Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German
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Glaubensgenossen, die über diese Jumulhuiig ganz entsetzt waren, vom Throne gestürzt wurde. Es braucht, wohl nicht, erst hervorgehoben zu weiden, welchen, ^uiheilvollcn Einfluß ein solches Vorgehen. auf die Entwicklung eines geordneten jüdischen Gcincindewesens, auf die . religiöse und sittliche Erziehung der Kinder ausübcn muß; denn abgesehen von den Zerwürfnissen in Gemeinde und Familie, ist noch der Umstand nicht genug bcklagenswerth, daß es nur in. wenigen Fällen wahre Uebcrzcugung ist, welche dieJuden zum Anschlüße an die fremde Nation veranlaßt, daß es sich vielmehr nur zu oft. um einen Verkauf der heiligsten Gefühle an den Meistbietenden . handelt. Eine Verbindung der im Lande lebenden Juden mit der ihnen wohlgesinntesten 'Nation kann und soll erfolgen,, aber als Compagnie unter Voraussetzung vollster Gleichwerthigkeit und gegenseitiger Achtung als Nation nicht aber als Untergebene und Minderwcrthige, denen jeden Augenblick verachtungsvoll die Thüre geivicscn werden kann, wenn aus ihnen nichts mehr herauszupressen ist. Al. F. Lemberg, am 26. Juni 1890. Am 18. l. M. hielt unser Gesinnungsgenosse, der Hörer der Polytechnik, Herr Arthur Schlcyen in der hiesigen „Wissenschaftlichen Leschalle" einen Vortrag über die ^gegenwärtigen Strömungen im Judenthuine" mit besonderer Berücksichtung der jüdischen Vcrhältniste in Polen. Nach dem Vortrage entspann sich eine längere sehr lebhafte.. Discusfion über dieses Thema. Ein Mitglied desVereines „Agudas Achim" interpellirt, .warum der genannte Verein in Ost-Galizien,, in., einem ausschließlich , ruthmischen Thcil des Landes, die Juden .nicht zu ruthenisiren, sondern, zu polonisiren trachte, erividertc, daß die Assimilationspartei „d a r ü b e r noch nicht nach ged ach t Hab e". Diese Worte charakterisiren wohl am besten die Assimilantcn, welche stets mit dem Mächtiger,! Hand in Hand gehen, um sich selbst dadurch .einen freilich nur eingebildeten jedeitsalls aber ephemeren Nutzen zu werden, daß wir erst dann auf eine, wesentliche Vcrbessermlg unseres staatlichen Sinnes hindcuten könnten, wenn uns dieses große Werk gelänge. Jedenfalls aber haben sich, wie gesagt,' unsere, staatlichen Fähigkeiten ge- . hoben und, nachdem dies constatirt ist, wollen wir der andern bereits erwähnten Früchte unserer, langen Europawandcrung gedenken. Und da wollen , wir einsetzen um die neue große Mission dcS jüdischen Volkes zu , erörtern. Es wird in der letzten Zeit von so vielen das Ehrenamt angesprochcn, Cultur nach, dem Osten zu tragen, daß man gar nicht mehr sich zu rathcn weiß, wem es zuzuerkennen, und daß cs fast hieße, Wasser in's Meer schütten, wollte man auch die Juden in die Reihe . der Aspiranten, stellen. Und doch haben sie ein größeres Anrecht darauf, als. alle dir Anderen, ein Anrechtdas nicht bei den Haaren herbeigczogen wird, um die EroberungSlüstcrnheit zu verhüllen, sondern das auf natürlichen und historisch gewordenen Anlagen und Fähigkeiten zu diesem Riesenwerke beruht, wie sic die Völker Europas keineswegs besitzen. Es ist leicht zu errathen, was ich meine.Jn der einzig allein' dastehenden Vereinigung semitischer und arischer Elemente, im Geiste der modernen Juden; in dieser Mischung von Orte n t a l i s m u s und En r o p ä i s m u s im h e u t i g e n I ü d e n t h.