Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. S c l b st - E m a n c i p a t i o n. Seite 7. Worte des Grafen Thun, jctzigen.Statthalters in Böhme», am Platze. „Ich glaube", sagte er, „man ist diesem verdicustlicheu Staude schuldig, daß man den Mitgliedern desselben eine Existenz schasse, die sie vor der Sorge des Lebens schützen, daß also die Bezüge des Lchrpersonals geändert, werden müssen", sollten sie ihrer Mission, die Bildner der künftigen Staatsbürger zu sein, gerecht lvcrden. Sam. Demant, Hauptschull. □ Berlin, den 20. Juni 1890. (2. Tainrnus 5650). Ain gestrigen Tage wurde in Dessau unter großen Feierlichkeiten, unter Betheiligung des gcsaiinnten Hofes, das Denkmal Moses Mendelssohn's enthüllt. Dieses Ereignis an und für sich ivürde ein Kiddusch Haschern sein, wenn es nicht durch einen Umstand vorher in einen Chilul haschem verwandelt worden wäre. Denn einen jeden Juden, der noch ctivas 'Nationalgefühl besitzt, muß cs höchst schmerzlich berühren, daß inan keinen geeigneteren Mann für die Hauptfestrede finden konnte, als einen g c t a u f t c n I u d e n. Herr Prof. Lasson, ehemals Herr Lazarussohn, gebürtig in Alt-Strelitz ivar offenbar nicht der berufene Mann, bei dieser Gelegenheit zu sprechen. Mag vielleicht auch Herr Prof. Dr. Lasson aus voller lleberzeugung zum Christenthum übertreten sein, so müssen wir cs dennoch für den größten Mißgriff des Festkomitees halten, daß man gerade einem getauften Juden die Ehre übertrug, einen Helden des jüdischen Volkes zu feiern. Und wahrlich, bei der ganzen Feier, bei der so viele Reden gehalten wurden, hat man der.Verdienste Mendelssohns um die jüdische Nation überhaupt gar nicht gedacht, höchstens, daß zum Schlüße der Feier ein Vertreter des Berliner „Akadem. Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" die Wissenschaft im Allgemeinen und die jüdische Wissenschaft im Besonderem feierte.*) Warschau, 24. Juni 1890. Ich lese in dein hier erscheinenden hebräischen Tagblatte »Hazelirah«: Die Mitglieder des Vereines, „LafaK beru- , *) Moses Mendelssohn hat eben das zweifelhafte Glück, von seinen Epigonen und Verehrern weit mehr zum Vertreter der Assimilation gcstempett zu werden, als . er cs in Wirklichkeit war. Aiuncrk. d. Red. diese Mission im 'Auge, dann wird man nicht mehr die Palästina-Idee den Interessen der Israeliten und allen . im Fortschritte begriffenen 'Rationen znwidcrlaufend anseheir — eine Phrase, dieman leider so oft zu hören bekommen muß. Dieses herrliche und e r h a b c n c. d! e G r e n z e der n a t i o n a l c n Be s ch rän kth c i r weit übersteigende und dabei d o ch s o v i e l 'R a t i o n a l r ii h in in sich bergende Ziel sollte sich das heurige Israel stecken, statt mit M i s s i o n s- Phrasen h e r u m z u w e r f e n, die ihre A c t u a l i t ä t vollständig c i n g c b ü ß t haben, oder ziel- und zwecklos eine nutzlose Ass i.m i l a t i o n zu betreiben. Wem aber geschichtliches Werden kein Buch mit sieben Siegeln ist, wem es klar ist, daß die Geschichte keine Arbeit umsonst thut, und daher auch die Europawandcrung des jüdischen Volkes im Zusammenhalt mit seiner nationalen Zähigkeit einen geschichtlichen Endzweck haben muß, wer Einsicht für das Alles hat, der wird nicht den praktischen Sinn der Juden gegen den Zionismus in die Schranken,rufen: denn was die G e f ch i ch t e