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Selbst-Emancipation · 1890-05-16 · Heft 4 (16.5.1890) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 4 (16.5.1890)
Date
1890-05-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. S e l b st - E m a n c i p a t i o n. Nr. 4: nicht tnöglich sein, während jährlich auf alle möglichen schivindelhasten Reclamen hin Unsummen verschwendet werden, wenige lausend Franken jährlich zusammen zu bringen, um einen jüdischen Armenarzt, einen Freund seines Volkes anzustellcn, der jenes frevelhafte Treiben der Missionen an der Wurzel abschneiden könnte? . Der Verein „Leinaan Zion" in Jerusalem, der dazuam berufensten wäre, wird sich selbstverständlich auch in diesem Falle seiner Pflicht nicht entziehen, leider reichen aber seine Mittel, zumal da sie nach vielen anderen Richtungen bereits stark in' Anspruch genommen sind, nicht im Entferntesten aus, um die Anstellung eines Armenarztes zu ermöglichen. Rabbiner I. Hildesheimer in Berlin wendet sich mit . der Bitte um Bewilligung von Jahresbeiträgen an', die. wohlhabenden. Stammesgcnoffcn und .stellt'sich selbst mit 50 Mark, an die Spitze. Cs sind auch bereits einige namhafte Jahresbeiträge zugcsagtworden. . Literarisches. Studie« zur Geschichte Galiläas von Armand Kaminkä, Dr. Phil., Berlin 1890 (Verlag von Hermann Engel). An Umfang ein Werkchen, an. Inhalt . ein Werk. Mit staunenswerther Präcision wird nachgewiesen, daß' der Norden Palästinas, Galiläa, in der Zeit des zweiten Tempels eine den Juden ethnisch, und religiös freinde Bevölkerung hatte, welche gegenüber dem nationalen Freiheitskampfe mit den Römern völlig kühl sich verhielt, nnd daß die „Unreinheitserklärung" von Tibcriasj 'der'Hauptstadt^ Galiläas auf nichts anderes. zurückzüführen ist, als auf den Versuch der jüdischen Behörden, „die-Zersetzung und. Ueberfiutung Judäas durch fremdländische Volksstämme und Religionen) andererseits die vollständige Zersprengung; und Auswanderung der Judäer zu verhindern." Es wird dann , auf die anschaulichste Weise der Umschwung geschildert, wonach es ein Jahrhundert nach dein. Untergang des jüdischen Staates in Südpalästina und Jerusalem still und öde geworden ist, während das früher unjüdische heidnische Galiläa und Liberias zum Mittelpunkt allen jüdischen, freilich jetzt ganz der Religion gewidmeten Lebens geworden sind. Hiebei wird die Persönlichkeit des Simon ben Jochai geradezu plastisch characterisirt. „Finster, streng und verschlossen, aber ebenso thatkrästig üitd dem Ziele ergeben, besitzt Simon ben Jochai im hohen Grade jenes Selbstbewußtsein, das aus die Mäniter, die eine neue Aera zu stiften berufen, zu allen Zeiten und bei allen Völkern erziehend und leitend gewirkt hat." — Der Verfasser schließt mit einer allgemeinen Betrachtung darüber, wieso cs kam, daß das geschlossene Judenthum der galiläischen Weltreligion gegenüber „in die Rolle einer freiwilligen oder unfreiwilligen Abdankung in Bezug auf die Welteultur und die Entwicklung der Menschheit versank". Daraus gibt er eine „aus dem Streben der besten Männer, die am Wendepunkt israelitischen Geschickes gelebt", 'erhaltene Antwort: „Der RabbinisrNus ist'unbedingt an Palästina, den physischen Staat uud die weltliche Herrschaft gebuitden. Es konnten wohl schwärmerische Geister n i ch t j u d a i s ch c r Abstammung, ein Paulus aus Tarsos- und andere, ihr h c i d n i s ch e s Volk preisgebcn, uin die Ideen, die sie in Jerusalem gesammelt, von ihren berufenen Trägern losgelöst, den Bürgern des Weltreichs zu verkünden und ihnen von Gerechtigkeit, und Gnade, Schuld und Sühne zu predigen. Der judäische Stamm ■ aber erwartete eine messianische Erhebung nicht blos einer Persönlichkeit, und am wenigsten einer fremden, sondern' gleichzeitig seiner Volksindividualität, da sein Bestehen als auserwähltes Volk sein einziges Dogma und das Grundprincip seiner Autoritäts- oder Osfenbarungslehre ist. Konnte er aus Mangel an physischer Macht nicht weiter daran denken, sich zu erheben, zu siegen, so blieb als einzige, wichtigste Aufgabe: sich zu erhalten, in seiner, ewigen Unauflösbarkeit zu' bewahren, f ü r sich, wenn nicht an der Seite und über den Völkern zu bestehen und die Erwar-. tung wach zu erhalten, daß das Heil der Menschheit von Zion und Jerusalem und aus judäischem Blute hervorgehen müsse. Es ist als Decadenz und Weg zur Selbstvernichtung anzusehen", bemerkt hiezu der Verfasser, „wenn, unter dem Einslusse fremder Erziehung, ein Theil der Rabbinen der-Neuzeit es versucht hat, sich über diese seine (des Rabbinisinus) - wichtigste Tendenz hinwcgzutäuschen, oder sich von ihr durch gutmütige Illusionen loszulösen:" — Dr. Kaminka kann zu seinem Buche nur bcglückivünscht - werden; er