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Selbst-Emancipation · 1890-06-02 · Heft 5 (2.6.1890) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 5 (2.6.1890)
Date
1890-06-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 5. Kunst, die im Mittelalter-,Juden unter ihren ersten Größen zählte. Wo auch immer der spanische Jude sich aufhielt, nannte er sich einen Spanier und machte er für' Spanien Propaganda und mehr als einmal mußten die Juden in der Bcrbcrei den Haß tragen, den die Theilnahme ihrer spanischen Brüder im Kampfe gegen den Islam bei den Arabern wachrief. Wie dankten die christlichen Spanier ihren jüdischen Landsleuten diese aufopfernde Theilnahme an allen nationalen Bestrebungen? Als die Macht der Araber zu Ende ging, da waren auch die Juden nicht mehr nöthig oder schienen es wenigstens nicht zu sein, da stng man an ste zu beschränken, in Ghettos cinzusperren und schließlich sic zur Taufe zu zwingen oder auszuweisen. Als das letzte Araberreich auf der spanischen Halbinsel siel, da wurden auch die Juden ausgewiesen und als der letzte Aufstand der Moriskos, der getauften Araber, niedergeworfen war, da wurden auch die Reste der Marannen, der getauften Juden, so viele ihrer die Inquisition noch übrig gelassen, zur Flucht gezwungen. Dem spanischen Juden half auch das Taufen seiner Kinder nicht, wie es heute so modern wird, diese Kinder blieben noch in der sechsten Generation Judenchristen, noch immer waren sie der Inquisition preisgegeben und zweihundert Jahre lang blieben noch der getaufte Jude und seine Kinder die Parias der pyrenäischen Halbinsel, Das war der Dan k der Spanier. Und wenn wir ein Beispiel aus der Neuzeit nehmen wollen, welches läge näher, als das Verhältniß der Juden und der Deutschen. Überall hin nach Frankreich und England, nach Amerika und Ausstralien, nach Rußland und Polen, nach Holland und Schiveden hat der deutsche Jude deutsche Sprache getragen und die härtesten Anfeindungen deßhalb ausgehaltcn. Wo die Deutschen selbst längst in der fremden Natioden" größten Theil seiner Einkünfte' auf die Colonie Phctach Thikwah verwenden, deren Colonisten zahlreiche Familien zu ernähren hatten. Außerdem wollte der Verkäufer der Colonie einen Theil der.verkauften Erde den Colonistcn streitig machen, so daß ein Proceß eingeleitet werden mußte, welcher ein ganzes Jahr dauerte und selbstverständlich viel Geld verschlang, was auch ausschließlich auf Kosten des Vereines geschah. Ferner fiel dem Vereine die schwere Aufgabe zu, von der Negierung die Erlaubnis; zum Erbauen von Wohnhäusern in den übrigen Colonien zu erlangen. Und so kam cs, daß der Verein erst in den letzten zwei Jahren für die Colonie Gedcrah zu sorgen angefangen hat. — Da der Verein in Folge seiner erschöpften Kräfte selbst jetzt nicht die ganze nöthige Summe den Colonisten mit einem Male herzugeben im Stande war, vielmehr ihnen nur allmählich in kleineren Beträgen Unterstützung gewährte, so kostete und kostet alles noch jetzt die Colonisten bedeutend theuerer, und sie haben bei aller Hilfe von Seiten des Vereines doch noch mit Entbehrungen zu kämpfen. — Der jetzige Zustand der Colonie ist im Allgemeinen - folgender: Für die Colonisten der Chowawc-Zion sind 3 steinerne und 15 hölzerne Häuser erbaut, S e l b st - E man cipat i o n.. nalität aufgcgangcn sind, hat der Jude noch sein Deutsch bewahrt. Das deutsche Volk aber steht zum Dank, dafür in der ersten Reihe der Hetzer und von ihm rührt die .Wiederbelebung des Judenhasses her. — Das ist der Dank der Deutschen. Wieder wirbt ein Volk um uns; die Czcchen bemühen, sich, dic^Juden Böhmensünd. Mährens zu politischer Gefolgschaft" zu gewinnen,' ste versprechen dafür in Böhmen den Antisemitismus nicht aufkommen zu lasten; gehen aber die Juden auf den Wunsch der Czcchen nicht ein, so drohen sie Antisemiten -zu werden. Man nennt -die .Geschichte .die Lehrmeisterin der Völker, möchten doch unsere Brüder auch einmal aus der Geschichte lernen; nur so lange sie von den Czcchen gebraucht werden, werden diese um sie; wenn sie einmal von den Juden in der Politik wenig , oder keinen Nutzen - haben werden, dann werden .sie ebenso Antisemiten wie die Deutschen. .