w i l l, d a s s c tz r sic durch und das muß mit der Zeit praktisch werden, mag es auch auf veraltete Vorurtheilc und crbgcscssene Schwächen stoßen. Und weil es die Weltgeschichte verlangt, so wird und muß trotz aller ins Treffen geführter Scheingründe von Unnöthigkeit und Unmöglichkeit — in letzterer Beziehung wäre eine separate Besprechung am Platze — ■ Israel seine Mission erkennen; die Mission, durch das ei- ,gelte Wiederwachen das ganze schlummernde Morgenland . aus seiner Schlaft r u n k c n h e i t z u weck e n. paff" der sichchier, ivie in anderen Städten Rußlands, dein Beispiele Palästinas folgend, zur Einführung der hebräischen Sprache als Umgangssprache unter den Juden gebildet hat, versammeln sich jeden Sabbat. An einem der letzten Sabbate fanden sich inchr als hundert Personen im Bcth-Hanndrasch in der Ralewskistraße ein und lauschten dein in reiltsten Hebräisch gehaltenen Vortrage des Herrn Zogorodski über die Geschichte lind das philosophische System des Moses Maimonides. Der Vortragende sprach ztvei Sttinden, ohne ein einziges Mal in Verlegenheit zu koimncn und ward durch reichlichen Beifall belohnt. Einige Mitglieder des Vereines verpflichtetcir sich, armen Kinderil umsonst Unterricht in der hebräischen Sprache zu erthcilen. Colonie Rosch Pinah,*) 19. Sivan 5650. In unserer Colonie wird jetzt Gerste geschnitten, und in Jcssud Hamaaleh hat schon die Weizencrnte begonnen. Im Allgemeinen kaitn gesagt werden, daß in Rosch Pinah dieses Jahr ein wenig besser ivar, als das vergangene, in Jcssud Hamaaleh dagegen ein Jahr des Segens war. Eine Ausnahme von dieser Regel machen die Bohnen, welche in Rosch Pinah besonders schön gcrathen sind. — Die Straße nach Saffed tind von dort nach Meron ist angelegt und unsere Wägen haben sich schon längst ans diesen neuen Straßen erprobt. — In Jcssud Hamaaleh wird diese Woche das erste Haus fertig. Der Häuserbatt erinuthigt die Colonisten, ivelchc sich iveit mehr geplagt und erduldet haben.als die Ansiedler in den anderen Colonien Galiläas. Die probeiveise Altpflanzung von Akazicnbäumeit in Rosch Pinah hat sich sehr bewährt. Ei-Atik. Jaffa, den 20. Sivan 5650. (Letzte 'Nachrichten aus Palästina.) In meinem letzten Schreiben benachrichtigte ich Sie von der Ankunft des Herrn Rabbiners Mohiliwcr sammt den übrigen Delegaten aus Rußland. Mit dem darauf folgenden Dampfer kamen noch zwei Abgesandte aus Elisabcthgrad hierher, deren einer der Ingenieur Herr Temkin als vierter Vertreter des Vereines »Chowawe-Zion« ist. Von Erevv- Schewuoth bis Sonntag den 13. Sivan verweilten sie in Jerusalem und Ehewron, besahen alle Schenswüdigkeiteii dieser Städte und besuchten fast alle gcineinnützigen Anstalten derselben; sie empfingen von dem Gesehenen einen sehr guten Eindruck. — Bald nach ihrer Ankunft atls Jerusalem, Dienstag, den 15. Sivan, begaben sich alle Delegaten nach Rischon Lezion, wo sie von den dortigen Administrator, Herrn Bloch, zu einem Mittaginahle geladen waren. — Nachdem sie die Colonie besichtigt hatten, traten sic den Weg liach Katra (Gadrah) an. Unterwegs besuchten sie noch die Colonie Waad-Achnin. In Katra verblieben sie bis Donnerstag, den 17. Sivan, ivorauf sie nach Jaffa zurückkehrten. — Wie die Delegaten versichern, besteht ihre Mission. 