Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr, 7. titeln; in snimnle sie von den vier Enden der Erde; gelobt seist Du, Ewiger, Saimnler der Verstreuten seines Volkes Israel." (13-ter Segensspruch der »LeKemoneK Essreh“.) Und nach Deiner Stadt Jernschalajiin kehre in Barmherzigkeit zurück und throne in ihrer Mitte, wie Du geredet, und erbaue sie bald, in unsern Tagen, einen ewigen Bau u. s. w." lAuS dem Tischgebete:) Ter Zlllbarrnherzige breche unser Joch von unserm Racken und führe unS zurück, aufrecht in unser Heimatland. (AuS dem Hhnun-Gebet:) Hüter deS einigen Volkes, hüte die Reste der einigen Ration und nicht gehe unter das einige Volk, das einzig Deinen Rainen kündet, Etoiger unser Gotr, einziger Ewiger. .• (AuS den Sprüchen in die Gebete übernommen:) Führe uns zurück, Ewiger, damit >vir zurückkehren, erneuere unsere Tage wie ehedem. Man schlage doch den Zickckür auf, wo man will; auf jeder Seite findet man Jernschalajiin, Zion, Crez Jisrael, und Volk der Kinder . Jisrael. Wenn aber das Judcnthum so national ist, wie tvir sagen, so muß man doch einigermaßen zu erklären suchen, wie es möglich ist, daß das iveftcuropäische Inda augenblicklich die Tendenz hat, in die Völker, unter denen es wohnt, aufzugchen. Die Antwort auf eine solche Frage ist sehr einfach. Es ist der Opportunismus, der solches bcivirkt. Aber trotzdem oder gerade deshalb ist eine solche Tendenz nur scheinbar vorhanden. Denn aus welchem Grunde sträuben sich die Juden so sehr gegen die Mischehe, wenn nicht aus Nationalgefühl i Der jüdische Patriotismus ist überhaupt viel stärker, als mau gemeinhin annimmt. Das Judenthum ist vielleicht sogar, freilich unbewußt, das nationalste und patriotischeste Volk, das es gibt, nur ist sein Patriotismus kein Chauvinismus, ivic der deutsche, französische, russische, kurz,, der europäische. Ein echt deutscher Patriot, wie z. B. Heinrich von Treitschkc, hat nur negativen, der Jude dagegen positiven Patriotismus; die deutsche Liebe zum Vaterländischen zeigt sich am stärksten im Haß gegen alles Fremde, die Liebe des auschauuiig, die Grenzen Judäas überschreitend, auch auf andere Völker Einfluß uehmeu sollte. Mau viudicirt gewöhnlich dem Ehristeuthum den Ruhm, die ewigen Wahrheiten deS MosaiSmuS der übrigen Welt vermittelt zu haben. Mau geht da zu weit. Jahrhunderte schon vor der Geburt Ehristi gab eS in den großen Weltstädten ' des AlterthniiiS jüdische Colouieu, welche die Keiiiitniß der jüdischen LebeuSauffasstmg verbreiteten und diesen großen Ideen Sichtung imd Anhang verschafften. Fürsten, Philosophen und Privatmänner erkannten den großartigen Gehalt deS MosaiSinnS und ohne äußerlich den Anschluß an denselben vorznuehmen. nahmen sie seine wichtigsten Prinzipien in stch auf und legten somit den Grund zum raschen SiegeSznge deS EhristenthnmeS durch die heidnische Welt. Wie dem auch sei, — was die jüdischen Eolonien ' nicht in größerem Maßstabe dnrchznführen vermochten, führte daS Christenthnm durch, wenn auch in abgeänderter, iheilweije matterer, theilweise lebhafterer Form. Einerseits verstand es sich zu Eompromissen mit dem Geiste der verschiedenen Stationen, denen es Zugeständnisse machte; andererseits erhob es die mosaische Sittlichkeit in übermenschliche, man könnte sagen übersittliche Regionen und schnf dadurch einen groben Gegensav zwischen der natürlichen Veranlagung der europäischen . Rationen, für welche selbst das mosaische Tittlichkeitsideal unerreichbar war, und den eigenen christlichen Lehrsätzen.DieFrucht dieses letzterwähnten Widerspruches war daS Mittelalter. Was groß und schön i st in den Eigenschaften der arischen Selbst- E m a n c i p a t i o n. Seite. 