möge sichbeeilen, demselben einen würdigen Nachfolger zu geben. ' - Jerusalem, Jahrbuch zur Beförderung einer wissenschaftlich genauen Kenntniß des jctztigen und des alten Palästina- Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachmännem im heiligen Lande und außerhalb desselben von A. M. Luncz. III. Jahrgang 5649 (1889). Jerusalem 1889. Druck und Verlag des Herausgebers. — Der uns vorliegende 3. Jahrgang ist den zwei bereits erschienenen an Fülle, Mannigfaltigkeit und Gediegenheit des-Inhaltes mindestens gleichwertig. Jeder, der in die jetztigen Culturverhältniffe Palästinas einen klaren Einblick gewinnen und zugleich interessante, von den anerkanntesten Federn geschriebenen Aussätze, Geschichte und Geographie Palästinas betreffend, von bleibenden:, wisfenschaftlichem Werte, lesen will, versäume ja nicht dieses doppelsprachig, hebräisch und deutsch, erscheinende Jahrbuch, welches 349 Seiten umfaßt, sich anzuschaffen.'— Unter den vielen Arbeiten des Werkes heben wir besonders hervor: 1. Die hebräischen: Geschichte der Juden in Palästina. Abschnitt II. Von der Verbannung aus Spanien 5252 (1492) bis zur Absetzung des Statthalters Iben Paruch 5388 (1628). Vom Herausgeber. — Sodom und Amora, deren Lage nach biblischen und talinudischen Quellen von M. Friedman», Lcctor in Wien. — Die' sanitären Verhältnisse der jüdischen- Colönien in der Umgebung von Jaffa. Bon Dr. Jsak d'Arbela, früher Colonien-Chefarzt,. jetzt Direktor des Rothschildspitals in Jerusalem. — Handschriften von Dr. D. Kauffmann in Budapest. — Die Flora Palästinas. Von dem'Kolonisten M. Meirowitz. 2. Die'deutschen: Culturhistörischc Studien über das heilige Land, von Baurath C. Schick. — Der Oelbaum, von PH.- Laldcnspcrger. — Zur Fauna Palästinas,- von Dr. S. Lcwysohn. —^ Neue -archäologische-Entdeckungen in Jerusalem in den letzten zwei Jahren, von Baurath C. Schick. - Jerusalem und Caesarea. Ein historisches Essay mit besonderer Rücksicht auf-die Bedeutung Caesareas für Judenthuin und Christenthum von Dr. Adolf R o s c n zweig, Berlin, Mayer u. Müller 1890. — Der Verfasser weist mit vielem Geschick auf die Gegensätzlichkeit der beiden Städte und die aus ihr hervorgehende Gehässigkeit' zwischen denselben hin; - die - eine im Süden, die andere im Norden Palästinas gelegen, repräsentiren sie Judenthum und Heidenthum, dann Judenthuin und Christenthuni, und' schließlich innerhalb des-letzteren verschiedene Parteien. Es ist natürlich,- daß sichder Verfasser bei dem ersterwähnten und schärfsten Gegensätze' am längsten aufhält. Hübsch sind schon die einleitenden Worte der gediegenen wissenschaftlichen Schrift: „Auf Gegensätzen baut sich das Leben in der Natur auf; Gegensätze sind es, durch die das Menschenleben besteht und sich erhält, Gegensätze sind die treibenden Kräfte in den Kämpfen und Siegen der Geschichte. Sommer und Winter, Wachsen und Welken, Lust und' Schmerz, Liebe und Haß, Licht und Dunkel, Kultur - undrohe' Geivalt, Sem und Japhet, sie sind es/ die die Blätter der Natur- und Weltgeschichte füllen!" Warme Töne, für die ihm innigst 'zu danken ist, findet der Verfasser, sowie "er auf -Jerusalem zu sprechen kommt: „Auf Zion hatte David seine Burg gebaut, ein Adlernest auf felsiger Höhe. Und felsig wie der Boden, auf dem -die Stadt' sich erhob, mar auch ihre Treue. ^Keine Stadt auf Erden hat so innigen Antheil genommen an dem Geschicke ihres Volkes, wie Jerusalem.- Als Jungfrau jubelte die Stadt in wonnigen Tagen jungen Heldenthums, als Weib wahrte sie Treue in schwerer Zeit bitteren Ernstes, und als Wittwe hüllte sic sich in ihr Wittwenkleid und weinte unversiegbare Thränen um das Geschick-des Gemahls ihrer Jugend." Der Gegensatz zwischen diesem so gepriesenen Jerusalem und Caesarea wird an einer Stelle des Buches.treffend in die Worte gefaßt: „Jerusalems Bestimmung war eS, zu verbinden die Getrennten; Caesarea aber sollte trennen die Verbundenen. In Jerusalem erinnerte Alles an den Einen, dem die Davidsharfe sang, dessen Wort die Profeten kündeten; nur" die Noth hatte hier den Krieg zur Tugend gemacht, der Name aber (Ir schalom — Fricdensstadt) und das Ideal, das hier in den Geistern lebte,' kündete den Frieden als höchstes Postulat und höchste Errungenschaft der ringenden und geeinigten Menschheit;'in Caesarea'hingegen erinnerte Alles an das wahnwitzige Caesarenthum, das Menschenhaß und Wahnsinn in sich verkörperte, an jenes Rom, das den- Völkern mit der Freiheit auch den Adel des Sclbstbcwußtseins genommen, an jenes Rom, dem die Völker zujubelten, wenn sie von ihm getreten wurden." Wir glaubten diese wenigen Stellen wegen der Schönheit ihrer Form und Gedanken bringen zu müssen.' - ' .

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