Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 5 (2.6.1890)
- Date
- 1890-06-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5. Selbst-E m an cip a ti o n. Seite 3. helfen und sie national-politisch ein e nun d s ch ü tz e n, s i e a u ch s i t t l i ch er fri s ch e n s o l l. Diese sittliche Verjüngung soll einerseits ans den menschlichen Character gerade und ehrlich erhaltenden Beschäftigung mit dem Ackerbau hervorgehen und andererseits ans dem neuhergestellten Zusammenhänge mit dem Lande, auf dessen Israels ernstem Naturell so sehr angepaßtem Boden sich die geistigen und sittlichen Großthaten unserer Ahnen abgespielt haben. Palästina, das der modernen Civilisation so nahe ist, und doch so entlegen von den Tummelplätzen ihrer materialistischen Entartung, — Palästina mit seinem für uns so erinnerungsreichen, geheiligten' Boden, — Palästina mit seinen gottgesegneten, nur aus Mangel an Cultur und Bewohnern verödeten Fluren, — ist das einzige Land, ans dem unsere sittliche Wiedergeburt vor sich gehen kann und wird. — Nur dieses schöne Land unserer Ahnen kann der Jungbrunnen werden, aus dem unser exilgealtertes Volk sich neue Jugend holen soll; er wird Strahlen sittlicher Erfrischung überall hin, wo Söhne rinseres Stammes wohnen, aussenden. Veredelnd und bessernd wird dieser Jordanthau auf alle Jsraelskinder herniederrieseln. Wir werden wieder ein Volk mit Mannigfaltigkeit der Berufe iverden, — stramme gradsinnige Bauern und ehrliche, reelle Handelsleute. Unsere Schlauheit wird vielleicht schwinden, — um so besser — unser welterlösendcr genialer jüdischer Geist wird aber leuchten, siegreich und mächtig und uneingeengt in wirkliche oder moralische Ghettos. — SBordii die Assimilation durch ihre edelsten und unedelsten Kämpen vergeblich sich ab gemüht hat, das wird der Verwirklichung der nationalen Zionsidee gelingen: Sie wird die ge b ückte Ha ltu ng d es Iuden z u st o I z c r S t a t t l i ch k c i t e m p o r r i ch t e n; sie wird den Fluch der Lächerlichkeit können; zum klebrigen berief der Baron, entrüstet über die Hartnäckigkeit der Colonisten in der Schmitta-Frage, seinen Arzt, Apotheker, Administrator, Schächter u. s. w. von dort ab. — In der Folge aber ist alles wieder in die alte Ordnung gekommen. Der Baron überzeugte sich endlich, daß das einmal Geschehene nicht wieder gut gemacht werden könne; das Schmitta-Jahr war indessen vorübergegangen, und so entschloß er sich, diese Colonie wieder in seinen Schutz zu nehmen. Bei der Gründung der Colonie wurden für 16 Familien, bestehend aus 145 Personen, im Ganzen 246 Deßjatin Landes angekauft; im vorigen Jahre aber (1888) sind für dieselben Colonisten noch ungefähr 180 Deßjatin in der Umgebung Ekrons gekauft worden, da viele junge Colonisten sich unterdessen Familien gründeten und man ihnen also selbstständige Wirthschaften geben mußte. Die ganze Colonie mit ihrer Erweiterung ist ganz eben gelegen. Im Mittelpunkte der Felder befindet sich die Anstedlung, welche aus 6 großen zweistöckigen Häusern besteht. 4 dieser Häuser enthalten 16 Wohnungen für die Colonisten, eines dient zur Synagoge und Schule und in einem ist die Administration untergebracht. — An von uns nehmen, sie wird uns die Ritterlichkeit und den Anstand eines freien Volkes verleihen und uns aus dem Sittenelend unseres jetzigen Krämcrthums befreien. B. Der Dank der Volker. Ein zeitgemäßer, geschichtlicher Rückblick. Eine Stammeseigenthümlichkeit der Juden ist seit den ältesten Zeiten die Leichtigkeit gewesen, mit der sie sich fremden Völkern äußerlich anpaßten, und diese Fähigkeit hat im Laufe der jüdischen Geschichte alle ihre Vorzüge und Nachtheile sehr oft gezeigt. Während andere Völker sich entiveder gar nicht anzupassen wußten, oder in dem Mustervolke untergingen, haben die Juden die Nacheiferung der fremden Nationen, nrit denen zusammenzuleben ihr Geschick sie zwang, zwar recht weit betrieben, aber noch nie war es trotz aller Anstrengung von beiden Seiten möglich, eine Verschmelzung herbeiznführen. Aber noch eine weitere Lehre bietet uns die Geschichte; sie zeigt uns, daß, wenn die Juden den „Wirthsvölkern", wie der moderne Ausdruck lautet, noch so nützlich waren, wenn sie noch so sehr bestrebt waren, alle Tugenden und Untugenden derselben zu copiren, immer wieder der Tag kam, wo diese Wirthsvölker die Pflicht der Dankbarkeit und Gastlichkeit vergaßen und die Hetze gegen Israel begannen. Wir wollen aus der Fülle der Geschichte nur einige Beispiele herausgreifen. Als Alexander der Große siegreich in Asien