3. Inden zu seinem Volke zeigt sich dagegen z u m e i st i n dem Mitgefühl mit seinen leidenden Sta m mesg e- Hoffen; das jüdische Rachmonus ist jüdischer Patriotismus. Der jüdische Patriotismus hat auch etivas Kosmopolitisches an sich, während für deit Jndogcrmanen Natioiialgefühl und Kosmopolitismus Gegensätze sind. Der Jude nimmt nicht gern Fremde in seine Nationalität aus, aber schon vor 4000 Jahren ivar für ihn Gesetz: „Ein Rech t soll dir f cin, d i r tt nb d c m Fremdling, der fremd in de in cn Thoren weil t." Der Jndogermanc dagegen lcgitimirt sich dadurch als national, daß er andern Völkern seine Nationalsitte und Sprache anfzwingeii will und die Angehörigen fremder Staaten aus dem Lande jagt. Die Charaktere der beiden Naccn sind einander zu entgegengesetzt, als daß jemals die jüdische Nation sich mit irgend einer indogermanischen verschmelzen könnte. *) Sieben Mangel einer ausschiveifcnden Phantasie ferner Tiefe und Innerlichkeit des Gemüts ist das Hervorstechendste am semitischen Volkschäractcr die scharf ausgeprägte Individualität der einzelnen Persönlichkeit. Dieses zeugt zugleich von der Begabung der Rasse, denn je höher ein Volk geistig entwickelt ist, desto schärfer prägt sich die Individualität bei ihm aus. Bei Negern wird cs schwer werden, irgend einen größeren geistigen Unterschied zwischen den einzelnen Individuen zu finden, bei Thieren ist es wohl ziemlich unmöglich., Dagegen sind die Semiten durch die scharf ausgeprägte Individualität den Jndogermancn überlegen, so daß nur die alten Griechen sich hierin neben sie stellen können. Darum hat diese Race auch mit einer solchen zähen außerordentlichen Lebenskraft sich selbst in der Diaspora zu erhalten gewußt, selbst als sic die National spräche eingebüßt hatte. Freilich *) Vgl. Ehwolson- Tie semitischen Völker. Eine Eharakterftndie. S t ä in m e, unterdrückt d n r ch die h y permosaische Kirche, andererseits die einfache, edle Sittlich keirslehre des f e nt.i rischen Ri oje», n n b e g r i f f e n von b c m arischen G e i st e ch r i st licher Völker — das ist bic Charakteristik des Mittelalters. Erst als die Dnnstnebel des MittetalierS sielen, als auf allen Gebieten des menschlichen Lebens nach Menschlichkeit und nicht nach übermesch-n lichen Idealen, ivelche, weil praktisch nndnrchfülirbar, die Völker zur Unterinenschlichkeit hinführen, gestrebt wurde; erst als inan die Staarsweisheit der Römer, den Foriitensinn der Griechen zu würdigen in der Lage war und auf ihren Grundlagen wesentlich neue zeirnnd volksgemäße Gebilde feste; — erst damals ist auch die Sittlichkeit der Inden den Völker» verständlich geworden, erst von damals an sind jüdische Grnndsäve, welche die Kirche in einem Wust von Uiiiiöthigeiii unkenntlich gemacht hatte, dnrchgedrnngen, wiewohl auch sie eine Ilmwandlnng in der Ausführung erlangt haben. -Man gehr gewöhnlich stillschweigend über diese Seite der „:)ienaissance" hinweg, weil die Pionniere der Renzeir selbst sich ihrer unbewußt waren, trotzdem sie ihr gemäß handelten. Die Aufhebung der Sklaverei nttb Leibeigenschaft, btc Gleichheit der Staatsbürger, die allgemeine S ch u l b i l d » n g, t> t e Ziiriickdrä ng u n g der rohen K r a f t, d t e Wert hfchätz n n g wahrer Sittlichkeit sind jüdische Ideen, welch e .