Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 6 (16.6.1890)
- Date
- 1890-06-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Sc l bst - E m a ncip a ti o n. -:9h;. 6. Socialdemokratie in Dcntschlandausgcschäut,rvcnn nicht die deutsche Einheit geschäffen/Aordcn/wärc?- . Sie hätte in der erbärinlicheiy Wüsi des Klcin- - siaaten-Dcutschländs. gcwißL nicht' gedeihen, könne»/ sondern wäre im Keime erstickt. Doch dieser- Undank gegenüber der nationalen Idee ist einmal da — und nicht , am geringsten bei den jüdischen,. Socialdemokraten, die freilich als Juden;; der nationalen Idee noch nichts zu verdankenhaben. Der jüdisch-nationale Gedanke mag ihnen aber, noch unbegründeter erscheinen, als die nationalen; Ideen anderer "Völker. 'So lange man nemlich die socialen Forderungen nicht gekannt habe, sei es verständlich und verzeihlich gewesen, — wird -gesagt, — wenn man sich bemühte, Nationale Ziele zu verfolgm; jetzt aber, wo der Menschheit die SchuppenjjpjjL. den-.WgeLzu.MM: b.egiynm,.. wo man daran gehe, alle politischen und nationalen .Vorurtheilc zu tilgen, sei' cs geradezu ein Der-.-/ brechen undeineThorheit, mit einer neuennationalen Idee zu erscheinen und für sie Erfolg zu hoffen. So logisch, diese' Denkweise unseren socialdemokratischen' Stauimesgenossen vörkoniinen inäg, uns erscheint sie es/nicht, — schdü 'deshalb nicht, weil sie den geschichtlichen Gang der socialen Idee selbst nicht erkennt.. Erst muß die nationale Idee mit ihrer Markigkeit und ihren gleichheitlichcn Tendenzen den Augiasstall , reinigen, zu welchem die kaukasische Menschheit durch ein a chizeh nhundertjähriges „Mittelalter" geworden ist, und dann'/erst ist Platz' geschaffen für sociale Reformen. Diese Aufgabe aber muß die nationale Idee ganz erfüllen; sie "darf keine dunklen Punkte, keine Seücheichecrd?' zurücklaffesi ' An Israel' aber hat sich die Mission 'der nationalen Idee noch nicht bcthätigt; "und solange dies nicht geschieht/ bleibt eine vergiftete Stelle'''im Organismus der Menschheit zurück, welche'eine sociale - Gesundung desselben aufhälr sind hindert.' Diese vergiftete Stelle — die Judenfrage nennt man sie — muß erst fanirt'werden und mit ihr oder Lurze MLersicht der Fortschritte der jüdischen Lolonisatton in Daläftma Während der letzten 7 Mtzret Vortrag, schatten Lei der feierlichen Versammlung des Vereines ^Bnej-Zion" in Moskau am Chanuka-Feste 1689 von M. Uffifchki«, Ingenieur.*) ', /- (Schluß.) ,, ... . . Nicht weit von Gederah besindet sich die Colonie B'er, Tobiah oder Kastinia.. Dieselbe ist im Jahre 1888 vom.Barone für 25 Familien aus Bessarabien gegründet worden und umfaßt ungefähr 600 Deßjatin. Aus viwschiedenen . .Gründen, die ich hier nicht, näher erörtern will, verließen 17 Familien die Colonie bald nach deren Gründung und kehrten nach / ihrer Heimath (Rußland) zurück; ihre Plätze wurden , aber. sogleich von 25 jungen Leuten besetzt, welche früher als Taglöhner in der Colonie , arbeiteten und denen der Baron das Versprechen gegeben hatte, .sie zu selbständigen Colonisten zu machen, wenn. ,sie sich als fleißig, arbeitsam..und friedlich. erweisen sollten. In Kastinia befinden sich 20 Häuser und ’ 2 Brunnern Der Boden dieser Colonie ist,weit .besser als der Gederah's, aber schlechter als der *1 Aus dem Russischen übersetztvon Ai-. Diainänt. nach, ihrvielleicht/noch solche ähnliche Giftpunttc./ Die' Völker/-aber, welcheihre, nati- 0 n a l e - -. Auf gäbe n 0 ch' - n i ch r,. er s ü l-l t Hab e'n,U — s 0 Israel.