einbrach, führte er in die neugegründeteil griechischen Städte auch jüdische Ansiedler, ,vcil ihm dieselben die Anhänglichkeit der Städte mehr verbürgten, als die einheimischen besiegten Stämme. Dieselbe Politik befolgten seine Nachfolger; überall, ivo sich die einheimische Bevölkerung gegen die griechisch-mazedonische Herrschaft erhob, wurjedes dieser Gebäuden stoßen Gemüsegärten, Stallungen rc. an. Ebenso befindet sich in der Colonie ein Brunnen und ein Badehaus. Fremde Taglöhner gibt es in Ekron nicht, weil die Familien der Colonisten zumeist zahlreich sind und jedes Mitglied der Familie irgend welche Arbeit verrichtet, die Frauen und Kinder nicht ausgenonimen. Bis vor Kurzem wurden die Felder mit Cactusbäumen umzäumt, deren Aeste mit stechenden Nadeln ganz bedeckt sind. In Folge der ebenen Bodenbeschaffenheit aber zerstreuten die häufigen Winde diese Nadeln über die ganze Colonie, wodurch die Colonisten sehr häufig an Augenschmerzen erkrankten. Jetzt werden diese Zäune nach und nach abgebrochen und durch . andere Bäume ersetzt. Wir kommen jetzt zur Besprechung der Colonie „Gederah". Dieselbe liegt 5 Stunden von Jaffa entfernt, südöstlich von Rischon le Zion und westlich von Ekron. Sie umfaßt einen Flächeninhalt von 280 Deßjatin; zwei Drittel des Bodens ist eben und ein Drittel gebirgig. Die Ansiedlung befindet sich auf einer Anhöhe, von wo man die Häuser in Ekron und die höheren Gebäude von Rischon le Zion sehen kann. Die Colonie den nach Niederwerfung des Aufstandes Jude., angesiedelt, die den Eingeborenen gegenüber als Griechen galten und zu den Griechen hielten. Aber als zwei Jahrhunderte die griechische Herrschaft befestigt hatten und man glaubte, die Juden nicht mehr nöthig zu haben, da änderte sich die Scene. Jetzt half es den Juden in Alexandrien, in Kleinasien und Syrien nicht, daß sie zu Griechen geworden rvaren, daß sie ihre hebräische Muttersprache verlernt hatten und nur griechisch sprachen, daß sie um des Griechenthums willen den Haß der Bevölkerung auf sich geladen hatten; sie wurden gedemüthigt, verloren das Bürgerrecht und wurden beschränkt. Es wä^e ihnen wohl noch schlimmer gegangen, wenn nicht der Heldenmuth der Maccabäer wenigstens einen politischen Mittelpunkt der Judenheit in Palästina gerettet hätte, dessen achtunggebietende, äußere Macht die Juden des Auslandes vor den äußersten Brutalitäten schützte.— Das war der Dank der Griechen! Die Zerstreuung der Juden hatte zahlreiche Familien nach Spanien geführt; durch die arabische Eroberung wurden die Juden von ihren westgothischen Bedrückern frei und nahmen Theil an der Culturblüthe des Landes. Aber zugleich mit der Blüthe der arabischen Cultur ging der Verfall der politischen Macht in dem Arabcrreiche Spaniens. Aufsteigender mohammedanischer Fanatismus trieb die Juden in die von neuem sich erhebenden christlichen Reiche und sie trugen die höchste Cultur hieher, die das Mittelalter hervorgebracht. Sie kämpften für die christlichen Staaten gegen die Mohammedaner zu vielen Tausenden; so zahlreich war die Zahl der jüdischen Krieger in den christlichen Heeren, daß der kastilische König Waffenruhe nicht blos für Sonntag, sondern auch für Samstag der Juden halber schloß. Drirch die jüdischen Ansiedler gediehen Handel und Gewerbe und sic gründeten und pflegten die spanische Industrie, wie die spanische Poesie und „Gederah" ist im Jahre 1884 von Herrn Pines gekauft und in 25 Theile eingetheilt worden, von denen 16 V, in den Besitz des Vereines Chowawe-Zion und der Rest in Privatbesitz kamen. Am Chanukades Jahres 1884 siedelten sich hier 16 junge Leute aus dem bekannten Verbände „Bilu"*) an, welche früher in Rischon le Zion als Taglöhner arbeiteten, um hier selbstständig Colonisten zu iverden. Da sie aber keinen Groschen Geld hatten und selbst das zur Aussaat nöthige Getreide sowie Ackerbaugeräthschaften sich nicht verschaffen konnten, da sie ferner in der Colonie keinen Brunnen vorfanden und weder Vieh zum Pflügen noch Häuser zum Wohnen besaßen, so hatten sie selbstverständlich mit furchtbaren Leiden zu kämpfen. Der Verein „Chowawe Zion" konnte sie damals auch nicht mit allem Nothwendigen versorgen, denn abgesehen davon, daß dazu eine das Vermögen des Vereines iveit übertreffende Summe Geldes gehört hätte, .mußte dieser noch *) Eine Abkürzung für „8etb Jakob l'chu w’nelcha“, b. h. „Haus Jakob, komm', wir wollen gehen". Bekanntlich ist dieser Verein während der ersten Judenhetzen in Rußland von Studenten an der Universität Charkow und anderen Hochschulen gegründet worden.