre also jedenfalls des Uebcrlegc>;s iverth. — Die hiesige Intelligenz ist weder Jisch noch Jleisch, 40 bis 50 junge Leute ausgenommen, welche treu und '.mühevoll alif diesciil unfruchtbare;; Boden arbeiten, u'.td nittcr. denen Herr Berlianl der tüchtigste ist. Jacob Zionsrauliuowsty- Jnffa, den 8. Jaiiiiiö. (Letzte 'Nachrichten aus Palästina) Zwei ivichtige Ereignisse in den Eolonisationsangelegenheiren bilden je;;l bei uns das Tagesgespräch. — Es ist nämlich erstlich die 'Nachricht eingetroffcn, daß der Baron jegliche weitere Unterstützung der E.otonie Pethach Thikwah versagt hat. Bekanntlich erhielt diese Eolonic die erste Uitterstütznug im Jahre 1886 vom Vereine „Ehowawe Zion" in Rußland. Bald mußte aber der Verein zu seine»; Bedauern einsehen, daß er sich eine für seine Kräfte zu schwere Ausgabe gestellt habe und blieb sozusagen auf dem halben Wege mit der Lösung dieser Ausgabe stehen. Da erschien der Baron aus dem Plane; er nah»; fast die ganze Eolonic unter seinen Schutz, setzte eine Administration ein, nahm eine neue Verthcilnng des Bodens vor, kaufte alles streitig gemachte Land an ». s. w. Nun soll das Erscheinen der Delegaten des neuen russischen Vereines und deren Thäiigkei; die Hauptursache des erwähnten Entschlußes des Barons gewesen sein. „'Möge der Verein eine Eolonic vollständig versorgen und sodann weiter schreiten", erklären die Vorsteher ans Paris, — eine Erklärung, die meiner Ansicht nach durchaus nicht stichhältig ist. Denn der Verein har schon die Versorgung einer Eolonic, nämlich die der Eolonic Katra üüernounnci; und auch das durchznsühren wird der Verein nur mit 'Mühe im Stande sein, geschweige noch Pcthach Thikwah irgend welche Unterstützung zu gewähren. In wie fern übrigens dieser Entschluß des Barons d e in V e r e i n e g e g c n ü b c r gerechtfertigt ist, wollen wir dahingestellt sein lassen. Was haben aber die armen Jamilie» in Pcthach Tikwah verschuldet? 'Warn»; sollen denn diese schon zur Genüge schwergeprüften Eolonistcn leiden? — Das zweite Ereignis; bildet einen Gegensatz zu dem ersten. Die Eolonic Ekron überreichte durch Herrn Rabb. S. Mohiliwer aus Bialystock eine Eingabe an den Baron, worin ihn; der Dank für alle bisher erwiesenen Wohlthatcn ausgesprochen, auf j e g l i ch e w c it c r e II n t e r st ü tz u n g seinerseits aber ausdrücklichst Verzicht geleistet wird. Die C o l o n i st c n erklären sich für j e l b st st ä nd i g und kr äs ti g g c n;; g, um

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