^d e nt K re i s e beginnt sich das deutsche Judcitthum schon ganz gehörig zu assimilicren. Cs hat gerade die hervorstechendsten Vorzüge des deutschen Volkes angenommen. Der deutsche Jude kann fast ebenso gut wie sein christlich-deutscher Mitbürger kneipen und sausen, und duellieren und raufen, ja die Statistik weißt nach, daß die Selbstmorde unter den deutschen Juden stetig zuitehmen; das sind alles die Errungenschaften eines Anfanges der gepriesenen Assimilation! Trotz alledem bleiben wir Semiten und unter den semitischen Völkern sind wir augenblicklich das einzige, welches auf der Höhe der modernen Eultur steht, wir haben daher. die Pflicht und die Aufgabe, die Vorkämpfer " der Semiten zu sein. Ferner müssen wir als Nation, wie jedes andere Volk bestrebt, sein, die Eultur der Menschheit zu fördern! Das ist unsere Ausgabe, das unsere Mission! Was sonst von einer „Mission des Judenthums" gefabelt wird, ist Phrase, nichts weiter, erfunden von denen, welche dem Judcnthume zurrst die nationale Grundlage zu entziehen suchten, um cs von innen heraus aufzulösen. Um aber allen solchen Widerwärtigkeiten ein für alle Male aus dem Wege zu gehen, ist es das Beste, wir gestehen ein, was wir sind; aus Lügen entstehen nur Ungelegenheiten und Verwickelungen. Wie wir selbst national sind und auch Patriotismus haben, ist es das Beste, wir gestehe» cs ein. Wir sollen daraus stolz sein, daß wir einer Race wie der semitischen, einem Volke, wie dem jüdischen angchören, die einen großen Theil der modernen Eultur geschaffen und dieselbe in jeder Weise fortentwickelt haben. Wir brauchen nicht eine vieltausendjährige ehrenvolle Nationalgcschichte, nicht die Blutsverwandtschaft mit Tausenden und Abertauscnden Blutzeugen des jüdischen Volkes zu leugnen, um uns dadurch einer Nation erst würdig zu zeigen, die durch zweitausendjährige Geschichte bewiesen hat, daß sie es nie zu einem wahrhaft geordneten und gercgeli ii d i s ch e r W e 11 n n f f n s s tt tt g n II g e h örend, in Europa nur aris che G e st a lr ii ii fl nnd Fortbildung erfahren haben. Erst jevt war der ursprüngliche Zweck des Christenthmns, die Uebertragniig jüdischer Welkanschanniig auf die indogermanischen Völker erreicht, freilich mir soweit dies überhaupt bei der Geistesverschiedenheit beider Racen möglich ist. Wie großen Antheil also das israelitische Volk an dieser Eilsisirnng der heutigen europäischen Gesellschaft hat, daS liegt nach dem Gesagten auf der Hand. Es hat das unsterbliche Verdienst, Ideen auf die Welt gebracht 311 haben, welche noch nach Iahrtnnjenden zur allgeiiieineii Geltung kommen sollten, denn unsere Zeit hat den Hnperidealismiis der christlichen Wellanschaiiniig den Rücken gekehrt, sie hat ihn znm berechtigten und begrenzten Idealismus jüdischer Aiischannng abgeklärt und diesen freilich auch nakioiieiiweise, wie natürlich, mit nationalem Geiste in Einklang gebracht. Und es dahin zu bringen: das war die Welrniisfioii des jüdischen Volkes. Zwei Fragen tauchen nun auf: Ist sie es noch? Und wenn nicht, kann man das indische Volk als dem Untergang geweiht betrachten? Gar mannigfaltig sind die Antworten auf diese beiden Fragen; alle Eöinbilimtoiteti sind schon vertheidigt worden. Wollen auch wir der Toppeifrage ans den Leib gehen. Zuvörderst sehen wir, daß den Juden ihre Mission auch nicht sonderlich wok bekommen ist; wenn sie heute das sind, was sie sind, jo ist das nicht znm