Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1890-06-02 · Heft 5 (2.6.1890) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 5 (2.6.1890)
Date
1890-06-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3092672-3092764-3092769--0461-3093416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 7. 9lr; 5. S e l b st - E m a n c i p a t i o n. mir scheint, sind alle diese Vorbereitungen getroffen .worden^ n»l die noch übrigen 22 Ackerbauschüler, welche bis jetzt noch keinen Boden hatten unterzubringcn und als Bauern zu installiren, da eben das 3: -Jahr ' ihrer Lehrzeit in Sichron Jakob abläüst. Es sind wohl einige darunter, die ein aus .Feld und Weingarten bestehendes Grundstück-''ans eigene ' Faust bearbeiten noch nicht befähigt sein dürften, aber auch diese, bleiben, nicht in.ihrem früheren Zustande, denn ' es ', ift eimnak ihre Zeit da, um aus dem Provisorium in das Definitivum zu treten. Möglicherweise wird man einen Unterschied zwischen den Befähigten und minder Befähigten dadurch machen, daß man wenigstens, für das erste Jahr den letzteren zusammen nur e i n Grundstück zuthcilt, welches sie in Gemeinschaft bearbeiten sollen, bis sie sich vervollkommnet und den vollen Beweis ihrer Eignung zum Landmanne erbracht haben werden. Das große Haus in welchem bisher die Schüler gewohnt haben, wird von denselben geräumt werden, wie ich schon mitgetheilt habe; dasselbe ist theils als Scheuer für die Weinernte, theils als Unterkunft für die Mietharbeiter bestimmt. Die letzteren dürften wohl vorläufig kaum zu wirklichen Bauern werden; wie für ihre Zukunft gesorgt werden wird, ivciß ich noch nicht. .Was mich anbclangt/ -so bin ich, bei der Gartenarbeit beschäftigt und beim Gärtner beliebt, sowohll-wegen meiner Aufführung überhaupt, als auch, wegen meiner Leistungen. Als Beweis hiefür gilt mir. der Umstand, daß er mir jede schwierigere Arbeit ohne weiters anvertraut, während er sie anderen nicht zuweist, damit sie 'dieselbe nicht verderben. Dessen ungeachtet bin ich noch im Unklaren, ob auch ich Heuer zum Bauern befördert werde; übrigens gehöre ich zu den Mietharbeitern und nicht zu den Schülern. Am 23. d. M. wurde die Maschine, welche aus Paris geschickt.. imivbc und sowohl zur Errichtung der Dampfmühlc als auch zur Hcraufbcsörderung des Wassers aus dem unterhalb der Colonie gelegenen Brunnen dienen soll, aus Chaifa hieher transportirt. Die Juden trugen hiebei einen Sieg über ihre Nachbarn, die deutschen Ansiedler der Colonie „Karmel" davon. Letztere hatten für den Transport der Maschine '60 Napoleonsd'or verlangt, indem sie, sich brüstend, meinten, daß wir ohne sie dieselbe nicht würden überführen können „Die Juden sind unfähig", sagten ftc.*) Wir aber haben unsere hoffärtigen Nachbarn eines Besseren belehrt und die Dampfmaschine ist bereits an ihrem Bestimmungsorte. Diese Woche wird ihr bereits ein Haus gebaut. Zum Schwuoth-Feste wird der Vertreter des Barons, Herr Scheid, zum zweiten Male hieher kommen und diesmal länger verweilen als im vorigen Jahre. .*) Die Katze läßt das Mausen nicht, und der Deutsche nicht seinen antisemitischen Hochmuth, — selbst im elastischen Lande des Judaismus. Glücklicherweise kann er damit dort keinen Schaden anrichten. Uebrigcns verträgt sich die Geschichte von den seWg Napoleons sehr wenig mit dem Antisemitismus, — denn sie sieht auf ein Haar einer versuchten Exploitation, wie sie sich doch nur für Juden, nicht aber für ritterliche Germanen schicken sollte, ähnlich. Amm d. Jaffa, den 14. Jjar 5650 (Letzte Nachrichten aus Palästina.) Vorige Woche ist Herr S., Grundbesitzer aus Elisabethgrad in Rußland, hcrgekommen. Er besitzt ein großes Capital und will den Boden Palästinas studiren, da er sich hier anzukaufen gedenkt. — Vom Zionsvereine in Dorpat überbrachte eines seiner Mitglieder, welcher gegenwärtig hier ist, einen Brief mit der Bitte, auch für ihn ein passendes Grundstück zu suche». — Der Erfolg betreffs des Landstriches Duran ist erstaunlich. Im Verlaufe von 6 Wochen ist schon der ganze Boden ausverkauft und schon nächste Woche wird die Eintheilung nach Bezirken beginnen. Gebe uns Gott öfters solche Erfolget — Am 14. Jjar ist voin Auslande nach längeremUrlaub der Director der „Alliance-Schule" in Jerusalem Herr Nissim Behar, zurückgekommen. Seine Gesundheit ist ganz hergestellt. — Heute morgens ist Herr Elias Scheid, der Chef-Jnspcctor aller Colonien des bekannten Protectors, hier angekommen. Zu seinem Empfange erschienen alle Vorsteher der Colonien, darunter auch der Director der Colonie Sichron Jakob, Herr Ben Schiinol. Wir wünschen ihm vom Herzen, daß er nach einem Jahre ernsten und allseitigen Studiums der Mängel unserer Colonie das Nichtige treffe, damit ein