1.) in der Gründung eines in Jaffa seinen Sitz habenden Execntiv-Comits's, welches in unmittelbarem Verhältnis; zum Haupt-Coinits stünde, 2.) in der genaueren Prüfung der Bedürfnisse der Colonie Katra und der definitiven Organisation dieser Colonie und endlich 3.) in der Prüfung, , der ' ' *) Aus dem Hebräischen übersetzt. Rothivendigkeit respective Möglichkeit der Gründung einer Palästina-Bodenbank in Jaffa. Der Bau unserer Eisenbahn ist nun in den Bereich der Wirklichkeit getreten. Vorige Woche hat schon die Thätigkeit der localen Hauptverwaltung begonnen. In eine der Abtheilungcn ist auch einer unserer Stammesbrüder angenommen worden. Außerdein übernahmen einige von uns die Erdarbeit aus einer Strecke von 5 Kilometern in der Richtung von Jasur nach Ramlch. Run werden schon selbst die ausgesprochensten Skeptiker nicht mehr zu ztveiseln ivagcn, daß wir im Verlaufe von anderthalb oder zwei Jahren eine prachtvolle Verbindung zwischen Jaffa und Jcrusalein haben werden. — 'Am Freitag, den 18. Sivan hatte die Colonie 'Rischon Lezion ein festliches 'Aussehen. 'Alle Straßen waren mit Guirlandcn aus Laub und Blumen geschmückt, überall wehte» türkische Fahnen. Vier Triumphbögen mit der Inschrift >vive le Sultane, vive le Pascha« schmückten die sogenannte „Administrationstraße", während das Hans der Administration selbst förmlich wie in grünes Laub getaucht aussah. — Um 10 Uhr Vormittag kamen der Sccrctär und der erste Dragoman des Pascha aus Jerusalem hier an und nach einer halben Stunde erschien Se. Excellcnz der Pascha selbst in einer von der Administration entgegcngeschicktcn schön ausgcstatteten dreispännigen Equipage. Die Begrüßung des Direktors der Colonie beantwortete Se. Excellenz mit einem Dank für den ihm von den Colonisten bereiteten herrlichen Empfang; weiters gab Se. Excellenz in warmen Worten seiner freudigen lleberraschung über den so blühenden Instand der Colonie Ausdruck. Ein hübsches Mädchen überreichte ihm' nun im Rainen aller ihrer Genossinen ein prachtvolles Bouquet. Der Pascha dankte herzlich. Darauf hielt der Sohn eines Colonisten eine kurze aber schwungvolle Begrüßungsansprache, in der er in seinem und aller seiner Altersgenossen Namen die innigste Freude über den hohen Besuch aussprach. Der Pascha dankte wiederum und wünschte den Kindern guten Erfolg iin Lernen. 'Nachdem Se. Excellenz dem anwesenden zahlreichen Publicum nochmals für die ehrenvolle Aufnahme herzlich gedankt hatte, begab er sich über die Paradetreppe in die Zimmer der Adrninistration, Aus dein Balkonc spielte die Musik die türkische Volks- Hymne. — Gegen 3 Uhr 'Nachmittags besuchte Se. Excellcnz die Kelter der Colonie, woraus er den Herrn Dr. Mafia mit einem Besuche auszeichnete; er besichtigte die reiche Collection der Instrumente im Kabinett des Arztes, und nachdem er sich von ihm in warmen Worten verabschiedet hatte, kehrte er in Begleitung seiner Suite nach Jaffa zurück. Beim Fortfahrcn sagte der hohe Gast: »Mes meilleurs sentiments ä Mr. le Baron, je suis tres content. tres content*. — In den Colonien wurde jetzt die Ernte des Turintis und der Gerste beendet. In dieser Woche begann auch die Weizeneritte. Der Streit zwischen den Colonisten von Pethach Thikwah und dem bekannten Scheich aller palästinensischen Araber, Abu-Rabach, wcgen..dcr Grenzen ist nun zur Freude Aller beigelegt und der von Abu Rabach angestrengte Proceß gegen die Administration zurückgezogen. —