« m, w i e 's» e g es ch i ch t l i ch g e w o r d e n i st, l i e g t die natürliche und geschichtliche Berechtigung und Befähigung für unser. Volk, die Cultur nach dem Osten zu t r a g e n. verschaffen. Einem Herrn von der Assimilation, welcher die Existenz einer jüdischen Nation nicht anerkennen wollte, cntgegnetc der anwesende Präsident des ruthcnischcn akademischen Vereins: „Wenn die Juden keine Nation bilden, wozu dann die Assimilation? Soll aber eine, solche stattfindcn können, so muß eine sich assimilircn sollende Nation existiren, folglichmuß eine jüdische Nation, mit ihren selbstständigen Zielen, anerkannt werden". . Unter den galizischcn jüdischen Handwerkern macht sich seit längerer Zeit eine Bewegung geltend. Nach.den Arbeitervcrsammlungcn in Lemberg und Kolomca fand Samstag am 13. l. M. eine solche in Stanislau statt. Die bereits bestehenden Comitss entsendeten dahin Dclcgirtc. Stach eingehender Discussion, bei welcher vcrschiedcncArbeitcrangclegenhcitcn besprochen wurden, acceptirtc man die Lcmbcrgcr Beschlüsse. Alle Eomitcks befassen sich mit jüdischer Arbeiter-Statistik, welche zur Klärung der Lage des jüdischen Handiverker beitragen ivird. Stach den Berichten des Landcs-Bureanx für Statistik besitzen in 8 Städten Galiziens die Juden die absolute Majorität u. zw. machen sic in Brody 76'31*|0, in Buczacz 63°j0, in -^olkicw 55 30'jg, in Stanislau 53 82"s„, in Tarnopol 52 16"s„, in Rzcszow 52'12"j„, In Kolomca 51.94°j„ und in Drohobycz 50'38"^ der Einwohner aus., — Makkabi. — . Tarnopol, 23 Juni 1890. Die Stadt Tarnopol, besitzt die älteste jüdische Schule Galiziens; dieselbe wurde, noch im Jahre 1813 in's Leben gerufen, Es, graut einem nun, wenn, man sich daran erinnert, daß die Stadt, welche Dczcnuicn hindurch andern Städten zun; Muster biente, nunmehr nur von ihre» Uebcrlicfcrungen zehrt. Das nach dem Hingange des unsterblichen Reformators Joses Perl, lange andauernde far niente der spätern Machthaber der Gemeinde hat alle Bc- Was die arischen Völker in dieser Beziehung bisher geleistet haben, ist wenig, oder wenn man der Sache auf den Grund geht, gar nichts. Denn wohin sie im Morgenlaüde die Cultur getragen haben, haben sic sie zwar placirt, aber nur unter eingcwandcrtcn Europäern, die sie ja mit sich nahmen, nicht aber unter den Eingeborenen, deren scmittschcs oder scmitisirtcS Naturell von den Eindringlingen sich abgestoßcn fühlt und die nichts annehmcn, als höchstens einige Acußcrlichkcikcn, die sic gewöhnlich lächerlich oder verkehrt anwcndcn. Die Occidcntalcn sind von Natur aus unfähig, den , Söhnen des Ostens' Cultur mitzutheilcn, aus dem Grunde, weil diese eine streng europäische Cultur nie annehmcn werden oder können. Was sie brauchen, ist nur die Befruchtung von verwandter Seite, lvoranf sic eine eigene Cultur, nur in den Häuptzügen mit der europäische» harmonircnd, entwickeln würde». Und, um dies zu bewirke», ist das Zugreifcn der Abendländer viel zu läppisch und täppisch. Was sic allenfalls durchsetzen können, ist eine gänzliche Verdrängung und Aufrcibung der asiatischen Völker durch die europäischen. Aber auch das scheint in Anbetracht der den semitischen und scmirisirtcn Völkern des Occidents innewohnenden Cultur- ' kraft, wenn diese auch gegenwärtig ruht, ziemlich unwahrscheinlich. Die Araber sind keine Azteken. ' Denken wir uns min, mitten zwischen Sonnenaufgang und. Untergang aus einem schöne» Landstreifcn Um mittelländischem Meere, den unsere Ahncu bewohnten, wieder eine jüdische Nation wohnen,, so bekommt das Problem der Culturtragung nach dem Osten ein strcbungen gebannt, die so stolze Pcrl'sche Schule ist ohne genügenden Fond, die Lehrer ohne Pension und 2000 schulpflichtige Kinder ohne. Schule, da die bestehende. 