-- m ü s s e n-, s i e n a chh 0lcn, im In ter es se derMcnschheit und in ihrem eigenen Interesse, müssen ihre.- Kr äst e .vor allem ,der '' n'ä t i on a l e n /Be fr e i ü n g wid ine n: n ri d.' sich nicht einer socialisti sch en Propaganda hingeben, an deren etwaigen -/F rsi chteit sie/s clb st gew.ißn'i cht. t h cj U; nehmen würde.n. Sehen wir ab. von der einen Alternative, daß" eiserne Strenge der Gewalthaber den Socialismus überwindet und erdrückt und dann ein "'fü^t5iirN'.VNUm,g^en,die"sch,sichr^^mpröinittirten.Juden angieugc,' sehen wir. auch, davon. ab,. daß die übergroße- Theilnahme an - den revolutionären Strömungen schon jetzt,,in manchen Län- - dern arge -Judenbeschränkungen von Regierungs- . wegen, Hervorrust,.. welche.. die.., Unschuldigen mit . "den Schuldigen treffen, — sehen wir von alledem ab und denken wir uns schon die souveräne Herrschaft des social erlösten, Volkes überall etablirt: Kann da jemand so kurzsichtig, so verstockt gegen milliöncnfältigc Erfahrung sein, um . zu glauben, daß chic Menschen mit einem Male ihre Natur geändert haben, daß aus dem Innern stammende Zu- und Abneigungen schwinden werden, daß das. unverdaulich unter bic"..anieren '/ Völker eingestreute Israel Rühe haben wird. Im Gegenthcile, jetzt erst würde die äutoritätslose Menge mit ungeahnter Brutalität Vorgehen, kön- ' neu und auch Vorgehen. Der . alte Ständegroll würde erst "rechtin Raffengroll. Umschlagen, denn der Mensch, "namentlich der Arier, muß etwas Haben, woran er sein Müthchen kühlen kann. Aufwas wir uns gefaßt zu machen haben, zeigt wohl ain besten die'in. Züricher. Nihilistenblattern sich' findende Warnung, keine Juden in die Partei aüfzünehmen, damit man ihnen nach erreichtem Ziele keinen Dank schulden brauche. / Ekrons/ Im Ganzen wohnen in der Colonie mehr als. 90 Personen. Ein Theil der Colonie kam in den Besitz der schon erwähnten Odeffacr Privatgesellschaft/ welche, wie bereits gesagt, dafür ihren früheren Antheil an Jcssud Hamaalah an den Baron abgetreten hat. ' Wir kehren 'nun wieder 'auf die Straße Jaffa-Jerusalem zurück und gelängen nach einigen Stunden zü der / nördlich von' Jaffa' gelegenen größten Colonie Judäas, welche zugleich auch die - erst? de? neu gegründeten Colönieuist: Pethach Thikwah mit der Ncbencolonie Jehud. Der Bo- ' den, ungefähr 1200 Deßjatin, war schon im Jahre 1878 von einigen jerusalemischen Familien gekauft. Diese Erde ist ziemlich fruchtbar, jedoch ist' die- Gegendsumpfig' und' die' 'Ausdünstung ' eine sehr schädliche. Zur" selbcü Zeit kam auch das; Schmitta-Jahr; heran, und damals war noch die' Erlaubniß der' Rabbiiieü zürn ' Bebauen der Felder in diesem Jahre nicht eingetroffen, weswegen die Colonisten Pethach Thikwah verließen . - und sich zurück nach Jerusalem beßäben. Seit dem ''Jahre 1882 </ aber-Png/die, Colonie ' wieder zu -'- blühen an. Viele Familien aus' Bialgstok und Ponewjcsch - (Rußland) kauften einen Theil der Was erreichen , wir alsodadurch, .daß wir uns.