— Das. wird d er Dank d er C z e ch en s ein.. . Möchten doch unsere Brüder cinschen lernen, daß es gilt Juden, und, was Oesterreich spcciell : betrifft, nicht Deutsche oder Czcchen mosaischen Glaubens zu sein, sondern österreichische Staatsbürger jüdischen Stammes; inögcn sie deßhalb ihre Schulen nicht zu Tummelplätzen der czechischen oder deutschen Agitation machen, sondern sie vor allem zu jüdischen Schulen cinrichten. Nur wenn die Juden auch voll und ganz Juden sein werden, dann werde n .die ü b.r i g c n V ö l k c r, > sie achten; den feigen Nachahmer fremder Sitten, aber trifft nur Spott und Verachtung. . J. S. Korrespondenzen. Wien, den 18. Mai 1890. Gestern fand der vom akad. Vereine „Kadimah" anläßlich des ebenso eine' Synagoge; es sind mehr als 100.000 Pflanzen -der verschiedensten Art, vornehmlich aber Weinstöcke gepflanzt, wobei aber zu bemerken ist, daß in Folge der beschränkten Mittel nur der dritte Theil der Erde zum Weinbaue, der Rest des Landes aber zum Getreidebau verwendet wird, wiewohl der Boden sich dazu wenig eignet und noch außerdem von den früheren Besitzern desselben sehr vernachlässigt wurde.— Die selbstständigen Colonisten beschäftigen sich mit dem Weinbau in weit größerem Maaße. — Unlängst würde auch in Gederah ein Brunnen auf Kosten des Barons gegraben und ihm zu Ehren B'er Benjamin (Brunnen des Benjainin) benannt.- Dieser Brunnen kostete 7000 Francs. Der Baron erwies-den Colonisten damit eine ungemein große Wohlthat, da die Letzteren früher sehr viel unter dem Mangel an reinem, gutem Master zu leiden hatten; es entstanden dadurch sogar verschiedene Krankheiten. Ferner kaufte der Verein „Chowawc-Zion" den Colonisten die uöthigen Ackerbaugeräthschaften und etwas Vieh und gibt ihnen außerdem monatliche Subsidien. Als Administrator dieser Colonie fungirt der bekannte Herr Jechiel Michael Pines, -welcher sein Honorar ebenfalls vom - Vereine bezieht. Es wohnen Beginnes seines' XVI. Semesters veranstaltete Gesclligkeitsabend statt. und nahm einen höchst würdigen Verlauft Die große Anzahl der namentlich Stndentcnkreisen angchörigen Gäste bewies, welcher Sympathien sich der Verein - durch sein mannhaftes und zielbewusstes Eintreten für die jüdisch-nationale Sache in Wien erfreut. Hervorgchoben werden sollen hier nur die auswärtigen Gäste, Herr Dr. Med. Sack vom Vereine „Zionsfrcundc" in Moskau und Herr - stud. Igel, Delegirter der Czernowitzer Kadimahncr. Die Mitglieder des Vereines waren mit ihren in Wien weilenden „alten Herren" Jur. Dr. N. Birnbaum, Med. Dr. M. T. Schnirer, Ingenieur A. Fischler, Ingenieur A. Sauberbcrg und Med. Dr.. Kroo vollzählig erschienen.' Nach einer herzlichen Begrüßung der erschienenen Gäste durch, den Vereinpräses Herrn Med. Drd. O. Hönich hielt Herr Dr. N. Birnbaum einen Vortrag über „Die Mission des Judcnthums einst und jetzt", welcher mit stürmischem Applausc aufgenommen wurdet). — In schwungvoller und formvollendeter Rede eröffncte hierauf das Vereinsmitglied Herr Caud. med. Werner den Neigen der Toaste, indem , er der Freude, seiner Commilitonen über das Erscheinen so zahlreicher Gäste Ausdruck gebend, sein Glas auf deren und der anivesenden alten Herren der „Kadimah" Wohl leerte. Im Namen der alten Herren dankte Herr Dr. Schniercr und sprach den jetzigen Vereinsmitglicdern seine Anerkennung aus, daß sie ungeachtet aller Anfeindungen und trotz der geringen Unterstützung, welche ihnen zu Theil wird, den Verein aus so kleinen Anfängen zu einer so Achtung gebietenden und zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden .Stellung emporgeÜracht haben. Hierauf verwies der Redner auf die ungeheueren Erfolge, welche die russischen Gcsinnungsgenosten erzielt haben *) Diesen Vortrag bringen wir in einer der nächsten Nuinuicrii. b. Red. jetzt in der Colonie über 50 Personen. .Gegenwärtig fehlt. es den Colonistcn von Gederah noch . an größeren Theilen Landes, ohne welche diese Colonie schwerlich jemals selbständig und völlig unabhängig werden kann. Das scheint der Verein „Chawawe Zion" auch eingesehen zu haben, denn cs erliegt bereits in der Centralcassc desselben eine Suiiime von 18.000 Francs zum Ankäufe neuen Grundes für die Colonie int Ausmaß von 280 Dcßjatin zwischen Ekron,. Gederah und Kastinia. Wenn dieser Kauf definitiv abgeschlossen werden wird, so werden alle diese . 3 Colonien zu einer großen Colonie verschmelzen. — Auch begann der Verein schon mit dem Erbauen von Stallungen k. in Gederah, wofür , die Kosten . mit 4000 Francs veranschlagt wurden. . Die Colonistcn Gederah's sind durchwegs junge, intelligente Leute, und ertrugen stoisch ihre fünfjährigen harten Leiden. (Schluß folgt.) D r u ck f e h l e r b e r i ch t i g u n z. In der vorigen Nummer heißt es am Schlüsse der Besprechung der Colonie Rischon le Zion: „Bcmerkcnswerth sind die raschen Fortschritte, welche die Colonisten, besonders aber deren Kinder beiderlei Geschlechtes, in dieser kurzen Zeit .gemacht haben." Eine.rein unnöthige Bemerkung nach der vorausgchcnden Beschreibung des blühenden Zustandes dieser schönsten aller Colonien. Das Räthsel klärt sich durch die Nachtragung der nach dem Worte „Fortschritte" ausgelassenen Wörter „in der Benützung des Hebräischen als Umgangssprache" auf." Die Sieb.

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