für alle Male die Colonie auf die feste Basis selbständiger Existenz gestellt werde. Das wäre wohl auch die schönste Freude für unfern theucrn Protector. . Ix. (Lhronik. („Wiener Tagespost.") Unter diesem Titel erscheint hier seit 15. Mai d. I. eine von Spiridion Gop 6evi6 herausgegebene Tageszeitung, welche regierungsfreundlich und nach ihrer eigenen Aussage freisinnig und antisemitisch. Wien hat jetzt drei antisemitische Tagesblätter, das klerikale „Vaterland", das deutsch-nationale „Deutsche Volksblatt" und nunmehr auch die regierungsfreundliche „Wiener Tagespost". (Die Alliance-Schule zu Jerusalem.) Der Director der Schule hat dem Central-Co»nt6 der »Alliance Israelite Universelle« eine Tabelle über die Arbeiten zügestellt, welche im Jahre 1889 in den Werkstätten gefertigt wurden. Wir geben einen Auszug davon: Kesselschmiede. Diese neueingerichtete Werkstatt ist einzig in ihrer Art, nicht nur in Jerusalem, sondern in ganz Palästina. Nirgends findet man so sorgfältig gearbeitete Artikel wie dort. Die Werkstatt zählt 5 Lehrlinge; sie hat 2.150 Kilo Kupfer verbraucht, 400 Kessel, 123 Wannen, 103 Kafferollen, 7 Wärmebehälter, 15 ' Durchschläger, 7 Eimer, 17 Schüsseln, .79 Tablettes, 55 Becher, 3 Kaffeekannen, 2 Lampen, 1 'Samovar und 53 Becken sabricirt. — Tischlerei. Hier arbeiten 30 Lehrlinge. Es gab 1008 Bestellungen. Die hauptsächlich gelieferten Gegenstände sind: 25 Schränke, 59 Thüren, 62 Fenster, 89 Stühle, 34 Bänke, 33 Kästen, 42 Rahmen, 26 Jalousien, 1 Buffet, 8 Waschtische, 39 Kisten. Es würden an 530 Reparaturen gemacht. Von den größeren - in der Werkstatt verfertigten Arbeiten' müssen 5 Dachdeckerarbeiten, die die Lehrlinge gemacht, erwähnt werden. Schneiderwerkstatt. 15 Lehrlinge; 698 Bestellungen, die einen Werth von 3,600 Francs ungefähr vorstellen. Anbei.einige der angefertigten Artikel: 151 vollständige Anzüge, 131 Paletots, 187 Hosen, 24 Westen, 96 Blousen, 8 Ueberzieher, 5 Gehröcke und 50 Mützen. — Schusterwerkstatt. 12 Lehrlinge. 1100 Bestellungen, worunter 4 Paar Herrenstiefeletten, 53 Paar Frauenstiefel, 230 .Paar Schuhe für junge Leute, 97 Paar Hausschuhe und 4 Paar Pantoffeln. ,— S ch mirde. Diese Werkstatt ist die bedeutendste und hat den größten Ertrag geliefert. Die Bestellungen haben für 9000 Frcs. Material verbraucht; es sind angefertigt worden: 12 Betten, 8 Thüren in Eisenblech, 320 Fenstergarnierungen,,: 448 Eharniere, 583 Thürangeln, 8 Treppengeländer, 7 Kochöfen, 2 Oefen, Hacken, Schaufeln, Messer, Hämmer, Eisenstangen K. (Aus Algier.) In den algerischen Städten Guelma, Constantine und Jemappes, namentlich aber in der ersteren Stadt, fanden am 20. Mai d. I. Judenhetzen statt, welche durch Militär unterdrückt werden mußten. Die dortige arabische Bevölkerung, ohnehin wie alle nordafrikanischen Araber berberischer Abkunft zur Unduldsamkeit hinneigend, ist seit dem Beginne der ftanzösischen Herrschaft im Lande den Juden besonders feindselig, weil diese die französischen Bürgerrechte erhielten,, sie, die Einheimischen, aber nicht. Übrigens finden sie im Judenhasse die thatkräftigste Unterstützung seitens der eingewanderten Franzosen, welchen das den Juden verliehene Bürgerrecht ebenfalls ein Dorn im Auge ist und die schon zu einer Zeit die enragirtesten Judenfeinde waren, als . ihre Volksgenossen im Muttcrlande noch durch besonderes Entgegenkommen den Juden gegenüber sich auszeichneten. (Herr Dreyfus>) ein bekannter Radicaler, hat eine Broschüre in die Welt gesetzt, worin er den Franzosen den sofortigen Beginn des Krieges gegen die Deutschen, anräth. Die Broschüre hat ungemeines Aufsehen erregt. Wir hätten keinen Anlaß, darauf zurückzukommen, wenn nicht Herr Dreyfus das Glück und die Ehre hätte, ein Jude zu sein. Vom Geiste des ivahren Judenthums dürfte aber wohl schon wenig in ihm sein, denn sonst hätte er nicht so unsagbar leichtsinnig einen Krieg anrathen können, dessen traurige Folgen für den Fortschritt der Menschheit unabsehbar sind und der ein Weltbrand ohnegleichen würde. Das ist nicht der Geist der Profeten, welche den Frieden als das höchste Ideal verehren, bas; ist vielmehr der Geist der Kriegslüsternheit europäischer Revancheparteien. Es thut weh, große deutsche und-französische Männer für die Sache des. Friedens eintreteu, dagegen einen Juden den Krieg zwischen den zwei großen Culturnationen schüren zu sehen. (Rumänisch.) Wir lesen im „Israelit und Jeschurun": Jüngst brach in dem Grenzorte Burduscheni eine Feuersbrunft aus, welche bei dem starken Winde 100 meistens jüdische Häuser bis auf den Grund einäscherte. 200 jüdische Familien sind obdachlos und kampiren unter freiem Himmel. Die israelitische Gemeinde-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.