-zu Socialdemokraten pur excellence machen? Nichts für uns, aber auch-nichts für. die Menschheit, der.-wir dadurch .nur Gelegenheit bieten, das Unkraut des Judenhasses weiter zu cultiviren. Wir werden den Europäern die Kastanien ans ..dem Feuer holen, .— und dann werden-cs erst 'wilde, ungenießbare Kastanien sein. Darum rufen wir aus fchwersorgcndem Herzen, den Juden und namentlich der jüdischen Jugend zn: Zurück von der gefährlichen. Bahn/ die.Ihr betreten habt oder betretenwollt! S u ch t, n i ch t v.c r g e bliche Rettung in einem fcrndämm e r n d e n W e l t b ü rger t h u 111! Eure Sache muß cs vielmehr sein, das jüdische Volk aus feinem Schlafe zu rütteln, cs stark und einig zu machen,-ihm wieder eine Heimat.. zu geben, -ans ' dessen -geheiligtem Boden neue Jugend schöpfend, "es .sich /und. den Mitiiienschen den Antisemitismus erspart." D a n n s e i d g c t r o ft!. -D a s -s 0 w i.e d e.r.g c b .o r e n e. J-fr ae >. w.i r...d w issen, w a s c 8 h e r ' s 0 c i a l e ji . E.r l ö s.u'n g . d'er M en s ch hesiT-sch u ld i g ist und u ,Zi 0 n .w i r d.d i.e. ,gsit t l ich e L.eh^r e der G.l e-,i ch hei t. a.u s-g.eh en, wie e.i n st.d as .,G o.t t e s wo r t - . der Si t.t l i ch.k c.i t. v o n -ih m-ckus g eg a n'g-en-i si UelM hus- Verhältnis Äe^iön / der; ^uden.^) Von Heinrich Loewe. ^Jn' Deutschland ist' es alltnählig unmöglich geworden,' das? eine größere '-'Vcrsämmlnng vön Vertretern, des' Volkes, welcher' Är? sic auch sei, stättfinden könne, ohne daß damit eine Judcn- *) Diesem Aufsätze liegt ein Vorträg zu Grunde, den Verfasser in einem Vereine jüdischer Hochschüler in Berlin gehalten hat. Diejenigen,- welche diesen-Vortrag hörteii, werden erkennen, wie daiikbar die mannigfachen Anregungen, welche die an denselben sich knüpfende Debatte bot, benützt-worden sind. ■ Der Vers. Erde von den früheren Besitzern und . ließen sich in Palästina nieder. Zur..Beseitigung der! schädlichen Äüsdünsinngen fingen, die, Colonisten..hier Cactusbäuine zu pstanzen an. 'Die.. Colonie begann sich allmählich' zu. vergrößern. Im Jahre 1884 erbaute dcrVerein „ChowaivaZion " in Jehud, .welches.'entfernt von dem die",schädlichen ” Ausdünstungen verbreitenden Flußarm Amlebisch gelegen ist, 16 steinerne/Hauser. Bis zum verfloffenen Jahre erhielten 46 Familien von dem-, selben' Vereine Subsidien, Ackerbaugeräthschaftcn, Vieh, Plantagen ü. fl w. Es würde dafür vom Vereine. viel Geld verausgäbt.' Da die .Colonie ' aus selbständigen Colonisten, aus solchen, welche volles Subsidium und welche nur halbes Subsidiüm bekamen, bestand, so .herrschte' dort bis .'zur Ein-, setzung eines/Mministrators im Jahre 1888 eine fürchtbäre Unordnung. Seitdem über dort. ein? Administrator äuf Kosten des / Barons eingesetzt /wurde, sing" die Colonie / rasche / Fortschritte^ zu machen an. "-Nach',sind nachbegann der „Baron auch/dieser Colonie seine Hilfe zu gewähren,, bis "endlich in diesem Sommer Pethach . Thikwah und .Jehud ganz unter seinen Schutz kamen/ .Jetzt ' befinden sich in der Colonie 400 Personen, 40