1000 Kinder saßt und für mehr weder Raum noch Capital hat. Tarnopol hat für Gemcindczivcckc nicht vorgcsorgt, das einzige Einkomiiienobjckt ist ein Schwitzbad, , die Simpclftcucr ist veraltet und nicht sympathisch und . wie. soll die Gemeinde an die Ereirung einer zweiten Schule denken, da ihr die Mittel fehlen, um z: B. den 74jährigen Lehrer Nintel, der 54 Dicnstjahre zählt — zu pensionircn. Zwei Drittel der schulfähigen Jugend sind dazu da, »m nach Jahren das Proletariat zu vermehren oder die Kerker zu füllen. Da haben sic im vorigen Jahre einen Prediger berufen, ein volles Jahr wurde er durch Collcctioncn erhalten, der Eultusrath möchte ihn nun gerne behalten, aber der nervus rerurn fehlt und so predigt er einstweilen in die Zukunft. . Dagegen hat man einen Verein gebildet zur Verbreitung von Wissen und Ermöglichung einer Assimilation mit unfern christlichen Mitbürgern, die uns hier ohnehin nie etwas zu . Leide gcthau haben, noch thun wollen. Der genannte Verein will laut Programm die Armut aus der Welt schaffen, bildet eine Bibliothek, vielleicht für genannte 2000 Kinder, die keine Schule haben, um lesen zu lernen und vor der Hand betteln gehen. Der Verein hat wohl das Beste im Sinne, nur sei.Ihm vor Utopien abgcrathcn, er möge dem Realen seine Aufmerksamkeit widmen. :••• Auch möge das Eomitck der Baron Hirsch'scheu Stiftung darauf sehen, daß bei Gründung von Schulen in Galizien Tarnopol nicht übergangen werde, da hier eine zweite Schule Lebensbedürf-. ins ist, soll nicht die Fülle, des Unkrautes alles gesunde - LebenZerdrücken.^Die> Page der Lehrer mit ihren kärglichen Gehalten und den schönen Aussichten auf hartes Brod im zahnlosen Alter ist auch nicht darnach angcihan, um junge Kräfte zu diesem Berufe zu animiren. Hier sind die überraschend anderes Aussehen. V o in I ord a'nlande aus, das heute kaum v o m Zehntel der möglichen Ein wahnerzahl bevölkert ist, würde, sowie unser Volk die übrigen n c u n Z e h n t e l ergänzt hätte, das herrliche Licht h ö h c r e r Bildung und G c s i t t u n g über die Länder Asiens u n d A f r i k a s erstrahlen. Was den Abendländern nicht g c l a n g, in ü ß t c d a n n uns g cl i n g c n, uns, d c n O r i c n l a l c n in i t moderner Cultur, den Europäern von o r i c n t a l i.s ch c in Wese n. Alle hohen culturellcn Einrichtungen des Westens im Osten ctablirend, sie mit nnscrcm semitischen Geiste durchwärnicnd, alle die gemüthrcichcn Sitten des Ostens übend, durch arische Kühle sie mäßigend, so würden u n d müßten wir die b c r u f e n st e n P i o n n i e r e d e r Civil i s a t i o n iiu' Oriente jein — diejenigen s c i n, d i c das Morgenland auf gleiche S t u te mit d e m Abend U iidczu b r in g c n, b e i d c e i n a n d e r z u n ä h c r n und miteinander zu v e r in ölen u u d so c i n c g r o ß a r t i g e, e r h a b c ii e, ruhmvolle Mission z um H ei l e d er Ges amm tm e n s ch h e i t zu v o l l b r i Ii g e n haben. r Wer wollte eS unternehmen, diese Älission kleiner zu nennen als die erste, mit der sie ja übrigens in so innigem, sachlichem Zusammenhang steht, als deren Fortsetzung sie füglich betrachtet werdenkann? Hat man .